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Der Israelit · 1930-05-30 · Heft 22 (30.5.1930) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 22 (30.5.1930)
Date
1930-05-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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30. Mai 1930 Der Israelit Nr. 22 Seite 3 üUte Vorbilder und Nachbeter zugleich. Der „gute Wirth", der das alles wohl weiß und sich noch dazu vorzuwerseu hat, durch eine laxe Politik die straffe Linie Severings gelockert zu haben, will den Staatsgerichtshof anrufen.- Als ob es einer Entscheidung des höchsten Gerichtshofes dafür bedürfte, daß Fluch- und Haßworte keine Gebete find; als ob es ferner eines gerichtlichen Befundes bedarf, um den Tiefstand einer Kultur zu bemessen, die kleinie unschuldige Kinder in der Schule statt beten, lästern und verdammen läßt! Frick selbst hat in der auf die Berliner Ausjchußberatung folgenden L a n d t a g s Verhandlung in Weimar eine recht traurige Figur abgegeben. Der Mann, der, indes Millionen, darunter zehntausend e Juden, an der Front verbluteten, auf einem Posten weit vom Schuh in der Etappe seinen Patriotismus betätigt hatte i damit nicht die edle Rasse ausstirbt, sagte ein kommunistischer Redner), dieser Mann bleibt auch in der Politik der-D r ü ck e b e r g e r, der im entscheidenden Momente auszukneisen sucht. Entgegen seiner ausdrücklichen öffentlichen Erklärung, daß mit den- „landfremden Elementen" die Juden gemeint feien, will er jetzt das Wort in andrerem Sinne interpretieren, oder erweitern. Hinterher geht ihm aber doch der Gaul durch und er verleumdet die Juden als „landfremde schädliche Elemente" und die Reichsregierung als Sachwalter einer Revolution, die „den größten Verrat in der Weltgeschichte davstelle". Ihm sekundiert tapfer ein zum Referent^ im thüringischen Volksministerium erhobener Volksschullehrer. Frick zeigt mit dieser Methode, ab- und zuzugeben, die personifizierte haßverzerrte, verworrene, aller Vernunft und Logik hohnsprechende nationalsozialistische Ideologie. Es kommt gar nicht mehr so sehr darauf an, ob die blasphemischen Gebete in den Schulen gebetet werden oder nicht, und auch nicht darauf, was der Staatsgerichtshof dazu sagt. Die bloße Möglichkeit einer Diskussion über solche Dinge ist ein so niederschmetternder Schlag für Deutschland, eine so sichtbare Krönung der Schmach des Jahrhunderts, daß alle Geistigen und Denkenden endlich erwachen sollten. Was geht wieder in Rumönien vor? Böse Nachrichten kommen Tag für Tag aus Rumänien. Nach einigem Abflauen der Hetzbewegung erhob sich eine neue Sturzwelle des Judenhasses und trug den bekannten Antisemitenhäuptling Prof. C u z a, wieder an die Oberfläche und — ins Parlament hinein, das eine Zeitlang zum Segen des Landes seiner Mitarbeit entbehren mußte. Dieser Erfolg wurde von dem Pöbel im Studentenfrack wie im Arbeiterrock in Jassy gleich zu Anfang mit Judenkrawall e n gefeiert. Die Reichshaupt st a dt kann nicht zurückstehen. Indes sich im Zentrum vor; Bukarest die Polizei mit Verkäufern von linksstehenden Blättern herumfchlug, überfielen die sogen. Cuza-Studenten friedliche jüdische Passanten und mißhandelten mit Vorliebe Greise und Wehrlose. Die Welle fegt auch durch die Provinz. Schlimm tobte die Meute in der Stadt Targu-Frumos, wo mehrere jüdische Männer und Frauen schwer verletzt und jüdische Geschäftslokale in Masten ausgeplündert sind. Da die Polizei keinen Finger rührte, griffen die Juden zur Selbsthilfe; mit dem Erfolge, daß 83 Juden verhaftet wurden, von denen jetzt noch sieben angesehene jüdische Bürger im Gefängnis zu Jassy schmachten. Aehnliche Vorgänge spielten sich in der Ortschaft B a l tz i ab. Dort wurde auch der jüdische F r i e fr h o f total verwüstet. Was sagt die Regierung, was sagt die Kammer dazu? > Der Ministerpräsident M a n j u und der Innenminister V a i d a sind durch Proteste und Interventionen von jüdischer Seite bestens eingeweiht, In der K a m m e r f i tz u n g vom 18. Mai wiesen jüdische Abgeordnete auf die Schmach der rumänischen Nation hin. Als Antwort kam ein neuer Angriff C u z a s auf die jüdische Religion und jüdische Rasse, auf Talmud und Schulchan-Aruch. Diesen Attacken gegenüber klangen die Mahnungen des Kammerpräsidenten und des Finanzministers zur Mäßigung mehr als schwächlich. Vielleicht aber wird doch eine in der rumänischen Presse veröffentlichte K u n d g e b u n g d e s rumänischen Gesandten in Amerika den führenden Männern in Bukarest ein wenig zu denken geben. Der Gesandte schildert die unausbleiblichen Folgen dieses rumänischen Niederganges und die Schäden, die dem rumänischen Staat daraus erwachsen. Der rumänischen Anleihen in Amerika seien durch diese kulturwidrige Bewegung stark in Frage ge-, stellt. Mit der Entrüstung über die Exzesse werde in der gesamten großen Presse Amerikas auch die Kreditwürdigkeit Rumäniens lebhaft diskutiert. Das dürfte vielleicht nicht ohne Eindruck bleiben. Aber zur Hebung auch des moralischen Kredits Rumäniens in der Kulturwelt wird schon die Bukarester Regierung etwas mehr tun müssen, als nur Amerika, so weit zur Sicherstellung der Anleihe nötig ist, zu beruhigen. Offenbarung. Von Dr. C. C. in A. Keine Religion ist so weitherzig wie das Judentum. Es erkennt an, daß es auch außerhalb des Judentums Offenbarungen Gottes geben könne. Die Thora selbst erzählt uns den Fall Bileam. Existieren aber außerjüdische Offenbarungen, wo ist da die Wahrheit? Müßten wir uns nicht auch solchen außerjüdischen Offenbarungen beugen? Könnten sie nicht Gottes Stimme fein, genau so wie die jüdische? Was gibt uns das Recht, sie als für uns unverbindlich abzutun? Wenn z. B. behauptet wird, Mohammed habe göttliche Offenbarung empfangen, so verliert diese Behauptung nicht dadurch ihre Wirkung, daß wir ihre Richtigkeit bestreiten. Erkennt das Judentum einmal prinzipiell die Möglichkeit solcher Offenbarung ctir/i, dann kann man sie nicht aus der Welt schaffen, indem dann nachher in jedem einzelnen praktischen Fall die Tatsache der Offenbarung in Abrede gestellt wird. Ein solches Verfahren wäre unehrlich. Seinen Kopf aber in den Sand zu stecken, um so zu tun, als ob es außerjüdische Offenbarungen nicht gäbe, wäre eines aufrechten religiösen Menschen mrwürdig. Unehrliche und unwürdige Haltung zeugt nicht von Charakterstärke der jüdischen Sache und ihrer Vertreter. Wisse, was Du einem Abtrünnigen zu antworten hast! Woher nimmst Du das Recht, die jüdische Offenbarung allein als für Dich verbindlich in Anspruch zu nehmen? Um kein Mißverständnis aufkommen zu lasten, sei betont, daß es sich nicht um die Frage des Faktums einer Offenbarung handelt. Da wir die Möglichkeit einer nichtjüdischen Offenbarung zugeben, fommer.i wir infolgedessen mit dem im Aufsatz „Bibelkritik" („Israelit" Rr. 17) entwickelten Gedanken der kollektiv-nationalen Erinnerung an die Ereignisie der Thora nicht weiter: denn nicht darum handelt es sich jetzt, ob überhaupt jüdische oder nichtjüdische Offenbarungen sich ereignet haben, sondern darum, weshalb für uns von allen Offenbarungen der Inhalt der jüdischen Offenbarung allein maßgebend ist. Offenbarung ist die Beggenung von Gott und Mensch, ist das Ueberfließen des Göttlichen auf den Menschen. Aus dem Mystischen übersetzt heißt dies , folgendes: Gott ist der Rur-Lebendige. DIAIÖN " Puder bewahrt Ihren Liebling vorWundsein. Lineneue talmudische Lncyclopädie. Von Rabbiner 3. horovicz in Frankfurt a. 2N. (Jerusalem.) Die talmudische und damit auch die jüdisch-wissenschaftliche Literatur im Allgemeinen soll um ein Grundwert bereichert werden, das gerade in unserer Zeit, da der Talmud auch in den weltlichen Hochschulen Gegenstand des wissenschaftlichen Interesses geworden ist, von besonderer Bedeutung sein wird.*) Neben den Ewigkeitswerten der Thora, der Halacha und Agada werden auch die verschiedensten Zweige der Wissenschaft — wie jüd. Historisches, Geschichte der Nationen, Naturlehre, Uebernatürliches, Aerztliches, Gewerbszweige, Geographisches, Tanaiten, Amoräer, Biographisches, Bibliographisches usw. — mit sachlichem Quellennachweis lexikalisch geordnet. Dieses Werk in seiner monumentalen Anlage wird einen unentbehrlichen Schlüssel bilden, nicht nur für Talmudforscher, sondern auch für das sichere und exakte Durchdringen vieler Spezialfragen im Geiste des Talmud und wird jedem Historiker und Fachforfcher ein wissenschaftlich zuverlässiger Wegweiser sein. Verfasser dieses Werkes ist ein hochgeachteter Thoragelehrter aus Jerusalem, Talmuddozent an der dortigen berühmten Jeschiwa „Ez Chajim", als sehr würdiger, vorzüglicher Wissenschaftler von den ersten Koryphäen des heiligen Landes wärmstens empfohlen. Das Gesamtwert wird selbstredend mehrere Bände umfassen. *) '!>aa mnVni' n^n "nan Mafteach haschalem letalmud babli. Quellenfchlüfsel zum babylonischen Talmud, von Rabbiner Elia N. Porusch, Jerusalem. Das Material für die beiden ersten Traktate B e r a - ch o t und Schabbat ist bereits druckfertig. Ueber das Werk und seinen Verfasser schreibt Rabbi Elia Klatzkin: „Dieser Quellenschlüssel ist am besten geeignet, das Talmudstudium erheblich zu fördern und den schädlichen Folgen der Vergeßlichkeit wirkungsvoll entgegenzutreten. Auch die Talmudweisen haben bewährte Schutzmittel, methodische Schlagworte und Merkmale für intensives Thorastudium empfohlen. Außer Halacha und Hagada umfaßt jedoch der Talmud auch die verschiedensten Probleme des Weltalls, die unsere Weisen in ihrem einzigartigen Schrifttum im Geiste ihrer Weltanschauung niedergelegt haben. Dieses zerstreut verborgene' Licht weithin leuchten zu lassen, den gewaltigen Wissensstoff auch denjenigen zugänglich zu machen, die mit den nötigen Vorkenntnissen .für die methodische Technik des Talmudstudiums nicht im ausreichenden Maße vertraut sind, wird ein unvergängliches Verdienst des gelehrten Verfassers sein." Oberrabbiner Sonnenfeld fügt hinzu: „Den gelehrten Verfasser, der mir wie mein Augapfel liebwert ist,'in seinem großen, wissenschaftlichen Streben zu fördern, ist ein gottgefälliges Werk von segensvoller Bedeutung. Die meisterhafte Tüchtigkeit des Verfassers für diese Arbeit ist gewährleistet:«!' 'awo ja iav Rabbi Jsser Salman Melzer schreibt folgendes: „Leider gibt es heutzutage nur wenige, die den Talmud auswendig kennen. Auch Thoragrößen sind oftmals, durch anderweitige Aufgaben verhindert, nicht imstande, sich ausschließlich dem Thoralernen zu widmen. Durch diesen Quellenschlüssel wird man sich den Zutritt zu allem Wissenswerten verschaffen können. Alles wird leicht auffindbar sein. Eine gewaltige Arbeit. Methodische Darstellung, gepaart mit wissenschaftlicher Sachkenntnis. Ein Segen für die jüdisch-historische Gesamtwissenschaft." Die Finanzierung der Auslagen für die ersten zwei Bände bildet zurzeit die größte Sorge. Es haben bereits einige Freunde der jüdischen Wissenschaft ihre materielle Unterstützung in Beiträgen zu Mk. 20—, Mk. 50.— und Mk. 100.— bereitwilligst zugesagt. Der erste Teil „Traktat Berachot" befindet sich im Druck und wird in kurzer Zeit die Presse verlassen. Wer will weiter mithelfen? Wer wünscht in die Reihe der Förderer einzutreten? Maßgebende Fachleute sind überzeugt, daß für die folgenden Bände im Wege der Subskription ausreichende Deckung sein wird. Schreiber dieses hat es gerne übernommen, Anmeldungen entgegen zu nehmen. Auch Gedächtniswidmungen für liebe Angehörige können vorgemerkt werden. Geldsendungen, die bei einer späteren Subskription in Anrechnung gebracht werden, sind an die Geschäftsstelle des „Israelit", Postscheckkonto Nr. 19 802 Frankfurt a. M. zu richten. Die fördernde Teilnahme an den Druckkosten der ersten Teile sichert das Erscheinen des Gesamtwerkes. Wochenkalender. v. 31 Mai b. 7. Juni 1930 ' jb. 4. — 11. Etwa« 5690 Samstag 31 4 nVajn 'i naiaa Sonntag 1 5 niaan »a» -a nisnaa? a-tr Montag *S 2 6 nwiäBn rr or vienstag 3 K> 3 p'v 7 nixiavi 'a m* Mittwoch 4 8 an no* Donnerstag 5 9 Freitag 6 10 Samstag 7 11

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