Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1930)
- Date
- 1930-05-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 19 Der Israelit 8. Mm 1930 Dauerwellen und Haararbeiten ist Vertrauenssache! EUGEN OCHS Spezialist dafür Mosels«r.16 . Taunus 1593 Unverbindlicher Besuch erbeten Todesfäl l e. Es starben int'Berichtsjahre: Männer, Frauen 2851 2853 Ehescheidungen erfolgten: rein jüdische Ehen " - Mischehen: Frau jüdisch Mann jüdisch 282 62 84 428 Es ist ein düsteres Bild, das aus diesen trockenen Zahlen emporsteigt! Während die Allgemeinbevölkerung noch einen, freilich sinkenden Geburtenüberschuß aufweist, übertrifft innerhalb der preußischen Judenheit die Zahl der Todesfälle die der Geburten um nicht weniger als 1150. Dabei haben wir, was an sich nichts weniger als einwandfrei, die Kinder aus Mischehen voll eingerechnet! Wohl ist bei uns Juden die Altersschichtung in diesem Punkte wesentlich ungünstiger als bei den Nichtjuden: die zeugungsfähigen Alter find bei uns — schon infolge der geringeren Sterblichkeit — schwächer vertreten. Aber dieser Unterschied im Altersaufbau reicht für sich allein nicht aus, um jenen krassen Unterschied in der Geburtenzahl zu erklären. Müßte doch, rein nach der Bevölkerungszahl gerechnet, die Differenz zwischen Geburten und Todesfällen, statt eines Mankos von 1150, einen Ueberfchuß von ca. 2500 aufweisen. Es müssen sich also die retardierenden Faktoren, wie Ehescheu, Beschränkung der Kinderzahl, gewollte Kinderlosigkeit usf. bei uns Juden viel stärker auswirken, als bei den Nichtjuden.' Einen an und für sich sehr beachtlichen Faktor haben wir hier nicht genannt, die Wohnungsnot, weil wir annehmen dürfen, daß sich diese in jüdischen! Kreisen mindestens nicht schlimmer auswirkt als in anderen. Besondere Erwähnung verdient noch die hohe Zahl der Ehescheidungen bei Mischehen. Ohne daß uns die Gesamtzahl der bestehenden jüdischen Ehen und jüdischen Mischehen genau bekannt ist, dürfen wir doch sagen, daß das Verhältnis von 2: 1 dafür spricht, daß bei Mischehen Scheidungen weit öfter eintreten, als dem Durchschnitt entspricht. Zusammenfassen'd muß man seststellen, daß die Loslösung vom jüdischen Gesetze, wie sie in Deutschland im Gefolge der Reformbewegung sich seit einem Jahrhundert in steigendem Maße voll zieht, und das Bild, das aus dieser Statistik au - steigt, zusammen eine erschütternde Illustration bilden zu dem Worte, das vor 3000 Jahren zu unseren Vätern gesprochen ward: „Wenn Du nicht darauf achten wirst, alle Worte dieser Lehre zu erfüllen» . . . . werdet Ihr nur in geringer Anzahl bleiben statt, daß Ihr wie die Sterne des Himmels an Menge gewesen» seid." Deuter. 28, 58/62. Werden die unanfechtbaren, der Umdeutung nicht zugänglichen Ziffern der amtlichen Statistik auf jene unsrer Brüder einen Eindruck machen die da glauben, man müsse die jüdische Lehre dem Gesetze der Entwicklung unterwerfen, um das Judentum zu erhalten? Werden sich jene anderen von ihnen beein flüsten lasten, die nicht müde werden, uns seit einem Menschenalter zu verkünden, daß,.die Re naissance des Judentums gekommen sei und die sich hier überzeugen könnten, haß jene Renais sance, von der geistigen Wirkung ganz zu schwel gen, nicht einmal auf die „Renaissance" einen Einfluß zu üben vermag? Die Antwort auf diese Fragen kann nich zweifelhaft sein: Ziffern sind zwar manchmal unbequem; sie sind spröde, unbeugsam und schwer widerlegbar. Aber sie haben» auch ein Gu tes, sie veralten rasch. Man braucht sie also nur eine kurze Zeit totzuschweigen und ihre Beweis kraft ist dahin! So war es in all den Jahren und so wird es auch diesmal sein, bis — ja, bis zu dem Tage da der Sinn jener Ziffern auch dem blödesten Auge sichtbar werden wird. Aber das mag immer noch ein paar Jahrzehnte dauern! Der Kampf um Sabbak und Speifegefehe im heiligen Land. Die vergangenen Peßachtage Haben den religiösen Kreisen Erez Jisrdels wiederum neuen Anlaß zu schmerzlicher Erregung gegeben. V in Jerusalem bekannt wurde, soll man in fast sämtlichen Kolonien des Emek am Peßach Chomez genossen haben, wie während des ganzen Jahres. Selbst diejenigen Kwuzoth, denen man Mazzos lieferte, haben am 15. Nissan gleich Peßach scheni gefeiert und Chomez und M a z z o zusammen gegessen. Da diese Kwuzoth allesamt vom Gelde der Jewish Agency erhalten bleiben." In zahlreichen Prioatgesprächen fand der König für die Inden nur Worte des Lobes. Auf seinen Wunsch hat die serbische Regierung als erste unter allen Staaten die Balfoür-Deklaration anerkannt und dabei nach Wov ten warmer Anteilnahme für das jüdische Schicksal der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß die jüdische nationale Heimstätte in Palästina bald errichtet werden möge. Die Juden Iugoslaviens bewahren in ihrem Herzen das Andenken an König Peter den Befreier, dem sie nun durch den Keren Lajemeth Lejsrael einen Wald in Palästina pflanzen. ^Jüdische Knnstdenkmäler, Ausstellung in Berlin.) Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler hat beschlossen, im Herbst dh. 'Is. eine große Ausstellung im Lichthof des Völkerkundemuseums II in Berlin veranstalten. , Herr Prof. Dr. Albert Einstein hatte die Güte, den Vorsitz im Ehrenausschuß der Ausstellung zu übernehmen. Verschiedene einflußreiche Persönlichkeiten der wissenschaftlichen, juristischen und kaufmännischen Welt haben sich ebenfalls zum Beitritt bereit erklärt. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat durch die Zubilligung eines Beitrages die Ausstellung anerkannt, verschiedene jüdische Gemeinden und Privatsammler, sowie Museen haben in Aussicht gestellt, ihre Bestände zur Ausstellung u Lcingen. (Die Heilquellen Palästinas.) Vor einer größeren Zahl geladener Aerzte hielt der bekannte Balneolog Herr Dr. L a ch m a n n - Bad Landeck, auf Einladung prominenter Aerzte, einen Lichtbildervortrag über seine Studienreise durch Palästina, wohin er gerufen wurde, um ein Gutachten über die Heilquellen Palästinas abzugeben. , Zu den Aufgaben, die dem Arzte in Palästina und dem vorderen Orient erwachsen, gehört nicht nur die Bekämpfung der Infektionskrankheiten, sondern auch der Säuglings- und Kinderschutz, zumal die Kindersterblichkeit früher sehr hoch war, und die Ausgestaltung der natürlichen Heilsaktoren des Landes: des Klimas.-und der Heilquellen. Unter den Infektionskrankheiten, die seit der neuen jüdischen Einwanderung schon sehr an Umfang' verloren haben, stellt die Malaria das schwierigste Problem dar. Seitdem man planmäßig jeden einzelnen Menschen in der Bevölkerung mit in-den Dienst dieser Aufgabe stellt, ist auch hier ein großer Fortschritt,-erzielt worden. Groß sind auch die Erfolge der Säuglingsfürsorge und der Bekämpfung der Kindersterblichkeit. — Unter den zahlreichen Heilquellen des Landes haben manche die Anwartschaft darauf, als Versano-Trinkbrunnen große Bedeutung zu erlangen. Andere, wie besonders die altbewährten Thermen von Tiberias, werden schon in allernächster Zeit zum.Zentrum eines modernen Kurortes werden. Die Quellen von Tiberias stehen in ihrer Temperatur den Thermen von Karlsbad, Aachen und Wiesbaden nahe, über treffen in ihrem Schwefelgehalt selbst die Aachener Quellen um ein Vielfaches und sind im übrigen starke Solquellen mit erheblichem Calziumgehalt. Außer den altbewährten Indikationen für ihre Anwendung: Rheuma, Gicht, Ischias werden sie in Zukunft auf Grund der neuen Erkenntnisse über die Bedeutung des Calciums auch zur Behandlung einer großen Reihe weiterer Krankheiten Verwendung finden können. Das Bad soll mit allen Errungenschaften modernster Technik zu einem Weltkurort ersten Ranges ausgebaut werden, und wird für die orientalischen Völker in erster Linie von großer Be-, deutung worden. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton <3. Sch achnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V.: S. Schachnowitz. ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag Israelit", G. m. b. H.. Frankfurt a. M> — Druck: Hermon Verlag und Druckerei, Frankfurt a. M. werden, so fragt man sich vielfach, wie Agudas Jisroel selbst im Falle der Ausschaltung der Kulturarbeit aus dem Programme der Agency eine Verantwortung für deren Aufbautätigkeit mit übernehmen könne. . .? Zu einem auch die Gerichte beschäftigenden Ausbruch der berechtigten, religiösen.WeiderrfchHten führte in Jerusalem die bisher noch nicht dagewesene Tatsache, daß einjüdischer Geschäftsinhaber seinen neugegründeten Läden von vornherein am Sabbat öffnete. Eine große Gruppe von jungen Agudisten waren während des ganzen Sabbats vor dem Laden versammelt und suchten endlich die Schließung des Ladens mit Gewalt zu erzwingen. Infolgedessen» wurden 5 dieser jungen Leute von der Polizei verhaftet. Die Gerichtsverhandlung gegen sie hat noch nicht stattgefunden. Dieses schamlose Attentat des Ladeninhabers auf das Thoragesetz hat nun wenigstens die eine gewünschte Wirkung gezeitigt, daß eine gemeinsame Aktion des Misrad harabanuth mit dem Oberrabbinat der afchkenastschen Gemeinde erfolgte und daß die nachfolgende rabbinische Entscheidung zur Veröffentlichung gelangte. n^mya ^87w' psa bnpnb nynn nun ^»a bypizms fnv nta triMm ian 'an mim dk nniai iromsa unp naizm ns V?nm srwa 78iaaa p".Yinp '"vx *?87w' V'raa sr nawn Sa^ mm anaya sin mm naiaa unt? a'poisaf '*?8iw' iap^> sar» 8*?i ^87V' m» *?npa 88'i rma-r •nauzma 7irm sV as nn iap ’yims ^a mim Tanna n"'Lni ntmp hy uwm sn na ^aa i^'L'i na^p nawna ‘snnn fei unnV ra ai' mnya »8"aa pan' uatr j?ip ]nan pny arnns a"n »joy» rnr^a ja7r ->v'8 . puany 'aria ,72>a ppssbp ^8 ^pjsns pmr ptwna *ws amm pajna nos »£ 287 ^8 f»imn pan* tpv paa^ip ns an Uebersetzung. Bekanntmachung an die jüdische Gemeinschaft in Erez Jisroel. Wir geben hierdurch bekannt, daß Herr A r u s ch k e s , Inhaber des Ladens „Zalmania", der den Sabbat öffentlich entweiht und einen Laden an den Sabbattagen geöffnet hält, nach dem Rechte der heiligen Thora als ausgechieden aus der jüdischen Gemeinschaft betrachtet werden muß. .Wie im Schulchan Aruch und in den anderen Dezisoren klargelegt, ist er als Abtrünniger zu betrachten und hat in allen reli-' gionsgefetzlichen Beziehungen als vollkommener Nichtjude zu gelten. Er ist ausgeschieden aus der jüdischen Gemeinde und wird, wenn er nicht zurücckehrt, dereinst kein jüdisches Begräbnis er- Gott in se ih er Karmh e rzigkeit mqge alle Abtrünnigen semieS: Volkes, des Hauses Israel,...in vollkommener Tschuwo zurückführen,.. uns. retten vor jedem. Unglück und, uns. dazu verhelfen, seinen Nchnen,zu heiligen. . . - Interschrieben am 23. des Monats Nissan 5690.. Jos. Ch. Sonnenfeld Awrohom Iizchok kuk Elijahu Kl atz kin Mosche M o r de ch a i E p st e in Iss er Salm ün Metz er Z w i P e s a ch F r a n k Jerucham Fischet Bernstein I i z ch o k F r ä n k e l D o w Z w i K a d e l n st e i n Jos. Gerson Hurwitz E l i j a h u Rom. Wie unterm 26. Nissan aus Jerusalem mitgeteilt wird, scheint die energische Erklärung der pi'7 'na ihre Wirkung bereits getan zu haben, da der Ladeninhaber schriftlich mitteilte, daß er ein Geschäft fortan am Sabbat schließen werdei