Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1930)
- Date
- 1930-05-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der Israelit Nr. 21 Seite 5 22. Mai 1930 Korrespondenzen « nacbricbten. Deutsches Reich. Gründung eines Reichsverbandes der Schochtim Deutschlands Frankfurt a. M., 22. Mai. Die in Deutschland bestehenden Schochjiinverbände tagen mit Montag, den 9. Juni, vorm. 9,30' Uhr, im Sitzungszimmer der Religionsgesellschaft zu Mainz (Synagoge) zwecks Gründung eines Reichsverbandes der Schochtim. Dieser Reichsverband erstrebt die Zusammenfassung sämtlicher Schochtimverbände, sowie die Aufnahme aller angestellten Schottin!, die tatkräftige Vertretung und Verbesserung der Schochtiminteressen bei den Gemeinden und Behörden, besonders aber die Schaffung eines nach den Vorschriften den Lhauro geeigneten Schochtimstandes und die Wahrung und Hebung des strengsten Kaschrus in allen die Schechita betreffenden Fragen. Die Tagung, zu der u. a. auch Einladungen an den Verein für Schächtschutz in Berlin, an den Landesverband in Preußen und Bayern, sowie an den Verband in Halberstadt ergangen sind, verspricht eine würdige Kundgebung zu werden und wird sicherlich dazu beitragen, das Ansehen des Schochtimstandes zu heben und die Heiligkeit der Schechita als viipn rw«t>a zu heben. Schächtverbotantrag in Hessen. ’ .. Darmstadt, 19. März. Auch in Hessen ist bereits seit einiger Zeit der Kampf um das Schächten wiederum lebendig 'geworden. Der neuerdings zu den.Nationalsozialisten übergetreteue, von früher her genügend bekannte Abgeordnete Prof. Dr. Werner- Butzbach hat schon vor über einem halben Jahre einen Antrag auf Betäubungszwang gestellt. Ihm war seinzeit in einer Eingabe an das Ministerium der Hess. Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden, Darmstadt, entgegengetreten, der auch sämtliche anderen Schritte zur Bekämpfung des Antrages unternahm. Neuerdings ist nun vom Tierschutzverein für Hessen in einer gedruckten Eingabe mit reichlichem Material, die jedem Abgeordneten zugestellt worden ist, auch ein Gesetz zum Zwange der Betäubung beim Landtag beantragt worden. Ein Gegenantrag des Hess. Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemeinden wurde ebenfalls unter Beilegung reichlichen Materials jedem Abgeordneten überreicht. Er enthält die verschiedenen Einwendungen, die gegen einen solchen Antrag zu stellen sind und stellt das gesamte Material übersichtlich zusammen. Der Erklärung des Tierschutzvereins, die sogen, elektrische Betäubungsmethode sei rituell zulässig, steht ein Gutachten der Rabbiner des Verbandes entgegen, „daß die Betäubung des Schlachttieres, ob durch Schädelzertrümmerung beim Hirnschutz oder auf elektrischem Wege, ein nachfolgendes Schächten hinfällig macht, und datz das Fleisch eines solchermaßen geschachteten Tieres religionsgesetzlich zu genießen verboten ist." Die bisherigen dauernden Verhandlungen mit Regierung und Parteien lassen erhoffen, daß der Antrag m. G. H. die Ablehnung durch den Landtag erfahren wird. Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser. H a m b u r g , 18. Mai. Der Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser e. V. hielt in Hamburg am 13. Mai eine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Arnold Cohn, hebt in seinem Tätigkeitsbericht hervor, daß die Mitgliederzahl sich im Berichtsjahr um ca. 130 vermehrt habe. Der wirtschaftliche Tiefstand beeinflußt recht ungünstig den Eingang' der Beiträge, aber verschiedene Verbände haben dem Verein Gelder zur Verfügung 'gestellt.■ Mit dem Jüdischen Hotelierverein besteht eine angenehme Interessengemeinschaft, und mit dem in Polen neu gegründeten Verein >,Adaß Jisroel" ist die Korrespondenz aufgenonipren, da dieser Verein , dieselben Interessen vertritt, wie der .„Speiseverein". Diesem unterstehen jetzt im Inland 177, im Ausland 210 Speisehäuser, dazu kommen 26 dem Holländischen R.E.O.R. („Rituell Eten Op Reis") unterstellte Restaurants. — Herr Cohn würdigt das Andenken des im Berichtsjahre verstorbenen Mitglieds des Frankfurter Lokalkomitees, Nathan B a m b e r g e r s. A., der dem Verein große Dienste geleistet hat. In der Debatte über den Tätigkeitsbericht lobt Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach - Altona die Arbeitsweise des Büros und die neutrale, gewissenhafte Tätigkeit des Vorstandes. Er wünscht, daß bald auch in Berlin ein Lokalkomitee gegründet, werde. Angeregt durch Herrn Blum entwickelt sich eine längere Diskussion über den von Rabb. Dr. Frankfurter - Berlin konstruierten elektrisch-automatischen Schabbos-Ofen, der vor Schabbos so eingestellt werden kann, daß er nur für eine gewünschte Zeit am Schabbos wärmt. Das Essen wird vorher, fertig gekocht, kalt hineingestellt und der Strom schaltet sich automatisch zu der gewünschten Zeit ein und aus. Verschiedene Rabbiner haben ihre halachische Zustimmung zu dieser Einrichtung schon gegeben,■ praktisch Die Woche. Berlin. Zu Ehren des amerikanischen Politikers und jüdischen Philantropen Adolf Ochs, der sich einige Tage in Berlin aufhielt, gab der amerikanische Botschafter einen Empfang, zu dem politisch hochstehende Persönlichkeiten eingeladen waren. — Aus Anlaß des Frickschen Gebetes in den Thüringer Schulen richtet Dr. Ludwig Holländer in der C. V.-Zeitung einen Offenen Brief an Minister Frick, in dem er ihn auffordert, den Beweis für seine Behauptung, daß die Juden die Entsittlichung des deutschen Volkes betreiben, zu erbringen, wenn er nicht anders der Verleumdung geziehen werden sollte. — Hier wird neuerdings ein Tonfilm von Julius Pinschewer nach dem Motiv des Chad-Gadjo mit Irene Triesch aufgeführt: die Begleitmusik ist nach jüdischen Motiven komponiert. Breslau. Die verdiente Führerin der jüdischen Frauenbewegung und der jüdischen sozialen Fürsorge, Fr. Paula Ollendo r s f, vollendete ihr 70. Lebensjahr. Magdeburg. Der berüchtigstefrühere Pfarrer auf Borkum, Münchmeyer, wurde wieder einmal wegen Beleidigung der Republik und der jüdischen Religionsgemeinschaft zu einer Geldstrafe von Mk. 1500 verurteilt. Weimar. Eine teue Bestimmung F r i ck s verbietet den Stadtverwaltungen, Gesuche „fremdrassiger Ausländer" um Naturalisierung weiter zu empfehlen. — In der Thüringischen Universität Jena ist der L e h r st u h l für R a s s e n k u n d e beschlossen, den der antisemitische Professor Dr. Günther einnehmen wird. Der Lehrstuhl geht zunächst unter dem Namen „Soziale Antrophologie". Elbing. Hier fand unter Beteiligung der jüdischen Gemeindekörperschaften und Organisationen eine Ostmark-Tagung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten statt, die recht eindrucksvoll verlief. Am Vorabend der Tagung hielt der Bundesvorsitzende, Hauptmann der Reserve a. D. Dr. Leo Löwen st ein - Berlin einen Vortrag über das Thema: „Was ist der R. j. F. dem deutschen Judentum?" Rewyork. Der Präsident der deutschen Republik, Feldmarschall von Hindenburg, hat dem betanken jüdischen Philantropen, Herrn Julius Rosenw ald in Chicago, eine wertvolle Vase gesandt nebst einem Schreiben, in welchem Herrn Julius Rosenwald der Dank Deutschlands für seine zahlreichen großmütigen Spenden zugunsten deutscher kultureller Institutionen und des Fonds für deutsche Kriegswitwen und Kriegswaisen ausgesprochen wird. wird sie zurzeit ausprobiert. Herr Blum weist darauf hin, daß besonders bezüglich des Wärmens am Schabbos eine einheitliche Regelung für alle Speisehäuser getroffen werden muß, weil viele Gäste sich durch die unterschiedliche Behandlung benachteiligt fühlen.. Da jedoch die Frage, ob der Gast gesundheitlich auf gewärmtes Essen angewiesen ist, nur von ihm selbst nach ärztlicher Beratung beantwortet werden kann, ist in dieser Frage eine generelle Lösung unmöglich. Dr. Carlebach betont, daß trotzdem ein prinzipielles Gutachten des Rabbiners-Kollegiums eingeholt werden müsse, daß aber wegen der Zulässigkeit von Milch, Brot und Butter der zuständige Rabbiner jeweils nach den örtlichen Verhältnissen zu entscheiden habe. Der Rechenschaftsbericht ergibt einen Verluste von RM. 1441 im Berichtsjahre. Da jedoch eine erhöhte Propagandatätigkeit besondere Kosten verursachte, ist zu hoffen, daß diese Mehrausgabe sich in den folgenden Ferdinand Breslau Rappstr. 6 gegr. 1874 Tel. Zepp. 51528 Koks » Kohlen * Briketts « Holz Alleinvertreter W. Stern, Hegelstraße 6 Telefon Carolus 47501 Kostenlose Beratung in allen Haizungsangelegenheiten Jahren noch als produktiv erweist. Es werden verschiedene wertvolle Vorschläge zu einer Verbesserung der Propagandatätigkeit gemacht. — Darauf werden unter Punkt 3 der Tagesordnung der Vorstand außer Herrn Dr. Lerne r, der eine Wiederwahl abgelehnt hatte, und die Revisoren per Akklamation wiedergewählt. Oesterreich. Sitzung der Keren Hatorahzenlrale. Veth Jakob-Schulwerk. — Ferienkurse in Polen, Litauen, Lettland. — Sommerkolonien. — Gewerbeschule Kalisch. — Marannen-Hulfe. — Eröffnung der Lubliner Jeschiwo. W i e n, 19. Mai. Die Keren Hathorazentrale trat am 18. Mai zu einer Plenarsitzung zusammen, an welcher fast sämtliche Mitglieder teilnahmen. Dr. Deutschländer referierte zunächst über die Aktionen, die zugunsten des internationalen Beth Jatob-Schulwerkes in London, Paris. Zürich, Frankfurt, Leipzig, Rheinland, Berlin usw. stattgefunden haben und welche im Hinblick auf die schwere wirtschaftliche Lage ein doppelt erfreuliches Resultat gezeigt haben. Durch diesen Erfolg ist es möglich, eine größere Rate (ca. 5000 Dollar) für die innere Ausstattung des'Krakauer Zentralinstitutes zu bewilligen und die Ferienkurse für Polen in R a b k a , für Litauen, Lettland, voraussichtlich P a l a n - gen, und einige Kinderkolonien durch erhebliche Zuschüsse sicherzustellen. Sommererholungskurse, die in diesem Jahre besonders notwendig sind, sollen veranstaltet werden in verschiedenen Gebirgsorten der Slovakei, Galiziens und Mittelpolens. Die Vorarbeiten sind bereits in Angriff genommen. Für die Gewerbeschule in Kalisch, die der Referent inspiziert hat, ist in Berlin unter Assistenz von Rabbiner Leiner ein "eigenes Komitee geschaffen worden, in welches die Herren: Dr. Nathan Birnbaum, Rabbiner Dr. H. A. Cohn» Rabbiner Dr. I. Freimann, James Halberstadt, Rabbiner Dr. Hildesheimer, Menko Mar Hirsch, Adolf Schoyer, Dr. Jakob Tugendreich, eingetreten sind. Das Berliner Komitee hat bereits einen erheblichen Entschuldungsbeitrag zur Aufrechterhaltung der Schule nach Kalisch überwiesen. Dr. P. K o h n berichtete über die Marannenfrage. Auf Grund der von verschiedenen Seiten eingelaufenen Berichte wurde beschlossen, einen Zuschuß zum Bau einer Synagoge in Oporto, wie auch einen Beitrag für die Entsendung eines fromme n Lehrers ztl bewilligen. Oberrabbiner Schapira - Pelrikau, von der Versammlung herzlichst begrüßt, berichtet über den Stand der Lubliner Jeschiwa. Das polnische Staatsministerium und die polnische Regierung ist im Prinzip bereit, eine Anleihe von 100 000 Zloty (11000 Dollar) zu mäßigem Zinsfuß zur Verfügung zu stellen. Die Versammlung gab ihre Zustimmung zur Aufnahme der Anleihe und erklärte sich bereit, für die Rückzahlung aus Mitteln der Keren Hathorazentrale teilweise aufzukommen. Die Eröffnung und Einweihung 'wird auf' den 23.—27. Siwan festgesetzt. Oberrabbiner Schapira gibt Mitteilung von den umfassenden Vorbereitungsplänen und bittet alle Landesverwaltungen des Keren H a t h o r a für die Beschickung der Feier Sorge zu tragen. Seitens der staatlichen Behörden werden Begünstigungen im weitesten Sinne gewährt und durch offizielle und private Komitees wird aufs beste für die Gäste gesorgt werden. Oberrabbiner Schapira ersucht die Keren Hathorazentrale nochmals dringend, beim „Joint" zw intervenieren, da es ein einzigartiges Faktum ist, daß der Joint für, diese wichtige Gründung bisher nicht einen Dollar betvilligt hat, während ähnliche Gründungen der anderen Richtungen erhebliche Zuschüsse erhalten haben und erhalten. Referent verweist aus die Subventionierung des Jüdischen Akadeinischen Heimes in Warschau und anderer kulturellen Institutionen. Es wird im Sinne des Antrages beschlossen.