Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450600-2450617--76906-2534533- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Safed 3× ep/1046078
- Hebron 1× ep/1047559
OCR text
Seite 6 Nr. 18 Der Israelit *1. Mai 1930 Zigarren Zeii 49 Wolf Telei. Römer 930 Indien. Indische Woslems und Palästina. Bombay, 22. April. Am Montag den 21. April fand in Bombay eine Konferenz von Delegierten der allindischen Liga der Moslems statt, in der der Vizepräsident der indischen gesetzgebenden Versammlung, Maulvi Mohamed Pakub, die englische Politik in Palästina scharf kritisierte und eine Abkehr von der Politik des Jüdischen Nationalheims in Palästina fordert. Anstelle dieser Politik, sagte er, müsse eine Politik treten, die die Selbstverwaltung durch Errichtung einer demokratischen Regierung fördert. Es wurde beschlossen, eine Abordnung indischer Mohammedaner nach London zu entsenden, die zugunsten der arabischen Politik in Palästina wirken soll. Der arabischen Palästina-Delegation, die gegenwärtig in London weilt, würde eine Resolution übermittelt, in der es heißt: Das Heilige Land Palästina wurde der gesamten mohammedanischen Welt gegeben; die indischen Moslems fordern die Zurückziehung der Balsour-Deklaration, die Beendigung des Mandates und die Einsetzung einer unabhängigen Regierung, die nach dem Prinzip des Selbstbestimmungsrechtes aus den ursprünglichen Einwohnern Palästinas sich zusammensetzen solle. (ITA.) Palästina. Wie die Palästina-Regierung entschädigt. Jerusalem, 22. April. Nachdem die Palästina-Regierung vor einigen Tagen mit der Zahlung von Entschädigung an Araber in Safed für während der Unruhen im August erlittene Sachschäden begonnen hatte, wurden soeben auch Verfügungen über die Zahlung von Entschädigungen an jüdische Opfer der Unruhen getroffen. Die Art, wie diese Entschädigungsaktion geführt wird, und die lächerlich geringe Höhe der Entschädigung haben unter den jüdischen Interessenten schwere Enttäuschung hervorgerufen, die sich in Aeußerungen der Erbitterung Lust macht. In der Regel werden etwa 8 Proz. des erlittenen Schaden? ersetzt, in vielen Fällen aber ist die Höhe der Entschädigung noch weit geringer als dieses Ausmaß. So z. B. erhielt die Familie von Rabbi Hassoun in Hebron, deren Haus vollkommen zerstört und ausgeplündert wurde, wobei der Schaden, gering geschätzt, die Höhe von 3000 Pfund erreicht, im ganzen 11 Pfund 8 Schillinge als Entschädigung ausbezahlt. Die jüdische Gemeinde von Hebron, die durch die Zerstörung ihrer Synagoge, ihres Greisen- und Waisenasyls, sowie anderer Wohlfahrtsinftitutionen einen Schadenersatz von 2000 Pfund beanspruchte, erhielt 54 Pfund. Der Hebron-Jude Ascher' Karlinsky, der durch die Ausplünderung seines Hauses einen Schaden von 103 Pfund erlitten hat, erhielt 14 Schillinge ausbezahlt. Die gleiche Empörung wie unter den Juden Hebrons herrscht über die Entschädigungspraxis der Regierung auch unter den Juden von Safed. Am 21. April abends fand in Safed eine jüdische Versammlung statt, in der sich die Entrüstung gegen die Regierungspraxis sehr stürmisch äußerte. Es wurde eine Resolution angenommen, in der gegen die „schmachvolle und beleidigende Haltung der Regierung gegenüber den Opfern der Unruhen" protestiert wird. Es wurden Daten zur Sprache gebracht, aus denen heroorgeht, daß die Regierung, obwohl sie dis Schäden sehr niedrig einschätzt, dennoch nur ein Drittel der Höhe ihrer eigenen Schätzungen als Entschädigung zahlt. Im Verlaus der Versammlung wurden auch Klagen gegen die Verwaltung des jüdischen Nothilfssonds (Emergency Fund) erhoben. Es wurde erklärt, daß der Fonds seine Versprechungen, den Juden von Safed beim Wiederaufbau ihres zerstörten Wohn- und Geschäftsviertels zu helfen, nicht in der wünschenswerten Weise erfüllt. Jerusalem, 23. April. Es werden weitere Tatsachen über die Entschädigungspraxis der Palästina-Regierung bekannt, die die Empörung der jüdischen Oefsentlichkeit erregen. Die sephardische Gemeinde in Hebron, die für die Zerstörung ihrer drei Synagogen und mehrerer Gemeindeinstitutionen einen Schadenersatz von 6423 Pfund beanspruchte, erhielt im ganzen 176 Pfund ausbezahlt. Nissim Castel, der 250 Pfund Schadenersatz beanspruchte, erhielt 8 Pfd. Elchanan Roch, dem in den Augusttagen eine Hand abgeschlagen und dessen Haus vollkommen ausgeplündert wurde, beanspruchte einen Schadenersatz von 1537 Pfund, erhielt aber Nur 84 Pfund. Dem in Mekor Chajim lebenden Juden Schnurman, der 550 Pfund als Schadenersatz für die Ausplünderung und Niederbrennung feines Hauses verlangte, wurden 32 Pfund bewilligt. ^Der Safeder Jude Klinger, der einen erlittenen Schaden von 11.000 Pfund Nachweisen konnte, erhielt 140 Pfund ausbezahlt. Das Safeder jüdische Waisenhaus, das 3000 Pfund als Schadenersatz beanspruchte, erhielt 144 Pfund. Ein Jerusalemer Jude erhielt 17 Pfund, statt der beanspruchten 640 Pfund. Die Familie des in Hebron ermordeten Jeschiwah-Studenten Krasner, deren Haus vollkommen ausgeplündert wurde, erhielt statt der beanspruchten 5000 Pfund nur 114 Pfund ausbezahlt. Von denjenigen, die nur Verletzungen erhielten, haben die meisten überhaupt keine Entschädigung erhalten. Die Schwester von Rabbi Dvoretz, der eine Hand abgehauen und deren Haus in Hebron geplündert wurde, erhielt insgesamt 2 Pfund und 10 Schilling Schadenersatz. Eine andere jüdische Frau aus Hebron, deren Schaden offiziell aus 560 Pfund geschätzt wurde, erhielt 5 Pfund ausbezahlt. Die Empörung wird verstärkt durch das Bekanntwerden der Tatsache, daß der Jerusalemer arabische AnwaltHassan Al Budeiri, dem in den Unruhetagen, alseine Wohnung in Brand geriet, einige Gegenstände aus derselben entwendet wurden, 340 Pfund Schadenersatz erhielt. Wie erinnerlich, wurden die Mitglieder der Untersuchungskommission in das Haus dieses Anwalts geführt, um ihnen zu beweisen, daß auch Juden während der Unruhen arabisches Eigentum zerstört haben. Amerika. Weitere Einschränkung der osteuropäischen Einwanderung. Washington, 23. April. Der Senat des Kongresses der Vereinigten Staaten hat soeben mit 39 gegen 34 Stimmen einen Zusatzantrag zur Einwanderungsbill angenommen, demgemäß die seit 1. Juli 1929 geltende Länderquote reduziert wird in der Weife, daß die allgemeine Zahl von 150.000 Einwanderern jährlich auf 120.000 herabgesetzt wird, wobei die Einwanderung auf der Basis der Volkszählung von 1890 zu geschehen hat und der Prozentsatz der Einwanderer aus jedem einzelnen Lande von 2 auf 1% Proz. dieses Zensus zu reduzieren ist. Einen Vorteil aus dieser neuen Ordnung würden die skandinavischen Länder und Deutschland ziehen, deren Zensus im Jahre 1890 ein hoher war, während bei Annahme dieses Zusatzantrages die Einwanderung aus den osteuropäischen Ländern stark reduziert werden würde, da 1890 der Zensus aus diesen Ländern, aus denen die Einwanderung nach Amerika erst in einer späteren Periode eingesetzt hat, ein geringer war. Der Beschluß des Senates ist nicht endgültig, da die Bill in ihrer Gesamtheit noch einmal dem Senat wie dem Repräsentantenhaus des Kongresses zur Abstimmung vorgelegt werden muß. Ein Antrag, die gesamte Einwanderung in die Vereinigten Staaten für drei Jahre zu verbieten, wurde vom Senat abgelehnt. Ebenso wurde mit 55 gegen 11 Stimmen ein Antrag, die gesamte Jahreseinwanderungsquote auf 76.000 zu beschränken und die Einwanderer gemäß den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Landes zu wählen, abgelehnt. Personalien. I Fmk yjif. London, 26. April. Die Londoner Judenheit, die Adatz Jisroel-Eemeinde insbesondere, die hiesigen Talmud Thoras, Jeschibas Ez Chajim und Agudas Jisroel haben einen herben, unersetzlichen Verlust erlitten durch das am 16. April stattgefundene Hinscheiden des allgemein verehrten' Herrn Fick >"r7-Jn Lauterbach geboren, übersiedclte er mit seinem Vater, Rabbi Reuben Fini °-?"27 Verfasser des „Tenubas Jehudoh" und „Diwre Scholaum weemes", nach Hamburg. Die Grundlose seines talmudi'chen Wis'ens hatte er dem berühmten „Würzburger Raw" Rabbi Seligman Baer Bamberger, zu verdanken. Alsdann besuchte er die Jeschibos in Prag, Pretzburg, Tarnow und andere Ieschibos Ungarns unter Leitung seines Onkels. Allein Thauro erkor er nicht als Berussstudium, sondern sein Drang, die Welt kennen zu lernen, veranlatzte ihn, sich dem Antiquitätenfache zu Widmen. Lassen Sie Ihre UHREN bet Neeser-LAPP, Altegasse Z reparieren. Sie gehen gut und die Preise sind billig. Alles unter Garantie.. Bei gewi'senhastister Pflichttreue vernachlässigte er niemals Lernen und Lehren. Dies bezeugen die öffentlichen Schiurnn in Karlsruhe, Frankfurt, Antwerpen und London. Hier hielt Fink jeden Morgen während der letzten 20 Jahre einen in seiner Art einzig dastehenden Mischnajisschiur, dessen Gegenstand Mischna mit . sämtlichen Kommentatoren inklusive den Tosephos Jomtow bildeten. Dies erforderte eine zirka 'vierstündige tägliche- Vorbereitung, der er die Morgenstunden opferte. Vov- 10 Jahren fand im Highbury Atheneum ein Sijum über 6 Sidre Mischne statt und waren sämtliche talmudischen Coryphäen Londons anwejend und bewunderten Finks herrlichen Halacha- und Agada-Vortrag. Das- Leben dieses ganzen Jehudi, seine eiserne Strenge gegen sich selbst, seine Opferfreudigkeit, unsere Geböte in schönster, genauester Weise zu erfüllen, die Energie-- seines ganzen Wesens bewahrheiteten, das. was uns unsere Mutter Channa lehrte, unserem Schöpfer als maix 'n zu dienen, als dem Herrn der Schöpfungsscharen. mit unbedingtem Gehorsam aus freiem Entschluß. So nachsichtslos er gegen sich selbst war, so liebevoll und schonend war er gegen seine Mitmenschen. Er suchte den Hilfsbedürftigen aus und wartete nicht, bis er sich an ihn wandte. Gerade war sein Wort, sein. Handeln, sein Denken wie auch bis ins Greisenalter seine: patriarchalische Statur. Er erreichte das 79. Lebensjahr,, bis zum letzten Momente bei vollem klaren Bewußtsein. Der „Din" verbot jeden Hesped. ,;Die Denkmäler der Zadikim", sagen unsere Weisen,, „sind ihre Taten". Die Denkmäler unseres unvergeßlichen. Herrn Fink sind die Liebe' und Hochachtung seiner Familie, seiner Schüler, seiner zahlreichen Freunde, die Tränen der Dankbarkeit, die Viele ihm gewidmet, derem Schmerz er gelindert, deren Mut er gestärkt, die ihm nachnefen p-ns -dt. . Auch hier in Frankfurt a. M. hinterläßt der Ver-- storbene Freunde, die um sein Hinscheiden trauern. Fink, der im Diamanthandel einen angesehenen Ruf sich erwarb, war eine, jener markanten jüdissten Persönlichkeiten, die leider in Deutschland immer mehr zur Seltenheit werden. Der charakteristische Zug seines Lebens war Gewissenhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Treue. Es wird uns noch aus Frankfurt geschrieben: Minutiöse Treue im Leben und Beruf, Treue gegenüber dem jüdischen Gottesgesetz, aber ebensolche Treue rm 'Geschäftsleben, wie im Privatleben gegenüber seinem Nebenmenschen. So verschwindet mit Fink der Typus jenes klugen Vollkaufmanns, wie ihn S. R. Hirsch!?"Si sich als Ideal gedacht hat: Verwirklichung des Mensch- Jsroel-Jdeals in der Praxis in höchster Potenz. Möge sich die heutige jung-jüdische Generation I. Fink zum Vorbild dienen lassen." Mary Marcusrj-'V- Hamburg, 29. April. Am Dienstag, den 22. April, verschied im Alter von 86 Jahren die ehemalige Leiterin der Israelitischen Töchterschule der Hamburger Deutsch-Israelitischen Gemeinde^ Frt. Mary Marcus. Sechsundfünfzig Jahre stand sia der Mädchenschule der Gemeinde vor und hat, ausgerüstet mit umfassendem Wissen, berufen zur Führerin und Erzieherin, die Schule der Gemeinde zu hoher Blüte entwickelt. Sie war die einzige Schwester des unvergeßlichen jüdischen Gelehrten Ahron Marcus Als sie vor sechs Jahren aus dem Amt schied, wurde von der breitesten Oefsentlichkeit, sowohl von seiten der Vorgesetzten Behörde als auch von seiten des Gemeinde- und Schulvorstandes, ihr der Dank für ihr vorbildliches Wirken ausgesprochen. Unter Hintansetzung persönlicher Interessen hat sie sich nur ihrer ideellen Aufgabe gewidmet. Die treue An- Jn H e r r e n a l b (Telefon Nr. 1) bietet das dieser Tage eröffnete Schwarzwald-Hotel mit großer Terrasse gegenüber dem Kurhaus und den Anlagen und erstklassiger Küche angenehmsten Aufenthalt. Näheres siehe. Inserat. Für Sport und Reise. Geradezu unentbehrlich ist Kaiser-Borax auf der Reise, bei Wanderungen oder sonstigen sportlichen Gelegenheiten. Das Gefühl der Unbehaglichkeit, welches sich bei starker Transviration zeigt, kann nur ein erfrischendes Bad, oder eine dründliche Körperwaschung beseitigen. Eine besonders wohltuende und anti'eptische Wirkung erreichen Sie durch die Zusatz non. Kaiser-Borar, welcher das Wasser weich und anti- 'eptisch macht, die der Haut anhaftenden Fett- und Schmutzteilchen löst, die Poren öffnet und damit eine normale Hauttätigkeit ermöglicht. Für Touristen sind Fußbäder mit Zusatz von Kaiser-Borar vor und nach den Wanderungen besonders zu empfehlen. Sie kräftigen die Fußsohlen, verhüten das häufige Wundwerden und Brennen der Füße und beseitigen üblen Schweißgeruch. Aber Kaiser-Borar muß es sein, der in den bekannten roten OriginaPackungen mit ausführlicher Gebrauchsanweisung von der Firma Heinrich Mack Nachf., Ulm a .D., geliefert wird.