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Der Israelit · 1930-05-08 · Heft 19 (8.5.1930) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 19 (8.5.1930)
Date
1930-05-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 19 Palirstina. Vor bedeutungsvollen Entscheidungen über Palästina. London, 7. Mai. Am 1. Mai wurde in London amtlich verlautbart: Der Staatssekretär für die Kolonien hat Sir John Hope Simpson, einen früheren hohen Beamten des indischen Civil Service, beauftragt, sich in einer Spezialmission nach Palästina zu begeben und dort mit dem High Commissioner über Fragen der Landansiedlung, der Einwanderung und der E n t w i ck - lung des Landes zu beraten, sowie sodann der Londoner Regierung Bericht zu erstatten. Simpson wird seine Reise nach Palästina Anfang nächster Woche antreten. Die Mission Simpsons. London, 4. Mai. Zu der Entsendung Sir John Hope Simpsons in einer besonderen Mission nach Palästina äußert sich „Times" >1n einem Leitartikel u. a. wie folgt: Es ist offensichtlich, daß die Regierung die Lage in Palästina genau beobachtet. Sir John Hope Simpson, früher ein ausgezeichnetes Mitglied des indischen Zivildienstes, der sich zuletzt Erfahrung in Dingen des näheren Ostens angeeignet hat, ist damit betraut worden, mit dem High Commissioner Besprechungen zu pflegen und der Regierung Seiner Majestät über die in dem Bericht der Shaw- Kommission aufgeworfenen drei wichtigsten und strittigsten Fragen Bericht zu erstatten. Man wird sich erinnern, daß Sir Walter Shaw und seine Kollegen Emp fehlungen über Entwicklung, Einwanderung und Bodenbesiedlung Palästinas gemacht haben, die die Ausfindigmachung von Methoden zur Regulierung der jüdischen Einwanderung gemäß der Aufnahmefähigkeit des Landes, die Prüfung der Möglichkeit einer dichteren Besiedlung auf dem Lande durch Experten und Vorschläge für Entwicklung der landwirtschaftlichen Hilfsqquellen Palästinas betreffen. Die Frage, ob Palästina eine größere landwirtschaftliche Bevölkerung, als es gegenwärtig hat, erhalten könnte, ist von gleich großer Bedeutung für die Mandatarmacht, die Zionisten und die Ureinwohner des Landes Die jüdische Einwanderung hat nur etwa früher Schwierigkeiten an den Tag gebracht, die sich gewiß einige Jahre später allein durch den natürlicheil Bevölkerungszuwachs der Araber'ergeben hätten. Es ist möglich, daß verbesserte landwirtschaftliche Methoden dieses Problem lösen könnten. Viel hängt von der Möglichkeit der Einführung solcher Methoden in Palästina ab; über diese Möglichkeit sind die Meinungen in Palästina selbst geteilt. Wenn es keinen weiteren Raum für eine „dichte Ansiedlung von Juden auf dem Boden" ohne Beeinträchtigung der Rechte und der Lage anderer Bevölkerungsteile — wie in Artikel 6 des Mandates vorgesehen — gibt, und wenn keine Wahrscheinlichkeit für Schaffung von Raum für neue Einwanderer durch eine neue, landwirtschaftliche Technik besteht^ dann müssen die Konsequenzen gezogen werden. D a n n w e r - >den w och l d as M a n d a t n n d das zionistische P r o g r am m in gleicher W e i,s e. e in er. R e v i fron unterzogen w e r d e n-.m ü s s e n. Die Ernennung eines'Experten, der in Griechisch-Mazedonien ein sehr ähnliches Problem zum 'Gegenstand eines speziellen Studiums' gemacht hat, ist eth willkommenes Zeichen des Wunsches der Regierung, über eine Frage von großer politischer und internationaler Bedeutung den besten zur Verfügung stehenden Rat einzuholen. .. (Der „Times"-Artikel muß leider als wenig erfreuliches Symptom für die Stellung der maßgebenden Regierungskreise zum Shaw-Bericht gewertet werden. Er liest sich, als sei er ein ballon d’essai zur Vorbereitung der öffentlichen Meinung auf Abschnürung der jüdischen Einwanderung nach Erez Jisroel. Red.) Timt Kämpfe um den Sabbat im heiligen Land. Pethach Tikwa, 1. Mai. Am letzten Sabbat wurde hier in besonders großem Umfange ein Fußballspiel arrangiert. .Man schätzte die per Eisenbahn und in Automobilen aus Tel- Awiw zu dieser grandiosen Sabbatentweihung erschienene Menge auf e t w a 5 0 0 0 P e r s o n e n! Hunderte von religiösen Juden aus Pethach Tikwa, an ihrer Spitze der Ortsraw, Rabbiner'Safier, sowie Herr I e m i n i, der Vorsitzende der Agudas Jisroel in Pethach Tikwa, zogen hinaus, um gegen den ovo zu demon- D e r I s raelit strieren. Die Polizei verhaftete den Rabbiner sowie, die angesehensten Persönlichkeiten der Gemeinde 'von Pethach Tikwa und sie wurden zu einem Monat Gefängnis oder Lst. 5.— Geld strafe sowie zur Hinterlegung eines Pfandes von Lst. 50.— auf ein Jahr zur Sicherung ihres Wohlverhaltens verurteilt. Der Richter, der dieses rein formalistische, über die idealen Beweggründe der Demonstranten vollkommen hinwegsehende Urteil sich gestattete, war natür lich ein „«religiöser" Jude. Das Urteil hat ungeheure Erregung in der ganzen orthodoxen I u d e n h e H de s heiligen Landes a u s g e l ö st und zu starken Beschwerden bei den Justiz- und.Regierungsbehörden geführt. Man scheint in den maßgebenden Kreisen noch immer nicht einzusehen, daß die öffentliche Verhöhnung der religiösen Gefühle des jüdischen Volkes auf dem Boden Erez Jisroels mit Notwendigkeit die Volksleidenschaft erregen muß und daß die Justiz besser daran täte, dieser öffentlichen Verhöhnung der Religion Einhaltzutun, als sie durch derartige Urteile noch zu unterstützen. In Wirklichkeit ist eine derartige, anSorvjetruhland erinnernde Rechtsprechung lediglich geeignet, den Bolschewismus zu fördernden man sonst aus dem Boden des heiligen Landes nicht gerade^gerne sieht. (Siehe hierzu den Artikel im Haupttell der heutigen Nummer. Red.). , Der Verlauf des I.Mai in Palästina. Jerusalem, 2. Mai Am 1. Mai war die gesamte Polizeimacht des Landes zur Aufrechterhaltung der Ordnung an diesem Arbeiter-Feiertag mobilisiert. In Jerusalem waren alle Straßen von Polizei abpatrouilliert. Der Distriktsgouverneur von Jerusalem, Major Keith-Roach, veröffentlichte eine Kundgebung, nach der alle Kundgebungen und von der Behörde nicht genehmigte Versammlungen, ebenso das Absingen von Liedern, die geeignet sind, den Frieden zu stören, verboten sind und unter Strafe stehen. In Tel-Awiw haben die Arbeiter-Institutionen rote Fahnen mit Inschriften gehißt. Die Arbeiterparteien aller Richtungen verbreiteten Proklamationen in großer Zahl. Am rührigsten war die kleine Gruppe der Kommunisten. In Tel-Awiw sind etwa 30 Kommunisten von der Polizei verhaftet worden. Die Belegschaften der hebräischen Tageszeitungen „Dawar" und „Haarez" feierten, so daß diese Zeitungen nicht erscheinen konnten. In Haifa wurde Abraham Vrainowski aus Jerusalem verhaftet und zu sechs Monaten Gefängnis mit nachfolgender Landesverweisung verurteilt, weil bei ihm ein Koffer mit kommunistischen Mai-Proklamationen gefunden wurde. Eine Frau, bei der ein Revolver und 35 Kugeln gefunden wurden, wurde zu einer Geldbuße von 10 Pfund verurteilt. Die für den 1. Mai angesagte Versammlung der P o a l e Zion, in der auch arabische Redner sprechen sollten, wurde im letzten Augenblick verboten. Die Leitung der allpalästinensischen Eisenbahnorganisation veröffentlichte in hebräischer und arabischer Sprache ein Flugblatt, durch'welches die Arbeiter bei den Eisenbahnen, 'bei'.Pöstststd Telegtaph aufgefordert wurden, am 1. Mai die Arbeit niederzulegen. Einige Führer der Poale Zion und der arabische Arbeiterführer George Nasar richteten an die jüdische Arbeiterkonföderation (Histadruth Haovdim) die Aufforderung, sich in eine jüdisch-arabische Arbeitersöderation umzuwandeln, um eine Wiederannäherung der jüdischen und arabischen Arbeiter durch eine gemeinsame wirtchastliche und kulturelle Aktion herbeizuführen. Auch soll Histadruth eine Propaganda für Gleichberechtigung beider , Völker in Palästina führen. David Weißmann, Maniah Schochath Unterzeichneten eine Mai-Proklamation, in der sie die Schaffung eines Komitees zur Begründung einer gemeinsamen jüdisch-arabischen Arbeiterorganisation ankündigen. (ITA.) Der Feldzug gegen die Heuschrecken in Palästina. London, 2. Mai. Offiziell wird mitgeteilt, daß der Feldzug zur Vernichtung der Heuschrecken im Palästina und in den benachbarten Ländern positive Ergebnisse gezeitigt hat. Die Schwierigkeiten erhöhen sich infolge der Entfernung der Operationszentren voneinander, der Feldzug wird darum wahrscheinlich bis zum Juni andauern. Das Jordangebiet ist bereits von Heuschrecken frei, in den Gebieten 6. Mai' 1930 Beer Scheba und Auja nähert sich der Feldzug seinem Ende. Auch die Gebiete um Hebron und Jerusalem sind bereits frei, im Nablus-Gebiet aber hat das Ausschlüpfen der Larven bereits begonnen, dort sind 10.000 Dunam von der Invasion betroffen. Das Samakh-Gebiet ist zum Teil frei, in den Gegenden von Migdal, Rosch Pinah, Nazareth, Afuleh, Acre und Gaza sind gewisse Gebietsteile betroffen. In Transjordanien konnten 2648 Tonnen Heuschrecken und 360.168 Kilogramm Eier vernichtet werden. Die Krisis nähert sich dort ihrem Ende, in wenigen Wochen wird ganz Transjordanien wohl von Heuschrecken frei sein. In Syrien.dagegen ist die Lage kritisch, da neue Schwärme in die Gebiete von Aleppo, Damaskus, Homs, Homa und andere Gegenden eingedrungen sind. In Aegypten sind das Nil-Delta, das Nil-Tal und die Cairo-Gegend von aus dem Sinai und aus Arabien eingedrungenen Heuschkeckenschwärmen heimgesucht worden. (ITA.) Eine neue Fabrik in Tel-Awiw. Jerusalem, 30.' April. Die Ausstellungen der Ofenfabrik „Europa GlK." in Tel-Awiw, Jerusalem und Chaisä haben sowohl in fachmännischen Kreisen wie auch beim großen Publikum größte Befriedigung und Genugtuung hervörgerüfen. Die Fabrik erzeugt Koch- und Bratherde, sowie Heizöfen aus bestem Material konstruiert und äußerst einfach in der Handhabung. Die Oefen — auch der größeren Etablissements — sind bequem transportierbar und erfordern einen äußerst minimalen Petroleumverbrauch. Laut Attestierung des Jngenieurverbandes ist das Verhältnis der „Europa K. G."-Herde zu'anderen ähnlichen Fabrikaten in der Handhabung wie in Ersparnis des Brennstoffes ein ganz besonders günstiges. Dieses Fabrikat ist im Lande selbst bereits gut eingeführt und auch in einigen Nachbarstaaten auf den Markt gebracht. Eigentümer der Fabrik ist der rühmlichst bekannte Josef Fetter, der vor etwa 8 Jahren aus idealer Chibas Haarez nach Palästina kam und hier dieses, große lind schone, auf der Höhe technischer Errungenschaften stehende, Unternehmen gründete. Zur Zeit werden ca. 60 Arbeiter in der Fabrik beschäftigt. Es ist jedoch begründete Hoffnung vorhanden, daß dieses vorzüglich gelungene Unternehmen so prosperieren wird, daß eine unvergleichlich größere Anzahl von Familien daselbst ihren Lebensunterhalt finden wird. Auf der Ausstellung in Tel-Awiw wurde die Fabrik mit der Goldenen Medaille ausgezeichnet. Herr Josef Fetter kam aus Breslau nach Erez Jisroel und hat sich auch hier bei jeder Gelegenheit und auf mannigfachen Gebieten als gesetzestreuer Mann und auch in Klalangelegenheiten als hochgeschätzte führende Persönlichkeit bewährt. Es ist ein Hochgenuß, zu beobachten, wie sämtliche Angestellten nach Beendigung der Tagesarbeit zu Tefila bezibur in einem gemeinsamen Raume sich versammeln und wie auch in der Behausung des Herrn Fetter Thoragelehrte aus allen Kreisen heimisch verkehren und auch effektivem ThorÄernen Zeit und Muße gewidmet werden. Möge'das große Werk dieses Wohltäters des thoratreuen Jischuw iNi Rahmen des gesamten Aufbauwerkes auch weiter' befiens'''gedeihen. ''' * Das Todesurteil gegen Urphali abermals bestätigt. I e r u s a l e m, 27. April. Das Berufungsgericht hat dem zweiten Appell des jungen Jaffaer Juden Joseph Abraham Mizrachi Urphali, der'wegen angeblicher Ermordung von zwei Arabern während der Unruhen am 28. August 1929zum Tode verurteilt wurde, und dessen Berufung am 3.April zurückgewiesen wurde, nicht stattgegeben und.das Todesurteil bestätigt. Der Anwalt Urphalis ersuchte das Gericht, beim High Commissioner, Sir John .Chancellor, um die Begnadigung Urphalis anzusuchen. Drei Araber wurden wegen Ermordung des Juden Nachman Segal während des Augustmassakres in Hebron zum Tode verurteilt, ein vierter wurde wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Einer der Verurteilten macht geltend, daß er noch nicht 18 Jahre alt ist und deshalb nicht zum Tode verurteilt werden kann. Das Gericht hat, da Geburtsmatriken fehlen,, eine ärztliche Unterüchüng zur Bestimmung seines Alters angeordüet.

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