Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1930)
- Date
- 1930-05-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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'Nr. 19 Seite 9 8. Mai 1930 D e r 3 s r a c I i t Die Plünderung jüdischer Häuser in Hebron dauert fort. I e r u s a l e m, 25. April. Juden, die zuletzt Hebron besuchten, teilen mit, daß junge Araber an den Orten, wo früher zwei Synagogen gestanden haben, Fußballplätze errichtet und Aborte aufgestellt haben. Alle in den verlassenen jüdischen Häusern noch verbliebenen Gegenstände wurden, obwohl die Wohnungen versiegelt waren, geplündert. Die arabische Presse teilt mit, daß seitdem die Juden nach den grausamen Massakres im August Hebron verließen, sich die wittschaftliche Lage der Stadt katastrophal gestaltet hat. Die Märkte und die Bazare sind sehr schwach besucht, viele Läden stehen leer. Niemals, so melden die Zeitungen, war die Wirtschaftslage Hebrons fo schlecht wie heute. Süd^Äsrika Schächtfrage in Südafrika. Johannis bürg, 23. April. Die letzte - Sitzung des südafrikanischen Jewish Board of Deputies befaßte sich mit der Frage des Schächtschutzes. Der Board wählte eine Abordnung, die im Pamey der Juden Südafrikas mit dem parlamentarischen Komitee für Ausarbeitung eines humanen Schlachthausgesetzes in Verbindung treten und es über die jüdische Schächtung informieren soll. Es wurde auch ein Memorandum über das Schächten ausgearbeitet. Die Abordnung setzt sich aus dem Oberrabbiner der Föderation der Synagogen -des Witwaterrand Professor uir. I. L. Landau, Rev. A. P. Bender, Rabb. M. CH. Mirwish und dem Vorsitzenden des Kapstadt-Komitees des Jewish Board of Deputies Kings Council Morris Alexander zusammen. — 1929 hat der Magistrat Kapstadt -eine Vorschrift für humane Schlachtung erlassen und nach Besprechung mit dem von der Jüdischen Gemeinde gebildeten Schächtschutzkomitee verfügt, daß die Schächtungen durch Juden und Moslemiten der Vorschrift-nicht unterliegen. (ITA.) Indien. Die Juden Indiens und die indischen Minderheitsvölker. Bombay, 2. Mai. Die Juden Indiens, die etwa 25 000 Seelen stark sind, haben dem Vizekönig von Indien, Lord Irwin, ein Memorandum überreicht, in welchem sie den Wunsch ausspr.echen, bei der Round Table-Konferenz zwischen der Regierung und den Vertretern der verschiedenen Völkerschaften Indiens vertreten zu fein. Sie berufen sich hierbei auf die von der letzten allindischen Minderheitsvölkerkonferenz aufgestellten Grundsätze, laut denen jede Minderheit im Lande ein Recht auf Vertretung hat. Bisher waren die Juden Indiens, obwohl sie seit vielen Generationen in Indien leben, als Europäer klassifiziert. Sir David Ezr a, aus Kalkutta und Meyer Riss im, der soeben feinÄmt als ^Oberbürgermeister von Bombay niedergele^t chpt, haben sich nach London begebenum die Sache der indischen Juhen vor,der britischen. MgierunH zü vertreten. (ITA.) . - Griechenland. Äüs der SnwnMer Gemeinde. Saloniki, 24. April. Der neue Generalgouverneur von Saloniki, Herr Gonatas, hat soeben die Verlegung aller Friedhöfe in ein von der Stadt entfernt liegendes Gebiet beschlossen. Er will die von der Israelitischen Gemeinde gegen die Zerstörung ihres mehr als vier Jahrhunderte alten historischen Friedhofs vorgebrachten Einwände nicht berücksichtigen. Auf dem Friedhofsgelände sollen ein Park angelegt, sowie verschiedene Bauten für die Universität und mehrere Häuser für die griechischen Flüchtlinge errichtet werden. Da alle hier und in Athen gemachten Bemühungen von jüdischer Seite die, Erhaltung des Friedhofs durchzusetzen? bisher ohne Wirkung geblieben find, so ist zu befürchten, daß der große jüdische Friedhöf von Saloniki bald verschwinden wird. Eine neue Ritualmordlegende, die vierte innerhalb der letzten 20 Tage, verursachte . in Saloniki tiefe Erregung. Ein griechischer Mann begab sich , mit einem Gendarmen in das von Juden bewohnte Viertel „Karagatch", um sein Kind zu suchen, das, so behauptet er, von den Juden zum Zwecke eines Ritualmordes entführt worden sein sollte. Der Gendarm forderte sogar den Schlüssel zur Synagoge und als ihm dieser übergeben wurde, durchsuchte er die Synagoge. Während die Haussuchung noch andauerte, hatte sich das vermißte Kind wohlbehalten in der Wohnung seiner Eltern eingefunden. Die jüdische Gemeinde von Saloniki protestierte bei der Behörde gegen die Haltung des Gendarmen, die Behörde leitete eine Untersuchung ein. Amerika. Keine Einmischung in innere Verhältnisse Deutschlands.- New ymr k, 29. April. Der Vorsitzende des American Jewish Committee. Dr. Cyrus Adler, nimmt in einer Erklärung zu den Auslassungen des „Völkischen Beobachters" Stellung, der in den Briefen des Vorsitzenden des American Jewish Committee und des Chefs der Jüdischen Telegraphen- Agentur in Newyork an den deutschen Botschafter in Washington eine Einmischung amerikanischer Juden in innerdeutsche Verhältnisse sehen will. Dr. Cyrus Adler erklärt, daß er den Botschafter, Herrn von Prittwitz, in wohlmeinendem Interesse auf die in amerikanischen Kreisen bestehende Verstimmung über das in Bayern beschlossene Schächtverbot hat aufmerksam machen wollen; eine Einmischung in innerdeutsche Verhältnisse habe ihm völlig fern gelegen. Was das Schreiben des Chefredakteurs der Jüdischen Telegraphen-Agentur betrifft, so handelte es sich dabei lediglich um eine Anfrage an den Botschafter, ob er in der Lage sei, der Jüdischen Telegraphen-Agentur ein Statement betreffend die Entweihung jüdischer Friedhöfe und die Propaganda für ein Verbot des jüdischen rituellen Schächtens zu geben. Personalien. Hamburg, 5. Mai. Unter gewaltiger Beteiligung fand am vergangenen Donnerstag nachmittag die Beisetzung von Mary M a r c u s, der langjährigen Leiterin der Hamburger Israelitischen Töchterschule,, auf dem Friedhof in Ohlsdorf statt. Die beiden Vorsteher und viele Repräsentanten der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, alle ehemaligen Kollegen und hunderte ehemaliger Schülerinnen, die Schwesternvereinigungungen der Logen und die. Israelitischen Frauenvereine waren vertreten. Dr. Urias schilderte, das reich bewegte Leben, das sich hier vollendet habe, wie die Verstorbene stets nach dem Grundsatz gelebt habe, nicht für sich, sondern nur für andere da zu sein. Ein Kranz von Dankbarkeit ranke sich um diese Bahre. Ein steter Freund war die Dahingeschiedene den Bedrückten, eine Führerin für Arme, Witwen und Waisen. Ein Stück Alt-Hamburg, der Stadt, die sie so sehr geliebt habe, scheide mit ihr dahin. Der Leiter der Israelitischen Töchterschule, Herr Direktor Dr. Jonas, sprach der Verblichenen im Namen des Schulvorstands, des Lehrkörpers und der ehemaligen Schülerinnen der Töchterschule den Dank und die Anerkennung für ihr selbstloses Wirken aus. Bis zuletzt habe sie sich ihre geistige Kraft bewahrt. um mit zu beraten und zu helfen an dem Werke, das sie geschaffen und dem sie ihre besten Kräfte geweiht habe/'Schlicht und!Äbfach als Mensch, hat sie. sich dauernde Treue über das Grab hinctüs 'erworben. ' Ein Neffe der ^Verstorbenen, Herr Salomön! M a r-cu's aus Harburg, ^widmete ihr noch tief gefühlte Worte uveb Trauer. Dann begleiteten die Trau^gqrsgsnmelten ,das,^ -was sterblich war aN Mary Marcus, zur',,letzten . R.uhestatte.!!' rranri- '; Darmstadt, 5. Mai. Von einem schweren Leide ist die Israelitische Religionsgesellschaft heimgesucht worden. Nach kurzer schwerer Krankheit wurde Herr Elias L i p p - mann pn und vmv von uns genommen. In seinem Hingange beklagen wir nicht nur einen selten tüchtigen nn»i» vniv' einen trefflichen stimmbegabten pn , sondern vor allem einen van von ungewöhnlichem Ausmaß. Aus der na'v' des berühmten R. Jizchok Elchonon in Kowno hervorgegangen, war er ein wirklicher »ito» der über ein seltenes niv'-in verfügte und zahlreiche Schüler der Gemeinde — v'na 'l>sa und Jünglinge — unterrichtete. Auch die schwierigsten verwickeltsten Stellen der r-rrna wußte er mit großer Geschicklichkeit und Methode klar und faßlich zu gestalten. Als Mensch war er dank seinem freundlichen' Wesen allgemein beliebt, und als vniv verstand er meisterhaft und eindrucksvoll die Schlachthofsbehörden zu anerkennender Wertschätzung seiner Tätigkeit zu gewinnen. Eine zahlreiche Menge, darunter Tierärzte und die Spitzen der Schlachthofverwaltung hatte sich zur Ehrung des Verstorbenen auf dem ca*>i? ma eingefunden. Die von den Herren Rabb. Dr. Merzbach, Rabb. Wassermann, Sanitätsrat Bodenheimer, Lehrer Lebermann, s. Schwager Tannenberg-Merzig und H. Cederbaum gehaltenen cnsM bekundeten den großen Verlust, den die jüdische Allgemeinheit, die n^np die Familie und seine Schüler erlitten haben. Rabb. Dr. Merzbach würdigte in warmen Worten den seltenen und trefflichen Beamten, der. in seiner vornehmen Berufsausführung bei den Vorgesetzten Behörden und den nichtjüdischen Schlachthofbesuchern mächtig für die Würdigung der r-ivmv wirkte. Zum Schluß verlieh er dem verdienstvollen, leider so früh verschiedenen Manne den ia->i»-Titel. Möge rn'vn der Witwe, mit der ihn seltenes Eheglück verband, reichen Trost spenden. rraxan. Aidhausen, 2. Mai. Am 25. Mai begeht. Lehrer Julius Rosenfelder in Aidhausen das 'seltene Fest der goldenen Hochzeit. Herr R. war in den 70er Jahren in Rodheim und Crainfeld (Hessen) angestellt. Seit 1878, also seit 52 Jahren, wirkt der Jubilar segensreich in Aidhausen und erfreut sich heute noch geistiger und körperlicher Frische. Wacker hält der Senior der, aktiven bayerischen Lehrer auf seinem Posten aus. -Mögen dem fast 80jährigen Jubilar an der Seite seiner Gattin, die ihm stets eine wackere Lebensgefährtin war, noch viele Jahre in Gesundheit und Glück beschieden sein. Geroda, 2. Mai. In unserer Gemeinde wurde am noo-Fest die r>"i->-Stimmung in trauriger Weise durchbrochen. Frau Fanni Halle verschied am siebenten Festtage, nachdem sie vor drei Monaten noch ihren 80. Geburtstag hatte begehen können. Seit drei Jahren lebte sie in unserer Mitte im Hause ihres Neffen, des Kultusvorstandes M. Strauß. Die ganze Gemeinde blickte mit heiliger Ehrfurcht zu dieser frommen Erscheinung empor. Sie war in Poppenlauer (Unterfranken) geboren und eine Schwester, des Rabbiners Hirsch, des noch heute. in Bayern und darüber hinaus unvergeßlichen Begründers der Präparandenschule Burgpreppach. Verheiratet war sie mit dem Lehrer Simon Halle in Haunau, der ihr im Jahre 1919 ins Jenseits vorausgegangen, r-w'av na miaa $>a. Diese Worte fanden an dieser seltenen Erscheinung ihre Bestätigung. Im Stillen wirkte sie nach Art unserer alten rrrapix wen, ganz hingegeben tief religiöser Beschaulichkeit. Am an nas kam die edle Frau an der Seite ihres Gatten hier in Geroda zur ewigen Ruhe. Lehrer Siegfried Strauß konnte ihr in Hinsicht auf diesen Tag nur wenige Worte des Nachrufes widmen. Die Anteilnahme der Gemeinde aber war allgemein. rnaran Vermischtes. 50jähriges Jubiläum des Synagogenvereins Oranienburger Vorstadt. Berlin, 26. April. Einer der bedeutendsten. Berliner Prioat-Synagogenvereine, der Verein O i a n i e n b u r g - V o r st a d t, feierte mit der Neueinweihung seines renovierten Gotteshauses sein 50 jähriges Jubiläum. Die Festpredigt hielt Rabbiner Dr. Nobel, von der Gemeindevertretung sprachen im Namen des Gemeindevorstandes Direktor Georg Kares'kr, stür die Repräsentantenversammlung Rechtsanwalt Dr. 'Alfred Klee. Beide Herren versicherten die Gemeinde des Dankes der Gemeindevertretung, die die opferfreudige Arbeit, die der Verein im Norden Berlins leistete, dankbar anerkenne. In dem Verein haben eine Reihe in - der deutschen Judenheit sehr bekannter Männer als Rabbiner und Lehrer gewirkt. Genannt seien nur die Herren Dr. Deutschländer, Dr. Ludwig A. Rosenthal, Dr. Wohlgemuth und Artur Lieber mann. Landeshut, 5. Mai. Wir hatten in Landeshut diesen Winter fünf Vortragsabende. Zuerst sprach Herr Prediger Falken st ein über „Moses Mendelssohn als Vorkämpfer der p olitischen und geistigen Emanzipation". Dann sprach Herr P l e ß n e r -lBreslau über „I üdischem W i tz". Frl. Studienassessor Fo e r d eir-- Breslau/ sprach -über: „Die jüdischen Frauen der V e.r.g a n g.ir n h>e i t umd G e g.e n w a r t". Herr. Dr. H eiman;tt Breslau sprach über: „Er l e b nisse und Erfahrungen im Abwehstkampfd". Vor'einigest Tagen sprach als letzter Herr,; Rabbiner-. Dr. >- Nellh aus - Hirschberg über: „G o eth e's . S,1ellu,ng zur Religion, insbesondere zum Juden tu m". Die Abende waren gut besucht, und das Interesse der Zuhörer zeigte sich vornehmlich durch rege Beteiligungen bei den Besprechungen. London, 18. März. Wie alljährlich, hat auch dieses Jahr die »wap saan der Adath Pisroel-Gemeinde ihren ncwan tav am 9. März in den Räumen der Chevra Ben Zakki abgehalten. Nach nma hat Rabbi Zimmer m a n n eine nsna gehalten und hat die im verflossenen Jahre gestorbenen o’p-ns y>bd» gewesen. Der Vorbeter, M. Hoffmann, hat alsdann die man vorgetragen und nach dein a'isa-Gebet haben sich die Chevra zusammen mit den Vertretern der angeschlossenen Synagogen zur r-nwq hingesetzt. Der Präsident, Mr. S. Fleischman, hat die Versammlung begrüßt. Der Treasurer, Mr; Mar Rudolf Schmidt, in seiner Ansprache bedauerte bedauerte den Verlust des Mitgliedes Mr. M. Hermann und hat die Gesellschaft ersucht, in Ehren des Verstorbenen, sich von ihren Plätzen zu erheben. Mr. Schmidt betonte ausdrücklich, daß die Kehilla nur dann bestehen kann, wenn sie in die Wege des verstorbenen Raws, . Dr. B. Schonfeld, gehen und ersucht, um Einigkeit. Ferner sprachen noch Rabbi Zimmermann, H. M. Goodman, Levinski, Kestenbaum, Wechsler und Schwarzberger. Nach dem Benschen hat sich die Chevra in einer gehobenen Stimmung aufgelöst. . Düsseldorf, 27. April. Vor einiger Zeit brachten wir unter dem Titel: „Heilige Ruinen" einen Aufsatz über