Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1930)
- Date
- 1930-12-11
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 18 Nr. 50 Der Israelit 11. Dezember 1930 und einen solchen Sturm auf dem Meer'e entfachen, daß es ringsherum dröhnte und man sich fest an die Tischkante klammerte, daß man nicht samt Bank und Buch ins kochende Wasser fiel - . . Den L i w j a t a n , mit dem G'tt spielt, hatte Jossel auch schon gesehen, mindestens seinen Schwanz, der einmal so ausfuhr, daß das Schiff — mit. Mann und Maus und Jossel — beinahe wie eine Streichholzkiste umgekippt wäre. Keiner wie Jossel konnte im tiefsten Hiobs Wort so verstehen und erklären: „Grenzen setzte er der Wasserfläche, nach der Scheidung des Lichtes «von der Finsternis". Wie. oft hatte er die Ebbe und die Flut nach den Gesetzen von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang erlebt! „Durch seine Kraft erregt er das Meer, durch feine Einsicht bricht er seinen Uebermut. Die Säulen des Himmels erzittern und entsetzen sich vor seinem Drohen; mit seinem Hauch hellt er den Himmel auf ..." War das auf der Höhe von Gibraltar oder auf dem Atlantus, als er fast drei Tage platt auf dem Boden des Zwischendecks lag und alles um ihn so iw Kreise herumflog und die Menschen bleich und zitternd Gebete in das Dröhnen und Heulen des die Wellen reitenden Sturmes hineinstammelten!? Und wie er eines Morgens auswachte und der Himmel lag blau und klar über ihm und das Schiff auf einer spiegelglatten See ruhig dahinfuhr, wie der Dampfer „Frumkin" auf dem schlafenden Njemen, war das nicht ein Wunder, das ihm G'tt zeigte, wie dem grübelnden Hiob? Das alles erlebte Meikemeier, wie all feine Kameraden, mit allen Fasern seiner kleinen Seele; mit Hiob, mit Jossel Wilkomirer . Oder wenn Jossel G'ttes belehrende Stimme an Hiob erklingen ließ über „das Meeresungeheuer, der wie eine Zeder seinen Schweif streckt, dessen Gebeine erzene Röhren, dessen Knochen Eisenstäbe sind!" Genau wie jener Hai- oder Walfisch, fügte Jossel mit dcirRuhe des Wissenden hinzu, der einmal unser Schiff unspraug und den Rachen ausriß, als wollte er den ganzen Kasten mit allem, was darauf und daran, verschlingen. Hundert Belegstellen aus Talmud und Agada, besonders aus den Erzählungen Rabba bar bar Chanas bestätigten die Schilderungen. Nicht sein Erlebnis belegte Rabba bar bar Chana, Rabba bar bar Chana bestätigte sein Erlebnis. Man wußte bald nicht mehr, was von Hiob, was von Jossel, was von Rabba bar bar Chana stammte ... Die Lehren, Erlebnisse und Beobachtungen flössen ineinander. Jossel war selber ein Rabba bar bar Chana. (Fortsetzung folgt.) Tobias. Ein jüdisches Idyll. Ueberfetzt von Saly Geis in Tel-Awiw. (Fortsetzung,) 10. Tobias verläßt das Haus seines Schwiegervaters. Als Tobias auf Veranlassung seines Schwiegervaters seine Rückreise verzögerte, sorgte sich um ihn sein Vater und sagte: „Warum zögert mein Sohn mit seiner Heimkehr, was hält' ihn zurück? Ist vielleicht Goweil gestorben und niemand vorhanden, der ihm das Geld zurückgibt?" Mann und Frau betrübten sich, da ihr Sohn zur festgesetzten Zeit nicht wiedergekommen war. Die Frau weinte, weigerte, sich zu trösten und schrie: „Mein Sohn, mein Sohn, Licht unserer Augen, Stütze unseres Alters, Trost unseres Lebens, Hoffnung unserer Familie! Warum haben wir dich in ein fremdes Land geschickt? Fürwahr, wir hätten in dir einkostbares Vermögen gefunden, wenn wir dich nicht geschickt hätten!" Da sagte ihr Mann zu ihr: „Schweige still und sei nicht betrübt, denn dein Sohn lebt und das Herz seines Freundes ist treu!" Sie aber verweigerte jeglichen Trost, ging Tag für Tag hinaus und setzte sich an den Scheideweg, da sie sprach: „Vielleicht erblicke ich ihn von fern." Reneil drängte weiter in seinen Schwiegersohn: „Bleibe noch bei uns! Ich werde einen Boten zu deinen Eltern senden und ihnen dein Wohlbefinden Mitteilen lassen." Dieser aber erwiderte: „Ich weiß, daß die Tage meines Kommens meinem Vater und meiner Mutter lange währen, darum halte' mich nicht zurück!" Nachdem alles Bemühen, Tobias zurückzuhalten, nichts half, übergab ihm Reneil seine Tochter. Auch übergab er ihm die Hälfte seines Vermögens an Knechten, Mägden, Schafen, Rindern und Kamelen; auch sehr viel Silber gab er mit. Er entließ ihn in Frieden mit dem Wunsche: „G'tt, der Herr, schicke seinen Engel, dich auf dem Wege zu behüten! Mögest du deine Eltern lebend und gesund antreffen! Möge mir G'tt doch ferner die Gunst erweisen, eure Nachkommen vor meinem Tode zu sehen!" - Vater und Mutter fielen ihrer Tochter um den Hals, küßten sie pnd befahlen ihr an: „Meine Tochter, ehre die Eltern deines Mannes, liebe deinen Mann mit deiner ganzen Seele, richte deine Augen und dein Herz auf deine Hausleute und gehe stets in den Wegen der Gradheit!" 11. Tobias kehrt in fein Elternhaus zurück. Am elften Tage kamen sie nach Ehavan, das auf halbem Wege zwischen Regosch und Ninewe liegt. Da sagte der Engel zu Tobias: „Du weißt, in welcher Verfassung du deine Eltern verließest. Wenn es dir recht ist, mögen wir deshalb deiner Karawane vorausgehen. Deine Frau aber gehe nach ihrer Gemächlichkeit und nach dem Fuß der Dienerschaft und der Herde vor ihr." Die Sache gefiel Tobias. Der Engel sagte noch: „Nimm die Galle des Fisches mit dir, damit sie dir nicht fehle!" Hannah, seine Mutter, saß Tag für Tag am Scheidewege und schaute nach ihrem Sohne aus. Wie sie so eines Tages in die Ferne spähte, erblickte sie ihren Sohn und erkannte ihn, — und sie lief und erzählte ihrem Manne: „Siehe, dein Sohn kömmt von der Reise uns entgegen!" Der Engel hatte zu Tobias gesagt: „Wenn du deinem Hause dich näherst, dann rufe G'tt an und preise ihn, und nachher gehe, deinen Vater zu umarmen. Salbe dann seine Augen mit der Fifchgalle, seine Augen werden geöffnet werden, -er wird dich sehen und sich freuen." Der Hund, den sie mitgenommen hatten, kam vor ihnen nach Hause, als wollte er die Botschaft verkünden, er wedelte mit dem Schwänze, tanzte und sprang herum. Der blinde Vater hörte es, erhob sich, und es geschah, als er eilte, da fiel er und stieß sich. Da rief er einen seiner Diener, ihn an der Hand seinem Sohne entgegen zu führen. Auch seine Mutter lief ihm entgegen sie küßten sich und weinten aus der Freude ihres Herzens. Nachdem sie dann zu G'tt gebetet und ihm seine Gnade gedankt hatten, setzten sie sich zusammen. Da nahm Tobias die Galle und be-, strich die Augen seines Vaters. Es verging eine halbe Stunde — und eine weiße Haut zeigte sich in seinen Augen wie die Haut eines Eies. Tobias ergriff die Haut und riß sie ab von seinen Augen, — da wurden sie sehend. Die ganze Familie pries den Namen G'ttes; Tobias der Vater aber sagte in seinem Gebete: „G'tt, G'tt Israels, du hast mich gezüchtigt und hast mich geheilt. Nun danke ich deinem Namen für die Gnade, die du meinem Sohne Tobias erwiesen hast." Nach sieben Tagen kam auch Sarah mit der ganzen Dienerschaft, Vieh und Kamelen, Auch brachte sie viel Silber außer dem Silber, das Goweil zurückerstattet hätte. Tobias erzählte feinem Vater und seiner Mutter all die Gnade, welche G'tt ihm durch den Jüngling erwiesen hatte. Es kamen auch Achjor und Nawot, seine Onkel, und auch sie freuten sich über all das Gute, das G'tt chm getan hatte, und sie machten eine Mahlzeit von sieben Tagen, und sie waren sehr froh. (Fortsetzung folgt.) Ainderecke. Was das Trendelchen erlebte. Surr, surr, surr machte das Trendelchen und fiel erschöpft aus den Tisch. Man ließ es auch dort ruhig liegen, denn das kleine Mädchen, dem es gehörte^ ging gerade schlafen und hatte es vergessen. Ganz still und dunkel war's im Zimmer. Die Kerzen am Chanukahleuchter waren längst erloschen. Aber der Leuchter selbst war noch ganz wach. Er hatte keine Lust einzuschlafen. Wozu auch? Er mußte ja doch dann das ganze Jahr wieder im dunklen Schrank stehen und konnte sich mehr als genug ausruhen. „Ich möchte einmal im Leben ganz, ganz hell leuchten, nicht nur, wenn man mich blank geputzt hat und die Kerzen brennen, sondern von innen, von meinem Herzen aus. So wie aus blanken Kindsraugen oft die Freude glänztso möchte auch ich einmal erstrahlen!" sagte der Ehanukahleuchter. „Das kann ich sehr gut verstehen", sprach das Trendelchen, das durch die Worte der Menorah aus seinem Schlummer geweckt worden war. „Sehen Sie mich einmal an, wie meine Farben leuchten! Die wären längst verblaßt, denn ich bin schon sehr alt. Aber ich habe einmal etwas sehr Schönes erlebt, und immer, wenn ich daran denke, freue ich mich so, daß ich ganz strahlend rot werde." „Möchtest Du es mir nicht erzählen, liebes Trendelchen?" sprach 'der Leuchter. „Ich finde übrigens, wir können uns ruhig du sagen, denn wir gehören doch beide zum Chanukahfest und wollen gute Freunde sein." Dem Trendelchen gefiel es, daß der Leuchter, der viel größer und schöner als es selbst war, sich nicht wichtig machte und ihm die Freundschaft anbot. „Einverstanden", sagte es und begann mit zarter Stimme seine Geschichte: „Ich gehöre viele Jahre zwei Kindern, Rahel und Jakob. Sie spielten sehr gern mit mir und verstanden es gut, springen zu lassen, daß ich danach recht zierlich und lange tanzte. Daß machte ihnen großen Spaß. Aber durch das viele Drehen und Fallen wurde ich häßlich, und meine Farben wurden matt. Das merkten die Kinder, und einmal sagte Rahel zu Jakob: „Ich mag das häßliche Trendelchen nicht mehr und wünsche mir bald ein neues!" Ach! Wie erschrak ich dai! Ich fühlte, wie ich vor Schreck ganz blaß wurde. Was sollte aus mir werden! Da trat der Onkel der Kinder ins Zimmer und sagte: „Ratet einmal, was für eine feine Ueberraschung ich für Euch in in der. Tasche habe!" Als Rahel und Jakob es nicht errieten, zog er ein allerliebstes, neues Trendelchen heraus, und hielt es in die Höhe. Das war viel, viel schöner als ich häßliches, abgenutztes Ding. Die Kinder klatschten vor Freude in die Hände und sprangen jubelnd um den Onkel herum. Dann kam Rahel auf mich zu, hob mich vom Fußboden auf, wo ich mich vor Angst versteckt hatte, und warf mich aus dem Fenster. Du kannst Dir vorstellen, lieber Leuchter, wie weh mir das tat, als ich auf das harte Straßenpflaster fiel. Ich hatte an allen Ecken Schmerzen, und mir war ganz schwindlig. Ein Man kam über die Straße und stieß mich mit dem Fuß an einen Baum. Das war nicht so schlimm, denn hier konnte ich mich ausruhen. Ich dachte darüber nach, wie undankbar es von den Kindern war, mich fortzuwerfen. Denn ich hatte doch viele Jahre so fein für sie getanzt, damit sie sich freuen sollten. Und das war der Lohn! Als ich so traurig da lag, hörte ich plötzlich eine lustige Mädchenstimme: „Guck nur, Mutter, da liegt ein Trendelchen, was ich mir schon lange gewünscht habe. Ich will es milnehmen und zu Haus tüchtig ahwaschen. Darf ich, Mutter?" „Ja, mein Kind. So bekommst Du nun doch noch Deinen Wunsch erfüllt. Ich war schon ganz traurig, weil ich Dir kein Trendelchen ^kaufen konnte?/ Das kleine Mädchen steckte mich zärtlich in die. Manteltasche, und zu Hause wurde ich gründlich ahgeseift. Dann bestrich mich die Mutter mit dieser schönen, roten /Farbe, die Du/ lieber Leuchter, noch jetzt an mir siehst? Und jedesmal, wenn ich daran denke, wie ich von dem kleinen Mädchen gerettet worden bin, werde ich von neuem 'froh imbf. erstrahle vor Freude im leuchtendsten Rot." Das Trendelchen schwieg. Es war von seiner langen Erzählung müde. Auch der Leuchter war dem Einschlafen nahe, denn es war indessen tiefe Nacht geworden. So schauten die beiden Chanukahfreunde noch ein Weilchen dem lustigen Spiel der Schneeflocken zu, die schon eine ganze Zeitlang zur Erde fielen. Und dann schliefen sie ein und träumten beide von der Geschichte, die das Trendelchen erzählt hatte. A. L. Berlin Silbenrätsel. Von Sulamith Ansbacher in Wiesbaden, a — a — a — an — bei — ben — bra — ca — der — der — es — gar — ha — ha — Ham — Han — hek — i — jam — lin — lo — lub — man — mir — mon — na — na — ne — o — o — pha — ra —» ra — ra — re — raun — ron — fa —7 fa — fe —'faf — ther — u. Aus diesen 43 Silben sind 19 Wörter zu bilden, deren Anfangbuchstaben von oben nach unten gelesen eine große rabbinische Autorität ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Religiöse Veranstaltung im Hause. 2. Priester. 3. Prophetin. 4. Stammutter. 5. Tempelgerät. 6, Vorname. 7. Jakobs Sohn. 8. Syhn Adams. 9. Bedränger Israels. 10. Biblische Gestalt aus Abrahams Zeit. 11. Stammvater. 12. Jüdische Königin. 13. Ort einer berühmten Jeschiwä? 14.Gestalten aus der, Megillah. 15. Vater von Zwillingen. 16. Gattin Jakobs. 17. Jüdischer König. 18. Land in Asien. 19. Mutter eines Propheten.