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Der Israelit · 1930-05-15 · Heft 20 (15.5.1930) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 20 (15.5.1930)
Date
1930-05-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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15. Mai 1930 Der Israelit Nr. 20 Seite 5 gebete, die in verleumderischer und recht unchristlicher Weise den, republikanisch gesinnten und friedliebenden Teil der Thüringer Bevölkerung Betrug und Verrat oorwerfen. Die Behauptung, daß Gottlosigkeit und Vaterlandsverrat das deutsche Volk vernichtet und zerrissen haben, ist eine politische Provokation schlimmster Art. Die amtliche Ausstellung solcher Behauptungen, die eine Beleidigung weiter Bevölkerungskreise darstellen und darum verletzend wirken müssen, ist ein offener Verstoß gegen die Bestimmungen der Reichsverfassung, nach der in öffentlichen Schulen die Empfindungen Andersdenkender nicht verletzt werden dürfen. Die Gebote find ein Mißbrauch der Religion und ein Mißbrauch der Schule für parteipolitische Agitation. Die Regierung wird desr halb ersucht, die Gebetsverordnung vom 16. April aufzuheben." In der Mittwochsitzung des Haushaltsausschuß des Thüringischen Landtages fragte ein Vertreter der Sozialdemokratie den thüringischen Innenminister, gegen welche „art- und volksfremden Kräfte" sich die von ihm angeordneten Schulgebete richten. Frick antwortete wörtlich: Ich will ganz offen sein. . Wir brauchen uns da nichts vorzumachen. Die Entsittlichung des deutschen Volkes geht aus von rassenfremden Elementen, nämlich von den Juden." Der Interpellant der Sozialdemokratie stellte daraufhin sofort fest, daß diese Auslegung der Freiheitsgebete niedrigste Judenhetze sei, die sich mit den Grundbestimmungen der Weimarer Verfassung nicht vertrage. Zum Schächtverboksantrag in Thüringen. Weimar, 12. Mai. Wie bereits mitgeteilt, haben die Thüringer Nationalsozialisten im Landtag ein Schächtverbot für Thüringen beantragt. Nunmehr hat der Bezirksverein Thüringen im Deutschen Fleischerverband eine Gegeneingabe an den Landtag gerichtet, in der er sich entschieden gegen das Verbot wendet. Das Schächtverbot in Bayern habe zur Folge, daß sich die jüdische Bevölkerung mit Fleisch aus den Nachbarländern, sogar aus dem Auslande, versorge. Das gleiche würde in Thüringen geschehen. Es würde somit das thüringische Land durch das Gesetz schwer geschädigt. Die systematische Versorgung aus den Städten an der Grenze sei ja außerordentlich leicht. Die Thüringer Kur- und Badeorte, die bekanntlich von Juden stark besucht werden, würden gezwungen sein, rituelles Fleisch von außerhalb Thüringens einzuführen. Der Verein weist noch darauf hin, daß der Deutsche Fleischerverband mit seinen 60 000 Mitgliedern bisher in der Schächtfrage völlige Neutralität beobachtet habe. Litauen. Die Konzessionen in der Mlnaer Rabbinerfrage Wilna, 10. Mai. Wie wir bereits berichteten, haben die alten Rabbinen ihre Nominierung als Vizerabbiner im Rabbinate des zum Oberrabbiner ernannten Herrn Rabb. Rubinstein zu rückgewiesen. Das würde die Anerkennung eines liberalen und eines orthodoxen Judentums bedeuten, die gleichberechtigt nebeneinander bestehen könnten, und damit würde die weltliche Reform den Eingang in Polen gefunden haben mit ali ihren niederreißenden Folgen und Wirkungen. Darum sei die ablehnende Haltung der alten Rabbinen dem Vorschlag der Verwaltung gegenüber eine rettende Tat für das gesamte O st j u de n - tum. In der Wilnaer Rabbinerfrage gäbe es nur eine Lösung, nämlich, unter Preisgabe des Oberrabbknates, alle bisher bewährten Mitglieder des Rabbinates als Gemeinderabbiner mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten anzuerkennen. Polen. 'Eine seltene Feier auf dem Lemberger Friedhof. Lemberg, 11. Mai. Am Sonntag stand die Lemberger Gemeinde unter dem Eindruck einer religiösen Feier, die vielleicht einmal in 100 Jahren wiederkehrt. Ein neues Feldstück wurde dem alten Friedhof angereiht und feierlich eingeweiht. Die Beteiligung war außerordentlich stark. Für die -Einweihung besitzt die Lemberger Kehilla bereits eine Tradition. Schon in aller Frühe waren Vorsteher und Rabbiner auf dem heiligen Orte. Rund um den Friedhof, in einern Umfange von ungefähr zwei Kilometer,? wurden, jedesmal unter Anführung eines anderen Dajans, sieben Die Woche. Berlin. An Stelle des aus dem JAC.-Council ausgetretenen Dr. James S i m o n wurde Justizrat Dr. Blau-Frankfurt a. M. gewählt. Da dieser bisher im Verwaltungsrate der JCA. die Frankfurter Gemeinde vertrat, wurde jetzt mit dieser Vertretung R.-A. Dr. Eduard B a e r w a l d betraut. Die deutsche Delegation in der JCA.-Verwaltung besteht somit zurzeit aus den Herren Justizrat Dr. Blau, Dr. Alfred Klee, als Vertreter der Berliner Gemeinde und Dr. Baerwald als Vertreter der Frankfurter Gemeinde. — Nach einer neuen, in der „Juristischen Wochenschrift" veröffentlichten Entscheidung des Reichsgerichtes gilt das Wort „Judenrepublik" als eine Beschimpfung und Uebertretung des Republikschutzgesetzes. — Das neugegründete Institut für jiddische Wissenschaft bildete ein Kuratorium mit einem Ehrenpräsidium, dem u. a. Albert Einstein, Eduard Bernstein, Professor Freud, Wien, Dr. Gaster, London und Professor Simonsen, Kopenhagen angehören. — Freitag nachts, vom 25. auf den 26. April ds. Js., ist die Stadt Przeworsk, eine der, ältesten jüdischen Gemeinden in Klein-Polen, von einer schweren Brandkatastrophe heimgesucht worden. Das Unglück traf ausschließlich einen vom jüdischen Mittelstand bewohnten Stadtteil. In Berlin nimmt ein Rettungskomitee für Przeworsk Spenden auf Postscheckkonto Berlin 120106 lJ. Fuchs) entgegen. — Aus Anlaß des 50jährigen Jubiläums des Verbandes „Ort" wurde ein „Abend der Erinnerung" veranstaltet, auf dem mehrere führende Persönlichkeiten ihre Erinnerungen und Erfahrungen austauschten und die vielfachen Erfolge des Verbandes registrierten. — Nationalsozialisten regen sich in einer „Anfrage" im „Preußischen Landtag darüber auf, daß ein Prof. K e st e n b e r g , der heute noch Mrglied der Synagogengemeinde sei, im Ministerium als Referent für Kirchen und Schulmusik wirke. Die Antwort des Ministers war kurz und bündig: „Die Auswahl unterlag dem Ermessen der Staatsregierung". — In der Freitagssitzung des Preußischen Landtags gab es wüste Hetzreden gegen die Juden. Der bekannte Nationalsozialist L e y erging sich in gemeinen Schimpfere'en. und Drohungen. Ihm sekundierten seine Ge'innungsgenossen Vollmers und K u b e, der ganz besonders die Politik F r i ck s als nachahmenswert empfahl. Dresden. Auf der Internationalen ° Ausstellung, die am 17. Mai hier eröffnet wird, wird der Gesundheitsschutz der Juden im Verbände „Ose" eine eigene Abteilung erhalten. Prag. Der Präsident der Republik empfing in einer besonderen Audienz den neuen amerikanischen Gesandten in Prag, den Vostoner jüdischen Bankier Abraham Rathesry. Rach der feierlichen Empfangszeremonis verweilte der Präsident mit dem neuen Gesandten in freundichaftstchem Gespräch. Bukarest. Der Antisemitenführer Prof. C u z a wurde wieder ins Parlamem gewählt. In Jassy fanden zu seinen Ehren Demonstrationen von Studenten statt bei denen die Polizei eingreifen mußte. Budapest. Infolge des Numerus clausus in Ungarn haben im Jahre 1929 1070 jüdische Studenten im Auslande studiert, davon 276 in Oesterreich, 190 in der Tschechoslovakei. 348 m Italien. 105 in Deutschland. 88 in Frankreich ..und 63 in der Schweiz. Riga. 121 ausländische und staatenlose Juden wurden dieser Tage in Lettland eingebürgert. Charkow. Nach einer Mitteilung des jüdischen kommunistischen Blattes wird in hiesigen Museen ein von einem Maler hergestelltes Bild unter dem Titel „Die jüdische Inquisition" aufgestellt. Das Bild stellt aber nicht, wie man glauben sollte, die Untaten der Jewsektia dar, sondern angebliche Intoleranz der Rabbiner. Moskau. Die Konfe-enz der I i d d i s ch e n K u l 1 u r a r b e iter für die gesamte Ukraine beschloß das lateinische Alphabet für die jiddische Sprache einzuführen. Saloniki. Einer hier gegründeten Schomre Schabbos-Ortsgruppe schlossen sich gleich über 100 Mitglieder an. — Eine, Konferenz der jüdischen Gemeinden Griechenlands, die von 57 Delegierten beschickt war, beschloß die Bildung eines Gemeindeverbandes mit einem Budget von 100 000 Drachmen, und mit dem Endzweck, einen Oberrabbiner für Griechenland zu wählen und in Salonrk! ein Seminar zur Heranbildung von Rabbmen zu errichten. Jerusalem. Die Entschädigung an die Juden Palästinas im Zusammenhänge mit den Augustünruhen betragen rnsgesamt Lstr. 98700. feineHerrenhute bekannte Marken Fabrikate Haarfilz von Mk15.-an. Rundgänge unter Psalmgebeten vollzogen. Es wurden Spenden gesammelt für den weiteren Ausbau des neuen Friedhofs. Rutzland. Die noch Solowki verbannten Rabbiner am verhungern. Riga, 12. Mai. Aus zuverlässiger Quelle in Rußland traf in Riga die Nachricht ein, daß die nach den Solowki-Jnseln verbannten Rabbiner, nämlich Rabbi Lazarow aus Leningrad, der frühere Leiter der Jeschiwa in Newel, Rabbi Nemanow, und der frühere Leiter der Leningrader jüdischen Gemeinde, Rabbi Jasnogorodsky, unter dem im Konzentrationslager herrschenden harten Regime furchtbar zu leiden haben. Die hochbetagten Rabbiner sind buchstäblich am Verhungern, da sie nicht in der Lage sind, sich mit Koscher-Nahrung zu versorgen. Ihr physischer Zustand ist ein sehr schlechter, trotzdem werden sie gezwungen, die harte Arbeit der Lagerinsassen zu tün. England. Eine peinliche Parlamentsperhandlnug» - London, 7. Mai. Am Dienstag war Dr. S h i e l s vom Kolonialministerium Mittelpunkt eines förmlichen Kreuzfeuers von Fragen und Interpellationen über den berühmten Briefwechsel mit König Hussein, in dem England den Arabern angeblich einen selbständigen arabischen Staat versprochen haben soll . Nicht nur der bekannte Antizionist Howard V u r y, sondern auch eine ganze Reihe einflußreicher Mitglieder der Labour-Partei verlangten in immer energischeren Tönen die Veröffentlichung des Briefwechsels, die der Staatssekretär immer wieder ablehnte. Schließlich erklärte dieser kategorisch, daß in dem Briefwechsel ganz Palästina westlich des Jordans von den britischen Versprechungen an die Araber ausgeschlossen gewesen sei. Im übrigen komme dem Briefwechsel keine praktische Bedeutu^ für die. Regelung der politischen Palästinasragen zu, Uür durch ein für alle Beteiligten annehmbares Kompromiß gelöst werden könnte. Die Vertreter der verschiedenen Parteien erklärten sich jedoch mit der Auskunft nidjt einverstanden. Sie behaupteten zum Teil, daß eine Debgtte über den Shaw-Bericht nicht möglich sei, wenn man dem Haus nicht vorher den der uon der englischen Nßgierülig gegebenen Bet,Brechungen zugüngig mache . Einer der Redner behauptete, das Gebiet, für däs Eügland sich damals freie Hand Vorbehalten hatte', sei lediglich die französische Einflußsphäre in Syrien gewesen, nicht aber Palästina. Die Jewish AgencyFührer zu der Mission Simpsons London, 7. Mai. „Times" teilt mit, die seitens einiger Kreise ii Palästina mit Bezug auf die Ernennung von Sir Johi Hope Simpson als Sonderkommissar zur Untersuchung der Probleme des Bodens und der Einwanderung geäußerte Unzufriedenheit wird von den offiziellen Londoner Kreisen der Jewish Agency nicht geteilt. Mai hegt vollkommenes Vertrauen darein, daß eine vor emem Mann wie Sir John Simpson mit seinem großen administrativen Können und seiner Erfahrung in der Wiederansiedlung geführte Untersuchung günstige Ergebnisse für das jüdische Kolonisationswerk haben. wird. Die offiziellen Führer der Jewish Agency Mden alles, was in ihrer Macht steht, tun, um Sir John Hope Simpson in der von ihm unternommenen wichtigen Mission zu unterstützen. „Al Jämea al Ambra", das Organ des Moslemitischen Obersten Rates in Jerusalem, drückt seine Freude über die Ernennung' Sir John Hope Simpsons zum Sonderkommissar für Palästina aus. Die Zeitung schreibt, die Ernennung Simpsons -sei eine Folge der Verhand-

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