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Der Israelit · 1930-12-11 · Heft 50 (11.12.1930) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 50 (11.12.1930)
Date
1930-12-11
Page
– (sequence 15)
Language
German
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11. Dezember 1930 Der Israelit Nr. 50 Seite 15 furchtslosigkeit gegenüber der Bibel dokum-ontiert. Solche Versuche sind seit Menfchengedenken immer gescheitert und nehmen sich in dem grandiosen Werk dieser Uebersetzung wie Fremdkörper aus. So wenig je ein moderner Bildhauer die Arme der Venus von Milo hat ergänzen können, ohne zugleich zu verraten, daß sie nie und nimmer im Original so ausgesehen- Habens können, so hat in all den Jahrhunderten der Bibelsorschung noch keine Textkonjektur sich -als echt oder auch nur wahrscheinlich, ja, auch nur als möglich erweisen können. - Eine Verdeutschung der Bibel hatte der Titel uns angekündigt, nicht eine „Verbesserung". Zum Schluß einige einzigartige schöne Uebersetzungen als Proben. 26, 4: Ueberlaßt euch Ihm fort und fort, Denn Er, o Er ist ein Fels In die Zeiten hin. 26, 7: Ja, auf dem Pfade Deiner Gerichte, Du, erharren wir Dich. Dich zu nennen, Dein zu denken Ist der Seele Begehr. 38,17,20: Wohl zu einer Befriedung War mir die Bitternis bitter, Du selber entrangst meine Seele Der Grube der Verwesung. Wer lebt, wer lebt, der dankt Dir Gleich mir am heutigen Tag, Der Vater heißt die Söhne Erkennen deine Treue. Er ist da, mich zu befreien! Mein Saitenspiel wollen wir spielen Alle Tage unsres Neulebens Droben in Seinem Haus. ist so ausführlich gewesen und so in die Tiefe gegangen, Aristokraten und ihre Damen, die in dem Ringen um wie die vorliegende des Dozenten am Berliner Rab- A . >- ~ -*■ binerseminar. Aussätze, die in drei Jahrgängen der von Dr. Wohlgemuth herausgegebenen Zeitschrift „Jeschurun" standen, liegen hier gesammelt vor. Zum Vergleich' mit der jüdischen Anschauung, werden auch Aeußerungen anderer Religionen und Völker beigebracht, die die Psy> chologie der Tiere, ihre Veranlagung und Lebensweise betreffen. Das Kapitel über das Leid der Tiere zeigt in klarer Weise den so häufigen Konflikt der Liebe zum Tiere und die Benutzung seines Fleisches, Felles ufro, Hier sind die Sätze über die „Rücksicht" grundlegend Nicht uninteressant ist auch die Behandlung der Tiere im Vergleich, das Gebet der Tiere — der sog. Perek.Schira der sicher eine Sonderbehandlung verdiente und das Volksempfinden das in Sprichwörtern und Redewendungen seinen Niederschlag gefunden hat. Ein nützliches! Sachregister wird dem Gebrauch des Buches viel helfen Die schöne Sprache, die Fülle der Belehrung — nicht zuletzt in den großen Anmerkungen — und der liebevoll; Ernst, der über dem Buche waltet, sichern ihm überall Anerkennung und werden ihm die Türe zu den Büchersammlungen unserer Häuser öffnen müssen. Das Buch ist dem Andenken Rosa Wohlgemuths, der Gattin des Autors gewidmet. Rabbiner Dr. A. P o s n e r, Kiel. Bücherbesprechungen. Das Tier und seine Wertung im alten. Judentum. Von Josef Wohlgemuth, Frankfurt a. M., 1930. Kauffmann, Preis: brosch. 4.—, geb. 5.50 Mk. In den letzten Jahren sind — nicht zuletzt veranlaßt durch den Kamps gegen und für das Schächten — viele Schriften herausgekommen, die die Auffassung der jüdischen Lehre über das Tier behandeln. Aber keine Schrift The Jewish Way to MarriedHappiness; Von Rabbi Dr. Leo Jung. S.-A. aus The Jewish Forum April 1930. (40 West 32nd Street, Rewyork, City) In kurzen, mit Liebe geschriebenen Kapiteln wendet sich Rabbiner Dr. Jung an eine unsichtbare Hörerschar um ihr von dem tiefen Sinn der jüdischen Reinheits- Vorschriften zu erzählen, die das Mädchen vor der Ehe und die Frau in der Ehe betreffen. Wenige Zitate knappe Sätze, oft nur Andeutungen, aber wer belehrt sein will, wer die jüdische Familienreinheit erhalten will er versteht, worum es geht, und freut sich an der feinen Darlegung. Tragisch ist es ja nun eigentlich, daß man auch dort in Amerika für Tewilah und Taharah eintreten muß, ähnlich wie bei uns und selbst in den östlichen Ländern. Unreligiöse Fluten kennen keine Landesgrenzen. P. Moskau. Roman von Schalom Asch. Berlin 1930 Paul Zsolnay-Verlag. Mit diesem Band beendet Schalom Asch seine große Trilogie Petersburg, Warschau, Moskau, über deren erste Teile an dieser Stelle berichtet worden ist. Es ist ein würdiger Abschluß der künstlerischen Verklärung einer weltgeschichtlichen Tägödie, die in der Vergangenheit ihresgleichen sucht. Ja man darf sagen, daß Asch in seinem Moskau-Roman sich selbst übertroffen hat. Mit einer bewunderungswürdigen Kunst der Darstellung versteht es der Dichter, die ganze Tragödie des bolschewistischen Umsturzes, der über Menschenleiber und Menschenseelen hinwegschreitet, in seinen menschlichen Auswirkungen und in seiner menschlichen Bedeutung zu erfassen. Dadurch ist es die Warte höherer Gerechtigkeit/ von der aus das Kunstwerk nicht nur den unglückseligen Opfern der russischen Revolution gerecht wird, sondern auch den Opfern, den Trägern jener furchtbaren Nemesis, die die Sunden von Generationen an Unschuldigen heimsucht. Die aus den früheren Romanen bekannten Familien und Personen, die Heilperin und Mirkin, stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Ihr Schicksal erfüllt sich im grausamsten Untergang. Kaum eines der der Tagesgeschichte bekannten Aeußerungen des bolschewistischen Wahnsinnsregiments bleibt in Schalom Aschs Darstellung unberücksichtigt, aber alles ist in einen einheitlichen künstlerischen Rahmen eingefügt: die vornehmen Wir sind etwas warm geworden über der StiMerung vor Jahrhunderten und unvollständig der Oeffentlichkeit 7a Sa- Ti4a itrv* StA Ürtfimt Slfn-AAfiA «ft eines so tragischen Schicksales, das sich um die Ecke herum, vom Philantropin zur Schützenstraße so viel anders hätten gestalten können. Auch unser, persönliches Erinnern an diesen so überaus liebenswürdigen und liebenswerten Menschen mag unwillkürlich dabei mitspielen. Die Ausbeute seines Lebens, seine hier zum ersten Male in dieser Vollkommenheit veröffentlichten Werke, bleibt, abgesehen von seinem Kampfe, gegen die Religion, der übrigens die ihm stets geläufige Bibel selbst ehrfürchtig schont, eine überaus glorreiche. Wer im Umriß ein ahnendes und schönes Bild vom Wesen des Buddhismus gewinnen will, wer sich an Dichtungen erhabenster und zartester Art letzen will, wer behaglich schmunzelnd die deutschen auch vormärzlichen Zustände unter dem Gesichtswinkel eines klugen und tapferen Beobachters studieren will, wer einen Mann vom feinsten humanen Gepräge, von der schlichtesten persönlichen Demut,. vom hochgesteigerten Bewußtsein der Notwendigkeit der Veredlung der Menschennatur kennen lernen will: er tilge, was an verschütteten Schlacken von Religionsabneigung ihm anhaftet, und er wird mit nach» haltigstem Genuß diese kostbaren mit einer wundervollen von F. A n g e r m a n n stammenden Biographie gezierten Bände sich zu eigen machen. M.-Sp. Rabbinische Literatur. ' Das Werko'iv» to», kabbalistische Offenbarungen und Andeutungen zu allen Teilen der Thora, den Büchern Ruth, .Jesajas, Thillim und Mischte, ist keine Neuerscheinung. Es wird Rabbi Joseph Karo, dem Verfasser des „Schulchan Aruch" und des mvv «joa zugeschrieben. Damit erhebt sich das Werk selbst über das Urteil unserer Zeit. Rühmend hergehoben sei aber die vortreffliche Ausgabe, besorgt Rabbiner Jsachar Dow G r ü n f e l d in Reü-Pest und der gute Druck Benjamin Libesky (Piotrkow) Bemerkt sei noch, daß das Werk bis jetzt nur zweimal unterbreitet wurde'. Die jetzige vollständige Ausgabe ist auf Grund neuer Funde hergestellt. Ei^en roTs'ümlichen Kommentar zu Thillim mit jüdischdeutschen Erklärungen und Gleichnissen aus der Feder des Heimgegangenen Rabbi Elieser Schlesinger, unter dem Titel msi,« •»bvn gibt dessen Sohn, Rabbiner Schlesinger von Dussat heraus und leistet damit dem einfachen Mann aus dem Volke, der gerne zu seinem Thillim hält und sich dazu in das Verständnis der herrlichen Trostworte vertiefen mag, einen großen Dienst. Selbstverständlich ist auch das komplette Thillim im Urteile Wiedergegeben. Das Werk ist zu beziehen beim Herausgeber in Dusetos, Litauen. Ein hübsches, schwarzes Büchlein enthält sämtliche Gebete für mxn ppm. mit einem reichhaltigen Kommentar unter dem Titel ni6 ppm, der ältere und neuere Erklärungen zu den einschlägigen Gebetstellen zusammenträgt. Man findet dabei wertvolle Bemerkungen zu Gebeten, Psalmen, Schrift- und Talmudstellen, die uns auch über das Mitternachtsritual hinaus vertraut sind und in Synagoge und Haus beschäftigen. Interessenten sei das Büchlein bestens empfohlen. Zu beziehen beim Verfasser, Ephraim Kaiser in Bratislava. Literarische Notiz Von dem Bekannten llassischen Werke des vor kurzem Heimgegangenen Waitzener Gaons, Rabbi Jesaja ©Uliet* stein b"7, 'vVv ist nunmehr nach dem Ableben des Verfassers, der umfangreiche 2. Teil erschienen, der sich an? Rambam nma '"ivrri nua-p nvpv jvoVn bezieht. Der weite Schüler- und Verehrerkreis des Heimgegangenen wird mit Ehrfurcht und mit Freude, diese, das irdische Leben des unsterblichen Geistesheroen überdauernde Frucht seiner Forscherarbeil entgegennehmen. Zu beziehen durch Oberrabbiner Silberstein in Bac (Waitzen), Ungarn. ein Stück - Brot, ihre Wäschestücke und Kostbarkeiten auf der Straße verkaufen und schließlich, da ihnen nicht mehr anderes übrig bleibt, sich selber, die Schreckensherrschaft der Tscheka, die ukrainischen Kosakengreuel, all das ist in dem Laufe der einheitlichen geschlossenen Erzählung wiedergespiegelt. Man gewinnt aus dem Kunstwerk bei allem ästhetischen Genuß, den es bietet, ein besseres Verständnis für die oft rätselvollen Vorgänge in dem Rußland der Nachkriegszeit, als durch das Studium dicker Aktenbände. —%!. . . Festgabe für Claude G. Montefiore. Ueberreicht anläßlich der Tagung des Weltverbandes für religiösliberales Judentum. Berlin 1928. Kommissionsverlag Philo V e r l a g G. m. b. H. Berlin. Der „Weltverband für religiös-liberales Judentum" hat in seiner Berliner Tagung sich enger alsffe mit dem extremsten Flügel des Liberalismus vereint und verschwistert. Exponent dieser in Deutschland durch die Berliner Reformgemeinde repräsentierten Richtung ist Claude Montefiore, zu dessen 70. Geburtstag diese Festgabe eine Huldigung sein soll. Es haben daran 26 namhafte deutsche Liberale mitgearbeitet, auf einem Raum von 156 Seiten, also meist in ganz kurzen Darlegungen., Das Buch kann infolgedessen kaum neue Gedankengänge bringen, es sind meistens kurze Formulierungen der liberalen Weltanschauung. Es darf auch nicht verwundern, daß gerade in dieser Festschrift wiederum die meisten Stimmen als Ausdruck äußerster Reform zu betrachten sind. Nur wenige Aufsätze sind darin, die eine stärke Besinnlichkeit verraten, vor allem der des Rabbiners Dr. Goldmann- Leipzig über „Die Grenzen des Liberalismus", worin er mit äußerster Präzision zum Ausdruck bringt, daß das Gesetz wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen Judentum und anderen Religionen sein muß. Ferner ein Aufsatz von Professor Dr. E l b o g e n - Berlin „Der Streit um die „positiv-historische Reform", in dem er die starken historischen Kräfte betont, die der jüdische Volkswille und Volksinstinkt dem reformistischen Theoretisieren entgegengestellt hat. Hoch interessant war uns ferner der Aufsatz des Landgerichtsrats Dr. Lilient h a l - Berlin „Die jüdischen Gemeinden und der Staat", der das unbedingte Prinzip der Freiwilligkeit als Grundlage der Gemeindebildung verteidigt. Endlich sei aus den Aussatz von Rabbiner Dr. F r e udenthal-Nürnberg hingewiesen, „Ein liberales Gutachten als historisches Dokument", der auf den Richtlinienstreit zurückgreift und eine Art der Beweisführung aus den Quellen zeigt, auf die wir nur sagen können (in Anspielung auf einen alten Scherz): für Claude Montefiore sind es gewiß absolute Beweise. Wir wissen nicht, ob wir die Art solcher Beweisführung beneiden oder bedauern sollen, jedenfalls sind sie ein historisches Dokument. I. C. Ist Kant durch Einstein widerlegt? Ein Beitrag zur Prinzipienlehre der Naturwissenschaft. Von Edm. König. Sondershausen 192 9. Druck und Verlag von Fr. Aug. E u p e l. Ein Buch voll Klarheit und echter Wissenschaftlichkeit. Es wendet sich an jeden, der über die durch das Einstein'sche Relativitätsprinzip akut gewordenen Fragen vom Wesen von Raum und Zeit, über die Grunda-us pVob{eme der Wledjatiit unb der Geometrie eine Aufklärung wünscht. Das Verhältnis von philosophischer und naturwissenschaftlicher Begriffsbildung, das auf diesem Grenzgebiete der raumzeitlichen Orientierung besonders schwer ist, wird hier unter Berücksichtigung aller Notwendigkeiten der „Erfahrung" zur Deutlichkeit gebracht. Die Religion steht zwar dieser Auseinandersetzung fern, dennoch haben wir uns immer einer Uebertreibung des erkenntnistheoretischen Skeptizismus widersetzt. Der religiöse Mensch, der G'tt als Schöpfer aller Dinge und den Menschen für berufen in dieser Schöpung zu wirken auffaßt, wird es nie glauben können, daß die Erfahrungswirklichkeit keine reale ist. - So wird ihn auch das Resultat Königs befriedigen, der die geometrischen Axiome als Ausdruck für die immanente Gesetzmäßigkeit der Raumform bezeichnet, der aus dem Substanzprinzip das Beharrungsgesetz ableitend, wirkliche und scheinbare Bewegung als verschieden annimmt und infolgedessen es auch für undenkbar hält, als sollten die Begriffe von Raum und Zeit und Bewegung durch das Relativitätsprinzip einen neuen Inhalt bekommen haben. I. C. Von den Pflichten der Juden und von den Pflichten des Staates. Bon Constantin Brunner. Gustav Kiepenheuer Verlag, Berlin 193 0. Mahnredner können wir stets gebrauchen. Wem gesagt ist, kehre um einen Tag vor deinem Tode, der ist immer bereit, noch Belehrung zu empfangen. Aber wer darf der Moschiach sein? Wie heißt es doch? Kaschet azmecho weachar kach kaschet acherim. Wer so haßerfüllt ist, wie der Verfasser, der kann keineswegs erwarten, daß er gehört wird. Das Buch bekämpft am allerstärkten den Zionismus in Worten und Wendungen, die einach unparlamentarisch sind. Es bekämpft ihn, weil es kein jüdisches Volk gäbe und weil die Idee des Zionismus die Emanzipation zurückschrauben will. Demgegenüber wünscht der Verfasser eine viel größere Assimilation der Juden, die nach seiner Meinung nicht genug für die Emanzipation tun, daher selbst daran schuld seien, daß die erlangte Emanzipation gefährdet ist. Daneben bekämpft der Verfasser die Religion in höhnischer Weise, V

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