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Der Israelit · 1930-05-22 · Heft 21 (22.5.1930) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 21 (22.5.1930)
Date
1930-05-22
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 2 Nr. 8 Der Israelit Blätter 22. Mai 1930 digte ihre Wünsche. Fast halbjährlich wechselten die Kinder ihre Lehrer. Nur durch günstige Umstände waren wenige zu Gemoro, andere zu Chumesch und andere zu Jwri gelangt. Festgefügte Vorkenntnisse hatte aber niemand von -ihnen. W ir mußten notgedrungen eine Talmud Thora haben. Zwei Versuche mißglückten, sowohl am Starrsinn mancher Eltern, am Widerstand einiger Privatmelamdim, als auch an ungenügender Kraft der Leiter der Schulen. Um das Maß der Schwierigkeiten voll zu machen, kam jetzt zur -ideellen die materielle Not. Am Ende der Inflation war der jüdische Mittelstand verarmt. Die Kinder sollten aber weiter lernen. Da half der Keren Hatorah in Hamburg, gründete Ende 1926 eine Talmud Thora, schickte Herrn Ostersetzer und gab Zuschüsse. Jetzt muhte die Organisierung der ause>inanderstrebenden Bale Battim gelingen. Es glückte. Der äußere Rahmen war geschaffen, und nun setzte der innere Aufbau ein. Die Schüler waren schnell, wenn auch mühevoll, in Klassen eingeordnet. Es gesellten sich 17jährige mit 10jährigen, Ost mit West, höhere, Mittel- und Volksschüler. Die Arbeit mit diesem Flickwerk war anstrengend. In allen Gruppen mußte der Unterricht von den einfachsten Grundbegriffen anfangen. Glücklicherweise waren fast alle kluge jüdische Kinder. Das Werk gelang trotz dem Materialismus der Zeit, aus dessen Klauen wir leider nicht jeden Schüler reißen konnten, trotz Eltern, die alles besser wissen wollten, trotz Privatlehrern, und trotz dem großen Hemmnis aller gründlichen Taurohausbildung im Westen: der Schule mit ihren Nachmittagsunterrichten, die -immer in unfern Stundenplan hineinpfuschen. Es gelang, fast jeden Schüler der oberen Klaffen zu geläufigem Chumesch mit Raschi und zu Gemoro zu bringen. Es gelang, unbemittelten Schülern in großer Zahl Unterricht zu geben, einen beständigen Strom gleichaltriger Schüler zu bilden. Es gelang, den Ostjuden, trotz ihrer Lebhaftigkeit, einen gewissen „Konservativismus" anzugewöhnen. Sie denken nicht mehr an Wanderlehrer, an Boykott. Ruhe, Lernen, Religiosität. . Die Talmud Thora besteht aus 6 Klassen. Die untersten 3 führt Herr P. Bergenfeld, die oberen 3 Herr S. Ostersetzer. Die Schule wird von ca. 70 Schülern besucht. An 5 Tagen der Woche wird jeder Klasse 2 Stunden Unterricht erteilt. Es wird Jwri, Chumesch mit Raschi und Gemoro unterrichtet. Während der Zeit des Bestehens der Talmud Thora wurde in der jeweilig obersten Gruppe u. a. Folgendes durchgenommen: inrxmit nsom, einige D^ps tr-m mit l und nmn psganz ni2» rooa* Eine ausführliche Statistik würde Seiten umfassen. Noch kurz sei der Segen der Talmud Thora erwähnt. Die Kinder bringen die gelernten Kenntnisse daheim an, sind das Gewissen der Eltern geworden, die im Kampf ums tägliche Brot teilweise recht schwankend in religiöser Beziehung geworden sind. Die Kinder lieben Gott und die Tbora, verhehlen das auch nicht in der Schule' und sind so 'n \vipn. Wenn r\,,rvn hilft, entwickelt sich die Talmud Thora auf dem beschrittenen Weg weiter und blüht und gedeiht. Keren Hatorah Kommissariat Duisburg i. A.: P. Doppelt. Bericht der Talmud Thora-Schule Hannover. Es war ein jüdisches Ereignis, als der Keren Hatorah im Menachem Aw 5685 (August 1925) seine Talmud Thora-Schule in Hannover einweihte. „Gott mache Dich wie Ephraim und Menasche", heißt der Elternsegen für ihre Kinder; warum nicht „wie die Stammväter"? führte Rabbiner Duckecz aus Altona in seiner Festrede bei der Einweihung aus und erklärte, daß gleich den Söhnen von Jaufef Hazadik, die in der Fremde fromm erzogen und fromm geblieben, auch wir, die wir hier zu Lande nicht geboren und nicht erzogen, dennoch treu und fest auf dem Boden der Thora unsere Kinder in echt jüdischer Weise, wie wir es zu Hause im Osten vor uns gesehen haben, vereint mit pädagogischer Fertigkeit des Westens, erziehen wollen. Dieses Motto „östliches Thoragut in westlichem Gewände" blieb denn auch die Devise der Schule, und der weitaus größere Teil der in Frage kommenden Ostjuden von den 300 in Hannover angesiedelten Familien nahm diesen Ruf begeistert aus und schickte seine Kinder zur neuen Talmud Thora. Da kommen heute die Fünfjährigen und lernen Jwri, die Wißbegierigen und lernen Gemoro, die weniger Anspruchsvollen auf geistigem Gebiete und lernen Chumesch, und Alle, die eben lesen können, bis zu den Tausfaus- Schülern, lernen allwöchentlich die Sidro mit Raschi, Dinim und dergl. Die Gemeinde in Hannover stellt in ihrem alten Gemeindehaus die Schulräume zur Verfügung und alltäglich schallen über den freien Platz an der Bergstraße weithin die lauten Stimmen von thorabeslissenen Jungen. Wie freuen sich die Eltern, die vielfach den ganzen Tag im harten Ringen um die Parnossoh in Anspruch genommen sind, daß sie ihre Kinder gut aufbewahrt im Cheder wissen, und wie glücklich sind die Kinder, die hier ihre Freunde und Altersgenossen finden, mit denen zusammen sie lernen und nachher spielen und herumtollen können. Vor- und nachmittags, den ganzen Tag ist Betrieb in der Talmud Thora-Schule. Der Rabbiner der Hannoverschen Gemeinde, Dr. Freund, freut sich, wenn er morgens früh nach Schul einem zufällig anwesenden Kollegen von auswärts gleich gegenüber das Cheder zeigen kann, und die öfters herüberkommenden Hamburger Bale Battim lauschen gern den klangvollen Tönen der lernenden Kinder. Wie es mit den Finanzen der Schule steht? O, es gab Zeiten 1926 und 1927, da brachte Hannover den größten Teil des Budgets selbst auf. Heute aber, wo die Vermögenslage unserer Brüder sich allerorts so sehr verschlechtert hat, heute, wo es den Eltern wirklich schwer fällt, das Limudgeld allwöchentlich zu bezahlen, die aktiven wie die passiven Mitglieder mehr und mehr ihre Beiträge abbauen, heute kämpft die Schule, kämpft mit fester Energie und richtet immer und immer wieder ihren Schrei um Hilfe an den nie versagenden Keren Hathora. Für das, was der Keren Hatorah bisher für Hannovers „lernende" Jugend getan, sagen wir ihm Dank, daß er uns weiter helfe, ist unsere herzliche Bitte, unser Wunsch, daß er es immer mit unverminderter Kraft könne. Für die Elternschaft der Talmud Thora I. Löbenstein Äeren Hakorah-Arbeit in Hessen-Cassel. Das Keren Hatorah-Sekretariat Hessen-Cassel wurde vor nahezu 6 Jahren auf Anregung der gesetzestreuen Kreise Cassels gegründet. Es besteht einerseits eine gewisse Personalunion zwischen ihm und der Agudas Jisroel, andererseits beteiligen sich an seiner Erhaltung und an seinem Ausbau eine Reihe der Agudas Jisroel völlig Fernstehender. Diese Verbindung zwischen. Agudas Jisroel und Keren Hatorah im hiesigen Sekretariat hat sich im Laufe der Jahre als eine glückliche erwiesen. Agudas Jisroel gestaltet das Milieu, der Keren Hatorah leiht das Instrument der Ausgestaltung: das Thoralernen. So arbeiten beide Faktoren am Aufbau des jüdischen Menschen. Schon die jüngste Jugend kommt und lernt; im letzten Winter begannen wir den Unterricht mit einer Gruppe noch nicht schulpflichtiger Kinder. Es kommt uns hierbei darauf an, der Jugend möglichst viel Stoff, Vokabelkenntnisse beizubringen. Der reiferen Jugend werden zunächst Schiurim gegeben: Mischna, Dinim, Tenach, für Jungens und Mädchen getrennt. Außerdem findet eine Arbeitsgemeinschaft statt, in der Birnbaums Aulim-Jdee behandelt und Breuers „Kampf um Gott" im letzten Winter gelesen und besprochen wurden. Dieses gemeinsame Lernen und der in der Arbeitsgemeinschaft besonders gepflegte Meinungsaustausch gestatten eine vielseitige Beeinflussung der Jugend, bereitet die Umstellung vor zum jüdischen Menschen im vollen Sinne des Wortes. Außerdem finden gemeinsame Diskussionsabende für die Jugendlichen beiderlei Geschlechts statt, bei denen jüdische Gegenwartsfragen erörtert werden. Für die männlichen Erwachsenen wurde ein Mischnajoth-Schiur eingerichtet. Mit den Frauen wurde im vergangenen Winter Koheleth durchgelernt.. Am Schabbos wurde regelmäßig die Sidro in einem öffentlichen Vortrag durchgenommen, welchem rege Anteilnahme und guter Bfeuch aus weiten jüdischen Kreisen entgegengebracht wird. Neben dieser Arbeit, die speziell für die gesetzestreuen Kreise bestimmt ist, wurde im letzten Winter eine weitere Arbeitsgemeinschaft geschaffen für die sogen, liberalen Kreise, bei der jüdisch-philosophische Stoffe behandelt wurden. Diese Arbeitsgemeinschaft, die zunächst als ein Versuch gedacht war, wird weiter fortgeführt werden, nachdem sich gezeigt hat, wie dankenswert es ist, Menschen, die bisher nur bibelkrilifche oder Umweltsauffassungen kannten, mit wahrer jüdischer Weltanschauung vertraut zu machen. Das hiesige Bezirkssekretariat hat neben dieser Tätigkeit in Cassel selbst noch eine Reihe von Landgemeinden zu bearbeiten. Der Erfolg in dieser Hinsicht war leider wenig günstig, aus Gründen, die hier nicht erörtert werden können. Befriedigend konnte nur in Hersfeld und insbesondere in Guxhagen gearbeitet werden. Daß das Sekretariat außerdem bemüht ist, sabbatfreie Stellen zu vermitteln und sonst alles zu tun, was sich aus der Praxis des Tages ergibt, ist selbstverständlich. Daß der Zusammenhang mit der jüdischen Gesamtheit durch Betätigung für Erez Jisroel und für Beth Jakob gewahrt und vertieft, daß auf jede Weife die Beziehung zur Thoragesamtheit erstrebt, jüdische Geselligkeit bei besonderen Gelegenheiten gepflegt wurde, darf noch hinzugefügt werden. Als Fazit darf festgestellt werden, daß, durch die Arbeit des Sekretariats, d. h. des unermüdlichen Herrn David Ullmann, im hiesigen Bezirk mit Gottes Hilfe eine Jugend heranwächst, die zwar an Zahl weit hinter der anderer Großstädte zurücksteht, die aber bewußt positiv jüdisch ist oder werden will und sich ehrlich bemüht, in menschlicher und jüdischer Beziehung dem Thora- Ideal zuzustreben. M. Elzas-Cassel. Anterrichtstäligkeit in Emsland-Friesland. Bei einem Bericht über meine Unterrichtstätigkeit im hiesigen Bezirk will ich vor allem die Unterrichtszeiten an den verschiedenen Orten bekanntgeben und dem kürze, allgemeine Bemerkungen anfügen. Am Sonntag erteile ich in meiner Gemeinde in W e e n e r von 9—12 Uhr Religionsunterricht. Montag früh 7 Uhr fahre ich von Weener fort, um erst am Nachmittag in Haselünne zum Unterricht von 6 Kindern, dort einzutreffen. In Haselünne wohnen nur 7 jüdische Familien. Synagoge ist nicht vorhanden. Alles jüdische Leben ist erloschen. Der Unterricht wird von den Eltern als Wiederbelebung jüdischer Arbeit am Orte in jeder Weise begrüßt und gefördert. Montag Abend fahre ich per Auto, da nur einmal täglich Zugverbindung, nach H e r z l a k e. Dort wohnt nur eine jüdische Familie,. seit Jahren ansässig, mit einem jetzt elfjährigen Kinde, das seit 2 Jahren unterrichtet wird. Auch hier ist die Person des jüdischen Lehrers die einzige Verbindung mit der jüdischen Welt. Dienstag Nachmittag unterrichte ich 3 Kinder in Meppen. Mittwoch Nachmittag 6 Kinder in Bunde (Ostfriesland), wo seit einem Jahr die Lehrerstelle unbesetzt ist. Donnerstag von 1—5 Religionsunterricht irr Weener, Freitag von 2—4 Uhr Religionsunterricht in Bunde. Es versteht sich von selbst, daß die freie Zeit in den einzelnen Orten entsprechend ausgenutzt

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