Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1930)
- Date
- 1930-05-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 20 D er Israelit 15. Mai 1930 hingen der britischen Regierung mit der arabischen Delegation in London und die erste Maßnahme in der Durchführung der Empfehlungen der Palästina-Untersuchungstommission. Erklärung über die Stellung der indischen Moslems zu Palästina im Englischen Unterhaus. London, 6. Mai. Auf eine Frage von Colonel Howard Burg im Unterhaus, ob der Regierung bekannt fei, daß die in B o m b a y stattgefundene Allindische moslemitische Konferenz Resolutionen angenommen hat, in denen gegen die Behandlung der moslemitischen Glaubensbrüder in Palästina protestiert und ein Palästina-Tag für ganz Indien, Gurma und Ceylon am 16. Mai proklamiert wird, und ob die Regierung irgend welche Schritte ergreifen wolle, um die 70 Millionen Moslems in Indien hinsichtlich der palästinensischen Moslems zu beruhigen, ferner ob mit der Regierung Indiens über diesen Gegenstand irgend welche Korrespondenz geführt worden ist, erwiderte der Staatssekretär für Indien, Wedgwood Denn, er sei über das mohammedanische Gefühl aufgeklärt. Graf Win 1 erton, der frühere Unterstaatssekretär für Indien, fragte, ob dem Staatssekretär für Indien bekannt sei, daß die Resolutionen des Allrndischen Moslemiten-Kvngressetz, von einigen der verantwortlichsten Moslemiten in Jnd'eu unterstützt werden, und ob er veranlassen will, daß Kopien der Resolutionen an den Premierminister und den Kolonienminister gesandt werden? Der Staatssekretär für Indien, Herr Wedgwood Benn, erwiderte, er werde eine solche Veranlassung treffen. Erziehung zum Sabbat. London, 5. Mai. Eine interessante Korrespondenz hat sich zwischen dem hiesigen Sabbatschutzbüro, das seit vielen Jahrzehnten eine segensreiche Tätigkeit entfaltet, und dem Lehrlingsausschuß des Board of Deputies eutsponuen. Dieser Board hatte bis vor kurzem streng daran festgehalten, jüdische Knaben und Mädchen nur in solche Lehrstellen unterzubringen, in denen durch vertragsmäßige Abmachungey mit den Meistern dem Lehrling die Wahrung des Sabbats gesichert war. Plötzlich hat nun der Board den Beschluß gefaßt, von diesem Prinzip abzumeichen und — zunächst versuchsweise auf ein Jahr — auch solche Lehrlingsstellen zuzuweisen, in denen eine Garantie für den Sabbat nicht gegeben ist. Das Sabbatschutzbüro hat sich bisher vergeblich bemüht, den Board zu einer Aenderung seiner religionsgesetzlich unhaltbaren Beschlußfassung zu bestimmen. Man versteht nicht recht, aus welchen Gründen der Chief-Rabbi es bisher vermieden hat, in der Angelegenheit einzugreifen, Seiner Intervention würde es wohl gelingen, eine Aenderung herbeizuführen, bevor der Mißbrauch zu einem durch die Gewohnheit geheiligten Rechte geworden ist. Tschecho-Slowakei. Wahlen in die Repräsentanz der Prager Jüdischen Gemeinde. P r a g , 6. Mai. Am 4. Mai wurden in Prag die Neuwahlen in die Repräsentanz ber:| Jüdischem Gemeinde wiederholt, die bekanntlich bereits am 10. November 1929 durchgeführt, jedoch wegen Mängel der Wahlbestimmungen und wegen Wahlfchwindelcien annulliert worden waren. Eine Beschwerde der tschechoslovakychen jüdischen Partei gegen den Annullierungsbeschluß der Repräsentanz wurde vom Landesamt für Böhmen abgewiesen. Die Wahlen, für welche eine scharfe Propaganda aller Parteien durchgeführt wurde, ergaben folgendes Stimmverhältnis: Demokratische Partei 2740 Stimmen, 7 Mandate (gegen 6 bei den annullierten und 6 bei den letzten Wahlen); Jüdischnationale Partei und Poale Zion 2427 Stimmen, 7 Mandate (gegen 6 bei den annullierten Wahlen); Tschechojudeu 2162, 6 Mandate (8 bei den annullierten, 6 bei den letzten gütigen Wahlen): Orthodoxe Mittelstandspartei 1037 Stimmen, 3 Mandate (3), Fortschrittspartei 372 Stimmen, 1 Mandat (1). — Die Prager Jüdische Gemeinde zählt rund 30 000 Seelen. Rabbmerwahl. U z h o r o d (Ungvar), 5. Mai. Oberrabbiner Josef K o h n aus Deutfch-Kreutz, früher in Bonyhad, wurde nach leidenschaftlichem Wahlkamps zum Oberrabbiner unserer Gemeinde gewählt. Von 980 Gemeindemitgliedern machten 884 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Von diesen Stimmen entfielen auf den neugewählten . Oberrabbiner 505; der Sohn des verewigten Oberrabbiners, Herr Rabbiner Iosua Erünwald, erhielt 379 Stimmen. Die unterlegene Partei ersuchte den neugewählten Oberrabbiner telegraphisch, die Stelle nicht anzunehmen, bis nicht ein Besdin oder ein Schiedsgericht über die etwaigen Ansprüche des Sohnes entschieden haben werde. Versonalien. Baisingen, 12. Mai. Bei der letzten Vorsteherwahl hat der Vorsitzende der letzten Wahlveriode, Herr Louis Marx, sich zur Annahme einer Wiederwahl nicht entschließen können. Da er 27 Jahre als Mitglied bezw. Vorsitzender des Vorsteheramts für die Gemeinde verdienstvoll gewirkt hatte, beschloß das Vorsteheramt einstimmig, Herrn Louis Marx zum Ehrenvorsitzend en zu ernennen und bat ihn, auch fernerhin mit beratender Stimme an den Sitzungen teilzunehmen, sodaß die Gemeinde auch in Zukunft seinen Schatz an Erfahrungen und seinen von tiefer Religiösiiät erfüllten Sinn nicht entbehren müsse. In der Herrn Marx durch das Vorsteheramt überreichten Ehrenurkunde heißt es ferner, daß sein ruhig abwägendes Urteil bei allem Jugendeifer für die heilige Sache des überlieferungstreuen Judentums, ihm in der Gemeinde diesen Ehrenplatz erwirkt habe. Fürth, 11. Mai. Unsere Gemeinde steht untrer dem schmerzlichen Eindruck, den das Ableben der allgemein rühmlichst bekannten Frau K a r o l i n e Jchen Häuser überall hervorgerufen hat. Monatelang bangten Freunde und Bekannte vor dem Eintreten der schmerzlichen Katastrophe; ärztliche Kunst und kindliche aufopfernde Pflege vermochten nicht, das so reiche Leben der Entschlafenen länger zu halten, rmns "v nawV bv non r-nim n»=n> Sie tat ihren Mund auf mit Weisheit und auf ihrer Zunge war holdselige Lehre. Versäumte sie doch in ihren gesunden Tagen bis vor einigen Monaten keinen n'2»-Gottesdienst; jeden Montag und Donnerstag keinen mono um -ms r^sna ihrem Schöpfer für alles Gute und Schöne zu danken. Gegen Arme wohltätig und freundlich: gegen Bemittelte, die ihres Rates bedurften, stets hilfreich und beratend zur Hand. Nie hat ein Armer unbefriedigt und ungesättigt ihre Wohnung verlassen; nie ein des Rates und Trostes Bedürftiger trostlos ihre Schwelle! Sie wartete nicht bis man sie aufsuchte; sie ging in die Wohnungen der Armen und Hilfsbedürftigen, um nach dem Notwendigen zu sehen. Dank wies sie stets entschieden zurück. Jedem einzelnen Menschen tat sie T>aa an — aber wehe, wenn mau ihr die ihr so sehr gebührende 1122 erweisen wollte, da konnte sie wirklich barsch werden. Wir Freunde dürfen nicht klagen — denn 85 Jahre währte ihr Erdenwallen: di; Kinder und Angehörigen werden aber Trost finden in der Tatsache, daß ihr Andenken bei Allen, die sie gekannt, fortleben wird in Liebe und Verehrung. rrasjn Karlsruhe, 12. Mai. Im Alter von 72 Jahren starb der Stiftsrabbiner Ekiba Mayer, der 40 Jahre hier als Lehrer und p'i gewirkt hat. Er hat sich Jeden' Nachruf verbeten. Sein reichhaltiger literarischer Nach-! laß umfaßt einen fast vollständigen Kommentar zur' und zum D"3m sebr viele die Ilebertragungi eines Wörterbuches ins Hebräi'che u. a. rraxsn* Hamburg, 15. Mai. Der 11. Mai bedeutete für die jüdische Gemeinschaft Hamburgs einen Tag tiefer und schwerer Trauer. Drei angesehene jüdische Familien sind durch den Heimgang eines teuren 'Angehörigen in tiefe Trauer versetzt worden. Am 11. Mai begruben wir in Langenfelde Frau Jeannette K I u g m a n n , die aus ihrem eigentlichen Heimats- und Wirkenskreise, Nürnberg, vor zirka fünf Jahren nach Hamburg gezoden war, um hier bei ihren Kindern die letzten Lebensjahre zu verbringen, denen ein schmerzvolles körperliches Leiden die Schwere, aber wunderbare, aufopferungsvolle Pflege durch die ^Tochter, den Schwiegersohn und die Enkelkinder die ^-üße gaben. Daß man auch hier in Hamburg wußte, welch reiches, gottgesegnetes Leben diese. Frau gelebt hatte, ein Leben voll innigster Gottesfurcht, voll unablässiger Zedoko-Uebung, der selbstlosen Fürsorge für den im Tod vorangegangenen Gatten, eine der führenden Persönlichkeiten der Nürnberger Adaß Iisroel, daß man auch hier in Hamburg wußte, daß es zum großen Teil der Mutter Verdienst war. wenn die Kinder hier und die beiden Söhne in Nürnberg in vorbildlicher Weise für Judentum und Jüdischkeit unermüdlich wirken, dies bezeugte die außerordentlich große Teilnahme an Lewajo und Kewuro, dies kam zum Ausdruck in den dankerfüllten Worten des Sohnes, in dem würdigenden Nachruf, den ein Freund des Hauses hielt, und in welchem er die Bedeutung dieser Frau, die, weil sie ganz Jüdin war, so ganz Gattin und Mutter sein konnte, zu schildern versuchte. Am Mittag wurde auf dem Gemeindefriedhof in Ohlsdorf Frau Betty Koppel-Rendsburg zur letzten Ruhe getragen; Sproß einer in Treue bewährten frommen hamburgischen Familie, dahingegangen auf der Höhe des Lebens, bewährt in treuer Kindes- und Gattenliebe, die das Psalmistenwort: „Wenn du die Mühe deiner Hände genießest, dann Heil dir und wohl dir" zur Verwirklichung brachte, und der darum dort der Lohn sich zugesellen wird zur Liebe und Verehrung, die ihr hier geworden. Und wiederum auf dem gleichen Beth Aulom fanden sich am Nachmittag Hunderte und Hunderte ein, um einem Mann. des Gemiluth chessed schel Cmeth zu erweisen, der diese Mizwo jahrzehntelang in vorbildlichster Weise selbst geübt hatte: Moritz Wolff. Nach kurzer Krankheit, im 67. Lebensjahre, ging dieser vielgeliebte, liebenswürdige, fromme und gütige Mann von uns. Als Sohn von Louis Wolff, dessen Erinnerung in Hamburg noch heute, drei Jahrzehnte nach seinem Tode, unverblaßt ist, war er wahrer und Mehrer der großen väterlichen Traditionen: groß im Zedoko-Tun, fest in der Frömmigkeit und von höchster Rechtschaffenheit im Berufsleben. Jahrzehntelang wirkte er als Gabai der Chewra Kadischa, jahrzehntelang in der Verwaltung des Altenhauses der Gemeinde, dessen Insassen alle ausnahmslos zu ihm, dem Jüngeren, wie zu einem Vater emporblickten, so überschüttete er 'sie mit Liebe und Fürsorge. Jahrzehntelang war er ein hinreißender Schliach Zibur, der seine Hörer durch die Schönheit seiner Stimme, aber mehr als dies, .durch die wunderbare Innigkeit seines Betons und Dorbetens zu Gott mit emporzog. Dem großen Verlust um diesen aristokratischen Menschen, den rührend zärtlichen Mann einer gleich ideal gesinnten Gattin, den Vater, der seinen beiden Söhnen der nächste Freund war, gaben bewegten Ausdruck der ehrwürdige Maggid der Chewra Kadischa Rabbiner Dr. Jacobson, der Vorsitzende der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, Alfred L e v y, ein Sohn und schließlich Oberrabbiuer Dr. C a r l e b a ch - Altona. n"as:m. Vermischtes. Berlin, 12. Mai. Die Moritz Mannheimer- Stiftung schreibt. drei Preise von RM. 500, 300, bezw. 200 — falls eine unterschiedliche Beurteilung nicht eintrelen kann, drei gleiche Preise von RM. 300 — für Aufsätze aus, welche innerhalb des testamentarisch vor-' geschriebenen Themas: „Menschenliebe, Gerechtigkeit und Duldsamkeit als Grundpfeiler der menschlichen Gesellschaft" frei zu wählende Einzelthemen zum Gegenstand haben. Die Aufsätze sollen 6 Seiten Großoktav (21,2 Zentimeter breit, 28,8 Zentimeter hoch, Satzspiegel 24:17) nicht überschreiten und sind bis spätestens 1. Oktober 1930 in verschlossenem Kuvert mit einem Kennwort versehen, an das Büro der Großloge für Deutschland, Berlin W 62, Kleiststr. 12, einzureicheu. In einem anliegenden, gleichfalls geschlossenen, das gleiche Kennwort tragenden Kuvert ist der Name des Verfassers mitzuteilen. Basel, 12. Mai. Der Initiative des Herrn Konsul Sally G u g g e n h e i m , des Gründers der Israelitischem Religionsgescllfchaft, ist es zu verdanken, daß fortan Schüler auf Antrag der Eltern vom Schulbesuch an Sabbat und _ Feiertagen dispensiert werden können. Dieser Beschluß des Erziehungsdepartements von Basel istvon" der Orthodoxie mit großer Genugtuung begrüßt worden. Briefkasten. I. W. K. Wir danken Ihnen für den Hinweis, daß in Nr. 18 _ im Nekrolog auf Herrn I. Fink y'sr aus Versehen ein vr? stehen geblieben ist, und bitten 'die Leser, diese Nummer aufzubewahren oder zu den v'vV zu legen. N. 880. M. 9.25 eingegangen und auf beiden Abonnements-Konten gutgebracht. Ober!. O. in Ust. Wir glauben, daß nichts dagegen einzuwenden ist. Familiennachrichken. Var mizwo: Bernhard, Sohn des Herrn Moritz Keßler. Frankfurt a. M., Heiligkreuzgasse 3. -na« 's. Synagoge Friedberger-Anlage. — Martin, Sohn des Herrn Ist Goldschmidt, mm nzns- Berlin NW. 87. 17. Mai 1930. Siegmundshof 10. Adaß Siegmundshof. G eburtstag: Hermann v. d. Walde, Emden. Ostfrsl., 80 Jahre, 19. Mai. BAD HOMBURG fc Homburg er Elisab eih enbrunnen Reiches Veranstaltungsprogramm - Golf, Tennis, Reiten, Tontaubenschießen, Strandbad - Der größte Kurpark Deutschlands. mit seiner glücklichen Vereinigung von kohlensauren Kochsalzquellen und starken natürlichen kohlensauren Bädern; daher hervorragende Heilerfolge bei Magen- und Darmleiden sowie Herz- und Gefäßerkrankungen. 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