Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1930)
- Date
- 1930-04-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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24. April 1930 Der Israelit Nr. 17 Seite 5 Nähe des Götzendienstes als Wert des Besitzverbots angibt, Vst bei rv’Si’nw die Verwandtschaft des Besitzverbots mit dem vonnvsz ym ersichtlich: Hier wie dort Erziehung' zum Bewußtsein der Abhängigkeit von Gott; am Peßach des durch Brotbesitz sonst entstehendien Sicherheitsgefühls, im Siebten Jahre dadurch, daß der Landbau ruht und die Herrschaft des Gottesvolks über das Gottesland sich somit nun als Dienst des Menschen an der Schöpfung erweistnrtK '2 Als „Fremde und Beisassen" auf Gottes Boden haben wir dem heiligen Lande Frucht^ abzugewinnen, sind aber im Siebten Jahre nicht Besitzer dieser Frucht, sondern haben nur das Recht, sie, völlig ohne sicheres Bewußtsein des Besitzes, so lange zu genießen, wie sie auch dem Gewilde dies Feldes zur Verfügung steht n'an p "fnaraV nto inw-p inm!? Nach dieser Zeit ist die Frucht des Siebten Jahres, wie am Tage vor Peßach, völlig zu vernichten, und jeder d'afür nachher erstandene Gegenwert ist gleichfalls zu vernichten. Auch dies ist, als Ausnahme des schon erwähnten allgemeinen Vernichtungsverbvts der Thora, nur dann begreiflich, wenn wir das Vernichtungsverbot als Aufforderung zum Weltpriestertum auffassen und seine Ausnahmen als Mittel benutzen, um uns eines Bewußtseins sicheren Besitzes zu berauben, das diesem Priestertum abträglich wäre, So lehrt Hirsch zu Num. 25, 7, daß durchnN'a^ das Volk Israel „sich selbst nur als geduldete Einwohner und Beisassen auf Gottes Boden begreift, und aller Hoheit und alles Besitzstolzes entkleidet zu den Aermsten der Menschen und zu dem Tier auf dem Felde in Gleichheit und Gleichberechtigung vor Gott zurücktritt." Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsches Reich. Omerspenden und Rausch-chaudesch. Spende. Frankfurt a. M., 12. April. Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisr.oel macht in einem Rundschreiben an ihre Vertrauensmänner den Vorschlag, während der Omerzeit das Schulwerk durch eine sogenannte Omerspende zu fördern, die allabendlich das bei der Sefiro gesprochene Wort in eine lebendige Verbindung mit Erez Jisroel setzt und durch eine gute Tat das Band zwischen Land und Thora enger knüpft, das in der Sefira selbst zum Ausdruck kommt. Es wird vorgeschlagen, vor Sefiras Haomer jeden Tag soviel Pfennige für das Schulwerk zu spenden, als an dem betreffenden Tag gezählt wird. Die Zahl, die auf diese Weise zusammenkommt, ist für : jeden Einzelnen geringfügig, zusammengefaßt bedeutet sie eine wesentliche Unterstützung. Die auf diese Weise von jedem Einzelnen zu zahlenden Summen sind: . , In der ersten Woche ^vom 16.. .bis 22. Nissan -(14. bis 20. April): 28.Pfg^. ' . .7 . ,*7.> In der 2. Woche vom 23. bis 29. Nissan. (21., bis 27. April): 77 Pfg. . - Jtt der 3. Woche vom 30. Nissan bis. 6. Jjar (28.'April : bis 4. Mai): 126 Pfg. In.der 4..Woche-vom.7,-bis.13. .Jjar (3. bis 11. Mai): -175 Pfg. .7 . . . ■ . In der 5. Woche vom 14,, bis 20. Jjar (12. bis 18. . Mai): 22<Pfg.. 7 In.der 6. Woche vom 21./ bis 27. . Jjar (19. bis 25. Mai): 273 Kfg. .;j In der 7. Woche vom 28. Jjar bis 5. Siwan (26. Mai bis 1. Juni): 322 Pfg:. .... Wer sich an dieser Omerspende beteiligt, ist für die Monate Nissan-Jjär .von-/der Rausch-chaudesch-Spende befreit. Wir hoffen, dgß diese Anregung die allseitige Berücksichtigung findet, die sie verdient, -7 ' j M« Woche. Berlin. Der Berliner Weihbischof Dr. Schneider nimmt Stellung gegen den Vorschlag des thüringischen Innenministers Frick zu Abschaffung des Alten Testamentes im Religionsunterricht. Er schreibt u. a.: „Wir dürfen nicht vergessen, daß das alttestamentliche Judentum der Welt die Grundlagen der Religion vermittelt hat, den Glauben an den einen Gott und die Ehrfurcht vor den Zehn Geboten." — In Bottrop wurde der jüdische Friedhof in bestialischer Weise geschändet: Es ist die 83. Friedhofsschändung in Deutschland, — Wie die ITA. zu berichten weiß, scheidet . Georg R a r e s! t, der Vorsitzende des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde in Berlin, aus dem Engeren Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden aus. — In Güsten in Anhalt befindet sich noch eine zwar baufällige, aber schöne und geräumige Synagoge ohne Gemeinde. Der Magistrat will das Grundstück erwerben und das Gotteshaus abtragen lassen. Dem widerspricht aber eine von der Regierung seinerzeit bestätigte Bestimmung der jüdischen Gemeinde, wonach die Synagoge nicht eher abgebrochen werden darf, als bis eine neue errichtet ist. Die Regierung in Dessau, bei der Aufhebung dieser Bestimmungen beantragt ist, wird sich mit der Sache zu befassen haben. rr.-Strehlitz. Vom Preußischen Landesverband wurde enr neuer Rabbinatsbezirk mit dem Sitz in Gr.-Strehlitz errichtet. Zum Bezirksrabbiner wurde Herr Dr. F e in« berg, bisher in Heilbronn, gewählt. Köln. Auf einer gemeinsamen Kundgebung der drei Konfessionen „für Erziehung zur Sittlichkeit" sprach neben den Vertretern der katholischen und evangelischen Kirche als Führer der jüdischen Jugendvereine Dr. C a l m e s über „die Forderungen im Kampfe gegen Schmuhünd Schundliteratur". — Einbrecher drückten eine größere Fensterscheibe in der Synagoge zu Borghorst ein, richteten im Inneren Verwüstungen an, und stahlen fast sämtliche Silbersachen, Leuchter usw. München. Die G 0 l - . dene Ehrenmünze der Stadt München erhielt Dr. h. c. James Loeb, Mitglied des Bankhauses Kuhn, Loeb u. Co. in Newyork, der für Vau und Dotierung der Psychiatrischen Forschungsanstalt in München, eines Instituts der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft unter Leitung Kraepelins, mehrere große Stiftungen gemacht hat, zuletzt eine solche von 600 000 Mark. Dr. h. c. James Loeb lebt seit mehreren Jahren in Bayern. Danzig. Einer Anzahl jüdischer Familien in Danzig, die an ihre Verwandten in Rußland Mazzoth-Pakete für die kommenden Peßach-Tage gesandt haben, wurden die Postpakete zurückgestellt, weil die Adressaten in Rußland, die für ein 10 Kg.-Paket etwa 50 Goldrübel an Zollgebühren zu zahlen hatten, nicht in - der Lage waren, die Pakete bei der Post - auszulösen.. Gens. Unter dem Titel „La Ration Ara b e" erscheint hier seit kurzem eine Propagandazeitschrift für die Araber Palästinas: Warschau. In L ö d z haben dieses Jahr 12 000 jüdische Familien, die Hälfte der gesamten jüdischen. Bevölkerung, von der öffentlichen Peßachhilfe Gebrauch gemacht. Ein erschreckendes Symptom für die Verarmung der Juden in der größten Industriestadt Polens. —- In dem Städtchen P i e s k 0 in der Nähe . von Wolkowisk. brannten 21 ausschließlich von jüdischen Familien bewohnte Häuser bis auf den Grund nieder. 100 Familien blieben ohne Obdach und verloren all ihr Hab und Gut.' In dem Hause, in welchem der Brand entstand, ist eine sechsköpfige Familie umgekommen, man konnte, nur, noch .die -^.verkohlten Leichen bergen.. — Der Vorstand der W a r s'ch a u e r' j ü d i - scheu' Gemeind e und das W ar s ch a.u e r R a b b i n a t sandten an den britischen Premierminister, MacDonald, telegraphische Proteste. gegen die Feststellungen und Empfehlungen im Berichte der Shaw-Kommission; die den Juden bitter Unrecht tun. Von (England wird Erfüllung des historischen Versprechens gefordert. Kowno. Ein neues Dekret des Kultusministeriums, .welches die Lilauisierung. aller Privatschulen bezweckt, bedroht die Existenz der jü:dischen Schülen ünd Ched arim. Es sind von der jüdischen Gemeinde alle nötigen' ' Schritte unternommen worden.- Wilna . In Wilna haben 3600 Familien, ein Drittelnder., jüdischen Bevöllerung^ die. öffentliche 7 Peßach-. . Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Bukarest. Die Zeitungew:-herichteüDber /MMche^Aeberv~, . fälle. vonAStudeyten alWjüdiWe^^udMäide/ / 'und / -^armWkäEWä)lteüW HM. HHtzel/bleibt untätig, die Veyorden'schweigenr^dtN Kültusvorsteher für den Bukarefter. K 0 m .m U n.a trat , wurde vom Kultusministerium* Rabbiner Dr. Ul h .-.7,:: Die großartigste Neuerung seit Erfindung des Gasherdes! Braten u. Grillen im eigenen Saft, ohne Begießen, ohneVorkenntnisse, im neuen SENKING - - Gasherd Mod. 1930 Rituelle und Sabbat-Vorschriften werden gern berücksichtigt > E. HAGE & Co. Am Eschenheimer Tor 3 Empfangsabend für Beth Jakob. Berlin, 14. April. Am 8. April veranstaltete das Berliner Beth Jakob- Komitee einen Empfangsabend im Haufe von Frau Dr. Aronfon, wo sich eine große Anzahl bekannter Persönlichkeiten der Berliner Gesellschaft versammelte. Nach einer Begrüßung hielt Frl. Dr. R 0 s e n b a u m ein mit größter Spannung aufgenommenes Referat über die Lage des jüdischen Mädchens im Osten und kennzeichnete in scharf umrissener Form die Etappen des Aufbauwerkes Beth Jakob. Sichtlich ergriffen dankte die Vorsitzende des Berliner Komitees, Frau Prof. Dr. Mittwoch, und nach ihr Staatsrat I. Teilel der Referentin für ihre Darlegungen wie für das Aufbauwerk, das in wenigen Jahren eine solche Ausdehnung genommen hat. Herr A. I. Hornstein, früher Kiew, forderte die Anwesenden zu wirksamer Unterstützung des großen Werkes auf, und feine Bitte fand allseitige Zustimmung, so daß der Abend auch eine erfreuliche materielle Förderung einen ausgezeichneten Abschluß fand. Die Veranstaltung wurde durch künstlerische Darbietungen von Frau Rieß und Herrn Jlja Jakobson, Kapellmeister ani Schauspielhaus in München, durch eigene Kompositionsoorträge in besonderem Maße ausgezeichnet. Am folgenden Tage empfingen der Gesandte der Republik Oesterreich, Herr Staatsminister Frank, ferner der Außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister der Republik Polen- Herr Roman Kn oll, die Legation der allgemeinen Beth Jakob-Zentrale, unter Führung von Herrn Dr. Deutschländer zu einer längeren Unterredung und stellten die wohlwollende Förderung des Werkes in Aussicht. Eine „Entfettung". Berlin, 9. April. Bei der letzten Tagung des Preußischen Landesverbandes führte der der Volkspartei angehörende ostjüdische Führer Benzion Fett gegenüber den Liberalen aus: „Wir werden es nicht dazu kommen lassen, daß Sie die jüdische Gemeinde zu einer Religionsgemeinde degradieren". Die „Jüdische Rundschau" mildert den Satz durch das kleine Einschiebsel „rein" und gibt ihn dann in folgender Form wieder: „Wir werden es nicht dazu kommen lassen, daß die Gemeinde zu einer rein religiösen Institution degradiert wird." Die „Jüdische Telegraphen - Agentur" ist noch konsequenter in ihrem Vorgehen. Dort heißt es: Redner schließt: „Wir werden es nicht dulden, daß die jüdische Gemeinde zu einer rein religiösen Gemeinschaft zurückgeschraubt wird." Das nennt sich „objektive" Berichterstattung! Ferienkurse für Rabbiner und Retigionstehrer in Württemberg. Stuttgart, 12. April. An dem diesjährigen Fortbildungskursus für .die Rabbiner und Religionslehrer in Württemberg nahmen fast alle Rabbiner und Lehrer des Landes teil, zum erstenmal auch die jüdischen Seminaristen auf dem. Heilbronner Seminar. Zu den öffentlichen Vorträgen fand sich auch eine große Zahl von Gemeindemitgliedern ein. Vorträge hielten Stadtrabbiner Dr. Rieger über „Die Idee und Geschichte, des Peßachfestes irr Bibel und Schrifttum", Rabbiner Dr. Beermann, Heilbronn, über den „Auszug aus Aegypten in Midrasch", Rabbiner Dr. Krön er, Oberdorf, über „Die halachisch-religionsgesetzlichen Bestimmungen des Peßachfestes", Oberlehrer B e r l i n er - Buttenhaüsen über „Die Behandlung des Sehers./im Unterricht", Rabb. Dr: K ah n. Mergentheim, über „Die Geschichte und Entwicklung der Hagada". Rabb. Dr, Auerbach, Stuttgart, brachte eine Auslese aus dem Talmudtraktat Pefachim- An alle Vorträge schloffen sich ausgiebige Aussprachen