Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450600-2450617--76902-2534529- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 Nr. 18 Der Israelit 1. Mai 1930 Ebenbilde Gottes erschaffenen Menschen, voraus. Auch Gottsefurcht will in ernster Selbstzucht erworben sein, sie fällt nicht von selbst in den Schoß. Das dritte ist die Wahrheit. Das Judentum kennt nicht den einsiedlerischen Frommen. Es verlangt den Mut der Wahrheit sich gegenüber, aber auch anderen gegenüber. Sein jüdisches Wort und seine jüdische Tat mit Würde und ohne Scheu zu gebrauchen, unter Juden jede Gelegenheit der Propagierung jüdischer Welt- und Lebensanschauung zu benutzen, das wird nur bei denen geschehen, die in ein wahres Verhältnis zu ihrem Judentum gekommen sind, weil sie nach der Wahrheit streben. Und dann als viertes: Das Geld ist ihm nicht zum Götzen geworden, er haßt es als Gewinnst, er achtet es nur in seiner Bedeutung eines notwendigen Uebels, er kennt seine Gefahren und hütetsich vor ihnen, damit sein besseres Ich nicht strauchle. Wer so Geld und Geldeswert zu meistern weiß, der wird selbst in der heute zur Regel gewordenen sorgenvollen Situation noch die Möglichkeit finden, Geld zu Gunsten idealer Zwecke freizumachen. Um pro domo zu sprechen: Auch aus den Familien unserer Orthodoxie könnten, trotzdem die meisten materiell sehr schwer ringen müssen, noch große Summen für Zibbur- Ausgaben fließen, wenn man es ernstlich erstrebte. Das erforderte freilich in Denken und Fühlen! jenen Höhenschwung, wie er für einen der Thora leben wollenden Juden selbstverständlich sein sollte. In' einem solchen Höhenschwung ist ein großer Teil der durch das Erez-Jsrael- Jdeal nach Palästina Gekommenen, mögen sie von religiösen oder von nationalen Motiven geleitet worden sein, ein Muster. 80 Proz. der kinderreichen Familien Tel-Awiws wohnen in ein- und zweizimmerigen Wohnungen, an Möbeln, Kleidung und Nahrung weiß man zu sparen, Familienfeiern mit Schmausereien und Pomp kennt man nicht, — dagegen findet sich immer noch Geld für Zeitungen, Bücher, geistige und künstlerische Veranstaltungen und für die Zwecke des Zibbur. Darum: die Orthodoxie wird wieder eine Macht werden, eine Macht an innerer nraft und an äußerer Wirkung, so nur jeder einzelne in ihr seinen bisherigen Lebensschritt hemmt für einen einzigen Tag ernster Einkehr, für einen Jomkippur vor seinem Gotte mitten im Jahre. Dieser Jomkippur wird ihm dann für den Fasttag des Jomkippur zum ersten Male die wirkliche Heiligung bringen. Der erste Schritt ist bereits getan. Unter Nathan Birnbaums Führung hat sich schon ein kleiner Kreis zur Heiligung Emporstrebender, an sich Ringender gefunden. Doch erst, wenn diese „Aulim", wie sie sich nennen, nicht mehr die Wenigen der thoratreuen Judenheit, sondern ihr Durchschnitt sind, ist das Ziel erreicht, daß der die Thora Moscheh Rabbenus treu in Händen Haltende nicht fürchten, muß, zu ermüden, denn die Freude, daß die Thora wieder weithin in Israel gesehen wird, gibt den Händen Krast! Es ist Zeit ... Wochenrundschau. „Mein isMache undVergeltung.. “ Eine unerquickliche Auseinandersetzung knüpft sich in der hebräischen Presse Palästinas an die dort über arabische Mordgesellen verhängten Todesurteile, ihre Vollstreckung oder Nichtvollstreckung. Der revisionistische „Doar Hajom" fordert kategorisch die Ausführung aller Todesurteile ohne Gnade und Erbarmen. Der in Tel-Awiw erscheinende „Haarez" ist prinzipiell g e g e n die Todesstrafe. Solange aber die Todesstrafe besteht, müßten diejenigen, die in den> Augusttagen gemordet haben, eben als das behandelt werden, was sie find, als Mörder, 'und die Regierung dürfe sich von Drohungen politischer Agitatoren nicht irre machen lassen. So ganz aus purer Rachegier heraus ist auch die Forderung des „Doar Hajom" nicht erhoben. Er begründet seine Meinung mit der Notwendigkeit einer G a r a n t i efürdieZukunft. Nur die Vollstreckung der Urteile würde den Arabern beweisen, daß man jüdisches Blut nicht ungestraft vergießen darf. Es trifft auch vollkommen zu, daß die Arabische E x e k u t i v e sich deswegen so angelegentlich für die Aufhebung der Todesurteile einsetzt, weil sie s i ch i n n e r l i ch alsdie wahre Schuldige empfindet; weil sie weiß, daß die Mordgesellen nur Handwerkszeuge einer „höheren Stelle" waren, mit deren Hinrichtung sie, diese „höhere Stelle", in> erster R e i h e g e r i ch t e t i st. In Würdigung all dieser Argumente möchten wir zum Schluß kommen — den auch „Haarez" andeutet, ohne danach zu handeln — daß diejüdisch e Öffentlichkeit und die hebräische Presse zu der Frage der Vollstreckung besser überhaupt keine Stellung genommen hätte. Auf alle Fälle sollte die Diskussion darüber in jüdischen Kreisen nicht weiter ausgebaut werden. Die Verurteilung ist Sache der Gerichte und die Vollstreckung oder Nichtvollstreckung Sache der R e g i e r u n g, die wohl in der Lage ist, auch ohn e Ga lg en G arant i e n für d i e Z u k unft zu schaffen. Ist sie es nicht, dann möge sie handeln, wie ihr'Gewissen und Verantwortungsgefühl vorschreiben,! ohne unsre Meinungsäußerung, nach der auch gar nicht gefragt wird. Der Schrei nach dem Kopfe des Mörders mutet immer unerfreulich — und unjüdisch — an, auch wenn er, wie in diesem Falle, aus Erwägungen geboren ist, die weniger mit Blutrache, als vielmehr mit der Sicherung des jüdischen Lebens in Palästina zu tun haben. Die Friedhofsschändungen in Deutschland und der Eindruck in Amerika. In Amerika existiert ein A m e r i c a n I e - w i s h Committee, das sich mit der Wahrung der jüdischen Rechte in der Welt beschäftigt und einen bedeutenden Einfluß besitzt. Dieses Komitee wandte sich nun mit einem Memorandum an die Deutsche Botschaft in Washington, in dem es Klagen über die zunehmende Schändung jüdischer Friedhöfe in Deutschland und über dlen Beschluß des Bayerischen Landtags, das Schächten in Bayern zu verbieten, führt. In der Eingabe wird die Deutsche Botschaft gebeten, die deutsche Reichs¬ und bayerische Landesregierung von der dadurch entstehenden Mißstimmung in der jüdischen Bevölkerung der Vereinigten Staaten Amerikas in Kenntnis zu setzen. Besonders das bayrische Schächtverbot scheine in den anderen deutschen Staaten Schule machen zu wollen. Das deutsche Außenministerium sei aber darauf aufmerksam zu machen, daß die dadurch geschaffene Mißstimmung in Amerika sich politisch sehr ungünstig für Deutschland auswirken könnte. Der R e i ch s m i n i st e r des Innern hat unter dem 5. April eine Abschrift dieser Eingabe des American Jewish Committee in Washington an die einzelnen Minister wie an die Landesregierungen weitergeleitet. Wir erfahren das Gantze durch eine Veröffentlichung im nationalsozialistischen „Völkischen Beobachter", der selbstverständlich diese Aktion zum Gegenstände einer wüsten Hetze gegen die deutsche Regierung, gegen Amerika und die deutschen Juden macht, wie man sie von dieser antisemitischen Schmutzpresse schon nachgerade gewöhnt ist. Wir möchten dazu bemerken, daß es nicht: Der Wüstenweg der Söhne Israels. Eine Erwiderung an Herrn Rabbiner Dr. Jacobs von A. Weckst in Äurich. Der Erklärungsversuch des 2. V. Kap. 14 in m»» scheint mir nicht das Richtige zu treffen. Zunächst muß festgestellt werden, daß der Auszug aus Ägypten in zwei getrennten Etappen zu verschiedenen Zeiten auf zwei gesonderten Straßen bewerkstelligt worden ist: 1) Die 'nie?' ’3a, das find die moni'v uinve?», also die Nachkommen der eingewanderten Jacobsfamilie, zogen in der D’-nsiP b^b (f. auch 5. M. 16,1.) in nordöstlicher Richtung von Raamfes, das zu Unterägypten gehört, über Sukkooth nach Etam auf der Heeresstraße, die die Schrift ps i*n D’niz^s nennt (13, 17); 2), das ns? dagegen — d. f. die 12, 43—45 genannten ins 73, wie e?’k 7337, ferner asnrv *i’ne?i die in einem Lohnverhältnis zu den 'xie?’ ’na standen — dieses Dy verließ erst Drn asya am hellen Tage, etwa 12 Stunden später als die '"2 das Land Ägypten (vergk. B. 51, wo es heißt^) bs 'kie?-’ '22 r,s -n N-Xin „Gott hatte hinausgeführt die Kinder Israels samt ihren *) Die Volksteile der '»mp' 'ja heißen r,mse?» (Kap. 6, 14 ff.), die des ds? werden in der Geschichte vor und beim Auszuge immer mrrax genannt (6, 26; 7, 4. 12, 51). Scharen, d. i. asn) und schlug eine Straße in östlicher Richtung ein, die in der Schrift naivn pn (18, 18) genannt wird, und an dem nördlichsten Rande des Schilfmeeres vorbeiführt. Dieser Volksteil wandten sich dann, als er die nordöstliche Ecke des yiv n-> erreicht hatte, nach Süden und gelangte so nach der Sinaihalbinsel, immer den Weg hart an der Ostküste des Schilfmeeres verfolgend. Beweis liefert V. 18. Hier heißt es ganz deutlich : yiv a' la-ran -pa os?n nrr ao’i. Wir konstruieren den Vers: "m»n pi rpo m Dyn rx mpi-rr am und übersetzen: Gott ließ das Volk das Schilfmeer umgehen auf dem „Wüstenwege". Wenden wir uns nun dem Zuge der 'ja zu! Als diese auf amvim ps -pn bis Etam gekommen waren, da erhielt Mosche den göttlichen Befehl: 'sw 'ja '« *rn dvi 7’ai hu» pa mi'nn ’s 'js!> um iawi d. h. die „Kinder Israels" sollen von Etam aus nach Pi Hachirot ziehen, also den Weg nach der Westküste nehmen und dann am bv unn inaj „sollt ihr einander gegenüber am Schilfmeere lagern." Das Personal-Pronomen von inaj bezieht sich ganz logisch auf die letzten Worte des vorangehenden Verses, der ja mit asm schließt. Wir lösen darum das vielumstrittene snas naturgemäß und ohne jede Vergewaltigung des Textsinnes in asm naj auf. Während also die Mitglieder des ay ihren Weg an der Ostküste des hier in seinem nördlichen Teile flußartig verlaufenden Schilfmeeres nahmen, mußten die 'kw ua auf göttlichen Befehl nach ,p'nn 's. ziehen, das auf der Westseite des Schilfmeeres lag, und die Ausführung mußte den Pharao auf den Gedanken bringen pxa an o’awj, sie hätten sich im Lande verirrt; denn von hier aus führt kein Weg nach Kanaan. Diese Wahrnehmung wurde denn auch zum Hauptanlaß einer Verfolgung der 'kw 'Ja, und der Bericht darüber schließt mit der auffallenden Phrase: 7a ncyi (V. 4) sie, die '"a, taten also, sie machten Kehrt und zogen den gebotenen Weg. Und Mosche — was tat er? Nun, wir erfahren es erst in ’yo». Dort (4 M. 33, 7.) wird uns peinlichft wahrheitsgetreu berichtet: niamn w bv av'i ans» jym. Als die 'saa?' 'ja von Qtarn aufbrachen, kehrte Mosche allein nach Pi H. zurück, d. h. er eilte dem Heereszuge voraus, weil er sich nun gezwungen sah, vor allen Dingen den Mitgliedern des ay die Änderung bekanntzugeben, sie auf -710 d’ nyap vorzubereiten und sie zu ermahnen (2. M. 14, 13) •m'vn 'x 'n itm sas'nn „Fürchtet nichts! Stellet euch ruhig auf (am Ufer des Schilfmeeres), da werdet ihr die Hilfe Gottes euch anfchauen können! Wenn wir nun dieses lasr'vn, das an die Mitglieder des ay gerichtet ist, dem syrn „sie sollen weiterziehen" dem Befehl, der sich ausdrücklich nur an die '"a wendet, (14,15) gegenüberstellen, so glauben wir, die Eingangs gestellte Behauptung bewiesen zu haben. kleines Feuilleton. Jüdische Kinderbücher. I. I l s e p er I i nger „M ende! Rosenbu sch", Geschichten für jüdische Kinder, bringt in kindlich-packender Form zaubervolle Märchen von Mendel Rosenbuschs merkwürdiger Kraft, — völlig unsichtbar und maßlos bewundert und geliebt — den einsamen Menschen im Dorfe zu helfen, die Mutlosen zu trösten, die Geizhälse und die schlecht erzogenen Kinder auf den rechten Weg zu bringen. Es versteht sich ,daß er das alles auf ganz wunderbare Weife zu Wege bringt, seiner übernatürlichen Begabung entsprechend. Mendel Rosenbusch hat aber auch ein _ ganz normales, sehr sympathisches menschliches Gesicht, ein äußerst gutmütiges, alt-verwittertes, den Kin- 1 qar des a snc Ve Fü gef büs ger der faf hos Sä aw ten t fo ra xel El rv! G> od öo Tt'C m sein de ko in vl je de gc li, dc de ur R er er er dr al AI ui de ui rn A Z b> w kc ch 9 ie er d> u ri rc T V