Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der Israelit Nr. 18 Seite 5 1. Mai 1930 Diätetische Abteilung der Hirsch-Apotheke ZeilHI, Frankfurt a.M. Leck vorgekommenen Mordes an dem Primaner Daube die Behauptung ausgestellt, Daube sei von Juden geschachtet worden. In der Berufung vor der Großen Strafkammer am 2. Oktober forderte der Staatsanwalt Heraufsetzung des Strafmaßes mit Rücksicht auf die Schwere der Beschimpfungen auf drei Monate Gefängnis: bas Gericht aber ließ das Urteil der ersten Instanz bestehen und führte-in der Begründung aus: Ohne daß das Gericht überhaupt zu der Frage, ob Ritualmorde tatsächlich vorgekommen seien, Stellung nehme, genüge Zweck und Absicht des Aufsatzes zur Feststellung, daß mit ihm bewußt eine Beschimpfung der jüdischen Religion erstrebt wurde. Der Westdeutsche Beobachter veröffentlichte am 13. Oktober abermals einen Aufsatz, in dem die alten Behauptungen, der Talmud schreibe den Juden das Schächten von Christenvor, aufs neue erhoben wurden. IN dem.Aufsatz wurde betont, daß bei der Verurteilung Dr. Leys das Gericht die Frage offengelassen habe, ob von Juden Menschenschächtungen vorgenommen würden. Also habe, wurde weiter gefolgert, auch das Gericht mit dem Urteilsspruch nicht die Tatsache aus der Welt schaffen können, daß es jüdische Blutmorde gebe. Diese nationalsozialistische Dialektik führte jetzt den verantwortlichen Redakteur Joseph G r o h e vor das Erweiterte Schöffengericht, der sich wegen Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft zu verantworten hatte, Der Angeklagte erklärte, für ihn komme alles darauf an, ob heute noch der Talmud ein Bestandteil der jüdischen Religion sei. Wäre das der Fall, dann müßte er seine Behauptung noch wesentlich erweitern. Der Aufsatz habe erscheinen müssen^ weil die Tagespresse aus dem Urteil gefolgert habe, es gebe keine jüdischen Blutmorde. Ihm erwiderte der Vorsitzende, daß es allein darauf ankomme, welchen Eindruck der unbefangene und nicht geschulte Leser von dem Aussatz habe, ob dieser Leser nicht glauben müßte, daß heute die Juden rituelle Morde vollführten. Ob früher einmal fanatische Juden Schlichtung gen an Christen ausgeführt haben könnten, sei dabei vollkommen nebensächlich. Der Staatsanwalt beantragte anstelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat eine Geldstrafe von 1000 Mark; das Gericht setzte anstelle der Gefängnisstrafe 300 Mark Geldstrafe fest. In der Begründung wird gesagt, daß der Aussatz, im ganzen genommen, als Ziel erkennen lasse, daß nicht nur die jüdische Rasse, sondern auch die jüdische Religionsgemeinschaft verächtlich gemacht werden soll. Tierschutz im Strafrecht. München, 15. April. Unter dieser Ueberschrift bringest die „Münchner Neuesten Nachrichten" einen Bericht über die Versammlung des „Vereins gegen Vivisektion und sonstige Tierquälerei", in dem sich anscheinend die Tierschutzbündler mit ähnlich Gesinnten einträchtig zusammen finden. In dieser Versammlung sollte gegen Vivisektion und das g rau s a m e S ch ä ch t e n, wie es in der öffentlichen Einladung hieß, und im besonderen gegen die Beschlüsse des Strafrechtsausschusses des Reichstags protestiert werden,, das bekanntlich in dem neuen Strafgesetzbuch das Schächten, und die Vivisektion unter gewissen Voraussetzungen straflos lassen will. Die eigentliche Gesinnung der Protestler geht zur Genüge aus dtr perfiden Anordnung der Einladung hervor und das . Ergebnis der Versammlung entsprach dieser Einstellung vollkommen. Man hatte sich zu dieser Versammlung eine wirkliche englische Herzogin und noch eine andere Tierschützlerin mit ausländisch klingendem Namen kommen lassen, die vermutlich beide Autoritäten auf desem Gebiete sind, wenn auch wohl kaum eine jemals auch nur ein Schächtmesser geschweige denn das Schächten selbst gesehen haben dürfte. Auch wurden Lichtbilder vom Schäch-' ten. gezeigt,; deren- Authentizitäl auch wohl nicht nachzstprüfen. sein wird. Die englische Dame war natürlich Me Woche. Berlin. Oberst Alfred Dreyfus richtete an Dr. Bruno Weil, Verfasser des soeben im Verlag Dr. Walther Rothschild, Berlin, erschienenen Buches „Der Prozeß des Hauptmanns Dreyfus" einen Brief, in dem, es heißt: Jeder Beitrag' zur.Bekundung der Wahrheit, kann nur dazu dienen,, alle Umstände auszuklären, die das Werk der Gerechtigkeit betreffen, das so glücklich zu Ende geführt worden ist. Ihre Darstellung liefert hierzu einen Beweis." Posen. Das Kriegsgericht verhandelte gegen 18 Studenten, die im Juni v. I., als Sympathiekundgebung für die Lemberger Studenten, in den Straßen Posens unzählige jüdische Fensterscheiben einschlugen und viele Juden insultieren und mißhandelten. Nur die zwei Rädelsführer wurden zu je sechs Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist verurteilt, alle anderen wurden - -freigesprochen. Das Urteil wirkt geradezu als Ermutigung für weitere Krawalle. Wien. Baron Louis de Rothschild erhielt vom Oesterreichischen Aeroklub in Würdigung seiner flugsportlichen Leistungen die Goldene S p o' r t m e d a i l l e. Prag. Ein Schulbuch des Fortschrittlers Dr. Herben, in der das Verhalten Massaryks in der Hilsner- Affäre besonders gerühmt wird, nahm die Klerikale Partei zum Anlaß einer Interpellation im Parlameirte. Es heißt, in dieser Interpellation: „Wenn Prof. Massaryk darin schon geirrt hat, so ist es eigenartig, daß die Schulkinder daran erinnert werden sollen." Diese plumpe Herausforderung erweckt größte Empörung. London. Eine Allindische Mösle m it i s ch e Konferenz sprach sich für die Erhaltung des Status quo an der Klagemauer und gegen die Berufung einer Klagem au erkommisfion aus. — Wie nun der „Times" und den übrigen Londoner Blättern von prominenter Seite mitgeteilt wird, ist nunmehr Sir Jsaac Jsaacs der Posten des Generalg o u v e r n e u r s v o n A u st r a l i en offiziell angeb ölen worden. Basel. Herr Dr. Karl Melchior, Mitglied des Bankhauses Mar M. W a r b u r g . wurde neben Mac Garrah zum Vizepräsidenten des Berwaltungsrates der Bank für Internationale Zahlungen gewählt. Bukarest. x Der griechisch-katholische Patriarch M i - r o n erläßt eine dringende Mahnung an die Studenten, sich der Hetze gegen die Juden zu enthalten. Rom. Dem Nationalrat der Korporationen in Italien, der soeben für drei Jahre gewählt und vom Regierungschef Mussolini eröffnet wurde, gehören sechs Juden an, nämlich die Professoren Arjas und Del Vecchio, Gino Olivetti, Ingenieur Luzatti und die Advokaten Levi Deveali und Angelo Olivetti.^ — Herman^B ernstein, der bekannte amerikai'.i'ch-jüdische Journalist und Schriftsteller, der vom Präsidenten Hoover zum Gesandten der Vereinigten Staaten in Albanien ernannt worden ist, begab sich über Rom zum Antritt seines Postensnach Tirana, der Hauptstadt Albaniens. Jerusalem. Das Oberste Gericht bestätigt das.., Recht der Palästinäregierung, unerwünschte Elemente des Landes zu verweisen! — Im Tale Isreel wurdeein Präsident Massaryk- und König Peter -Wald einbeweihtb — Einige Kilometer von der Kolonie Ehechoboth wurde auf einer Fläche von 1200 Dünan eine neue jüdische Ast b e i t;e t * K v l o nie eingeweiht. - Die Siedlung ist eine amerikanische Stiftung und trägt -en Namen „Maaneh". — Der Andrang zu den. Gottesdiensten an der Klagemau er war in'den Peßachtagen ungeheuer groß. Das starke Polizeiaufgebot hatte keinen Anlaß zum Einschreiten. — Die in Nablus lebenden^ S a m a r i t a n e r reichten bei der Behörde Klage, gegen die Araber ein, die ihre Peßachfeier auf dem Berge Gerisim gestört und ihren Hohepriester verhöhnt hätten. In der Altstadt Jerusalems kam es am Sabbat vor dem Laden eines jüdischen Kunstmalers, der sich trotz Aufforderung von Mitgliedern des. „Schomre Schabbos" weigerte, den Laden zu schließen, zu. solchen Tumulten, daß die Polizei einschreiten. mußte. .— Der Redakteur einer "arabischen Zeitung in Nablus, der beim letzten Feste des Nebk.Musa eine Hetzrede gegen die Juden gehalten hat, erhielt eiye Strafe von 12 Tagen Gefängnis und 5 Pfund. Er wurde außerdem für ein Jahr aus Nablus ausgewiesen. — Der vor etwa 14 Tagen ausaebrochene Strei kder Pflegerinnen des Schaare Zedek-Hospitals zu Jerusalem ist nunmehr belgelegt worden, nachdem der .Hospitaldirektor den Streikenden zuqestairden hat, daß sie außerhalb, der Dienstzeit das Krankenhaus verlassen können. Wochenkalender. v. 3. — 10. Mai 1930 ' o. 8. - 12. Jjar 8690 iamiiaQ 3! ,5 yisa ynrn softtttag 4 6 Montag 5 7 -w myn Dienstag Mai 6 8 Mittwoch 7 9 Donnerstag 8 10 's'vn h’ayn Freitag 9 11 samstag 10 12 cwnp 'inx voll des Lobes über den „Kulturstaat Bayern" und ebenso über die elektrische Betäubung der Schweine im Münchner Schlachthaus, die ihr von dem nationalsozialistischen Prof. Müller gezeigt worden war. In ihrem eigenen Vaterlande ist diese Präsidentin der Londoner Tierschutzgesellschaft anscheinend mit ihren tierbeglückenden Ideen noch nicht soweit gelangt, was dem gesunden Sinn der Engländer alle Ehre macht. Hauptredner des Abends war nicht etwa ein Physiologe oder Tierarzt, sondern ein praktischer Arzt aus Hannover, der immerhin so gütig war. zuzulassen, daß, wenn das Schächten nicht vollständig verboten werden könne, das Schächten nur von Israeliten und für Israeliten zulässig sein solle, und das geschächtete Fleisch nur an Israeliten abgegeben werden dürfe. Von besonderem Interesse war die Mitteilung des antisemitischen Rechtsanwalts Frank, daß die Annahme der Beschlüsse des Strafrechtsausschusses des Reichstags das bayerische Landesgesetz über das Verbot des betäubungslosen Schächtens, automatisch außer Kraft setzen würde. Das wäre allerdings sehr erfreulich, nur muß dazu bemerkt werden, daß noch Jahre vergehen können, bis das neue Strafgesetzbuch in Kraft treten wird, und daß bis zu diesem Zeitpunkte noch viele Klippen und Schwierigkeiten zu überwinden sind. Es wäre also sehr unvernünftig, aus dieser Bemerkung den Schluß ziehen zu wollen, daß das bayerische Gesetz nicht am 1. Oktober oder überhaupt nicht in Kraft treten würde, und es wird großer Anstrengung bedürfen, um die jüdische Bevölkerung vom 1. Oktober ab mit rituellem Fleisch zu versorgen. Unnötig zu sagen, daß die Versammlung beschloß, schärfstens gegen die Beschlüsse des Strafrechtsausschusses zu protestieren. Gegner der Bestrebungen dieses Vereins traten im Hinblick auf die völlige Aussichtslosigkeit irgendwelcher Opposition nicht auf. Wie es in Wirklichkeit mit der Humanität gegen die Schlachttiere aussieht, plaudert ein anderer Artikel der „Münchener Neuesten Nachrichten" aus, der erzählt, daß den Schweinen, wohlverstanden, den lebenden Tieren, Marken aus Eisenblech an die Ohren genietet werden, die dann später den Tieren mit einer gewöhnlichen Beißzange wieder ausgerissen werden. Von dieser Tierquälerei, die noch dazu in dem großen, und von hervorragenden Fachleuten geleiteten Münchner Schlachthof geschieht, hat' der..große Tierschützler Prof. Müller der englischen Herzogin und Gesinnungsgenossin vermutlich nichts gesagt unh gezeigt. Das...geschieht auch wohl nicht gerade zu den Besuchsstundenfremder Herrschaften. Schließlich sei noch bemerkt, daß die antisemitische Hetze in München durch Handzettel, diir an Firmenschilder, Briefkasten usw. geklebt werden, wieder stark zunimmt. Die Polizei ist natürlich dagegen machtlos — ja, wenn es Kommunisten wären! Von Mitte Mai an wird die Milch Handlung A. Rothschild, Sandweg 6c eine erstklassige koschere Flaschenmilch in den Handel bringen. Dieselbe wird von einem Hofgut in nächster Nähe Frankfurts geliefert. Es handelt sich bei dieser Flaschenmilch um eine erstklassige Vollmilch, die durch modernste Einrichtungen hygienisch einwandfrei gewonnen, gereinigt, tiefgekühlt und altzdann sofort im Gute selbst in Flaschen gefüllt und unter Aufsicht eines Aufsichtsbeamten der Jsr. Religionsgesellschaft verschlossen wird. Die Beförderung erfolgt durch Auto und ist eine Gewähr für prompte Ablieferung gegeben. Es handelt sich also um eine ganz einwandfreie frische rohe Kuhmilch (reines Naturprodukt), die der pasteurisierten Milch unbedingt v o r z u z i e h e n ist, und eine Bazillengefahr bei deren Genuß nicht besteht. Irgendwelche Verunreinigung ist durch die Art der Gewinnung und Behandlung ausgeschlossen. Die Milch wird in 1 Ltr.-Flaschen geliefert und wird ich der Preis für 1 Ltr. auf—.45 RM. stellen. Näheres durch den Inseratenteil nächster Ausgabe dieses Blattes.