Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1930)
- Date
- 1930-04-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 17 Der Israelit 24. April 1930 Kunsthandlung Julius Giessen Am Opernplatz - Ecke Bockenh. Landslr. 2 Das Fachgeschäft 1 vornehme Einrahmung Die Kunsthandlung des gutes Geschmacks ftimmimg lösen, die sogenannte „Studentennationen" vorsieht. Danach sollen die ordentlichen Hörer der Universität, welche gleicher Abstammung und Muttersprache sind und -einen gewissen Prozentsatz aller ordentlichen Hörer ausmachsn, als eine S t u de n t e n Nation angesehen werden. Eine solche Studentennation mit allen sich daraus ergebenden Privilegien und Befugnissen wird fortan nach der neuen Bestimmung die Deutsche Studentenschaft sein. Diese steht bekanntlich auf dem Rassenstandpunkte, schließt also Juden und Judenabkömmlinge aus. Daß die demokratische Studentenschaft mit einer solchen Lösung nicht einverstanden ist, ist erklärlich. Die Deutsche Demokratische Hochschulvereinigung will in Gemeinschaft mit den sozial'istischen Hochschülern den V e r f a s s u n g s g e r icht s h o f anrufen. Man darf erwarten, daß der höchste Gerichtshof es keineswegs als mit der Verfassung vereinbar findet, eine Gruppe von Studenten als Gesamtvertretung der Studentenschaft zu legalisieren, die einen Teil der österreichischen Staatsbürger grundsätzlich und faktisch aus ihren Reihen ausschließt. Der höheren Staatsverfassung wird sich schließlich auch die der freien Republik der Wissenschaft einzuordnen haben. Die liberale Presse Wiens weist insbesondere auf den störenden und beunruhigenden Charakter dieser rassenschützlerischen Maßnahme hin zu einer Zeit, da Oesterreichs ruhige Entwicklung, sein Gesundungsprozeß in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Beziehung von aller Welt beachtet und bewundert wird. Wie sehr diese Wiener Maßnahme in den Kreisen der reichsdeutschen Gesinnungsgenossen alte Gelüste wachruft, beweist ein Leitartikel in der Berliner „Deutschen Zeitung", in dem das Muster Oesterreich für alle deutschen Universitäten wärmftens empfohlen wird. Man darf hoffen, daß auch in Wien die Hüter der kulturellen Güter der Nation auf der Wacht bleiben, daß nicht Giftsaaten sogar über die Grenze hinaus Wurzel fassen. Die Zahl dreizehn, die in nichtjüdischen und unjüdischen Kteisen als Unglückszahl gemieden und verpönt ist, hat bei uns Juden, denen jeder Aberglauben streng verboten ist, eine erhöhte und besondere Bedeutung. — Maimonides stellt dreizehn Glaubenslehren j'»«» ’is des Judentums auf, die in unserem Jigdal-Gebet zusammengestellt und-ihren Ausdruck - finden. Wenn wir die Schaufäden an unseren Kleidern befestigen, wickeln wir einen Faden sieben, neun, elf und zuletzt dreizehn Male herum, entsprechend dem Zahlenwerte des Wortes Nach vollendetem dreizehnten Lebensjahre wird der jüdische Knabe ein Bar-Mizwoh, ein Sohn der religiösen Pflichterfüllung. — Schließlich sind es die dreizehn göttlichen Eigenschaften, die in den dreizehn Fragen und Antworten in der Sedernacht als dreizehnte Frage erwähnt und als höchste Lobpreisung des iip^n nnrr Einig-Einzigen gilt. — Etwas über. «Was für ein Zufall!" Es gibt nichts Dümmeres, als Menschen, die überall nur Zufall sehen. Selbst der Weltkrieg ist damals bei ihnen nur zufällig ausgebrochen. Etwa so: wenn der Erzherzog Ferdinand in Serajewo nicht zufällig ermordet worden wäre u. f. w. — Sie verfielenrifdjt, daß es „Zufall" 'nicht gibt. Daß das, was sie Zufall nennen, nur eine auf Umwegen herangekommene Notwendigkeit ist. — War die Balfourdeklaration ein Zufall? Kam es zu den jüngsten schauerlichen Pogromen in Erez, Jisroel nur so ganz zufällig? Ist es Zufall, daß gesetzestreue Organisationen mit leeren Kassen arbeiten müssen? Es ist ein ganz besonderer Reiz, den Wegen nachzugehen und nachzuforschen, die zu den „Zufällen" geführt Sinnbild oder Selbstwert? Zur Hirschischen Symbolik der Peßachgesehe. Von Rabbiner Dr. B. Cohen in Friedrichstadl. (Schluß.) II. Ein Peßach mit Gesäuertem im Besitze ist ein Fest der Selbsterlösung. Ein Peßach mit Gesäuertem im Besitze, auch ohne daß das Gesäuerte zur Nahrung dient, erfüllt an unserer Erziehung nicht seinen Zweck. Dasselbe wird uns klar, wenn wir bedenken, baß das Gesäuerte wohl in unsere körperliche Nähe kommen darf, wenn es nicht unser Eigentum ist, —aber selbst i n weite st er Ferne ein Chomez-Besitz, ja, ein Chomez-Anspruch am Peßach uns verboten bleibt. Die Absicht solcher Gesetze kann keine körperliche Einwirkung auf uns fein, sondern nur unsere Erziehung zum „Volke, das ohne Volkseigentum gegründet worden." Ganz besonders in der tiefen Nacht unserer heutigen Gegenwart, in foer Staaten nicht nur nicht ohne irdische, materielle Fundierung, sondern geradezu ausgesprochen absichtlich ohne die Spur einer geistig-sittlichen gemeinsamen Grundlage gegründet und mit dem Kampf gegen alles Religiöse neu belebt werden, — gerade heutzutage müssen wir es alljährlich neu uns durch Taten einprägen, daß Gottes Volk nur durch Gottes Willen lebt und fein Dasein als Volk ohne jede Macht dauerhafter als das der Machtstaaten zu gestalten berufen ist und- „daß nicht vom Brot allein der Mensch lebt, sondern aufgrund alles dessen, das aus Gottes Mund hervorgegangen, der Mensch lebt," und zwar als Volk Gottes ewig lebt. in. Auf welchem Wege aber vollziehtsich durch die Befolgung des Chomezbesttzverbots des Pehachfestes unsere Erziehung zu diesem Ideale? Das Gesetz lehrt uns, daß jeder Jude das Chomez auf jede mögliche Weise vor Beginn der Verbotszeit aus seinem Besitze zu beseitigen hat, — nötigenfalls durch Vernichtung, vorzugsweise Verbrennung, und außerdem durch Aussprechen eines 2^2 ^iv2 einer völligen Herrenloserklärung beseitigen muß. Wenn wir dem die große ethische Forderung entgegenhalten, nie einen brauchbaren Gegenstand aus der leblosen, wachsenden oder belebten Welt (Deut. 20; 19) zu zerstören, — eine Forderung, durch die uns die Weisen Gott in seinen Geschöpfen zu ehren gelehrt haben, — so erleben wir erst den ganzen und vollen Sinn des Peßachfestes. Wir sind nicht verpflichtet, nicht einmal berechtigt, erlaubte haben oder haben können. Denn dann wird man auf das Geheimnisvolle stoßen, daß die scheinbar äußeren Zufälle nur dann eintreten, wenn sie innerlich'irgendwie gerechtfertigt sind. ,n 1 Heine spricht irgendwo mal davon, 'daß der Tod nicht so zufällig sei als man denke; er sei nur das Resultat des Lebens. Das ist mehr als ein Bonmot. Wie: unerträglich wäre das Leben und wie fürchterlich wäre dex Tod, wenn alles nur Zufall wäre. So aber braucht man dem Tode nicht ängstlich ins Auge zu sehen. Mur der Durchschnittsmensch fürchtet ihn. Der Große sieht ihm gelassen entgegen. Er weiß, daß der Tod nur das Ende einer abgelaufenen Entwicklung ist, daß, stirbt Jemand, dessen Mission auf Erden erfüllt ist. Wäre dem nicht so, dann wäre jedes Trostwort Hohn, dann wäre der Spruch der Weisen „6sm su letauwoh“ nicht Weisheit, sondern Blasphemie. — Mos es, unser Lehrer, ward 120 Jahre alt, denn seine ungeheuren Fähigkeiten warennicht eher erschöpft, seine ihm von Gott gesetzten Aufgaben nicht eher erfüllt. Der Remo, R. Moses Jfferle, starb in jungen Jahren, er wurde 33 Jahre alt und er strömte die ganze Fülle seines Schaffens in dieser kurzen Zeit aus. Im deutschen ist „Zufall" das, was einem so — zufällt. Die hebräische Sprache' kennt das Wort „Zufall" gar nicht. Das mit „Zufall" übersetzte Wort "nnp»» ist nach Hirsch zu deuten identisch mit — „Ruf". Dem Juden, ist Zufall der Ruf der Ewigkeit an den Manschen. — Man findet darüber Ausführliches bei H irsch. Man muß eben versuchen, diesen Ruf der Ewigkeit sich hörend zu machen und zu verstehen. Das aber ist zugleich identtsch damit, „den Sinn des Lebens" zu suchen. E—u Ky. Genüsse der diesseitigen Welt uns zu versagen, denn diese sind aus Gottes Willen hervorgegangen, und wir sollen sie auf von Gott gewollte Art dadurch, daß wir uns mit ihnen bei Kraft, Freude, und Schaffenslust erhalten, zu Gott zurückleiten. Immer noch ist der Mensch auf die Erde gestellt m2j?1?' um ihr durch Arbeit Segen 'zu entlocken, und um diesen Segen zu verwenden, um sie Gottes Zielen zu erhalten. Wenn nun das vollendete Brot, das Chomez, für eine volle Woche aus diesem steten Lebensopferdienste des Juden ausgeschaltet, ja, aus seinem Besitz entfernt wird, so!ist damit d!er „Dienst durch Arbeit und Besitz" geschmälert und unterbrochen. Am Tage der Auszugserinnerung, am Gedenktage der Volkwerdung entledigt sich der Jude des Chomezbesitzes. Im „Aehrenmonat" durften wir in die Freiheit ziehen, und doch ist gerade der Aehre vollendete Nutznießung, der Besitz des Brotes uns an diesem Feste verboten. Und gerade dem B e s i tz des Brotes erkennt unserer Weisen Redewendung narr n'rr 1^02 ns •fr w'V eine beruhigende Wirkung zu, die uns am Feste der Volkwerdung Israels-- fehlen soll, damit wir Gott als alleinigen Geber unserer Freiheit und-uns als so völlig von Ihm abhängig empfinden, daß wir nur durch Ihn unser Volk gründen konnten. — (Vergl. Das Brot in den Hütten des Mannes, der den Afasel- Bock am 2"' zur Wüste führte.) IV. Dasselbe können wir aus den Einzelvorschriften erlernen, die unsere Weisen zum Gebote des Chomez-Verkaufs gegeben haben. Nicht darauf kommt es an, daß das Chomez völlig aus unserer körperlichen Nähe schwindet, versiegelt, verschlossen oder sonstwie unzugänglich gemacht wird. Sondern damit, daß der es kaufende Nichtjude es jeden Augenblick ergreifen und verbrauchen kann und daß der Jude sich somit ö-es gesicherten Bewußtseins, Chomez zu besitzen, völlig entaußert hat. Nur wenn jeder Anschein einer Rückkaufsicherung gemieden ist, hat der Chomezverkauf Gültigkeit. Und nur damit ist dann jede Berechtigung geschwunden, dem Chomezverkauf eine nur formale Gültigkeit zuzuerkennen und Spott gegen nhn zu wagen; der Chomezverkauffchein steigt nur dann, aber sicher dann vom Formelwesen zum Eigentumsdokument, ja, von der Stufe eines solchen zu/der eines Dokuments auf, in welcher der Jude sich, im Augenblick des Gedenkens feiner Volkwerdung, seiner inneren Besitzsicherheit an den Früchten der Erde beraubt und bekennt: „Als Einzelwesen bin ich wie der Fremde berufen, die Erde durch Besitz und Genuß zu Gott zu erheben; als Volk aber überlasse ich diesen Beruf den Fremden, denn ich, das Volk Jakob, bin Gottes Anteil und' habe den höheren Beruf, die Existenz der Völker ohne materielles Fundament als möglich zu erweisen: denn alle Völker mögen ein Jedes seinen Weg finden, ein Jedes im Namen seines Gottes; wir aber gehen im Namen Gottes, unseres Gottes." Das ist der Selbstwert der Betätigung eines Chomezverkaufs, das/der .Weltenerlösungsanteil der Entäußerung von allem Chomezbesitz am Peßach. V. . Forschen wir im Gesetze nach sonstigen Besitzverboten, so finden wir nur zwei, die aber einer viel schärferen Bestimmung unterliegen: ir>y'2En ry Gö tzen kultgegenftände und Früchte des Siebten Jahrs. Während beim Götzenkult die Thora deutlich genug,?2*?n6 das Meiden der Wochenkalender. o.26. Avril b. 3. Mai 1980 ' v. 88. Nitzan b 5. Ijar B6S0 Samstag 26 - 28 Vinn »IW Sonntag Apr. 27 p’3 29 Montag 28 30 »IN »xm X Bi’ Dienstag 29 1 »in vrfnn 'a di»- Mittwoch 30 2 Donnerstag Mai 1 V»« 3 .1 Freitag 2 4 Samstag 3 5 " snxn s’im