Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1930)
- Date
- 1930-05-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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8. Mai 1930 Der Israelit Nr. 19 Seite 5 Korrespondenz*» « Nachrichten. Deutsches Reich. Aür jüdische Geisteskranke. Frankfurt a. M., 5. Mai. Zu unserem Artikel: „Zur Frage der jüdischen Geisteskranken" wird uns geschrieben: Der. Verein „Esrath Nafchim", der sich der jüdischen Geisteskranken angenommen hat und das Heim in Jerusalem unter Mithilfe von ausländischen Spendern erhält, zählt auch in Deutschland, und besonders in Frankfurt a. M., eine Reihe von treuen Freunden zu seinen Mitgliedern. Wenn auch, gemessen am Budget der Anstalt, die alljährlich aus Deutschland eintreffende Summe keine große ist, so bedeutet doch auch diese eine Unterstützung des Heimes, die von der Leitung stets mit b e - f o n d e r e m D a n k e anerkannt wird. Mitgliederanmeldungen und Spenden aus ganz Deutschland nimmt Frau Ilse Feist, Frankfurt a. M., Röderbergweg 30, Postscheckkonto 113 99 jederzeit gerne entgegen. Sitzung der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin. Berlin, 2.. Mai. Auf eine Anfrage wegen der drohenden Exmittierung der großen „Synagoge Passauer Straße" stellt der Gemeindevorsitzende Kares kr Abhilfemaßnahmen auch der Gemeinde in Aussicht, erwartet nun aber die willige Einordnung des Synagogenvereins und seiner Funktionäre in den für die subventionierten Vereine allgemein geltenden Rahmen. (!) An Beihilfen werden u. a. gewährt: der Israelitischen Gärtenbäuschule Ahlem 5000 RM., dem jüdischen Lehrgut Rodges 1000 RM., der Akademie für die Wissenschaft des Judentums 7000 RM., der „Hoffmann'schen > Jeschiwa". in Frankfurt am Main 1000 RM., dem .„Verband ostjüdischer Organisationen in Deutschland" 6000' RM.. der Arbeitsgemeinschaft Jüdischer- Tuberkulosensürsorge 3000 RM., dem „Hilfsverein der Deutschen Juden" für den Wiederaufbaufonds des abgebrannten jüdischen Kinderh e i m s in Kywno 1000 RM. Die Versammlung stimmte sodann dem Statutenentwurf für das bald zu eröffnende vierte Altersheim in Schmargendorf mit einigen Aenderungen zu. Das Heim wird- 180 Betten haben, während jetzt insgesamt 600 geprüfte Aufnahmegesuche oorliegen. Die Liberalen fragen durch ihren Vorsitzenden R.-A. Stern' nach den Grundsätzen des Vorstandes bei der Ausgestaltung der neuartigen „Gemeindeabende". Die Liberalen bemängeln die einseitige Rednerauswahl (bei 6 Alreyden/.npr 7. Liberaler) und im einzelnen eine AeußerUng, des Gemeindeältesten Dr. Kollenscher für die jüdische höher? Schule. ' Der Gemeindevorsitzende, selbst Referent an Mehreren „Gemeindeabenden", garantiert deren neutralen Charakter, wünscht aber keine Farblosigkeit, sondern Eingehen aus brennende Gemeindefragen, unter denen die .Schulsrage nicht einmal eine Parteistreitfrage sei. Dr. Klee (Volkspartei) unterstreicht dies mit dem Hinweis auf die Schüldenkschrift des liberalen Repräsentanten Dir. Dr. G u t m cr n n, während Dr.. K o l l e n - scher die höhere jüdische Schule fordert, um nicht Gemeindemitglieder in die Schulorganisation der orthodoxen Austrittsgemeinde hmeinzuzwingen. Der Liberale Rosenthal -will die Gemeindemitglieder über Gemeindesragen von allen Richtungen her unterrichtet wissen. Die Fraktion, der Jüdischen V o l k s p a r t e i wünscht inseiner von Dr. Klee begründeten Anfrage Auskunft -über'Gemeindemaßnahmen gegen jüdische Wirtschästsnor und wirtschaftlichen Antisemitismus. Der Gemeindevorsitzende Kareski bejaht die Existenz einer besonderen jüdischen Wirtschaftsnot entgegen den Darlegungen der „Jüdisch-liberalen; Zeitung", die die zionistische Aktivität in dieser Frage als eine Entlastüngsoffensive für das gescheiterte Pälästinaexperiment bezeichnet und einerseits Beeinflussung der sozialpolitischen Gesetzgebung und dergleichen mehr, andererseits Durchsetzung des Wirtschaftslebens mit jüdischer Wirtschaftsethik fordert, . Kareski gibt - einige Zahlsn^ aus. KLemlDemeindeärbritzaM:^ Die Anmeldungen" dort übersteigen 1930 die im Vorjahre Me Woche. Berlin. Im Herbst 1930 veranstaltet die- Jüdische Gemeinde eine Ausstellung von Werken jüdischer Künstler, mit dem Zwecke, die große Oeffentlichkeit für die jüdische Kunst und Künstler zu interessieren. — Nach Direktor Kareski . hat auch .R.-A:- Dr. Breslauer - sein Amt . als stellvertretendes. Mitglied des Preuß.. Landesverbandes niedergelegt. — Der Frankfurter Ordinarius der Neurologie, Prof. Kurt Gold st ein, wurde' eingeladen, die neu ausgebaute neurologische Abteilung am Krankenhaus Moabit als dingender Arzt zu übernehmen: er hat. die Einladung angenommen und ist von der Universität Frankfurt vom 1. Mai ab beurlaubt worden. — Wilhelm Hertzogs und Hans I. Rehfischs Schauspiel „Die Affäre Dreyfus". würde von der Paramount-Filmgesellfchaft zur Tonversilmung erworben. — Am 21. April waren 12 Waisenkinder aus dem Kownoer Ki'üderhaus in Berlin eingetroffen; sie wurden von der Jüdischen Waisenhilfe Berlin in das Kinderdorf Ben S ch e - . men in Palästina überführt. Danzig. In Danzig wurde in diesen Tagen ein jüdisches Völkshaus eröffnet, welches Eigentum der Danziger Jüdischen Gemeinde ist. In dem Volkshaus sind u. a. die Lokalitäten'/des Bnei Brith, das Büro des zentralen jüdischen Wohlfahrtsamtes, der Lesesaal der Jüdischen Gemeinde, die Bibliothek des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur untergebracht. Verschiedenen Vereinen und Institutionen steht ein Sitzungssaal zu Verfügung. Wien. Im vergangenen Wintersemester betrug die Zahl der jüdischen Studenten an den drei weltlichen Fakultäten der Wiener Universität 2156 unter einer Gesamthörerzahl von 9877. An der einzelnen Fakultät studierten unter 3000 Juristen 553 Juden, unter 2549 Medizinern 871 Juden, unter 4328 Philosophen 732 Juden. Unter 1041 außerordentlichen Hörern der drei Fakultäten waren 134 Juden. Prag., Der bekannte Großrabbiner Rabbi S p i r a aus, ~ Munkacz hat sich in Triest nach Palästina eingeschifft. Patts.: Die hier tagende Welterekutive der zionistischen Revisionisten beschloß, die 4. Weltkonferenz der Union der Revisionisten auf den 3.-8. August d. I. nach Prag einzuberufen. — Die. französische Fliegerin Lena Bernstein, eine Jüdin, hat einen neuen Weltrekord für Damen aufgestellt. Sie ist nach einem Fluge von,35 Stunden, 46 Minuten, 55 Sekunden auf dem Flugplatz Le Bourget gelandet und hat damit nicht nur den Dauerweltrekord für weibliche Flieger, geschlagen, fondern auch den Weltrekord für Einzelslieger, den bisher Lindbergh innegehabt hatte, an sich gebracht. Krakau. Die Krakauer jüdische Gemeinde bereitet eine Ausst e l l u n g in ihrem Besitz befindlicher jüdischer Antiquitäten vor. Die Ausstellung wird noch diesen Sommer im Wawel- Schloß eröffnet, und zwar im Rahmen der Feierlichkeit aus Anlaß des 400. Geburtstages des polnischen Dichters Jan Kochanowsky. Lemberg. In dem hauptsächlich von Juden bewohnten Städtchen P r z e w o r s k hat eine : Feuersbrunst zwei Synagogen und etwa 50 von jüdischen Familien bewohnte Häuser vernichtet. ^80 jüdische Familien sind ohdachlos,; bie .! meisten ■ von ihnen haben, dä sie nicht versichert : waren, ■ ihre letzten Habe verloren. Moskau. . Eine, Moskauer Filmgesellschaft entsandte eine Filmerpedition nach fernen, die wertvolle Aufnahmen im Judenviertel der , Stadt Sana machte. Sie soll dabei viel wertvolles Material über das Leben der Juden in Yemen.gesammelt haben. — In der Stadt Kameniez hat sich eine Brigade aus Schuljungen und jungen Arbeitern gebildet, die es sich zur Ausgabe.gemacht hat, „illegale Che- - dqrim, die die Seelen -her Kinder verkrüppeln", ausfindig zu machen und sie den Behörden anzuzeigen. Ihre erste Entdeckung war ein greiser „Melämed", der einige jüdische Kinder in der jüdischen Religionslehre unterrichtet hatte; er wird demonstrativ abgeurteilt werden. Erziehung, zum. Denunziantentum! Warschau. Eine Gruppe Huligans drang in die , I e s.ch i w a von Pinskein und mißhandelte die Insassen schwer. Schließlich gelang es den Jeschiwa-Bachurim, die Huligans hinauszudrängen. Einer, Jizchak Trewug, erhielt durch einen der Eindringlinge einen Messerstich und würde in schwerverletztem Zustande ins Krankenhaus überführt. Die Angreifer entkamen unerkannt. New Port. Die .Gattin von Nathan Straus, Lina Straus, selbst. eine Philantropin von großem Formate, ist gestorben.. Einer ihrer r Söhne ist der Senator Nathan Straus. Die Familie stammte aus Mannheim. ' Diätetische Abteilung der Hirsch-Apotheke Zeil 111, Frankfurt a. M. DIABETIKER-DIÄT um monatlich etwa 1000 (März 1929: 4000; März 1930: 5200). Die Zahl der Vermittlungen ist fast genau im umgekehrten Verhältnis zurückgegangen und beträgt im März d. I. 600 mit etwas steigender Tendenz. Die Gemeinde geht jetzt an den Ausbau des Arbeitsamtes durch Trennung von gewerblicher und kaufmännischer Arbeitsvermittlung, sozialpolitisch eingestellte Kontrolle von Gemeindelieferanten, Ausbau der Berufsberatung, Heranziehung der Lehrerschaft, Schülerkonserenzen und Bildung von Arbeitgeberausschüssen und Arbeit von sozialpolitischen Experten. Die letzten Monate haben hier schöne Erfolge gezeitigt. Selbst bei steigender Konjunktur wird speziell jüdische Wirtschaftsnot durch die besondere historisch und kulturell bedingte Lagerung des Judentums und zumindest latent stets bestehenden ^Judenhaß nicht weichen, die Arbeit nach dieser Richtung also auch, nicht überflüssig werden. Kareski sieht im qualifizierten Handwerker den produktiven Judenberuf der Zukunft und warnt vor weiterem Zuzug zum Zwischenhandel. — Rosenthal (lib.) hält den „technischen .Kaufmann" für die typische Erscheinung kommender Wirtschaftsform, während Marcus (lib.) die Fürsorge für den deklassierten Kleinmittelstand in den Vordergrund gerückt wissen will, und Frau Eschelbacher (Mittelpartei) Bekämpfung der Landflucht fordert. Demgegenüber glaubt Kareski (Gemeindevors.) nicht an die Möglichkeit der schicksalhaft sich vollziehenden Landflucht, verspricht sich auch selbst von Aufnahme von Millionengemeindekrediten für Kleingewerbetreibende, wie sie zuweilen gefordert werden, nichts für die Aufrechterhaltung einer durch die Natur der modernen auf Normung, Ballung und Spezialisierung eingestellten Wirtschaft zurückgedrängten Existenzform. Er hofft aber, ältere Menschen dieser Gruppe im Ausbau gewisser von der Gemeinde beeinflußbarer Wirtschastsorganismen eine — wenn auch beschränkte — Hilfe schaffen zu können. Waldmann (Volkspartei) betont den Charakter jüdischer Hilfe als Zusatzarbeit, fordert gerade in diesem Rahmen jüdische Selbsthilfe durch Wiederbelebung der früher die jüdische Wirtschaftsbasis bildenden jüdischen „Binnenwirtschast" und Verwirklichung auch der wirtschaftlichen jüdischen Weltschicksalsgemeinschaft. Stärkung des jüdischen Selbstvertrauens sei bedingt durch Umstellung der Juden von den sterbenden oder sinkenden Berufen der Zwischenproduktion und unmittelbaren handelsmäßigen Konsumbefriedigung zu neuen grundproduktiven Aufgaben. Die Gefahr liege in der drohend sich bildenden Weltmeinung von unserem Ueberflüssigwerden als produktiver Faktor. Von hier aus ansetzend, muß das Judentum seinem Ziel in der Moderne zustreben: Reproduktivierung von Judenvolk Und Judentum! Die Versammlung bewilligt die Mittel zur Wiederherrichtung der von den Nationalsozialisten besudelten Fassade der Synagoge Kottbuser Ufer mit der Maßgabe, daß der Gemeindevorstand gehalten ist, die Schadensersahansprüche gegen die Täter energisch zu vertreten Rabbiner-Seminar zu Berlin. . . ' B e r l i n , 4. Mai. Die Eröfsnung des S o m m e r s e m e st e r s hat am Rabbiner-Seminar zu Berlin am 29. April in Anwesenheit der Dozenten, aller Kuratoren, die zur Jahressitzung des Kuratoriums in Berlin anwesend waren, mehrerer Gäste und aller Höret des Institutes stattgefunden. Nachdem Herr' Dozent Dr. Josef Wohl- Wochenkaleuder. v. 10, — 17. Mai 1830 ' o. 12. - 19. 3iav B690 Samstag 10 n\ cpsmj? ’inx Sonntag 11 13 ■ Montag 12 14 ’Jtfr ri’iyn Dienstag Mai 13 N"S 15* Mittwoch 14 16 Donner^ag 15 1,7 Freitag 16 18 msra Samstag 1? 19. ms