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Der Israelit · 1930-04-24 · Heft 17 (24.4.1930) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 17 (24.4.1930)
Date
1930-04-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 17 Der Israelit 24. April 1930 Zeitung „Stern" belehrte aber die jüdischen Arbeiter dahin, daß das Peßachfest nicht ein Fest der Befreiung sondern „ein Fest der Sklaverei" sei, indem die Juden durch dieses Fest zu dem Glauben bekehrt werden sol len, daß „nur Gott aus der Sklaverei führen kann und daß ein Volk sich nichtselbst zu befreien vermag." Eine eigentümliche Hagadah! Amerika. Äanton-System in Palästina? N e w York, 10. April. Der Palästina-Korrespondent der „Newyork Times telegraphiert feinem Blatte, es fei ihm von „gut unter richteter Seite" mitgeteilt worden, daß die Palästina Regierung einen Plan zur Unterbreitung an die Behör den in London ausgearbeitet hat, in welchem als ein erstes Experiment für die Einrichtung eines Kanton Systems in Palästina die Bildung eines besonderen jüdischen Distrikts vorgesehen wird. Dieser Distrikt soll die Stadt Tel-Awiw und 40 jüdische Kolonien in der Umgebung von Petach Tikwah, Rischon le Zion und Nechoboth mit einer, jüdischen Bevölkerungszahl von etwa 70.000 Seelen umfassen. Der Name dieses ersten jüdischen Kantons, fügte der Korrespondent hinzu, soll „Judäa" sein. Palästina. Differenzen im Schaare Zedek-Spital. Jerusalem, 23. April Im Schaare Zedek-Hospital ist zwischen den Pflege rinnen bezw. Schwestern und der Leitung des Kranken Hauses ein Zwist ausgebrochen. In der Hauptsache gaben die diensttuenden Damen zu, daß es ihnen im Krankenhaus recht gut gehe und ihnen an nichts mangele. Sie haben auch 2—3 <5fünften täglich freie Zeit zum Ausgehen und allwöchentlich einen hat den Tag ganz frei. Sie forderten aber außerdem noch freien Spaziergang allabendlich bis 10 Uhr und jeden Sabbat ganz frei. Diesem'Verlangen wollte die Leitung des Hospitals nicht beipflichten. In einer Unterredung der Bevollmächtigten der Arbeiterorganisation mit dem Chefarzt Dr. M. Wallach gaben diese zu, daß die Gesichtspunkte der Spitalleitung beachtenswert seien Es wurde trotzdem auf Drängen einiger Schwestern am 12. Nissan der Streik der Schwestern proklamiert Zum Glück wurde der Betrieb im Krankenhause.nicht im mindesten dadurch gestört. Ein Teil der Schwestern wollten sich nämlich dem proklamierten Streik nicht unterwerfen. Ueberdies waren zwei Damen, tüchtig ausgebildete Schwestern, Frau Elsa I e l i n und Schwester Stieb e l, für Aushilfedienst vorbereitet. Es konnte infolgedessen die Dienstordnung im Spital .aufrechterhalten bleiben. Die Organisation der Aerzte erklärte sofort der Arbeiterorganisation, daß sie mit der Haltung des Herrn Dr. Wallach und seinen Gründen restlos ü b e r e i n st i m m e. Die Arbeiterorganisation hat daraufhin den Schwestern nahegelegt, bedingungslos den Dienst wieder aufzunehmen. Die Verhandlungen nehmen einen beruhigenden Perlauf, doch müßte Vorsorge getroffen werden, daß - im Krankenhaus keine Störung eintrete. Es haben auch jüngere Damen aus gesetzestreuen Kreisen zu)n Aushilfedienst sich bereit erklärt. Es ist zu Höffen, daß der Streik doch bald ein Ende nehmen wird und wieder normale Arbeit ausgenommen werden kann. Fünf Araber wegen Ermordung der Familie Aboushdid zum Tode verurteilt. Jerusalem, 3.. April. Das Kriminalassisengericht, zusammengesetzt aus den Richtern Lorrie und Defreitas, hat nach zweistündiger Beratung das Urteil im Prozeß gegen neun Araber gesprochen, die beschuldigt waren, die Mitglieder der Familie Aboushid in Hebron während der Unruhen im August 1929 ermordet-zu haben. Fünf der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt, die vier weiteren Angeklagten wurden wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Personalien. Peter Cohn Altona, 21. April. Unserer Gemeinde kam am dritten Cholhamoedtage traurige Kunde aus Frankfurt a. M. Nach ganz kurzem Leiden verstarb dort während eines Besuchs bei seiner Tochter unser allbeliebter Peter Cohn. Ein Stück Altonaer Gemeindetradition sinkt mit ihm zu Grabe; eine unauslöschliche Kiudyeitserinnerung des frischen jüdischen Lebens unserer-Kehillo hat dieser ewig jugendliche, ehr würdige Greis mit sich genommen. Als würdiger Sohn feines weltbekannten Vaters, Rabbi Jekew f. A., hat auch er, obgleich nicht als Thoragelehrter, so doch als Mann unverwüstlichen Gottvertrauens und steter Thoraliebe, allen, die ihn kannten, in guten und schweren Zeiten als aufmunterndes und anspornendes Vorbild vorängeleuchtet. Er gehörte zu den frühen und späten Besuchern des Lehr- und Bethauses. 20 Jahre lang gehörte er dem Repräsentantenkollegium und einige Jahre der Synagogenkommission unserer Gemeinde, viele -Jahre auch dem Vorstande unserer Klaus an. Er hat nur einen Tag vor seinem Tode das Bett hüten müssen Eine Rüstigkeit, die er im harten Erwerbe seiner Jugend sich anerzogen hatte, blieb ihm bis zum letzten Atemzuge Noch . einige Minuten vor seinem Ableben hatte er das ganze Keriasschema gesprochen. Seine Beerdigung geschah am sechsten Peßachtage in Altona unter unerwartet großer Beteiligung, obgleich eine öffentliche Anzeige nicht mög lich war. Allgemeinste Teilnahme wendet sich den Kindern und der wackeren Lebensgefährtin des Verstorbenen zu ,die als Vorsteherin der p"v an nie ruhender und rastender Mizwothliebe dem betrauerten Gatten gleichkommt. Noch inniger jedoch fühlt unsere Gemeinde mit dem Bruder des Verstorbenen, Herrn Isaak Cohn, der einen Tag zuvor seine Gattin, die wegen ihrer besonderen Gottesfurcht' bekannte und ihrer Freundlichkeit, allbeliebte Frau Johanna Cohn, geb. Plaut, zu Grabe geleitet hatte. Die Festtage geboten uns, in wortloser Trauer uns von diesen zwei, Zeugen einer gröberen Zeit unserer Kehillö zu verabschieden. Die Hosfnungssinnbilder des Peßachfestes allein geben uns den Mut, eine Zeit des Wiederaufblühens unserer jüngst so vieler rühriger, frommer Mitglieder beraubten Gemeinde zu erharren, und den schwer betroffenen Familien gilt der Wunsch, daß sie künftig von allem Leide bewahrt bleiben mögen. n'ainn- London, 22. April. I. Fink eine allseitig bekannte Persönlichkeit, Kaufmann und anerkannter Talmudgelehrter von Ruf, ist am 2. Ehaul-Hamauedtag in London im gesegneten Alter von 79 Jahren, umgeben von allen seinen Kindern, dahingegangen. Der Verblichene war ein Mann von seltener Glaubensstärke; wir behalten uns vor, eine Würdigung zu bringen, die uns einer feiner zahlreichen näheren Freunde, der auch unser Mitarbeiter ist, zugesagt hat. n»«3n- Marburg, 21. April. Am letzten Peßachtage beging Frau Dr. Selma Munk- Marburg a. L., Gattin des 1917 Heimgegangenen Marburger Rabbiners, Dr. Leo Munk s. A.. den 70. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische. Die Jubilarin nimmt hervorragenden Anteil an den Arbeiten der jüdisch-sozialen Institutionen ihrer Gemeinde und widmet sich auch sonst dem Werk der Nächstenliebe und erfreut sich dadurch großer Beliebtheit auch in Nichtjüdischen Kreisen. Dies fand beredten Ausdruck durch die zahlreichen Ehrungen und Glückwünsche, die ihr zuteil wurden. Jerusalem, 12. April. Am 5. Nissan starb int patriarchalischen Alter von 81 Jahren Rabbi David Weber, Vater des in Frankfurt domizilierenden Rabbi' Salman Weber. David Weber ist in ganz jungen Jahren mit einem als Gaon und Zadik bekannten Vater ins heilige, Land eingewandcrt und hatte sein Leben lang Jerusalem nicht mehr verlassen. Er gehörte zur Familie des Sanszer Rabbi. Sein Schwiegervater war der Rabbiner von Wischnicz, Verfasser des '«bs 'an -'irr Solange sein Alter und seine Kraft ihm erlaubten,' gehörte er zu den tätigsten Männern in Jerusalem. Seinen Verdienste im - Kolel Schomre Hachomoth" sind unverwischlich. An seiner'Bestattung nahm eine überaus große Träuergemeinde Teil. •-> N"aL2h. / Bad Nauheim, 23. April. Die Festesfreude 'wandelte sich in Trauer für eine der angesehensten Familien' unserer Gemeinde. Frau Nettel Löb, geborene Ries, die Frau des als Dr® insbesondere auch um den Synagögenbau hochverdienten Herrn Jonas Löb, ging mit 61‘ Jahren von dannen und wurde am Donnerstag »".Tin zur letzten Ruhe geleitet. Wer von den prominenten Badegästen, auch aus führenden Kreisender ungarischen und deutschen Orthodorie. kannte nicht das gastliche Haus Löb, in dem sie sich für Wochen im vollen durch Jahrzehnte gerechtfertigten Vertrauen auch in religiöser Beziehung ganz ihrer Erholung hingeben konnten! Und stnian i>nna!v2v2» die „Frau im Zelte", sie war es in erster Reihe, die mit . regem Geiste und: nimmermüden Händen, durchdrungen von ihrer Verantwortung, das alles aufs beste leitete. Als wahre n»i2x war sie. auch ihren Milschwestern in der Gemeinde Muster und Vorbild. Möge '"vn dem Gatten und den beiden Söhnen seinen Trost angedeihen lassen. , . . ..... . ,.... n-asttj?. Papenburg, 22. April. Unserer früherer Lehrer, Herr Strauß, der hier/über 30 Jahre an der jüdischen Volksschule tätig war und dem die..höchsten städtischen Ehrenämter (Senator, Bürgervorsteher, Kreistagsabgeordneter usw.) zuteil Mworden sind, könnte sich wegen seines vorgerückten Alters und seiner geschwächten Gesundheit nicht mehr wähl.bar stellen, aber dennoch' ist er noch in verschiedenen Kommissionen, dazy in leitender Stellung, ebenso ^zvird sein üchfassendes.; Missen. aus /bommunakpolitischem Gebiete und seine große Sachkenntnis iN städtischen Angelegenheiten von der Stadtverwaltung sehr häufig in Anspruch genommen. Vor kurzem stellte ein hochangesehenes Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums den Antrag, u. a. Herrn Senator Strauß in Anbetracht seiner großen Verdienste um das Wohlergehen der Stadt Papenburg, städtischerseits eine besondere Ehrung .zuteil werden zu lassen. Ohne Debatte wurde dieser Antrag einstimmig angenommen und der Magistrat mit der Archführung des Erforderlichen beauftragt. Als ein Verdienst des Herrn Senator Strauß muß es bezeichnet werden, daß sich in unserer Stadt der Antisemitismus nicht breit machen, konnte. Vermischtes. Neues Heim für jüdische junge Kaufkeute. Köln, 22.. April.// Das „Heim für jüdische junge Kaufleüte"^ das feine Entstehung einer hochherzigen Stiftung verdankt, wird am 1. Mai d. I. {eröffnet werden. Es istvorläufig für 12 Ausnahmen vorgesehen, in wohnlicher, gesunder und geräumiger Weise eingerichtet, sodaß es den jungen Leuten einen behaglichen Aufenthalt 'bietet. In diesem Heime werden sowohl Lehrlinge wie auch angehende Handlungsgehilfen ausgenommen, deren Entkommen für einen angemessenen Lebensunterhalt /anderweitig nicht ausreicht. Nur solche Jugendliche können berücksichtigt werden, von denen vorausgesetzt werden kann, daß sie in ihrer Lebensführung keinen nachteiligen Einfluß auf andere Jugendliche ausüben werden.Einem auf Grund-gediegener pädagogischer Ausbildung bestens empfohlenen Lehrer äst die Aufsicht und Fortbildung der jungen Leute. anoärtraüt, der in modernem Geiste, ihnen all die Bewegungsfreiheit zugesteht, die sich mit ihrem Alter/ ihrer Bildung und ihrer Beschäftigung vereinbart. Die/Verwaltung des Heimes.ist-dem Israelitischen Kinderheim angegliedert, es befindet sich -m Nebenhaus desselben; Lützvwstr. 39, an welche Adresse Aufnahmegesuche gu richten sind. Bad Ems, 22. -April. Das „Sanatorium Emser Heilquelle", ein Heim mit ritueller Verpflegung für minderbemittelte jüdische Patienten - (täglicher Pensionspreis 5 9VHl., Mai und September 4,50 RM/) wird Anfang Mai Mieder eröffnet. Möglichst frühzeitige Anmeldungen an den «Vorsitzenden, San.-Rat Dr. Ne H a b,. Bad Ems. Aurich, 23. April. Am nns 'S ha» beging David A. W o l f f seinen 70. Geburtstag in voller Gesundheit und Kraft. Der Jubilar erfreut sich sowohl hier sowie in der weiten Umgebung größter Beliebtheit. Ein Kind lnserer altehrwürdigen Gemeinde, hat er es verstanden, sich Achtung und Ansehen zu erwerben, weshalb das Vertrauen der Gemeindemitglieder ihn mit der Betreuung verschiedener Ehrenämter, die er. mit größter Gewissenhaftigkeit versieht, bedacht hat. Seit nunmehr 27 Jahren versieht der Jubilar an den d'k-mti a’»’ Hilfsweise den Posten eines nian wk>» mit wahrhaft innerer Wärme und Hingebung. Als langjähriger Vorstand der man canon mV'm hat er es verstanden, die Ausgaben und Ziele des Vereins voll und ganz zur Geltung zu bringen. Mit wahrer Aufopferung ist der- Jubilar an den verschiedenen Bestrebungen innerhalb unserer nV>nj? beteiligt. Der rrvm nivbrn Verein Hierselbst, das Altersheim zu Emden zählen ihn zu ihren Vorstandsmitgliedern.- Aus Grund dieser vielseitigen Tätigkeit im Dienste von' i»o»' i wurde dem Ehrwürdigen von Herrn Landrabbiner Dr. Blum-Emden bereits 1927 der lan-Titel/verliehen. Ein echter niir, eine durchaus fromme, religiöse Natur, nichts vom Schein unserer Tage an sich trägästd, steht der Jubilar in unserer Mitte, geliebt und geachtet. Möge v/n ihn .weiterhin geleiten tu» b’-i»yi rma nrt,, zum Segen unserer nVhp für ro'fe Königsberg, 10. April. Am vergangenen Sonntag abend (2. Nissan) konnte derhier bestehende Verein Chewewe Talmud Thora" das schöne Fest eines caro auf ganz n2»»-rino n»» - begehen, die tagtäglich in der Synagoge' Adaß Jisroel nach' 'beendetem 'Mörgengottesdieijste. vom Rabbiners vorgelernt wordÄ' Mären. Die. Feier' begann' im Anschluß am'das MaarÄ-Gebet üyd hatte u'kÄnen schönen Verlirüs.- - Zuerst- ' 'trüg Rabbiner- P e r i tz -die letztest' drei "r-v'2»»- p/oif imfc; verband^ mit diesem Vortrag einen scharfsinnigen pnn> Sodann " fand in den Räumlichkeiten der/ Adätz Jisröel die mit» ^>» rtYiyo statt, bei' der dieetwa ' 100 anwesenden Teilnehmer dank der Gebesreudigkeit vieler unsrer Mitglieder auss gastfreundlichste bewirtet werden tonnten. Nach den einleitenden Worten des Vorsitzenden Dr. Per lmann ergriff Herr Rabbiner Pe-ritz noch" einmal .das Wort. Er gedachte zunächst in. bewegten Worten des unlängst dahingeschiedenen p’txn. pr»n anh Rabbiner Salomon S chreiber ^st . aus Beregscäse und. ehrte sein Andenken durch die Wiedergabe von '»vm NMy des nvr», die von den Anwesenden stehend angehört wurden. Mit eindringlichen Worten mahnte er sodann die Anwesenden, auch fernerhin, für die Verbreitung der Thora, ganz .besonders, bei der Heranwachsenden Jugend, -mit allen Kräften tätig, zu seist, Sodann' sprachen noch /eine Anzahl Redner//im ähnlichen Sinne. . Besonders fräudig/wurde es von/einem derselben hervorgehyben, daß MM. bei^diesem Feste /die In g e n d zahlreich^erschienen Mar.Verschiedene Gesänge, die von den anwesenden Kantoren vorgetragen Murden,beschlossen die schöne Feier. - V Plänen, 11, April./ Am / Sonntag, 6. April,- fand die/ Einweihung unserer neuerbaüten Synagoge.-statt, -der eine Wochentagssynagoge, und ein Gemeindehaus.mit Amts-, und Vereistsräumey soxoieein Gemeindesaäl für. Versämmlungszwecke angegliedert-ist. Das von Herrn ' Dipl.- Jng. L an d au er- München errichtete Gotteshaus ist im .strengen Sachlichkeitsstil erbaut. Die Jnnenwirkung ist gewaltig. Die nir»-Wand und die Brüstung sind

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