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Der Israelit · 1930-04-24 · Heft 17 (24.4.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 17 (24.4.1930)
Date
1930-04-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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24. April 1930 Der Israelit Nr. 17 Sekte 7 England. Maß Iisroel. London, 14. April. Die jährliche Gemeindeversammlung der Adaß Jisroel-Synagoge fand am letzten Sonntag unter Vorsitz von Mr. S. Fleischmann statt. Der Bericht behandelt die verschiedenen Arbeitsgebiete der Gemeinde und brachte vor allem noch einmal die bittere Sorge der Gemeinde um den allzu frühen Heimgang ihres großen und edlen geistigen Leiters, Herrn Rabbiner Dr. Victor S ch ö n f e l d zum Ausdruck. Die Gesamteinnahmen der Synagoge im Jahre 1929 beliefen sich auf Lst. 2089.— bei einem. Defizit von Lst. 150.—. Die angeschlossenen Institutionen und zwar Mikwa, Religionsschule, Zdoko-Kasse, Bedek Habajis-Fond und Chewra Kadischah verursachten Ausgaben von weiteren Lst. 1500.—. Das Budget der Beerdigungsgesellschaft übersteigt Lst. 750.—. Der Bericht der „Union orthodox-jüdischer Gemeinden" wurde von ihrem Vorsitzenden, Mr. I. K e st e n b a u m, erstattet und beschäftigte sich insbesondere mit der Tätigkeit der Union in Verbindung mit dem neuen Schlachtungsgesetz für England. In freundschaftlichem Zusammenwirken mit der „Federation of Synagogues" und mit den Rabbonim des Landes wurden wirksame Maßregeln ergriffen, um die Interessen der Orthodoxie in Großbritannien zu sichern. Eine Konferenz der. verschiedenen Körperschaften wurde abgehalten und eine Resolution in dieser Angelegenheit einstimmig angenommen. Mr. Keste.nb a u m erwähnt, daß die Union versucht habe, den Rat der führenden rabbinischen Autoritäten der Welt zu erlangen und daß sie von ihnen vorbehaltlos zustimmende Erklärungen empfangen habe. Mr. Goodman berichtet über das Werk der Beerdigungsgesellschaft, das viele unabhängige orthodoxe Synagogen umfaßt. Die Verhandlungen mit den Machsikei Hadaß hätten einen erfolgreichen Abschluß erfahren und viele weiteren Gruppen der englisch-jüdischen Orthodoxie nehmen teil an dem gemeinsamen Friedhof. Gewählt wurden Mr. F l e i s ch m a n zum Präsidenten, Mr. H. A. Goodman zum Vizepräsidenten und Mr. A. Sternbuch zum Schatzmeister der Synagoge; für die Beerdigungsgesellschaft: Mr. Kestenb a u m zum Präsidenten, Mr. M. R. Schmidt zum Vizepräsidenten und Mr. Hamburger zum Schatzmeister. Die arabische Delegation vor einer Versammlung von britischen Parlamentariern im Unterhaus. London, 11. April. Am 10. April fand im Unterhaüse unter dem Vorsitz des ehemaligen Innenministers Lord Brentford eine von Mitgliedern der beiden Häuser besuchte Zusammenkunft zur Begrüßung der Mitglieder der palästinensischarabischen Delegation statt. In seiner Eröffnungsansprache betonte Lord Brentford, die Versammlung sei nicht antijüdisch, aber der Versuch sei absurd, zionistische Politik in einem Lande gegen den Willen der Mehrzahl seiner Bewohner zu betreiben. Die palästinen? fischen Unruhen sind sehr zu, bedauern, und es war notwendig, zu untersuchen, was ihnen zugrunde liegt. Cs wird behauptet, daß die Untersuchungskommission ihren Aufgabenbereich überschritten habe, aber bloß die unmittelbaren Ursachen des Aufstandes zu untersuchen, würde vollständig zwecklos sein. Die Regierung könne nicht unter den Bedingungen fortbestehen, die zu Unruhen führen. Wenn nicht etwas Entscheidendes in der Angelegenheit geschieht, können wir nicht damit rechnen, daß die August-Unruhen die letzten bleiben werden. Wenn aber bei. einer nächsten Gelegenheit, wo sich Unruhen ereignen, die Araber aus Transjordanien sich daran beteiligen, wird die Lage sehr viel ernster sein. Als erster Sprecher der arabischen Delegation erinnerte ihr Führer Musa Kazim Pascha daran, daß dies die vierte Delegation sei, die nach England gekommen ist. Die Araber würden fortfahren, an die britischen Tore der Gerechtigkeit zu pochen, bis sie sich ihnen öffnen. Als nächster Redner sprach der Großmusti von Jerusalem. Die Balfourdeklaration sei wie ein Schlag über die Araber gekommen. In den letzten zwölf Jahren sei Palästina dieser Politik unterworfen gewesen, die auf die Vernichtung der gegenwärtigen Bevölkerung hinauslaufe. Allein die Politik des jüdischen Nationalheims hätten die jüngsten Bluttaten verursacht. Palästina ist das Heilige Land dreier Religionen und sollte daher ein Land des Friedens fein. Er versichere, daß alles, was vom Obersten moslemitischen Rat, für den er, der Großmufti, verantwortlich sei, im Hinblick auf die Klagemauer, getan wurde, zu keinem anderen Zwecke geschah, als zu dem, die eigenen Rechte auf die heiligen Stätten zu erhalten. Die Maßnahmen seien sehr bescheiden gewesen. Wenn diese es waren, um derentwillen die Kommission ihren Tadel aussprach, dann sei er willens, den Tadel mit Stolz zu tragen. Die Forderungen der Araber seien außerordentlich gemäßigt. Sie verlangen bloß einen Zustand der Gleichheit für alle Bewohner Palästinas. Großbritannien mit seinen hundert Millionen Moslems sollte zweifellos daran interessiert sein, den palästinensischen Arabern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Als nächster Redner führte der Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, Beschwerde gegen die britische Tätigkeit in Palästina. Die Delegation habe Palästina in einem Zustand tiefsten Elends und Erschöpfung verlassen. Er fragt, ob es der britischen Gerechtigkeit entspräche, eine friedliche palästinensische Bevölkerung zu verdrängen und durch ein „fremdes Volk" zu ersetzen. Auni Bey Abdul Hadi erinnerte als nächster daran, daß er einer der arabischen Anwälte vor der Untersuchungskommission war. Drei von der britischen Regierung nach Palästina entsandten Kommissionen haben, so sagte er, mehr oder weniger ausdrücklich die gegenwärtige Palästina-Politik verurteilt. Die letzte Kommission, die von den Juden gegen die arabischen Führer, insbesondere gegen den Großmufti, vorgebrachten Beschuldigungen als grundlos festgestellt. Sie sei zu den wahren Ursachen der Unruhen und der Unzufriedenheit vorgedrungen. Als Vertretung der öffentlichen Meinung von Palästina danke die Delegation der Unterfuchungskommission für ihren Bericht. In der folgenden Aussprache fragten mehrere Parlamentsmitglieder, warum die Araber die ihnen i. I. 1923 angebotene Arab Agency abgelehnt hätten: ferner, in welchem Maße diese Delegation die arabischen Massen vertrete, und ob die Araber die Erteilung des Mandates an Großbritannien akzeptieren. In seinem Schlußwort sagte Lord Brentford, er begrüße die Tatsache, daß die Araber auf die Fairneß der britischen Gerechtigkeit vertrauen und den Bericht der Kommissionen akzeptieren. Die Frage könne nicht in der Schwebe gelassen werden. „Wir sind nicht gegen die Juden, und wir widersetzen uns nicht der Jewish Agency, aber sie darf nicht eine Bevölkerung, die sich bereits im Besitze eines Landes befindet, aus ihrem Besitz verdrängen." Colonel Howard V u r y, der die Frage stellte, wie wohl die Schotten auf die Ankunft von ungefähr 100 000 Einwanderern in Schottland reagieren würden, legte eine Resolution vor, in der dem arabischen Volke Freundschaft und die Entschlossenheit ausgedrückt wird, darauf zu sehen, daß in Palästina Recht geschehe. Erklärung Macdonalds im Unterhaus. L o n d o n, 3. April. Premierminister Macdonald hat, wie er vor einigen Tagen angekündigt hatte, in der Sitzung des Unterhauses am Donnerstag, den 3. April, zu dem Bericht der Palästina-Untersuchungskommission im Namen der englischen Regierung Stellung genommen. Er. erklärte, die Regierung werde die Verwaltung von Palästina gemäß den Bestimmungen des Mandates fortführen. Der Premierminister fügte hinzu, die Verwirklichung des Mandates schließe die Verantwortung für die Erichtung des Jüdischen Nationalheims in Paläftna ein. Es fei dies eine internationale Verpflichtung, der man sich auf keinen Fall entziehen könne. Dabei aber dürfe nichts geschehen, was die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung in Palästina oder die Rechte der Juden in anderen Ländern beeinträchtigen könnten. Die Regierung sei entschlossen, sowohl die gegenüber dem jüdischen Volke wie die gegenüber der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas übernommenen Verpflichtungen im Geiste der Balfour-Deklaration in die Wirklichkeit umzusetzen und allenthalben der palästinensischen Bevölkerung Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Diese Pflicht, der die Regierung sich nicht entziehen könne, werde sie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln erfüllen. Macdonald wies darauf hin, daß die Kommission die Aufgabe hatte, die unmittelbaren Ursachen der bedauernswerten Zwischenfälle im August 1929 zu untersuchen und Maßnahmen vorzuschlagen, wie eine Wiederholung solcher Zwischenfälle in Zukunft zu vermeiden seien. Die Kommission war bemüht, sich ihrer Aufgabe in gerechter Weise zu entledigen, aber es liegt in der Natur der Sache, daß ihre Aufgabe eine sehr schwere war. Ihr Bericht erstrecke sich auf ein weites Gebiet. Die Regierung sei jetzt mit der Prüfung dieses Berichtes beschäftigt. Der Premierminister betonte zum Schluß, daß die Willensmeinung der Regierung, für die Zukunft Zwischenfälle auszuschalten, soviel bedeutet, daß genügend Polizeikräfte zur Erhaltung von Ruhe und Frieden sofort zur Verfügung gestellt werden würden. Der frühere Premierminister Baldwin, auf dessen Interpellation hin diese Erklärung abgegeben wurde, sprach sein Einverständnis mit der vom Premierminister geäußerten Willenskundgebung der Regierung aus. Auch Lloyd George billigte im Namen der liberalen Partei die Erklärung Macdonalds. Eine neue Palästina-Kommission. London, 18. April. Der parlamentarische Korrespondent des „Jewish Chronicle" weiß zu melden, daß das Kabinett e i nstimmig beschlossen habe, einen oher mehrere politische Persönlichkeiten nach Palästina zu entsenden, um Vorschläge über die Fragen der höheren Politik zu unterbreiten. General Smuts, der für diese Kommission ausersehen war, habe abgelehnt und es werde jetzt der Name eines in der ägyptischen Politik hervorgetretenen bedeutenden Politikers genannt. Rutzland. Peßach in Rußland. Moskau, 15. April. Von der Antipeffach-Propaganda war in Rußland fast nichts zu merken. Es ist dies eine Folge des Beschlusses der Sowjet-Regierung, daß Religion nicht durch Zwangsmittel bekämpft werde. Die jiddischkommunistische Tageszeitung „Emeß" forderte die jüdischen Kommunisten in der Provinz auf, sich in der Antipessach-Kampagne zu mäßigen und in keinem Fall zu Terror oder Gewalt zu greifen. Die Parole wurde im Ganzen befolgt. Der Moskauer Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur will durch eine Umfrage festgestellt haben, daß der Bedarf an Mazzoth unter den Juden Rußlands für die diesjährigen Peßach-Tage überall gedeckt war. Es war dafür gesorgt, daß auch der ärmste Jude über ein genügendes Mazzoth-Quantum verfügt. Die Mazzoth- Bäckereien arbeiteten überall ungestört. Die religiösen Juden in den Städten haben die Parole ausgegeben: „Verpfändet Euer Letztes und versorgt Euch mit Mazzoth! Sorget, daß auch der Aermste Mazzoth bekommt!" Diese Mazzoth-Kampagne übertönte um ein Vielfaches die Anti-Peßach-Kampagne der jüdischen Kommunisten, die fast keine Tätigkeit entfalteten, da ihnen von Moskau aus anbesohlen wurde, sich in der antireligiösen Kampagne möglichst Reserve aufzuerlegen und vor allem jeden administrativen Druck zu vermeiden. In vielen Städten machten die staatlichen Konsumgenossenschaften eine Ausnahme zugunsten der religiösen Juden und gewährten ihnen auf ihre Brotkarten einen Mehlvorschuß für zwei Monate, um sie in die Lage zu versetzen, Mazzoth für Peßach herzustellen. Da es in Rußland an speziell für Mazzoth hergestelltem Mehl vollkommen fehlte, wurden Mazzoth mit Erlaubnis der Rabbiner aus gewöhnlichem Mehl, das von den Konsumgenossenschaften auf Brotkarten geliefert wurde, hergestellt. Die jiddische kommunistische Presse berichtet, daß überall die Mazzoth-Aktion mit Hochdruck vor sich ginge und daß sogar Delegierte der Ortssowjets in Turow und anderen Städten des Kreises Mozir in Weißrußland, die sich früher selbst an der Anti-Peßach-3Zropagandcr beteiligt hatten, sich jetzt mit Mazzoth eindecken. Die Zeitung „Emeß" greift die staatlichen Konsumgenossenschaften an, weil sie Mehlvorschüsse für Mazzoth bewilligten. Die jüdischen Arbeiter und Handwerker in den Prdvinzstädten, auch diejenigen, die kommunistisch gesinnt sind, erklärten, daß „das jüdische Peßachfest ein revolutionäres Fest sei, ein Fest der Befreiung aus der Sklaverei", und daß es darum von echten Revolutionären nicht bekämpft werden sollte. Die Charkower jiddische

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