Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1930)
- Date
- 1930-05-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 19 Der Israelit 8. Mai 1930 Kunsthandlung Julius Giessen Am Opernplafz - Ecke ~ . Landstr. 2 Das Fachgeschäft (Sr vornehme Einrahmung Die Kunsthandinng des guten Geschmacks gemuth die Anwesenden begrüßt und in längeren Ausführungen die Ziele des Rabbinerseminars dargelegt und zumal den neu eingetretenen 'Hörern ans Herz gelegt hatte, hielt Herr Dozent Dr. Samuel G r ü n b e r g seinen Eröffnungsvortrag über das Thema: „Biblische Eigennamen als Quelle der jüdischen Kulturgeschichte und Bibeleregese". Hierauf wurden die Namen der 14 neu eingetretenen ordentlichen Hörer, von denen 9 aus Deutschland, die anderen aus Osteuropa stammen, mitgeteilt und die Feier geschlossen. Kantoren-Aortbildungs-Kursus in Berlin. Berlin, 5. Mai. In der Zeit des Monats Juli findet auch in diesem Jahre in Berlin ein Kantoren-Fortbildungs- Kursus statt. Der Kursus wird nicht nur alle Zweige des Kantorenberufes umfassen, sondern auch Vorlesungen für das Religionslehrfach enthalten. Der kantorale Unterricht liegt in den Händen der Kantoren Davidsohn, Gollanin und Ahlbeck. Die Teilnehmer erhalten freien Unterricht sowie nach Maßgabe vorhandener Mittel Reise- und Aufenthaltszuschüsse. Für die Unterbringung der Teilnehmer wird Sorge getragen werden. Meldungen sind möglichst bald an Oberkantor Magnus Davidf o h n , Berlin W 15, Knesebeckerstr. 43,, zu richten. Jüdische ReUgionslehre als Prüfungsfach. Berlin, 2. Mai. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst einer Mitteilung des preußischen Unterrichtsministers an den Vorsitzenden der wissenschaftlichen Prüsungsämter und an dis Provinzialschulkollegien entnimmt, hat sich der Minister entschlossen, die jüdische Religionslehre als Haupt- und Nebenfach bei der wissenschaftlichen Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen ab 1. April d. I.- zuzulassen. Für die Prüfung, die nur bei den wissenschaftlichen Prüsungsämtern in Berlin und Breslau erfolgt, sind dem Minister von den Vorsitzenden der beiden Prüfungsämter geeignete Persönlichkeiten als Prüfer namhaft zu machen. Zweite öffentliche Kundgebung der Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden. Berlin, 2. Mai. Die „Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen' für den Frieden", die im Oktober 1929 zum ersten Male mit einer Massenkundgebung vor die Oefsenlichkeit getreten war, hielt im gleichen Saale (Hochschule für Musik) am 30. April abends ihre zweite Kundgebung ab. Nach Begrüßungsworten des Präsidenten spricht je ein Repräsentant der in der Arbeitsgemeinschaft vertretenen Konfessionen, und zwar Pfarrer Lic. theol. W i e l a n d 1 über die Ursachen, R.-A. Dr. Klee über die Wirkungen und der Zentrumsabgeordnete Dr. Krone über die Ueberwindung der Kriege. Pfarrer Wisla n d t warnt vor einer Ueberschätzung der Kriegsgreuelschilderung angesichts einer kriegsfremden Jugend und bezeichnet als Hauptursachen des modernen Krieges die immanente Abenteuerlust der Menschen, das „wahrhafte" Mannesideal und die Ehrfurcht vor Cäsarenwahn und Welteroberungssucht. Er fordert die Schaffung positiver Jugendideale, die der Liebe zum Besonderen und Gefahrvollen in gesunder Weise gerecht werden. Dr. Alfred Klee stellt der „Stahlbad"-Pr.opaganda der Kriegsbegeisterten Bilder aus der Kriegswirklichkeit gegenüber, die zeigt,- daß der Krieg sittlich verrohend und fortschrittsfeindlich sich auswirkt. Dr. Krone (M. d. R.) stellt dem scheinheiligen Grundsatz „Si vis pacem para bellum" (Willst Du Frieden, rüste zum Krieg) den Grundsatz gegenüber: „Si vis pacem para pacem" (Willst du Frieden, rüste den Kampf für den Frieden!). Er würdigt sodann die Pan-Curopa-Jdee als religiöses Postulat und bezeichnet als Voraussetzung für ein Friedenseuropa ein pazifistisches Mitteleuropa. So wird europäische Friedensarbeit zu vaterlandsrettender Tat, während „völkischer Nationalismus Verrat am Geistigen und Abfall vom Göttlichen" ist. Die Schlußansprache hält der päpstliche Geheimkämmerer Prälat Monsignore Lichtenberg. Er verspricht sich von dieser Kundgebung ein Echo auch jenseits des Atlantik und in Osteuropa. Schächtverbotsantrag der Nationalsozialisten im Thüringer Landtag. Erfurt, 3. Mai. Die Fraktion der Nationalsozialisten im Thüringer Landtage hat im Landtage einen Gesetzentwurf über die Regelung des Schlachtens von Tieren eingebracht, laut welchem angeordnet werden soll, daß die Schlachttiere vor Beginn der Blutentziehung betäubt werden müssen. Die Annahme eines solchen Antrages käme einem Verbot des jüdischen rituellen Sa,^..-rens gleich. Ein ähnlicher Antrag lag .dem Thüringer Landtage bereits vor einigen Jahren vor, er ist aber damals abgelehnt worden. Der Votkssiaat Hessen verweigert den israelitischen Religionsgemeinden Subvention. Darmstadt, 2. Mai. Auf der Tagung des Landesverbandes der israelitischen Religionsgemeinden des Volksstaates Hessen, die in Darmstadt am 27. April stattfand und von 170 Gemeindevorständen besucht war, wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, die ihr Bedauern zum Ausdruck brachte, daß die Regierung des Volksstaates Hessen ihren Volksgenossen jüdischen Glaubens jede Subvention verweigere, während sie solche den anderen Konfessionen von jeher gewähre. Die von der Regierung für ihre ablehnende Haltung angeführten Gründe könnten umso weniger gerechtfertigt werden, als die nach der Prozentnorm dem jüdischen Bevölkerungsteile zukommende Summe von Mk. 16.000 gegenüber dem Gesamtbudget kaum eine Rolle spiele und dies um so mehr, als Preußen, Bayern, Baden, Württemberg und andere Staaten ihren jüdischen Bürgern seit Jahren derartige Subventionen für ihre dringendsten Kultusbedürfnisse bewilligten. Das Ergebnis der Gemeindewahlen in Beuchen. Veuthen, 5. Mai. Ueber das Ergebnis der Wahlen zur Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Veuthen, die am gestrigen Sonntag stattgefunden haben, wird folgendes bekannt: Es find nicht weniger als 83 Proz. der Wahlberechtigten zur Wahlurne geschritten. Es erhielten die vereinigten Liberalen und Konservativen 510 Stimmen, die Jüdische Volkspartei 320 Stimmen. Demzufolge entfallen auf die Liberalen und die Konservativen zusammen 13, auf die Jüdische Volkspartei 8 Mandate. Der bisherige Besitzstand hat sich zugunsten der Volkspartei verschoben. Vom jüdischen Unterrichtswesen in Baden. Mannheim, 5. Mai. Es ist dreierlei zu berichten: von personellen Veränderungen, prinzipiellen Angelegenheiten und praktischwissenschaftlicher Arbeit. Immer wieder taucht die Frage auf, was geschehen soll, wenn in Kleingemeinden durch Weggang oder Tod eines Lehrers die Stellenneubeetzung fraglich wird. Die Frage wird um so komplizierter, je größer die Zahl der von dem bisherigen Lehrer betreuten Gemeinden war. Will der Oberrat nicht endlich einmal ernstlich erwägen, ob es nicht tunlich er- 'cheint, einen Bezirkslehrer und daneben einen Vezirksfchochet — der in einer kleinen Gemeinde als Vorbeter fungieren könnte — anzustellen, da wo die Anzahl der lehrerlosen Gemeinden es nötig macht? Dann wäre auch keine Erörterung mehr nötig über das leidige Thema: „Ganzlehrer oder Halblehrer . . .?" Immer noch sind eine Reihe Stellen nicht wieder besetzt. Brauchen wir überhaupt noch viele Lehrer? Der Ob er rat soll einmal in seinem Verordnungsblatt der jüdischen Oeffentlichkeit Badens eine jüdische Bevölkerungsstatistik alljährlich vorführen und soll einmal zeigen mit nüchternen Zahlen, wieviel schulpflichtige Kinder wir noch haben, wie die Geburtenziffer in den Kleingemeinden (und Großgemeinden 1) aussieht. Es wird kein schönes, aber ein sehr lehrreiches, ein sehr drastycyes Bild sein. Vielleicht genügt ein solcher Hinweis, um den Oberrat zu solcher Veröffentlichung zu veranlassen. Es wird recht viel und Gutes geleistet im Rahmen des Möglichen. Die Arbeiten von Rosenselber-Ladenburg, die rührigen Kräfte der Mannheimer Klausschule geben Anlaß zur uneingeschränkten Zufriedenheit. Was könnte erst geschehen, wenn an manchen Ortest nicht nur 1 oder 2 Wochenstunden Unterricht erteilt werden würde und etwas modernerer Geist in veraltete Lehrmethoden hineinkäme? An manchen Orten scheinen die Belange gesetzestreuer Kreise nicht in nötigem Umfange berücksichtigt zu werden. Freiburger Verhältnisse scheinen besonderen Anlaß zu geben, einmal auf diesen Punkt hinzuweisen. Die in Betracht kommenden Instanzen mögen nach dem Rechten sehen. Das Jahr 1930 darf auf dem Gebiet der wissenschaftlich-praktischen Förderung der Religionslehrer ganz besonders vermerkt werden. Unmittelbar nach rws begann in Ma n n h e i m der diesjährige Fortbildungskurs bei stärkster Beteiligung aus Baden selbst, aber auch aus Hessen, Württemberg und Bayern. Alte und junge Lehrer, männliche Und weibliche Lehrkräfte nahmen teil und, wie wir' hören, waren alle des Lobes voll über das Gehörte und Gelernte. Die Themen, die das nisiav-Fest in den Mittelpunkt stellten, waren vielseitig genug, um jeden zu. fesseln. Herr Rabb. Dr.- Unna (Mannheim) behandelte H a b a k u k und die nix» rmn Herr Rabb. Dr. . l es i n g e r (Köln) erläuterte an Hand einzelner r^n»a Traktate wichtige Begriffe, wie mna v' ,mna st«: ivxp nsna r6in und crmns nsna h^rv In geschichtlich wichtige Stoffgebiete führte Dr. Höxter (Frankfurtein, in die R e ch t s g e s ch i ch t e der deutschen Juden Herr Dr. Landauer (Berlin). Interessante D->sm»- Referate gab Rabb. Dr. Lauer (Mannheim), während Herr Dr. Ucko (Mannheim) die Hörer vertraut machtemit Hermann Cohens religionsphilosophis ch e m Werk. Auch praktische Arbeit fehlte nicht: die- Lehrer Kälbermann (Mannheim) und Durlacher (Heidelberg) zeigten die Verwirklichung moderner Unterrichtsmethoden (Rosenfelder) im Religionsunterricht.- Kantor Adler (Mannheim) machte mit fynagogaler Musik bekannt, und Lehrer Liebermensch (Mannheim) referierte über das Problem „Lehrbarkeit der Religion". Ein Besuch des jüdischen Worms war eine begrüßenswerte Abwechslung inmitten der doch recht anstrengenden. Kursstunden. Gab eine würdige Eröfsnungsstunde mit Ansprachen von Oberrat Dr. Pfälzer und Rabb. Dr. Unna den Auftakt, so führte ein gemütlicher Abend mit geistigen und leiblichen Genüssen die Gastfreundschaft der Mannheimer Gemeinde schön vor Augen. Dieeinzelnen Vorträge, die Aussprachemöglichkeiten „zwischen den Stunden", ein nav in der Großstadtsynagoge, ein reges Lehren und Lernen, Hören, Fragen und Insichaufnehmen, ein Weiten des Gesichtsfeldes nach vielem Seiten jüdischen Wissens und Lebens hin, das muß die Veranstalter und Förderer des Kurses ebenso wie dielernenden Teilnehmer mit gleicher Genugtuung erfüllen.. Wir glauben gewiß, daß dieser Fortbildungskurs, verschon am in i-,vrr begann und zu umin -jn» pi hinführem sollte, eine gute Arbeit im Dienste des jüdischen Unterrichtswesens in Baden war. Glücklich diejenigen Lehrer draußen im Land, die noch viele Schulkinder und lernbegierige Gemeinden haben, denen sie das in Mannheim. Gehörte als willkommene Gabe bringen dürfen. ' Oesterreich. Inkrafttreten des Rassenstudentenrechtes an der Wiener Universität. Wien, 1. Mai. Bei Beginn der Inskriptionen für das Sommeriemester an der Wiener Universität wurde eine Kundmachung des Rektors Gleispach verlautbart, derzufolge die Quästur berechtigt sei, von denjenigen Hochschülern, deren „Volkszugehörigkeit" (Abstammung) deutsch ist, zugleich mit den Jnskrkptionsgeldern einen Mitgliedsbeitrag für dis vom Rektorat anerkannte „Deutsche Studentenschaft" einzunehmen. Durch den Gebrauch des Wortes „Abstammung", wenn auch in Klammern, identifiziert sich das Rektorat mit dem hakenkreuzlerischen Rassenstandpilnkt. Es wird somit in der Zukunft aus den Meldungsbüchern ersichtlich sein, ob der Hochschüler deutscher Abstammung und christlicher Religion sei oder nicht. Man nimmt an, daß dies zu schlechterer Behandlung der nicht deutscharischen, vor allem der jüdischen Studenten, führen wird. Die sozialdemokratischen Studenten haben beschlossen, den 3-Schilling-Beitrag für den Hakenkreuzlerverband, dem