Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1930)
- Date
- 1930-05-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Ü Seite 4 Nr. 20 Der Israelit richt nach Tel-Awiw und zwar auf Antrag eines Makkabi-Mitglieds. Das Matkabi-Mi'tglied und noch ein zweiter von seinen Kollegen bezeugten, sie hätten gesehen, wie der Rabbiner und die Zwei anderenHerren den Sand aus den Offizier geworfen hätten. Die Beschuldigten schickten sofort weg, um Gegenzeugen zu holen, die Me Lächerlichkeit der Anklage bezeugen sollten. Daraufhin ließ der Richter die ganze Anklage betreffs des Sandes fallen und stützte sich aus eme Anklage wegen ungesetzlicher Zusammenrottung. Obgleich die Herren- Jemini und Wemtzki Zeugen brachten, daß sie etwa % Meter entfernt von der Stelle waren, an der die Menschenmenge stand-, fand der Richter sie doch schuldig, sich an einer verbotenen Zusammenrottung beteiligt zu haben. Der englische Staatsanwalt plädierte selber auf Freisprechung von jeder Gefängnisstrafe und beantragte, lediglich eine Sicherheitshinterlegung für künftiges Wohlverhalten zu verhängen. Der jüdische Richter jedoch bestrafte die drei Herren mit je Lst. 5.— Geldstrafe oder einem M o - natGefängnis und außerdem Lst. 50.— als Sicherheitshinterlegung für ein Jahr. Im gleichen Auge/rblick, in dem ein arabischer Richter in Jerusalem, als man die Mitglieder des um 3.30 Uhr verübt wurde, am Sonntag Mittag um 1.30 Uhr ihre Sühne gefunden hat. Quälend erhebt sich vor dem jüdischen Denken die Frage, wo w i r e i g entli ch leben Sind wir in Rußland oder in England? Ist Moskau oder London unsere Hauptstadt?-- Wie dort in Rußland der Sabbat entweiht wird durch die Abgefallenen unseres Volkes, die das jüdische Volk mit Hilfe der Regierung knechten, so sind es hier jüdische Menschen, die angeblich unser Land ausbauen wollen und sich als nationale Juden bezeichnen, Menschen, die herrschen wollen und uns als Verräter beschimpfen. Die Regierung aber steh-t ihnen zur Seite. Wenn diese Revolutionäre an der großen Synagoge vorbeiziehen, um Lärm zu machen und die religiösen Juden zu ärgern, so gibt es dagegen keine gesetzliche Handhabe zum Einschreiten. Wenn aber ehrliche Juden hinausziehen, um die Zerstörer unseres Landes zu bekämpfen, so bestraft man die Orthodoxen. Wie lange wird man diesen hellenistischen Verrätern, die das Joch der Gottesherrschaft von sich abgeschüttelt haben und die unser heiliges Land zerstören, um das wir so viel Blut und Mühe geopfert haben, wie lange wird man ihnen gestatten, auf uns herumzutrampeln? Wir hoffen, daß alle Welt erkennen wird, wer unsere „Megine Schabbos" vor ihn brachte, erklärte, daß i er zwar nach dem Gesetze die Angeklagten mit Feinde, unsere Verfolger sind, die im Geiste San- Lst. 50.— oder 6 Monaten Gefängnis bestrafen I ballats und seiner Genossen wandeln, und wer müßte, daß er sich aber auf eine Geldstrafe von Lst. 1.— beschränke, weil er sehe, die Angeklagten hätten lediglich zum Schutze des Sabbats gehandelt, fand es in Pethach Tikwah ein n a t i o n a l j ü d i f ch e r Richter angebracht, ausdrücklich zu erklären, daß das Eintreten orthodoxer Juden zum Schutze der Religion genau ebenso zu beurteilen sei, wie die gewerkschaftlichen Kämpfe der Arbeiter. Man sieht hier, wie weit unsere nationale Jugend geht. Das Einzige, das man für den Richter zur Entschuldigung anführen könnte, wäre, daß es sich in Jerusalem um den Streit zwischen Orthodoxen und Nationaljuden handelt, während hier die Streitsache einen Engländer berührte. Aber trotzdem hätte der Richter dem Engländer sehr wohl klarmachen können, daß die Juden hier nicht aus Uebermut oder aus politischen Beweggründen aufgetreten seien, sondern daß es sich um den Kampf gegen Sabbatschänder handelte, deren rechtliche Beurteilung im jüdischen Religionsgesetz feststeht. Es muß auch die Promptheit der Justiz festgestellt werden, die es fertig brachte, daß eine angebliche Straftat, die am Sabbat Nachmittag die wahren Bauleute des Landes. 15. Mai 1930 Diätetische Abteilung der Hirsc h-Apotheke Zeil 111, Frankfurt a.M. DIABETIKER-DIÄT Wäsche und Kleidung an den notleidenden Miltel-- stand. Darüber hinaus wurde, einem dringenden Gebot der Stunde folgend, beschlossen, einer Anzahl armer Kranker, welche sich im Rekonvaleszenzstadium befinden, einen vierwöchigen unentgeltlechen Kuraufenthalt nach genauer ärztlicher Vorschrift zu ermöglichen. Die Fürsorge erfolgt selbstverständlich ohne Rücksicht auf die Zugehörigkeit zu irgendeiner politischen oder religiösen Richtung. Bedeutende Mittel sind erforderlich, um auch nur einem Bruchteil der Hilfesuchenden die ihnen so notwendige Unterstützung angedeihen zu lassen. Darum wendet sich ein Aufruf an alle, dem Komitee zu Helsen, diese hohe Ausgabe im Dienste der notleidenden Mitmenschen auch fernerhin zu erfüllen. Der Unterzeichnete Vorstand gestattet sich, bereits an dieser Stelle im Namen der betreuten verschämten Armen Groß-Berlins seinen herzlichsten Dank auszusprechen. (Postscheckkonto 455 Mitteldeutsche Kreditbank für „Jüdisches Hilfswerk".) Korrespondenz*« « ßattriebtett. Deutsches Reich. Jüdisches Hilfswerk. Berlin, 12. Mai. Dis Not unter dem früher begüterten, jetzt verarmten Mittelstand führte zur Gründung eines „Jüdischen Hilsswerks", mit dem Zwecke, diesem Kreis der Hilfsbedürftigen rasche, großzügige, streng diskrete Hilfe zu gewähren. Dieselbe besteht in der Hauptsache in der Verteilung von Lebensmitteln aller Art, lausend an ca. 1500 Personen, im Winter auch Kohlen in größeren Mengen; Krankenkost an Tuberkulose, Diabetiker und unterernährte Jugendliche: Geldunterstützungen bis zur Höhe von 100 Mark pro Person und Monat für Miete und anderweitige dringende Bedürfnisse: schwer sind, daß Zweifel bestehen, ob sie richtig gelesen und überhaupt verwendet werden. Man wird fragen: - Was soll das? Soll hier eine Aenderung vorgeschlagen werden, die gegen den pn ist? Nein, Gott behüte Aber man soll sehen, was ist Und nicht mit Blindheit geschlagen, an der Wirklich keil Vorbeigehen, Die dazu befugten und dazu verpflichteten Instanzen — die gesetzestreuen Rabbinervereinigungen — sollen prüfen, was getan werden kann, um den hilfu n d f ü h r e r l o s e n M e n - schen da draußen, die in seelischer Not sind, die praktische Gesetzesübung in der — wenn auch lückenhaften — Gemeinschaft z u erleichtern. Eine unendlich verantwortungsvolle, aber lohnende Ausgabe. ■V ’2 'X (Bill Shatov, der jüdische Erbauer der Turksib- Eisenbahn.) Der jetzt in der gesamten Sowjetunion gefeierteste Mann ist Bill Shatov, der Erbauer der durch schwierigstes Gebiet führenden, 923 Meilen langen Turksib-Eisenbahn, die Sibirien und Turkestan miteinander verbindet und eine der längsten 'Eisenbahnstrecken der Welt ist. Bill Shatov war vor einigen Jahren ein bekannter jüdischer Arbeiterführer in den Vereinigten Staaten. Die Huldigung für ihn bildete den Mittelpunkt der Zeremonie bei der Eröffnung der Turksib-Eisenbahn. Bei Anwesenheit von tausenden Stammeshäuptlingen schlug Bill Shatov, ein Mann von riesigem Körperbau/ in Äinabulak, an der Grenze von Russisch-Zentralasien, den letzten Nagel in die letzte Bahnschwelle. Als er damit fertig war, ergriffen die Ingenieure und Eisenbahnarbeiter Shatov und trugen ihn durch die ihm zujubelnde Menge. Kurz nach der Zeremonie erzählte Bill Shatov dem Moskauer JTA-Vertreter über seinen Lebensweg. Er hatte einen Teil der jüdischen Arbeiterschaft im Osten von Newyork organisiert und" hals die Gewerkschaften der Schneider und Buchdrucker schaffen. Er selbst mußte in Newyork schwer um seine wirtschaftliche Existenz kämp fen, er tat im Hafen schwere Arbeit mit Hacke und Schaufel, bis er später sich dem Eisenbahnbau widmen konnte. „Heute, sagte er, wo ich meine größte 'Leistung vollbracht habe,' gedenke ich meiner jüdischen Freunde in Amerika, mit denen ich' zusammen gekämpft und gelitten habe." , Stalin sandte Shatov seine Grüße und verlieh ihm den Orden des Roten Banners, die höchste Auszeichnung der Sowjetunion. Im Hotel Kempler in Schuls wurden den letzten Winter die meisten Zimmer mit fließendem Wasser eingerichtet, wie auch sonst mit letztem Kam fort ausgestattet. Außer vielen ganz modernen großen Gesellschaftsräumen besitzt das Hotel Victoria einen großen Privatpark, sodaß das Hotel Victoria in Schuls zu den schön st e n jüdischen Hotels in Europa gezählt werden kann. Wochenkalender. v. 17. — 24. Mai 1830 ' v. 19. - 26. Jjar 5690 Samfteß 17 1 19| Sonntag 18 20 Montag 19 21 Dienstag Mat 20 22 Mittwoch 21 23 Donnerstag 22 24 Freitag 23 25 Samstag 24 26 ovrr Vinn pDina vipna nnn Sitzung des Repcäsentantenkollegiums der Israel. Gemeinde. Hamburg, 12, Mai. Die erste Sitzung der Repräsentanten nach der Wahl zeigte gegen früher ein gänzlich verändertes Bild. Zum ersten Vorsitzenden wurde der Liberale Alfred L i s s e r wieder gewählt, zum zweiten Vorsitzenden Alexander L evi (Achduth). Zur Verhandlung mit dem Synagogenverband wurde eine Kommission 'gewählt, in die die Repräsentantenversammlung die Herren Lisser und Levi entsandte. Namens der „unpolitisch-konservativen" Fraktion gab Herr Peine folgende Erklärung ab: „Die unpolitisch-konservativen Mitglieder des Reprä-. sentanten-Kollegiums betrachten es als ihre Pflicht, im Interesse der Einheit unserer Gemeinde an den Aufgaben der Gemeinde nach Kräften mitzuarbeiten, um dafür einzutreten, daß die großen Traditionen der Hamburger Deutsch-Israelitischen Gemeinde als einer friedlichen Vereinigung der verschiedene Richtungen vertretenden Kultus-Verbände, deren Autonomie wir gewahrt, sehen wollen, erhalten bleiben. Wir erwarten Verständnis für den Weg, der uns durch das Religionsgesetz vörgezeichnet ist, und wo dessen von unserer Meinung oder unserem Wollen nicht abhängige Forderungen in Frage stehen, kann es Kompromisse für uns nicht geben. Verständigung, kann daher für uns nur heißen: Verständlichmachung dessen, was das Religionsgesetz von uns fordert. -Wir wollen aber auch gerade darum die bisherige Struktur der Gemeinde gewahrt sehen, weil nur durch sie bte: Mitarbeit aller ermöglicht, die Blickrichtung aller auf die großen Ziele festgehalten werden und unter möglichster Ausschaltung religionsgesetzlicher Meinungsverschiedenheiten fruchtbare Aufbauarbeit geleistet werden kann.' Wenn wir uns trotz Einführung des passiven Fraüenwahlrechts entschlossen haben, in der Gemeindevertretung mitzuarbeiten, so haben wir es in der Hoffnung getan, neben den anderen großen sozialen Aufgaben die Hamburger Tradition der unabhängigen Kultusverbände in ihren bewährten Form und Vorbildlichkeit mitzuerhälten:" Die übrige, ziemlich umfangreiche Tagesordnung bot für die Oeffentlichkeit kein erhebliches Interesse/ ger Man Thürin--- hat der Frick bekennt Farbe. Weimar, 7. Die Sozialdemokratische Fraktion brachte im Landtag die folgende Entschließung ein: „Durch Verordnung am 16. April d. I. nationalsozialistische Volksbildungsminister Dr. Frick fünf Gebets zur' Einführung in den' Thüringer Schulen empfohlen . Alle Gebete tragen politisches Gepräge. Es sind Kriegsgebete, die für die „befreiende Tat" im Sinne der Nationalsozialistischen Partei Propaganda machen. Es sind Gebete gegen Völkerversöhnung, Völkerververständigung und Völkerfrieden. Es sind parteipolitische Haß---!