Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1930)
- Date
- 1930-05-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 21 Der Israelit 22. Mai 1930 Htzlmrws vis großartigste Neuerung seit Erfindung des Gasherdes! Braten u. Grillen im eigenen Saft, ohne Begießen, ohneVorkenntnisse, ... im neuen SENK1NG - - Gasherd Mod. 1930 Rituelle und Sabbat-Vorschriften werden gern berücksichtigt ■ E. HAGE & Co. Am Eschenheimer Tor 3 langen muß, um ein Minimum zu erreichen. Aber wird nicht das arabische Minimum ein Maximum an jüdischem Verzichte sein? Wir lieben keine starken Worte gegen die Araber und sagten es im Leitartikel der jüngsten Nummer, daß es nicht angehe, Simpson mit allzuviel Vorschußmißtrauen in ferne Mission zu begleiten. Aber aus der anderen Seite könnten doch die Araber mit der Entsendung eines Experten, um die Probleme des Bodens und der Einwanderung von neuem zu studieren und den in Aussicht gestellten konstitutionellen Aenderungen in der Palästina-Regierung wohl zufrieden sein. Uns Juden ist ja von der gut eingeweihten „Dimes" gesagt worden, was wir von dem Experten und seiner MissiMl, wie von den angedeuteten konstitutionellen Aenderungen zu erwarten Haben, Und manche Symptome, so Me1 Unterbindung der Chaluzimeinwanderung, bestätigen jetzt schon ihre Auffassung. Das alles aber entspricht nicht den Forderungen der Araber, die auf eine Sperre d c r E i n w a n d e r u n g , ein V e r b o t des jüdischen B o d e n a n k a u f s und eine Volksvertretung nach ihren letzten Wünschen hinausgehen. Eine Erfüllung dieser Wünsche würden die Araber Gerechtigkeit nennen. Weil aber die englische Regierung all diese unerhörten Forderungen nicht gleich unbesehen annahm, werfen sie ihr die Akten vor die Füße und fahren heim. Diese Tragikomödie Mit vertauschten Rollen dürfte, wenn man die Augustereignisfe im Auge hat, einzig in der Geschichte der Völkerpolitik dastehen. Arabischer Mob überfällt mit Wissen und Willen seiner politischen und geistigen Führer friedliche Bürger, mordet und plündert ungehemmt und schlachtet zu Hunderten unschuldige Menschen dahin, die sich nie um Politik und ähnliches gekümmert haben. Eine Untersuchungskommission kommt nach Palästina. Die Araber rechtfertigen sich nicht, sie klagen an, decken die Bluttaten der Horden und drohen mit einer zweiten verbesserten Auflage. Ihre Führer werden nicht als Angeklagte nach London, zitiert, sondern kommen als freie Delegation dahin, werden in Ehren empfangen und behandelt. Sie rechtfertigen sich nicht, sondern klagen an, stellen Förderungen und brechen beleidigt die Verhandlungen ab, weil die Regie rung nicht gleich willig ist, Mordtaten! mit erwei tertem Rechte zu belohnen. Nach einer Auskunft der ITA. nimmt man in London die gekränkte Unschuld der Araber nicht sehr tragisch. Und gerade das wirkt beim ruhigend. Mussolini winkt ab . . . Man hatte schon oft Anlaß zu der erfreulichen Annahme, daß sich die deutschen Antisemiten sehr zu Unrecht an die Rockschöße des italienischen Fa schismus hängen. Aber so kräftig wurden sie noch nie ab geschüttelt, wie es jetzt in einer Aus spräche zwischen Mussolini und dem bekannten Chefredakteur des „Berliner Tageblattes"^ Theo dar Wolfs, geschehen ist. Der italienische Fa schismus, sagte der Duce, sei keine Exportware Alle, die im Auslande, besonders in Deutschland und Oesterreich, mit dem Hakenkreuz chren Fa schismus in die Straßen hiNcrusschreien, hätten das Wesen des Faschismus nicht im entferntesten erfaßt, benutzen ihn nur als Mäntelchen für ihre kleinlichen und engherzigen Ideen und Bestrebungen. v ,,V" Das ist deutlich! Es ist zwar nicht zu erwarten, daß die Ultra-Nationalisten durch diese kalte Dusche des Duce zur Besinnung kommen u!nd einsehen, wie häßlich und absurd es ist, im Kampfe für „völkische Kultur" gegen „landfremde Elenionte" über die Grenze hinüberzuschielen und um geistige und materielle Hilfe bei fremden Nationen zu betteln — besonders wenn man diese Hilfe nicht bekommt. Nein, das werden, sie nicht einfehen. Aber die Welt weiß es jetzt einmal für allemal ganz genau: Es gibt in Italien keinen Bedarf an deut schenHakenkreuzenfür italienische Schwarzhemden! ' .i.’.?/ Das »Jüdische Hüfswerk" in Berlin. Eine jüdische Wohlfahrtseinrichtung, die es bisher — man könnte geradezu sagen — ängstli vermieden hat, sich mit ihren beachenswerten Leistungen an die breiteste Oeffentlichkeit hervorzuwagen, ist, wie bereits mitgeteilt, das „Jüdische Hilfswerk" in der Rofenthalerstraße 58. er nach seinem Fastenhirtenbries, der die Bekämpfung des bolschewistischen Unglaubens zum Gegenstände hatte, die allzueilig angebotene Hilfe des.Stahlhelm abwimmelte: ei verschmähe alle Mittel äußerer. Gewalt, nur geistige Aufklärung und friedliche Verständigung seien die rechten Mittel. Ein Kaltwasserstrahl des Kardinals wäre auch nach Thüringen nötig.: Wir möchten bezweifeln,, ob die „frommen". Gebote Dr^ Fricks Die kirchliche Sanktion je finden werden. Immerhin ist es bezeichnend, daß man es überhaupt gewagt, das national-sozialistische Regime derart „krönen" zu wollen! Wochenkalender. v. 24. — 31. Mai 1830 ' o. 26. Jjar b. 4. Siwan 5690 Samstag 24 26 iznnn pnan »npna *ina Sonntag 25 27. Der Mauted ist Dienstag L . abends 10 Uhr 28% Min. Montag 26 "l»»8 28 Dienstag Mai 27 29 pp 11O2 Dl» Mittwoch 28 1 cnn Donnerstag 29 TPO 2 Freitag 30 3 nVasn »»»'s Samstcg 31 4 nVasn »a» 's nanaa Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Sch achnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V.: S. Schachnowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag Israelit", ®. m. b. H., Frankfurt a. M. — Druck: Hermon Verlag und Druckerei, Frankfurt a. M. Familiennachrichten. Barmizwo: von Gerhard Szchottenfels - Schott. 31. Mai 1930. iai»a. Synätzoge UnMlindau. Niedenau Nr.'43. :! Briefkasten. W. W. Mt. 5.— eingegangen und für den angegebenen Zweck verbucht. Kelkheimer Möbelmesse. Vom 25. Mai bis 1. Juni veranstaltet die Gruppe der Kelkheimer Möbelfabriken wieder eine' öffentliche Verkaufsausstellung in verschiededenen dortigen Sälen. — Mancher wird die Sonntage und Himmelfahrt gerne zu einem Ausflug nach Kelkheim benutzen und das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Schlaf-, Speise- und Herrenzimmer stehen in reicher Auswahl und zu billigen Preisen zur Besichtigung. St. Moritz, das einzige Bad in einer Höhe von 1800 Meter im trockensten Teil des Alpengebietes, vereinigt mit.feinem strahlenreichen Mpenklima die heilsamen Wirkungen seiner drei natürlichen kohlesauren Stahlbäder. Unter den modern und bequem eingerichteten Hotels ist besonders zu nennen das Hotel Edelweiß mit der sehr schön und ruhig gelegenen Dependance Villa Heim a t. Das Hotel Edelweiß wird nach' gründlichen Renovierungsarbttten und einer Vergrößerung ber- Eesellschaftsräum.e am 12. Juni wieder eröffnet. Neben seiner überaus günstigen Lage in der Nähe der Wälder, des Sees und der Bäder und seiner rituellen Küche besitzt es auch sonst alle Mittel und Annehmlichkeiten, um eine sehr empfehlenswerte Erholungsstätte zu fein. Nur Eingeweihte wissen von der an dieser Stätte dm Stillen geleisteten und von echtem jüdischem Geist getragenen Sozialarbest iM Dienste der Notleidenden und Kranken. Frei von jeder jüdisch-polittschen Einstellung öffnet es jedem. Juden feine Tore, den'das WirtfchaftseleKd unstrer Zeit ans seiner ehedem besseren wirtschaftlichen und sozialen Lage in ein ungleich schlechteres Lös hineingetrieben hat und früher vielleicht selbst cvls edler Spender bekannt, jetzt gezwungen ist, an die wohltätige Gesinnung Anderer zudappellieren. Jener jüdische Mittelstand, der allezeit Lebensquell der jüdischen Gemeinschaft war, der den wirtschaftlichen Erschütterungen des Krieges und der Nachkriegszeit. die schwersten Opfer gebracht hat und' unaufhaltsam dem Proletarisierungsprozeß entgsgenzuschreiten scheint, er ist es, dem das „Jüdische Hilfswerk" m allererster Linie seine Kräfte wecht. So sind denn Art und Methoden der Betreuung völlig dem ehemaligen Niveau dieser Kreise angepaßt. Mit feinem Takt und absoluter Diskretion werden die einzelnen Fälle geprüft und mit möglichster Beschleunigung individuell behandelt. Dankbar wird diese von den Petentenjederzeit anerkannt. vrr» nu\. Seit 7 Jahren versieht das „Jüdische Hilsswerk" ferne schwere, aber ideale Aufgabe. Mit einem Kreis hingebungsvoller Mitarbeiter wurde dieses Werk unter den denkbar schwierigsten wirtschaftlichen Umständen ins Leben gerufen und bis heute fortgeführt. Man vergegenwärtige sich den Grad des Geleisteten an dem bis heute angewachsenen Jahresbudget von Mk. 100.000, das'fast nur aus freiwilligen Beiträgen und Spenden aufgebracht wird. Ein kleines Bild über die Leistungen des Hilfswerkes geben' folgende Angaben: Es werden regelmäßig verabfolgt: Monatlich etwa 500—600 reichhaltige Lebensmittelpakete, M o n a t l i ch e Barunterstützungen in der Höhe bis Mk. 100.—, Einmalige größere Barunterstützungen, Wöchentlich Krankenkost an Patienten, K l e i d u n g und Wäsch e. Hinzu kommen periodisch wiederkehrende Sonderaktionen. In erster Linie verdient die seit mehreren Jahren durchgeführte Versorgung von jüdischen Patienten der städtischen Krankenhäuser Berlins mit ritueller Kost an den Peßach-Feiertagen Erwähnung. 130 Pattenten in 18 städtichen KrUnikenhäusern konnten auf diese Weife zum diesjährigen Fest trotz aller Schwierigkeiten der Geldmittelbefchaffung mit ritueller Kost verpflegt werden. Die Kosten wurden durch Sonderspenden und einem Zuschuß der Jüdischen Ge- - meinde Berlin bestritten.' :-M ' Eine andere Aktion dient-dem Zweck, bedürftigen' Rekonvaleszenten - auf Kosten dse .Hilfswerkes-durch eine Kurverschickung'die Wiederhertellung ihrer Arbeitsfähigkeit zu ermöglichen. Im vergangenen Jahve - konnte - 50 Patienten eine Badereise bewilligt werden. Vollkommen geheilt haben sie ihre berufliche Tätigkeit " wieder aufnehmen können. Mindestens die gleiche Zahl soll auch in diesem Jahre verschickt werden. Die Angespanntheit der finanziellen Lage des Hilfswerkes läßt jedoch ihre Durchführung fast unmöglich erscheinen. Und doch muß es geschafft werden. Dieser Bericht soll daher nicht an die Oeffentjichkeit gelangen, ohne gleichzeitig einen herzlichen Appell an die gesamte Judenhett Berlins zu richten, dieses vielgestaltige Unterstützungswerk, welches zu einem unentbehrlichen Faktor im- Rahmen der Berliner jüdischen Wohlfahrtspflege geworden ist und eine wertvolle Ergänzung der Leistungen anderer bewährter Einrichtungen bildet, durch Beiträge und Spenden mittragen zu helfen. Ld.