Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1. Mai 1930 Der Israelit Nr. 18 Seite 7 hänglichkeit, die ihre ehemaligen Schülerinnen seit Jahrzehnten ihr bewahren, ist der beste Beweis für das segensreiche Wirken dieser ungewöhnlichen Frau. Aber nicht nur auf pädagogischem, auch auf sozialem Gebiet hat sie sich betätigt, und mit der ihr eigenen Zähigkeit und Festigkeit sich eingesetzt, wo ihre Hilfe notwendig und erwünscht war. Davon legen die verschiedensten sozialen Institutionen Zeugnis ab, in denen sie im Interesse ihrer Schülerinnen und im Interesse ihres Fortkommens gearbeitet hat. Das Andenken der Heimgegangenen wird in der Hamburger Gemeinde stets in Ehren gehalten werden. ~ Breslau» 28. April. Dozent Dr. Isaak Heinemann ist zum Honorarprofessor an der philosophischen Fakultät der Breslauer Universität ernannt worden. Prof. Heinemann stammt aus Frankfurt und hat, ursprünglich im Lehrberufe stehend, eine fruchtbare wissenschaftliche Tätigkeit insbesondere auf dem Gebiete der Philo-Forschung entfaltet. Auch der jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters und weltanschaulichen Zeitfragen hat Heinemann sein wissenschaftliches Interesse zugewandt. Briefkasten. A. A. M. Hier in Frankfurt wird in diesem Falle i? in", gesagt. H. S. in D. Frs. 25.— für Abonnement verbucht. Die Woche. Veranstaltungen der Agudas Jisroel-Iugendgruppe. Es wird abermals darauf hingewiesen, daß jeden Montag, von 20.30 bis 21.30 Uhr, Zeit 2, I. Etage, unter Leitung des Herrn B. Rachelsohn, ein Schiur rvi^n stattfindet. — Für eine größere Anzahl Teilnehmer ist noch Platz da. Die Jugendgruppe plant, zusammen mit andern Gruppen der Umgegend, am Sonntag, 11. Mai, Frankfurt ab: etwa 6.40 Uhr, einen Tagesausflug nach Worms. — Die Leitung der Gruppe hat Herrn Redakteur S. Schachnowitz gewonnen, an diesem Ausflug teilzunehmen, um an diesem historisch so bedeutsamen Ort das an geschichtlichen Einzelheiten von sachkundiger Seite zu hören, was Vielen sicherlich nur andeutungsweise zur Kenntnis gekommen ist. Der Fahrpreis beträgt für Jugendliche (unter 20 Jahren) etwa RM. 2.40. — Anmeldungen sind sofort schriftlich an die Jugendgruppe, Schwanenstraße 12, zu richten, damit rechtzeitig die notwendigen Vorbereitungen getroffen werden können. Sprechstunden der Leitung der Gruppe Sonntags von 11.30 bis 13 Uhr, außerhalb dieser Zeitung, nur nach vorheriger Anmeldung beim Vorsitzenden, Herrn Hartogsohn, Ostendstraße 82, Carolus 443 68. Vom Liwjath Chen. Im Liwjath Chen finden jetzt die Vorträge je am Sabbainachmittag im Hörsaale Friedberger Anlage noch Mincho, 5,15 Uhr statt. In den Wochen bis r-nyup werden unter Berücksichtigung der Sidro vornehmlich die Gedankenschätze der nm ’pnn in ihrer Anwendung auf Zeitsragen behandelt. Gäste sind willkommen. Das 50jähr. Jubiläum der Israelitischen Religionsschale. Am Sonntag fand sich eine zahlreiche Gemeinde im Festsaale der Elifabethenschule zusammen, um den Anlaß des 50jährigen Bestehens der Israelitischen Religio ns schule feierlich zu begehen. Der Festakt begann mit einem Molinspiel und dem schönen Vortrag des vnst durch ein von Herrn Kantor Gerlich geleitetes Quartett. Es folgte die großangelegte Festrede des Herrn Rabbiner Dr. Jakob H o r o w i tz, die zugleich eine Gedenkrede war, indem sie alle MöMer, die für die Israelitische Religionsschule in dem halben Jahrhundert ihres Bestehens wirkten, bei Namen aufführte und ihrer utt ehrenden Worten gedachte. Von den noch unter uns Weilenden wurden besonders gewürdigt Frau Dr. Heinemann', die seit Gründung der Schule ein Menfchenalter dem Lehrerkollegium angehörte und Herr Simon Unna, der seit bald 50 Jahren segensreich an der Schule wirkte. Erinnerungen an die ersten Gründungsjahre unter seinem Vater, Rabb. Dr. Markus Horowitz V'ri, gaben der Rede eine warme persönliche Note. Die Reihe der Begrüßungen eröffnete Herr Julius Goldschmidt für den Vorstand der Israelitischen Gemeinde. Dr. M e r z b a ch begrüßte für die Gemeindevertretung. Mit kurzen prägnarten Worten sagte Herr Rabb. Dr. Hofsmann, was die Jugend den jüdischen Klassikern: der Thora, den Propheten und alten Lehrern schuldet, und begrüßte im Namen der Rabbinischen Thoralehranstalt. Es sprachen ferner Schulrat R e ch m a n n für die Städtischen Schulbehörden, die Herren Naftali Fromm, P. Klibansky als früherer Angehöriger des Unterrichtskollegiums, ein Vertreter der Loge; Dr. Höchster, der mit warmen Worten nochmals des Heimgegangenen Dr. Ma-)^"X7 gedachte, und Direktor Dr. Erich K l i v a n s k y aus Köln. Ein Schüler der Religionsschule ücerbrachte die Grüße der Schülerschaft, und zuletzt sprach Direktor Dr. D r i e f e n. Mit einem Gesang schloß die zweistündige wirkungsvolle Feier. Hebräischer Sprachverein nun DW> Die hebräische Arbeitsgemeinschaft des Herrn I. Landau hat bereits Zweimal stattgefunden. Es ist dort Gelegenheit geboten, hebräische Referate zu hören und an der ebenfalls hebräischen Diskussion teilzunehmen. Die Zusammenkünfte finden regelmäßig ruv Nachmittag um 6.15 Uhr Schwanenstr. 12 im Lokale der Agudas Jisroel-Jugendgruppe statt. An diesem rinn? sprich! Herr Just. Die Vorbesprechung für die weiter geplanten Kurse in hebräischer Sprache finden diesen me? um 6 Uhr im gleichen Lokale statt. Frau Caroline Carlebach n"y. In Bad Soden verstarb kurz vor Vollendung ihres 76. Lebensjahres Earoline Carlebach» eine selten edle und vornehme Frau. Sie war die Gattin des vor nunmehr 39 Jahren verstorbenen Mar Carlebach des Bruders des unvergeßlichen Lübecker Raw V'S7- Ihr Gatte gehörte zu den ersten Mitbegründern der orthodoern Religionsgesellschaft in Stuttgart. Da ihn aber die dortigen Einrichtungen nicht befriedigten, so zog er, erfüllt von dem Wunsch, seine Kinder gottesfürchlig zu erziehen, nach Frankfurt a. M., um in der Hirsch'schen Mustergemeinde ein Leben ganz nach seinem, Wunsche führen zu können. Hier ward er eine der treuesten Stützen der von ihm verehrten Rabbonim V't und innerhalb der än hervorragenden Männern so reichen Gemeinde erwarb er sich einen Namen als wahrhafter Zaddik, als selten gewissenhafter und reeller Kaufmann und als rührender Wohltäter der Menchen. Als er nach einem mit Heroismus getragenen Leiden mit 52 Jahren die Augen schloß, da sagte man ihm an seiner Bahre nach: als 52Jähriger als ein mp p ist er dahingegangen mit einer Neschomo so rein und unschuldig, wie die eines einjährigen Kindes. Sein Weib, in so jungen Jahren Witwe geworden, blieb mit einem Sohn und vier unmündigen Töchtern zurück, und sie, die selbst in freiem Sinne erzogen, durch die Belehrung ihres Mannes von der Wahrheit der Gotteslehre tief durchdrungen war, hielt das Andenken ihres Galten hoch und erzog ihre Kinder in. seinem Sinne zu charakterfesten Jehudim und zu ganz ausgezeichneten Menschen. Doch ihr Gottvertrauen ward auf eine harte Probe gestellt. Ihr ältester Sohn, ihr Menachem, der ihr wirklich ein Tröster und ein Helfer, ein Trost für seine Mutter und seine Geschwister gewesen, ward ihr mit 39 Jahren genommen, nachdem er eben als junger glücklicher Ehemann ein schönes, echt jüdisches Haus begründet hatte. Doch damit nicht genug. Sie stand am Grabe ihrer ältesten Tochter, der nach Mannheim verheirateten und dort so beliebten und angesehenen Ida Latte, und . als sollten Hiobs Leiden ihr beschieden sein, so blieb ihr noch in den letzten Jahren, da ihre Gesundheit schon schwer bedroht war, ein tiefer Schmerz nicht erspart. Mit ihrer jüngsten Tochter beweinte sie den Tod ihres ebenso klugen wie gutmütigen und liebevollen Marburger Schwiegersohnes Adolf Bacharach b"rt der sein junges Weib mit zwei unmündigen Töchtern zurückließ. Mit dem Propheten konnte sie sprechen vn» 's>y 7>ban -p-n©» Vs; alle Wogen und Wellen fuhren über ihr Haupt dahin. Aber sie hat stets mit der Würde vornehmer, gottergebener Naturen ihren' Kopf hochgehalten; ja, sie war immer heiter; es kam nie ein Wort des Murtens und Klagens über ihre Lippen. Sie war unerschütterlich in ihrem Eottvertrauen und durch ihren milden Blick und durch ihr sanftes Wesen verstand sie es immer wieder, die Tränen in ihrer Umgebung zu trocknen. Sie war eine auffallende Schönheit, und diese jugendliche ^Schönheit hat sie bis zur letzten Stunde sich erhalten, «o ist es denn charakteristisch für sie, daß sie wenige Stunden vor dem Feste des Jubels in die himmlischen Höhen hinüber geschlummert ist. Mit ihrem heiteren, mit Gott so völlig ausgesöhnten und mit Ihm sich freuenden Antlitz, so tritt sie vor den Thron des Allmächtigen, um den Lohn entgegenzunehmen für die herrlichen Tugenden, die sie trotz aller schweren Prüfungen sich nicht hat rauben lassen. Möge ihr Sechus ihren braven und frommen Kindern und Enkeln zur Seite stehen. Möge der liebe Gott die so schwer geprüfte Familie nach all dem Leid aufrichten und ihnen den reichen Trost senden, dessen sie bedürfen. n"28Ui- Ein nakionalsozialistifcher Agitator wegen Religionsbeschimpfung vor Gericht. Im März v. Js. hatte der ehemalige Student Berge m a n n, jetzt Schriftleiter der nationalsozialistischen Wochenzeitung „Der Sturm" und Wanderredner für den Gau Hessen-Nassau Nord der N. S. D. A. P., in einer öffentlichen Versammlung in Hilmes Kr. H e r s f e l d nach Behandlung der Schächtfrage erklärt, das jüdische Religionsgesetz verlange, daß das an Nichtjuden abgegebene Fleisch vorher verunreinigt und besudelt werden müsse. Das geschähe dadurch, daß der Schlächter oas Fleisch. Die Folge dieser Aeußerung war, daß die Bevölkerung von Hilmes die Abnahme von Fleisch, das jüdische Metzger aus der Umgegend bisher dorthin geliefert hatten, bis zum heutigen Tag ablehnten. Der Landesverband Hessen-Nassau und Hessen des Zentralvereins Frankfurt hatte deshalb Strafanttag wegen Religionsbeschimpfung (§ 166 St. G. B.) gestellt, der aber mangels eines Dauerwohnsitzes des Angeschuldigten erst am 28. April 1930 vor dem großen Schöffengericht in Kassel zur Verhandlung gelangen konnte. Wie nicht anders zu erwarten war, leugnete der Angeklagte Bergemann mit aller Entschiedenheit, die fragliche Aeußerung gebraucht zu haben und versuchte sich damit herauszureden, daß er sicherlich falsch verstanden worden sei, als er bei. seinen damaligen Ausführungen auf das für Juden geltende religionsgesetzliche Verbot, das Hinterviertel geschlachteter Tiere zu genießen, hingewiesen habe. Er könne schon deshalb die Beschuldigung, die den Gegenstand der Anklage bilde, nicht erhoben werden, weil (wörtlich) er sich persönlich sehr eingehend mit Talmudübersetzungen beschäftigt habe und daher sehr ,genau wisse, daß es etwas derartiges im jüdischen Religionsgesetz nicht gäbe. Die sämtlichen nichtjüdischen Zeugen aus Hilmes, die seinerzeit die Versammlung besucht hatten, bestätigten jedoch fast wörtlich die unerhörte Beschuldigung und einige Zeugen fügten sogar hinzu, daß sie im Glauben an die Wahrheit dieser Beschuldigung bis heute den Bezug von Fleisch durch jüdische Metzger abgelehnt hätten. Der Staatsanwalt geißelte in seinem Plaidoyer scharf das Verhalten des Angeklagten, das eine Bestrafung nach der ganzen Schwere des Gesetzes erfordere, da Bergemann durch feine eigene Erklärung, daß er von dem Nichtbestehen derartiger Religionsvorschriften genau unterrichtet sei, zu erkennen gegeben habe, daß er seine Behauptung wider besseres Wissen aufgestellt habe, offenbar nur zu dem Zweck, um „wie auch in seinen anderen Reden mit unredlichen Mitteln für seine Partei zu werben". Der Staatsanwalt beantragte demgemäß eine Verurteilung zu drei Monaten Gefängnis. Das Gericht verhängte über den Angeklagten nach kurzer Beratung wegen eines Vergehens der Religionsbeschimpfung eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten, die in eine Geldstrafe von Mk. 180.— umgewandelt wurde. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, daß Bergemann in roher und verletzender Form die jüdische Religionsgesellschaft und ihre Gebräuche beschimpft habe und daß der außerordentlich schwere Vorwurf auch eine empfindliche Strafe verdiene. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Sonntag morgen nach Schul (ebenso Mittwoch) im Hörsaale Friedberger Anlage tm "v, Herr S. Schachnowitz, — vormittags 8 Uhr (ebenso Samstag eine Stunde vor Nacht) im Vereinslokale, Gemoro, Herr I. Soffer. — vormittag 9^4 Uhr (ebenso Dienstag nachmittag 1 Stunde vor Mincho) Gemoro, Herr R.-A. G. Posen. Montag morgens nach Schul (ebenso Donnerstag), Mischnalernen der Mitglieder. — abends 7 Uhr (ebenso Mittwoch früh), Gemoro, Herr Rabb. Dr. Josef Breuer. — abends 8V2 Uhr (ebenso Donnersta), Gemoro, Herr Dr. Cliefer Posen. Dienstag morgens nach Schul (ebenso Freitag), Misckna, Herr Dr. Elieser Posen. Samstag nach Schul, Hörsaal Friedberger Anlage, Dinim, Herr Dr. Elieser Posen. — Nachmittag 4«/4 Uhr im Vereinslokale, Mikro, Herr Dr. Willy Hofmann. — Eine Stunde vor Nacht, Herr H. Halpern. Von Sonntag bis einschließlich Donnerstag, jeden Abend 8% Uhr Schaaslernen, Herr H. Halpern. Von Montag bis einschließlich Freitag morgens nach Schul im Sitzungszimmer Friedberger Anlage Gemoro, Herr Dr. S. Ehrmann. Jahrzeitsstiftungen. Montag, 7. Mai, Helene Mayer geb. Bloch-Stiftung. Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Schabbos 7'/4 Uhr, Haschkomoh, Schwanensttaße 12, Das Jaumi-Schiur, Herr Herz Halpern, von 12—13, Sonntag von 11—12 Uhr, Montag bis Freitag von 12—13 Uhr, Gelegenheit zum Lernen — täglich von 9-12 I Uhr, Schwanenstt, 12. — Gemoroh Bowo Mezio, Vor- BAD HOMBURG Homburger Elisabettienbrunnen Reiches Veranstaltungsprogramm - Golf, Tennis, Reiten, Tontaubenschießen, Strandbad - Der größte Kurpark Deutschlands. mit seiner glücklichen Vereinigung von kohlensauren Kochsalzquellen und starken natürlichen kohlensauren Bädern; daher hervorragende Heilerfolge bei Magen- und Darmleiden sowie Herz- und Gefäßerkrankungen. Illustrierte Prospekte durch die Kur-Verwaltung