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Der Israelit · 1930-05-22 · Heft 21 (22.5.1930) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 21 (22.5.1930)
Date
1930-05-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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fievausgegeSen von dev 6. Jahrgang (aller tandesovqanifation dci? Ngudas-Iisvoei in Dcutfcfiland. Hamburg, 22. Mai 1930 / 24. Jjar 5690 Nummer 8 Schriftleitung: Wolf S. Jacobson in Kamburg. Gebt schnell und reichlich für die diesjährige Schowuaus-Kktion des Ueren hatorah! Bon ihrem Ergebnis hängt die Wetterführung wichtiger, segensreicher Einrichtungen des Keren Hatorah ab. „Wir wallen tun und wir wollen hören"! ttößwniPin ist Me klassische Formulierung des Bekenntnisses: Alles, was Gott von uns fordert, liegt ün Rahmen unserer Leistungsfähigkeit. Das Recht, die Sicherheit solch stolzer Unbedingtheit zur Bereitstellung des ganzen Menschen, mit allen seinen Fähigkeiten, zu allen Leistungen, zu jeder Zeit, fließt aus diesem Missen, m "im *iwk te daß es die Forderung Gottes ist, der in väterlicher Sorge niemals die Kräfte des Sohnes bis zum Aeußersten anfpannt. Die zwischen dem Anspruch Gottes und dem Erfüllungsvermögen des Menschen liegende Spannung, sie ist das Zeugnis göttlicher Güte. (2. Buch Moses, Kap. 24.) Wenn z u j e d e r Z e i t des Menschen Kleid, die Hülle seiner Seele, woiß, fleckenlos fein soll, (Koheleth Kap. 9) wenn auf allen Wegen Gott zu erkennen unsere hohe Pflicht, (Mischle Kap. 3) dann beweist dies nichts Anderes, als daß jede Zeit und jeder Ort für diese unsere Bereitschaft Zeuge sein sollen. Zu jeder Zeit: Zeiten haben ihre Schwere und ihre Röte. Bald ist es politischer Druck, judenfeindliche Einstellung der Umwelt, bald ist es die Wirtschaftsnot, die jeden Einzelnen zu äußerstem Existenzkampf zwingt. Es gibt aber auch umgekehrt Zeiten mit freundlicheren 'Verhältnissen und Daseinsbedingungen, in denen Versuchungen und Lockungen überwunden werden müssen. Der göttlichen Liebe, die gleich einem Hellen Morgen strahlt, sollen wir uns würdig machen: die göttliche Gerechtigkeit,, die kein Schatten dunkler Nacht verdecken kann, allezeit anerkennen. (Psalm 92.) Auf allen Wegen: Zwischen Heim und Welt bewegt sich unser Leben. Hier wie dort haben wir uns zu bewähren. Wir haben die große Gefahr zu erkennen und immer wieder zu überwinden, die darin liegt, daß wir über dem Heim nicht die Welt vergessen. Wir haben aber auch die andere, wenü auch vielleicht kleinere Gefahr im Auge zu behalten, daß wir über der Welt uns unserer Verpflichtung dem Heim gegenüber nicht entziehen. Im Haus: die Sorge für unsere sittliche Ertüchtigung, die Sorge aller Sorgen, die Erziehung unserer Kinder im Geiste des Judentums, der Aufbau unserer Familie im Sinne unseres geschichtlichen Berufes. Und in der Welt: die freudige und bewußte Teilnahme an ihren Sorgen und Lasten. Das ist vielleicht der Sinn des Wortes: Dein Haus fei geöffnet zur Weite, laß drinnen wiederklingen den Ruf, der von draußen kommt, damit die Armen deines Hauses Söhne feien. (Sprüche der Väter H. Sollen sie es aber sein können, soll in Zeiten schwerer Wirtschaftsnot doch der von draußen Kommende, doch die Welt bei dir ihr Recht, die Erfüllung ihres Anspruches an dich finden, dann mußt du das Wort auch so verstehen: Laß die Kinder deines Hauses Arme fein. Erziehe dich und sie zur Anspruchslosigkeit an das Leben und an seine Genüsse. Verzichte aus manche Behaglichkeit, auf manchen gewohnten Luxus um derer willen, denen deine selbst eingeschränkte und sparsame Lebensführung unerreichbares Wohlleben bedeutet. Denn mit Todesschuld belastet sich, wer wach ist in der Nacht, wer es weiß, wie dunkel es draußen ist, wie trostlos dunkel für so Viele, und wer dennoch seinen Weg als ein Einzelner geht, nicht teil hat, nicht teil nimmt an dieser Not der Andern, keinen Versuch macht, in ihr nächtliches Dunkel etwas Helligkeit zu bringen. (Spr. d. Väter M.) Als das jüdische Volk anhob und sprach: Alles, was Gott spricht, das wollen wir tun, da steht rnm vvn un(2. B. M. Kap. 19). Das Volk spürte sich als eine unlösbare Einheit, einheitlich die Aufgabe, einheitlich das Schicksal, und darum allen gleich und gemeinsam die Verpflichtung, die Gesamtheitsausgabe zu lösen, das Gesamtheitsschicksal zu tragen. Instrument für diese wahrhafte Einheit des jüdischen Volkes will der Keren Hatorah sein und ist der Keren Hatorah. Und am Schowuaus, dem Fest, das an diese alte Einheit erinnert und zu ihr neu verpflichtet, ruft er die Freunde der wahren Einheit des jüdischen Volkes auf: Zeigt, daß Ihr großer Ahnen würdige Kinder seid! Tragt die Last der Gesamtheit! Spürt mit die Not der Welt draußen! Den Segen dieses Mitspürens erlebt Ihr an Euch selber, an Euren Kindern, in Eurem Hause. Dies ist der Sinn, der sittliche Inhalt unserer Schowuau s-A k t i o n. Daß der Keren Hatorah diese Förderung verdient, mögen nachstehende Berichte der zuständigen Stellen erweisen. Daß im vergangenen Jahr mancherlei geschah, zeigt die Abrechnung für das Jahr 1930, die wir beifügen. Daß es nicht mehr fein konnte: die Schuld trifft jene, welche im sträflichen Egoismus über sich die Gesamtheit vergaßen. Daß wir im laufenden Jahr noch mehr, noch Gründlicheres leisten können, mögen uns die ermöglichen, welche wir inmgst auffordern: Fördert nach Kräften die Schowuaus-Aktion 5 6 9 0!!! Bericht der Talmud Thora-Schute Dortmund. . Bevor wir mit dem Bericht beginnen, müssen wir zunächst das Milieu dieser Gegend ein wenig schildern. Wenn man sich nur die furchtbare Tatsache vor Augen führt, daß 99 Prozent der jüdischen Bevölkerung (ausgenommen ein Teil der Ostjuden) mechallel Schabbos sind, andererseits die Kinder von irreligiösen' Vereinen dauernd beeinflußt werden, so darf man sich natürlich nicht wundern, daß der Limud Hatorah selbstredend in den Hintergrund tritt. Man muß es aber den. Ostjuden anvechnen, daß sie, soweit sie hierzu in der Lage waren, für jüdische Erziehung ihrer Kinder sorgten. Doch waren die Zustände hier sehr kläglich. Abgesehen davon, daß der Unterricht unsystematisch und unpädagogisch vor sich ging, konnten diesem Unterrichte nur diejenigen Kinder beiwohnen, deren Eltern die Unterrichtskosten bestreiten konnten. (Allerdings wurde auch von einzelnen Privatleuten für einige arme Kinder gesorgt, es wurden auch von Zeit zu Zeit Talmud Thora-Schülen gegründet, die jeweils nach kurzer Zeit untergingen.) Man kann sich also ein Bild machen, wie es um den Unterricht im Allgemeinen, um das Lernen der armen Kinder im Besonderen bestellt war. Unsere Schule besteht nun über 5 Jahre. Was der Keren Hatorah mit seinem Eingriff in die hiesigen Verhältnisse geleistet hat, ist, daß es jedem jüdischen Kinde möglich ist, täglich einem systematischen Unterricht beizuwohnen. Augenblicklich wird unsere Schule von 90 Kindern besucht, die durch unsere beiden Lehrer, die Herren Knoblewicz und Bilitzky in 8 Abteilungen in 66 Wochenstunden unterrichtet werden. Wir fangen mit dem jüdischen Elementarunterricht an und bringen die Kinder so weit, daß sie für die Frankfurter Jeschiwaus reif sind. Es sind von Dortmund aus bereits 10 Jungen auf die Jeschiwah gegangen. (8 zu Breuer, einer zu Hoffmann und einer nach Ungarn.) Daß der Name Jeschiwah bei der hiesigen Jugend fremde war, bedarf keiner Erwähnung in einer Stadt wie Dortmund, wo der Sport in höchster Blüte steht. Jetzt ist unser Schülermaterial so weit, daß jeder für Gemoro fähige Junge das größte Interesse für den Jeschiwahbesuch hat. Wir hatten kürzlich einen Fall, wo ein Junge, da die Eltern aus bestimmten Gründen ihm den Jeschiwahbesuch verweigern wollten, fremde Menschen bei ihnen protegieren ließ, die es schließlich durchsetzten, daß ihr Sohn auf die Jeschiwah geht. Es würde hier zu weit führen, darüber zu sprechen, wie die Schulen noch ausgebaut werden müßten, was stets an der Geldfrage scheitert. Wie es nun in den Städten Westfalens ausschaut, die keine Keren Hatorah-Schulen besitzen, davon können Sie sich wohl ein Bild machen. Die einzige Organisation die diesem Uebel abhelfen kann, ist der Keren Hatorah, der in jeder Stadt Westfalens eine Schule gründen muß, und muß es der Keren Hatorah so weit bringen, daß innerhalb Westfalens für die Schüler, die unsere Schulen absolviert haben, eine Zentraljeschiwah ins Leben gerufen wird. Wenn auch der Gedanke uns noch sehr fern erscheint, so könnte er doch bei genügenden Mitteln bald zur Wirklichkeit werden, daß das Wort des Propheten: mm« DiP’i 'n |jd nnmsn fiv^auch bei uns <m Erfüllung geht. Für den Elternrat: I. Wolf Bericht der Talmud Thora-Schule Duisburg. In Duisburg ist die Talmud Thora nichts Aufgedrängtes. Sie ist ein Teil des organischen Wachsens des thoratreuen Teils der Gemeinde (fast nur Ostjuden). Die Duisburger hatten viel Geld für Wandermelamdim und ortsansässige Vale Vattim ausgegeben, die sich im Lehren unschuldiger Kinder versuchten. Memand befrie-

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