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Der Israelit · 1930-05-22 · Heft 21 (22.5.1930) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 21 (22.5.1930)
Date
1930-05-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 21 Der Israelit 22. Mai 1930 Tschechoslowakei. Der Rücktritt Dr. Heinrich Brodys. Prag, 19. Mai. Der Oberrabbiner von Prag, Dr. Heinrich Brody, der bekanntlich vor einigen Wochen sein Rücktrittsgesuch übergab, hat sich zu einer Aufforderung der Repräsentanz der Prager Jüdischen Gemeinde, im Amte zu verbleiben, ablehnend gestellt, svdatz sein Rücktrittsgesuch als angenommen zu betrachten ist. Heber die Nachfolge des Prager O b e r r a b b i n a t e s, für die durch Staatsbürgeischaftsfragen große Schwierigkeiten erwachsen, ist noch keine Entscheidung gefallen. England. Die teilweise Suspendierung der Lhaluz-Linrvanderung in Palästina. - L o n d o n, 18. Mai. Heber die Zurückziehung der von der Palästinaregie- Zrung bewilligten neuen Einwandererzertisikate durch das londoner Kolonialamt erfährt die Jüdische Telegraphen- ^entur: Die Jeroish Agency hat sich um 3300 Einwanderungszertifikate (für 2300 männliche und für 1000 weibliche Einwanderer) auf der Basis der ernsten Bedürfnisse der Kolonien beworben. Die Palästina-Regierung hatte in Anerkennung der Erforderlichkeit neuer Arbeitskräfte in Palästina auf Grund ziffernmäßiger Unterlagen die Einwanderungszertifikate in der gewünschten Zahl erteilt. Das Kolonialamt in London hat nun diese neue Schedule bis zur Beendigung der Untersuchung Sir John Simpsons suspendiert. 750 Einwanderungszertisikate aber, die am 17. Februar d. I. auf der Basis der alten Schedule gewährt worden waren, sind von dieser Suspendierung nicht berührt und bleiben in Kraft. Die Jewish Agency hat wegen der Suspendierung der neuen Schedule Vorstellungen beim Kolonialamt erhoben. Schweiz. Der Völkerbundsrat ernennt die klagemauertvmmisswn. Genf, 19. Mai. Der Rat des Völkerbundes hat am 15. Mai in geschlossener Sitzung gemäß dem Vorschlag der englischen Regierung drei nichtenglische Persönlichkeiten zu Mitgliedern der Kommission zur Prüfung der jüdischen und der arabischen Rechte und Ansprüche in Verbindung mit der Klagemauer ernannt. Präsident der Kommission ist der ehemalige schwedische Außenminister Eliel Loesgren, Mitglieder sind ferner der Genfer Richter Charles Barde und der Holländer van Kempen, ein früherer höherer Beamter der holländischen Kolonialverwaltung. Das persische Ratsmitglied Ala Khan enthielt sich der Abstimmung, erklärte aber, er habe Vertrauen zur Mandatarmacht, daß sie die Wünsche der Muselmanen ernstlich berücksichtigen wird. Das Palästina-Problem vor dem Völkerbundsrat. Genf, 19. Mai. In der öffentlichen Sitzung des Völkerbundsrates am 15. Mai gab der Minister des Auswärtigen Großbritanniens eine Erklärung über die Palästina-Politik der englischen Regierung ab. Er sagte einleitend, daß im Verlauf der Behandlung des Berichtes der britischen Palästina-Untersuchungskommission durch die Mandatskommission des Völkerbundes in ihrer nächsten Tagung der. britische Bevollmächtigte ein ausführliches Statement abgeben wird, heute wolle er nur manches aus dieser Erklärung antizipieren. Die erste Aufgabe in Palästina sieht die Regierung in der Aufrechterhaltung der Ordnung. Sie hat darum die englischen Militärstreitkrästein Palästina verstärkt und befaßt sich gegenwärtig mit dem Studium der Frage des Unterhaltes einer ständigen Garnison im Lande. Bis zur Beschlußfassung über diese Frage wird eine Reduktion der in Palästina gegenwärtig vorhandenen Militärstreitkräfte nicht oorgenommen werden. Der Polizeisachverständige Dowbiggin wurde mit der Ausarbeitung eines Vorschlages bezüglich Reorganisation und Reform der Palästina-Polizei "betraut; sein Bericht liegt noch nicht fertig vor, manche seiner provisorischen Vorschläge bezüglich der Verbesserung des Polizeischutzes werden schon heute durchgeführt. Die rein britische Polizeiabteilung wurde um 400 Mann erhöht,- weitere 79 werden hinzukommen. Die britische Regierung, fuhr Henderson fort, ist sich der Bedeutung der Probleme des Bodens und der Einwanderung in Palästina, aus die in dem Bericht der Shaw-Kommission hingewiesen wird, bewußt; sie entsandte Sir John Hope Simpson nach Palästina, um speziell diese Probleme zu studieren. Die britische Regierung, sagt Henderson zum Schluß, hat die Anwesenheit einer arabischen Delegation in London benutzt, um mit ihr die zukünftige Politik zu erörtern. Die Regierung hat sich über den Standpunkt der arabischen Führer und über die arabischen Aspirationen informieren lassen. Die Regierung widmet sich dem Studium dieses Problems und hofft, Wege zu finden, um im Rahmen des Mandates die legitimen Forderungen der Araber zu befriedigen und die von den Arabern noch gehegten Befürchtungen zu zerstreuen. Rumänien. Fortdauer der antisemitischen Exzesse in Rumänien. B u k a r e st, 16. Mai. Die antisemitischen Exzesse in Bukarest, in mehreren Städten Altrumäniens und im Kreise Marmorosch dauern an. Vor dem Studentenheim in Bukarest wurde Rabbiner Katz, als er dort vorbeiging, von Insassen des Heims fürchterlich mißhandelt. Die Studenten bearbeiteten den Rabbiner mit Fäusten und Stöcken und rissen ihm Bart und Haarlocken aus. Obwohl der Rabbiner laut um Hilfe rief und die Straßen eine der belebtesten von Bukarest ist, kam ihm niemand zu Hilfe. Erst als die Angreifer auf dem schwer blutend am Boden Liegenden herumtanzten, kamen einige Leute hinzu und befreiten ihn aus den Händen der Cuziften. Aus mehreren Wunden blutend und halb bewußtlos wurde der Rabbiner in das in der nächsten Nähe liegende Rathaus gebracht undvon dort in die Krankenstation der Rettungsgesellschast überführt. Am Abend begab sich Rabbiner Katz in Begleitung des Landesrabbiners Senator Dr. Niemirower zum Polizeipräfekten Nikoleanu, bei dem die Rabbiner einen schriftlichen Protest gegen den Ileberfall auf ein religiöses Oberhaupt überreichten. Der Präfekt, General Nicoleanu, erklärte, er werde Erhebungen einleiten lassen, um die Angreifer zu identifizieren. Die Ortschaften Sziget, Borfcha und Wifeu, die bereits Schauplatz schwerer antisemitischer Ausschreitungen in der letzten Woche gewesen sind, stehen immerwährend unter dem Terror einer mehr als 100 Köpfe zählenden antisemitischen Bande, die von dem angeblichen Studenten Banila und dem Pfarrer Andrej Berindei angeführt wird. Die Mitglieder dieser Bande fordern die Bauernschaft der Umgebung auf, über die Juden in den Städten herzufallen, sie zu berauben und die Beute unter sich zu verteilen. Banila wurde von der Gendarmerie verhaftet, der Pfarrer Berendei aber aus freiem Fuß gelassen. Die jüdischen Einwohner des Städtchens Borfcha, das 3000 jüdische Familien zählt, werden unaufhörlich von den Cuziften mißhandelt. Der Fuhrwerkbesitzer Chaim Stein wurde blutig geschlagen und schließlich gezwungen, aus einer Höhe von zwei Metern in das Wasser des Viseu zu springen, wodurch an ihm eine „symbolische Taufe" vollzogen wurde. Die Tochter des Abraham Glanz wurde aus der Wohnung ihrer Eltern geholt und ebenfalls zur „Taufe" in den Fluß Viseu geworfen. Das gleiche passierte dem Kaufmann Abraham Inger. Palästina, Der „Palästina-Tag" in Palästina und in Indien ruhig verlausen. Jerusalem, 18. Mai. Der auf Grund des Beschlusses der allindischen moslemitischen Konferen zam 16. Mai auch in Palästina veranstaltete „Palästina-Tag" zum Protest gegen Mandat und Balsour-Deklaration, ist in ganz Palästina ruhig verlaufen. Der Aufforderung der arabischen Erekutive an die moslemitischen und christlichen Araber, am „Palästina-Tag" die Arbeit niederzulegen, haben — wie Polizeinspektor Major Wainbright der ITA. mitgeteilt hat — etwa 75 Prozent der Arbeiter und Angestellten Folge geleistet. Ein Zuzug von Dorfbewohnern der Umgebung, wie er sonst an Freitagen, den mohammedanischen Wochenfeiertagen, stattfindet, wurde an diesem Freitag nicht bemerkt. Am Nachmittag fand in der Jerusalemer arabisch/n Rawdit al Maarew, dem Zentrum des -arabischen Nationalismus, eine Versammlung statt, an der arabische Notabeln und Führer der arabischen Jugend teilnehmen. Die Moslems in Bombay (Indien) haben, roie über London berichtet wird, am 16. Mai den von der allindischen moslemitischen Konferenz proklamierten „Palästina-Tag" feierlich begangen. Demonstrationszüge mit Fahnen und Transparenten, die die Inschriften „Weg mit der Balfour-Deklaration" trugen, zogen durch die Straßen. Es wurden auch Versammlungen abgehalten und Resolutionen gefaßt, in denen die Erfüllung der Wünsche der palästinensischen Mohammedaner gefordert wird. Die Todesurteile in Palästina. Jerusalem, 6. Mai. Die palästinensisch-arabische Exekutive hat das religiöse Fest Id al-Adha, das auf den 9. Mai fällt, als allgemeinen Trauertag für die Araber Palästinas wegen der gegen Araber in: Zusammenhang mit den August- Unruhen ausgesprochenen Todesurteile proklamiert. Das Organ der arabischen Exekutive „Falestin" fordert die Exekutive auf, alle arabischen und moslemitischen Länder dazu aufzurufen, den von der allindischen Moslemkonferenz in Bombay proklamierten Palästina-Tag, den 16. Mai, auch ihrerseits zu begehen. Die Gelegenheit solle benutzt werden, um Gebete für diejenigen Araber zu sprechen, die während der August-Unruhen in Palästina den Tod gefunden haben. Dieser Trauertag solle sich in jedem Jahre wiederholen, bis Palästina seine Unabhängigkeit erlangt hat. (ITA.) Personalien. Oberrabbmer Aron katz in Neutra. Hamburg, 20. Mai. Die Kunde vom Hinscheiden des Neutraer Raw hat auch bei den deutschen Agudisten, zumal bei denen, die den Vorzug hatten, mit dem Verklärten in persönlicher Beziehung zu stehen, tiefsten Schmerz ausgelöst.' Dieser Schmerz gilt dem großen rabbinischen Führer, dem hingebungsvollsten Vorkämpfer und Repräsentanten der slovakischen Agudas Jisroel, dem gütigen und herzlichen Menschen, dem Mann, in dessen Herzen das jüdische pix-Jdeal als eine wunderbare Mischung von Zartheit und Strenge, unbeugsamer Festigkeit und gewinnender Liebenswürdigkeit lebendig war. Hier ist nicht der Ort und jetzt ist nicht die Stunde, die große Leistung des , Neutraer Raw für die Agudas Jisroel, feine Mühen um sie im Einzelnen zu würdigen, sein Werben für sie bei den a^vu seines Heimatlandes, seinen Kampf für sie gegen zionistische Widersacher, zu schildern seine entflammte Begeisterung für ihre hohe Idee und ihre festgefügte Organisation, darzustellen, wie sich an seinem Feuer die Herzen einer großen, ihm nachstrebenden Jugend entzündeten. Nur das eine fei gesagt, weil er selber es wieder und wieder betonte: arm ns» -pn ns ns* feine Kraft war so groß und so stark, weil sie aus der Kraft des Vaters floh, weil er vom großen Väter V"xr die Liebe zur Agudas Jisroel als heiliges Erbe übernommen, das zu wahren und zu mehren er unermüdlich war. Noch auf der letzten Kenesfio Gedaulo, da sein Herz schon geschwächt war, hatten wir die große Freude, ihn zu sehen und zu sprechen. Es waren kritische, gewitterschwere Tage. In einer der vielen Besprechungen um den § 4 waren die slovakischen Rabbonim des mangelnden Verständnisses der Agudanotwendigkeiten geziehen worden. Zufällig wohnte er der Besprechung bei und verließ, gekränkt, die Sitzung, gekränkt über soviel Verkennung und Unverstand. Am nächsten Tage besuchte ich ihn; ich hatte gehört, daß er die K. G. vorzeitig verlassen wollte. Was er mir damals sagte, wird mir ewig unvergeßlich bleiben; heute dünken mich seine Worte wie ein Testament: „Was will man noch von mir; ich bin müde und abgekämpft.'" Und auf meine bange Frage: „Was soll aus unserer slovakischen Organisation werden, wenn Sie das Banner nicht mehr vorantragen?" Die Antwort: „Ich war nie der Führer. Der selige Vater war Führer und Bannerträger, ich habe immer nur als einfacher Soldat gekämpft. Das werde ich weiter tun. Man braucht mich nicht mehr; was ich kann, kann jeder junge Agudist aus unsrer Neutraer Gruppe. Und daß die Agudo mich nicht mehr braucht, das ist meine Beruhigung und Freude!" Diese Worte, Zeugnis seiner rührenden Bescheidenheit, teile ich mit, uns, die wir wissen, was die flovakifche Agudo, ja, die Agudo überhaupt, ihm dankt, zum Anporn und zur Mahnung. Alle Kraft, im buchstäblichen Sinne, hergeben und sich nur als einfachen Streiter im Kampf für das Wahre spüren: am Vorbild des Neutraer Raw ^"xr wollen wir versuchen, uns zu bilden und zu erziehen. Der Neutraer Raw i-"xr hat immer Dank und Anerkennung abgelehnt, so sei dies unser Dank und unsere Anerkennung: Wir wollen bestrebt sein, ihm nachzueifern, den Weg zu den Höhen ihm nachzugehen, so soll seine Mühe und Hingebung in uns weiterleben. Die Worte, die er durch fein Leben gelehrt, die Kenntnis vom wahren jüdischen Wesen, die er vermittelte, die nun, die dieser nr>ro:j» von gelebt, machen diesen Boten "Gottes unsterblich und sichern ihm in unseren dankbaren Herzen ewiges Gedächtnis: wb» i»pv mini nsn in»»’ jno ’»s» »s!rrin 'isas 'n yrrl-» ’2

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