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Der Israelit · 1930-12-11 · Heft 50 (11.12.1930) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 50 (11.12.1930)
Date
1930-12-11
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Ui Dr. $o m 7' V ’ ’ VJV Sprache des Lichts.;) AufeinMl ^7 .---u . - i. --- -- '-«'-i .,_ in, den schwarzen Silhouetten, ' '/■' um die ein Tag, ' in Dämmerung mündet, ' verfangen , l' - > - - goldne Funken, sichb-M langen betten/ — — - In jedem, Haus . , wird heut ein Licht entzündet. An jedem Licht . " erglühen Augen und Gedanken —, Vielleicht wird irgendwo ein Traum s und gar ein Wunsch ,, aus dem Verborgnen schwanken. ' Man sehnt sich — —, i: und man weiß es kaum. Bei jedem kleinen Licht, - . , das. da begegnet, - ' ' ' ist uns, als ob das — große Licht, ' das über allen Welten wohnt, das Ringen - unsrer Tagesegnet ... Unh unsre Augen sehen, wie es — spricht! - I. Raphael. Meikemeiers Weg zum Kreml. Die Geschichte Lines Menschenschicksats und einer Zeitepoche. Von S. Izchaki. (Fortsetzung). Was Wunder, daß Jossel Wilkomirer im Städtchen der Mann war, der alles wußte, alles sah, über alles Auskunft geben konnte; von dem man sich zuraunte, er habe schon den S a m b a tj 0 n gesehen und die Riesenmenschen der „zehn Stämme" von Mund zu Mund gesprochen, ja, daß diese „Auserwählten hinter den Steinwällen" durch Jossel sogar schon genaue Kenntnis von Burki und seinen Menschen hätten. Jossel war aber von Natur aus Philosoph und wenig mitteilsam. Er nahm eine Prise, nieste mit großem Behagen und sagte kurz: „Ueberall auf der Welt die gleiche.n Narrenl . . ." In Stunden großerer Gesprächigkeit kommentierte er sein Urteil: „Ueberall auf der Welt rennen die Menschen nach dem Geld, ob es Tiflis auf dem Kaukasus ist, oder Buenos Aires in Argentinien, überall gibt es Sorge und Leid, und wenn eine Türkenmuttex, in, H^rpbu-l.-pHer!- et$q Negerm^ in'''Südafr!ka^ am KMdespMDetzNieitzenüu.jloWs'Me^Kn^Mm-:, ter'dm IWn'kenläßer'ihr^s Müdes.'iü.K'üch'k i Ueberall's pTech,ech..die.MeHM^.^ .gstders,: MM seufzen ü'nd V'e'Mö'n <u'tj;e-rit-f'r!kteXd)i . V. Hier IN Burki schlagt man ^sich. wegen, der! Wahl eines Chcrsati'/dinW'' SchMmes, die Nasen-!, bettle ein, 'dort' in London' und''in' Newybrk Wägt' man sich mit der gleichen Wut und Wucht bei der Wahl für den Sitz in einem großen Säulenhaus, das sie Parlament nennen. In Berlin gibt es einen K a if e r, in Petersburg, einen Zaren, in London und Rom einen Kö n i g, in Paris und in Newyork einen P r ä f r deuten — und litt -Burki''binen U r äh n i k . Der eine herrscht genäü-wie der änderet Was es irrt Großen gibt, gibt es auch im Kleinen. Andere Nasen, andere Gesichter, auch andere Sprachen, aber überall die .gleiche Narrischkech (Narretei).." Wärlner Ünd auch freundlicher in feinem Üxteile wurde Jossel, wenn er seiner aufmerksam lauschendien Gemeinde von den^J ud e n und den j üd i s ch 'e n D i 'n g e n in der Welt erzählte.' Manches erregt üngläubiges Kopfschütteln. So, wenn er MWte."Wdr,.es^MH.art und Schläfento(M beWVor^äaßßriKst Metten Äugen gesellen hatte, wie in Fr an k fu rt a m M a i n , einer Stadt, die so weit in Deutschland liegt, daß es bald gar nicht mehr Deutschland fei,. der grüße l B a r 0 n Rot h f ch i l d.vor dem Kaiser tind Könige in Ehrfurcht das'Haupt beuge« — wie dieser jüdische Baron in seiner e i g e n e n K laus morgens Tefil l. i n g eb e g t und Tafts über den Kopf gezogen hätte. Und was für ein Tafts, Und was für Tefillm! Die Gehäuse säustgroh üftd blank wie ein Spiegel. Und wie der Mann gebetet hätte! Wie man Geld zählt, Wort für Wort. Nein, das Geldzählen machte dem Baron nicht soviel Arbeit. Er wirst die Milllonenscheine nur so vor sich hm und seine Diener bündeln sie in Paketen. Aber feine Geb e t e waren blanke Gold- und Silberstücke, die er Stück für Stück klirrend auf den Tisch warf . . . Und eigene Sprechstunden hatte er für auswärtige Rabbmen und Thoragelehrte. Könige, Fürsten -und Herzöge - mußten draußen warten . . . „Geduld, Ihr hohen Herren, der Herr Baron hört gerade ein schönes Wörtchen zur Sidroh ..." Das schien den Burkiern der Gipfel der Phantasterei. Das war nicht gut vorstellbar. Der Vurki-er „Millionär", Mattes Feinberg!, von dem man annahm, daß er mindestens 30 000 Rubel besah, war zwar ein „jüdischer Mensch", ließ sich aber tin großen Beshamidrasch nicht blicken, und Doktor S ch 0 l z, der jüdische Arzt, verkehrte mit den Offizieren der Grenzgarnison, saß mit ihnen im Klub am Spiel- und auch am Speisetisch. Wie sollte ersterer sonst seinen Ruf als „Gewir" und letzterer als „Doktor" wahren?-— Heber ähnliche Dinge wußte Jossel auch von London zu erzählen, wo jüdische Fürsten, die bei der Königin ein- und ausgingen, in der Synagoge laut und schön die Haftora vortrugen. Sehr interessierten seine Berichte aus Amerika, wo die Menschen, so sie keine Juden waren, so sprachen, als hätten sie drei Mazzoknödel im Munde und auch viele Juden schon solche Worte übernommen hatten, wo aber mindestens jeder dritte Jude ein Schneider war, indes die anderen zwei Kürschner oder Z u schneider waren. Diese. Berichte waren wichtig für viele, die damals schon Verwandte im Lande der Dollars hatten oder sich selber schon mit dem Traume herumtrugen, einmal über das große Wasser zu gehen. Mehr der Wißbegierde im Städtchen kamen die Berichte über seine Erlebnisse in Südrußland und in der Krim entgegen. Dort hatte er die Tataren kennen gelernt, die Nachkommen von Jsmael oder der Söhne von Ketura sind, die keine Kirche und kein Meuz haben, sondern/^Pethäpser mit Kuppelr^.rpie eine jüdische .Schütz.ö§r rfp|maif4m Tag^ qwfc; einem Teppich sin,O eget e kauerp, .Aiber auch Hqlbjuhen lebten n" die schtimuler feien als ^le'Höfaren,^;.weil sie i sich embstde^ selber Juden ünh..,spgar^die,..echten . rechten. Juden zu Hyuuird,-eineh, Juden-' vop. PWtj; pM. ausstehen .(gnnen. . ^Sie,.het'eien>?:chebralW -Gebete,welche kein Mensch versteht, hatten das Tefillingehäuse zwischen den Augen sitzen undbegingen andere Widersinnigkeiten, über die sie sich in Burki krank lachten . . . ^,-Aber Jossel war auch schon im h e-i l i g e n Lätt'de, und er zeigte den Rist m seinem Rock, den er ihM . angesichts der heiligen Stätte beibr-achte. An.der H ö h l e M a ch p e l w hätte ihm beinahe.ein „Terk".den Dolch ins Herz gestoßen, weil er etwas tief^x zu Vater Abrahqm. hinunterwollte. Bei B e t.h l e h e-m dugegenwar es ein Ehr ist, der nicht anders - aussah als wie ein Russe im Russenviertel, von Burki hinter der ^M.ostermauer,^ der Hm.. qm Grabe von Mutter ^P.ahel .einen StockhiH am er zeigte den Schrämmen —^ versetzte. - In, J.e r'u s a l e m, :in S a f,e.d und ,T i.b ^T..i a s saßen viele Men-, ffchev. m den SynyMgerl,, beteten, und lerritetijw# dem Söhar. -)Dre Gassen in Jerusalem waren sehr eng. An den heiligsten Stätten sah man sehr viele unheilige Csekünd Kamele Und dazu gehörige Burschen von WKorte, dey!I Vater Ubpaham am Fuße des Moria gesagt hchte: „Ihr'Deichet dem Esel, so bleibet unten beim Esel!" An der heiligen Mauer wurde viel geweint, gebetet und gebettelt. Wenn Jossel, von so einer Odysseusfahrt gerade zurückgekommen, erzählte, dauerte die Pause zwischen, Mincho- und Maariwgebet im. Veshamidrafch wohl eiW Stunde länger als in'normalen Zetten. Welche Mission Jossel Wilkomirer immer und immer wieder von seiner engen Dachkammer herunterholte und in die weite Welt Hinaustrieb, war nicht bekannt. Man war auf Vermutungen angewiesen. Er selber sprach darüber so wenig wie von täglichen Gepflogenheiten und Gewohnheiten, wie von einem natürlichen Gebrechen, mit dem man sich abgefunden und befreundet hat. Der Mutmaßung war freies Spiel gegeben. Er sammelte in Deutschland, in Frankreich, in England und Amerika für Thoraanstalten im Aufträge des Kownoer Raw, sagten die einen. Er fahre im Aufträge der jüdischen Führer in Petersburg, um jüdische Männer in Europa und Amerika für das Schicksal der russischen Judenheit zu interessteren. Darum dürfe er nicht darüber reden. Er reife herum, um die jüdische Welt für die neue Zionsbewegung zu erwärmen. Er fahre auf eigene Kosten und Gefahr und sammle für sich selber, wußten Andere, Böswillige. In S ü dr ü ß l a n d wirkte er vorübergehend in Städten und Dörfern als Kinderlehrer, um zum Pesachfeste zu Weib und Kind nach der litauischen Heimat zurückzukehren. Die eine oder andere Verinutung, vielleicht auch allesamt, mögen richtig gewesen sein. Was ihn aber im letzten Ende durch die große weite Welt herumschüttelte, das war ein natürlicher Wandertrieb, das Erbe eines Volkes auf tausendjähriger Wanderschaft. Zwischen Weltreise und Weltreise „knellte" Jossel, d. h. er unterhielt in seiner Dachkammer, die ihm als Ruhepunkt, gewissermaßen wie eine kleine Bucht vor der Ausfahrt diente, eine Chederschule für Fortgeschrittene, die er in der heiligen Schrift unterwies. Jossel war, wie äußerlich so auch innerlich, der Antipode Nochum Leisers. War jener klein, behende, federnd in Gang und Sprache, so war dieser groß, behäbig, geruhig und, obwohl so viel durch die Welt geschüttelt, etwas schwerfällig in seiner Art. Nochum Leiser hatte bereits ganze Gedankenkomplexe wie an einer ausgezogenen Spule abgewickelt, wenn Jossel, nachdem er bedächtig eine Prise genommen, erst zu reden l begann. Jpssel hielt nichts von Zeitungen.' Die Welt draußen sieht, doch.,ganz anders aus, als wie sie diese -Schmierer hHier dem Ofen malen. Die neuem Bücher verachtete er. Dagegen hatte er de« „ K:«s a r i " und den:,, M 0 r e h " desMailnonidesuM Kopfe, konnte ganze Stellen aus „Vechinoth Olam" und „Chowoth halwowoth" zitieren. Hielt es Nochum Leiser ein wenig mit der Haskalah, so war Jossel der Mann der „C h ak i r a h " (Forschung). Seine . Bildungsakten wurden bei einer gewissen Periode abgeschlossen. Seine Naturwissenschaft bezog er aus dem „Sefer Habrith", seine geographischen Kenntnisse dankte er Eldod Hadani und Binjamin von Todelo, deren Angaben er auf weiten Reifen in einigem nachprüfenkonnte. Alles, was noch später hinzukam, - galt nicht. Er lernte, getreu dieser Einstellung,-'Mit seinen Schülern nicht, wie Nochum Leiser, die poetischen Bücher der Propheten, sondern die nachdenklichen, tiefgründigen letzten-Schriften, mit Vorliebe das Buch- H i 0 b, in dem jeder Satz die Welt, das Meer und seine vbn' ihm, Jossel, erlebten Wunder geradezu auf deü Tisch legte. Der ruhige Jossel konnte, wenn ds zur Erklärung eines Bibelsatzes nötig war, so lebhaft werden

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