Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1930)
- Date
- 1930-12-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 50 Der Israelit 11. Dezember 1030 Bleibenden Werl , hat ein schönes Schmuckstück als Geschenk Reiche Auswahl zu vorteilhaften Preisen hex , Zürn Scfimuckkasfien Schillet straße 16 L renz angesehen wirb. Wie „Felestin" mitteilt? hat Hantgestellt. Diese Summe gibt die Möglichkeit,' ^HO' bis 1300 jüdische junge Leute entsprechend unterzubringen. (ITA.) v England. Neue Palästina-Debatte im Englischen Oberhaus. London, 4. Dez. Nachdem vor etwa 3 Wochen das Palästina-Problem in einer speziellen! Sitzung des Unterhauses eingehend behandelt worden ivar, befaßte sich nun auch das Oberhaus am ^Donnerstag, den 4. Dezember, in einer eingehenden Aussprache mit der Palästina-Frage. Paß' s i e l d erklärte, die Regierung beabsichtige nicht, den Ankauf von Boden in Palästina als unveräußerliches Eigentutn des jüdischen Volkes, sowie die ausschließliche . Verwendung jüdischer Arbeiter auf solchem Boden zu verbieten. Ueberhaupt brachte Lord Paßfield in dieser Rede den jüdischen Postulaten größeres Verständnis als bisher entgegen und wies zur Rechtfertigung solcher Postulats darauf hin, daß ja auch andere Gemeinschaften in Palästina berechtigt feien, Land zu erwerben, und daß auch in anderen Ländern bestimmte Arbeiterkategorien gegenüber anderen bevorzugt werden, ohne daß die Regierungen dieser Länder gegen solche Verhältnisse Stellung nehmen. Lord Jslingtons Ausführungen, des bekannten Araberfreunds und Äntizionisten, trat Lord R e a d i n g entgegen, der erklärte, die Juden feien auf der Grundlage der Balfour-Deklaration nach Palästina gekommen. Die Mittel zu den Bodenkäufen seien durch freiwillige Spenden ausgebracht worden. Eine Enteignung der Araber habe nicht stattgefunden. Lord Reading wies auf den lächerlichen Zustand hin, daß Araber, die ihren Boden aus freien Stücken verkauft habeneinen Anspruch auf Zuweisung neuen Bodens anstelle des verkauften besitzen. Er schloß seine Rede mit . einem Appell zur Sicherung des so notwendigen Friedens zwischen den beiden Nationalitäten in Palästina, die eine einzige Gemeinschaft bilden sollen. Das Ergebnis der Nachwahl in Whitechapel. London, 4. Dez. Bei der Nachwahl' inWhitechapel.blieb der. Kandidat der Labour-Party, James Hall, mit einer Mehtheit von 1100 Stimmen gegenüber dem liberälen Gegenka^didaten, dem Zionisten Jann^,^ siegreich. Hall erhielt -8544, Jänner M45 Stimmen. . ^' Dem Ausgang der Wahl in Whitechapel, dem zur Hälfte von Juden bewohnten Londoner Bezirk, fahi-nan' in Großbritannien und auch im Ausland Mitgroßer Spannung entgegen, da man voll diesem Wahlausgang eine Reaktion der Wählerschaft auf die Palästina-Politik der Arbeiter-Regierung erwartete. Die Führer aller Parteien griffen in die Wahlbewegung ein. Doch war die feste Position der Arbeiterpartei in diesem Bezirk trotz der Verdrossenheit der Wählerschaf wegen des Palästina-Weißbuches Lord Paßfields nicht ganz zu erfchüttern. Palästina. Erste Anzeichen einer arabisch-jüdischen Verständigung. Jerusalem, 27. Nov Zwischen dem Herausgeber der arabischen Zeitung „Felestin" und dem Bodenkaufkommissär des Keren Kajemeth Hantkin hat eine Besprechung stattgefunden, die als bedeutsames Anzeichen einer beginnenden Verständigung zwischen Juden und Arabern und Vorstufe einer einzuberufenden jüdisch-arabischen Round Table Konfe- .fxn indieser BesMchung erklär^ daß dasf Höchstmaß der jüdischen AnsptÄche die ÄnDdlung vHn weiteren 50:000 laNdwkttschMichen Familien. ist, für - m ungefähr M Millipnest Dsinam erforderliche sein werden. Diese Feststellung.wird. als geeignete GksMölage 0 Verhäng luikgen einen Röuüd Table.Konfer^lz angesthen. Nach; ^Mi'MW:eH^ge.n''Her''jüdisDen..F^leute. bietet die Ansiedlung jeder landwirtschaftlichen Familie zur Einwanderung. vonje drei weiteren 'nichtlandwirtschaftlichen Familien^ ' ' Der Herausgeber der englischen Ausgabe , des „Fe- ^sim",- her: indische Mohammedaner MrakhM, hat einest Vortrag im Rahmen des Brith-Schalom .abgekündigt,, in dem er an die Juden den Appell richten?wird, ihre Aspirationen innerhalb eines arabischen Staatenbundes geltend zu machen. 3<s~; Meine Nachrichten aus Erez Iisroel. (Mitteilungen der Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel) Jerusalem, 5. Dez. Von einem Kreise hiesiger orthodoxer Juden wurde unter dem Namen „Nit' e Ne emonim’" eine Gesellschaft zur Anpflanzung, von O r a n g e n p l g n t a g e n gegründet, die darni in kleinen „ Parzellen äst einzelne Käufer abgegeben. werden. —- Die Jugendgruppe bnj „Ägudas Iisroel" in Jerusalem hat vor einigen Jahren ein großes Stück Land für Gemüsebau und Milchwirtschaft erworben. Man hat nunmehr mit der Gesellschaft „Schaare Chesed" ein Abkommen getroffen, wostach jedem Agudisten, der in N'we JstÜel, biest ist der Name der neuen Siedlung) arbeitest will, ein zinsloses Darlehen von Lft. .1400.— gewährt wird. Das Darlehen ist im Laufe von 14 Jahren zurückzuzahlen. Auch die Gesellschaft „Schaare Chesed" ist ausschließlich von Angehörigen des alten Jifchuw gegründet und hat bis heute 200 Häuser in Jerusalem gebaut. — Durch eine hochherzige Spende der Gebr, Holpern in Paris in Höhe von Lft. 5000.— konnte mit dem Bau eines Altersheimes für Thoragelehrte begonnen werden. Das Altersheim wrd den Namen „Beth Menucho fchel R ab b an im" tragen. — Einen bemerkenswerten Plan zur Konsolidierung der Finanzwirtschaft hat die Jeschiwo „ E z C h a j i m " zu verwirklichen begonnen. Aus den einfließenden Spenden. sollen zum Teil Geschäfts- und Privaihäufer auf Böden, die der Jeschiwo bereits gehören, errichtet-werden, so daß der Mietertrag dieser Häuser allmählich die Unterhaltungskosten der Jeschiwo in kommenden Zähren decken soll, -as ganze Stadtviertel wird den Namen „Schechuna.h E z E h a j i m " tragen. — In einer von Agudisten und Misrachisten besuchten Konferenz in Tel-Awiw wurde beschlossen, sämtlichen palästinensischen Organisationen zu empfehlen, ihre Beamten einen Nachmittag in der Woche zu beurlauben, damit..die Fußballspiele des Makkabi und des Poel-Hazoir statt am Sabbat an diesem freien Nacymittag stattfinden können, ohne daß ein Einnahmeausfall, entsteht.? ftattafta.?, Das jüdische Schulgesetz in. Kanada annulliert., - ' : ,, öntr e a l, 7. Dez. - Aus Grund eines Uebereirtkbmmens zwischen der protestantischen und der ' jüdschein SchülkoMmEion, die die Quebecer Regierung'im.! Frühjahr ds. Js, eingesetzt hat, wurde das jüdische Schulgesetz für Montreal und die Provinz Quebec annulliert. Die jüdischen Kinder werden also wie bisher protestantische Schulen besuchen. Quebec hat im Gegensatz zu den übrigen kanadischen Provinzen auf Grund verfassungsmäßiger Bestimmungen ein französisch-katholisches und ein englisch-protestantisches Schulnetz. Das allmähliche Anwachsen des Prozentsatzes jüdscher Schüler in den protestantischen schulen führte zu dem i. I. 1929 erlassenen Gesetz, das auch den Juden das Recht zur Errichtung eines eigenen Schulsystems gab. Dieses Gesetz wurde züm Anlaß einer lebhaften antijüdischen Agitation, die nunmehr ihr Ziel, die Annullierung des jüdischen Schulgesetzes, erreicht hat. Personalien. Hannover, 7. Dez. Am 18. Dez. wird Herr Salomon Be ermann 75 Fahre alt. Der Hochbetagte ist IN bewundernswerter Frische. ein täglicher: Besucher des G'ttesdienstes, er ist in der Ehewra Kadifcha stets beteii, den. letzten Liebesdienst an Dahingeschiedenen zu erfüllen. In so vielen Häusern der Trauer ist er Trostspender geworden. Einem kleinen, gber,: mit ihm eng .Mrbün-i denen Kreis spendet er aüb d,er'Fülle seines'Wisstns jüdische Belehrung, nur aus LieMzur Leyre^.Die Gemeinde ist stolz darauf,. in Salomon B'eermann emen . MgM. zu besitzen, der , bei allen Schichten rlnd^i^.bei fallen politischen Parteien sich uneingeschränkter Höchachiüng und Verehrung -erfreut. MöMM-tzer Gemeinde? noch, viele Fahre in' voller SchasfenHMf^^rhalten blechen k z./ N-ivv. Amsterdam, 7. Dez.??OpBen sind' die-dchlauschim für eine fromme, edle Frau beendet, nämlich für -Frau Babette Fleischhacker geb. Jchenhäuser, die am 7. Märcheschwan. im Alter von nur 56 Fahren in München ihr reines Leben beschloß. - —;; Viele Tugenden waren es, die Frau Fleischhacker auszeichneten, doch eine dex.-'hervorragendsten war ihr großes G'ttvertrauen. Das zeigte sich bei allem Trüben,, das . ihr..,begegnete, und besonders in ihrer ^lanFM und. schweren Krankheit. Mit Sypktznut und Geduld ertrug sie ihr Leiden und verlor nie iM Zuversicht aus die Hilfe des Ewigen. * .... - Geradezu vorbildlich war die Verehrung, die H ihren, schon lange verstorbenen Eltern entgegenbrachte.. Mit ihrem Gatten, der ihr vor 10 Fahren im Tode voranging, war sie in überaus' glücklicher Ehe vereint'und verstand es, sein Leben zu schmücken und zu verschönen? Zwar war ihr der Kindersegen versagt und sie empfand es tief und schmerzlich, doch mit frohem Milte .mochte jie die Kinder der Familie 'zü ihren eigenen. ~ 2Bas jie.jöjtal und was sie den Armen gewesen, das wissend in . München gar Viele, denen sie als würdige Enkelin? vyn Reb Menki Zimmer in Fürth, durch ihre.SpeüÄen und ihre liebevollen Morte die Not des Lebens zu erleichtern. suchte. So ist mit Babette Fleischhacker eine reines edle. Seele dahingegangen und Alle, die sie kannten und ihn nahestanden, können es nicht fassen, daß sie, bie bas Leben so liebte, nun nicht mehr unter den Lebenden! weilt. Möge ihr im Gan Eden der Lohn für ihre Frömmigkeit-und Tugend werden. ... V Berlin? 7. Dez. Am 22. November.piis>io' ch p ndvverschied in Berlin Fräulein Sara Op enh e\m. Sie war das letzte Kind des in Hessen allgemein bekanntest und hochgeschätzten Lehrers Gabriel Oppenheim, 'Treysa. Ein zarter Körper umschloß die Seele eines außerordentlich Willensstärken Menschen. Mit wahrhaft demutvoller Frömmigkeit ertrug sie den Willen des Allmächtigen, der ihr zwei blühende Schwestern vor einigen Fahren in. kurzen Zeitabständen nahm. Erfüllt von einem tiesqu Verantwortlichkeitsgesühl eilte sie nach dem ersten schweren Verlust in das Haus ihres Bruders nach Nürnberg.und wurde den der Mutter beraubten Kindern eine treusorgende Behüterin. Nun knapp zwei Fahre dauerte es und sie sollte das gleiche Liedeswsrl im Hause ihres. Schwagers in Berlin vollbringen. Hier bewährte sie ihre unermüdliche Schaffensfreude bis ans Lebensende. Und' so sehr ihr häuslicher Wirkungskreis ihre Kräfte auch in Anspruch nahm, verstand sie es trotzdem in rührender Anhänglichkeit, den Pflichten ihrer daheim lebenden Muttergegenüber nachzukommen. Ein arbeits- und pflichtenreicheL Leben hat seinen leider allzu frühen Abschluß gesunden^ Schmerzliche Trauer erfüllt alle diejenigen, welche ihr im Leben nahestanden. n-^n. Ein Siebzigjähriger. Hamburg. 10. Dez. Wer Dr. Lipman Schlesinger, der am fünften Chanukatage .i"?3 sein siebzigstes Lebensjahr vollendet^ den Stolz und die Freude des gesetzestreuen Kreises in Hamburg, auch nur einigermaßen kennt, wird begreifen^' daß man auch die bescheidenste Würdigung seiner Persönlichkeit zu diesem Jubeltage nur mit pochendem Herzen niederschreiben kann; feiner- -klassischen nuy,;.. die irm «ünseren Tagen jhreMleichen.sucht,, 'bereitet man mit ' einersolchen. WürdiAung. nur Schmerz. Uber dEJubilar -Mutz-! Wen Schmerz über fim,ergehen Mss.en in dem! Bewußt-'? daß'.es heute meyr .zhenn je nottüt,:daß? zum miM« befteft W Jugend sich Ägs Besitzes der vorbildlichen':Per-^- sönlichkäitöst;in ihrem. Kreise > bewußt wird?; deren sie sich' durch. G'tteS Gnade erfreuen darf. Dr. Lipman Schle-! singer ,ist det Mrdige-.Sohn seines großem Vaters, des ' Hamburger, Kläüsräbbiners, „Reb Getsch"?'-wie er im Volksmund kurz genannt wurde, jenes Vorzugsschülers Rabb. Jacob Ettlingers der mit diesem seinem Lehrer von Mannheim nach Hamburg kam und dort in das Herz unzähliger Talmidim Thorawissen und G'ttessurcht einpflanzte. Wie sein Vater.hat sich Lipman Schlesinger ganz dem jüdischen Lehrberufe, wenn auch in Modernen Farmen, gewidmet. Vis zu seinem vor 2 Jahren erfolgten Eintritt in den,.Ruhestand entfaltete er eine erfolgreiche Lehrtätigkeit als' Studienrat an der Hamburger^ Realschule. Mit einem scharfen Verstände, Wissenschaft- >'? lichem Geist und reichem Wissen insbesondere auf dem Gebiete der Möshemätik äusgestattet,-im Grunde seines Wesens aber dabei ein. echter Talmid Chochom alten u' Schlages, allerdmgs von ausgeprägt deutschem Typus, hat Dr. Lipman Schlesinger als sittliches und religiöses Vorbild ungemein fruchtbar auf Generationen-von Schülern gewirkt. Außerhalb: der Schulzeit war fein Haus¬ und ist es bis zum heutigen. Tage, eine, Stätte des Thora--? ' lernens, in dem eine Gr.upxe Lernender die-andere ablöst?-'^i undin dem das Licht dev Thora bis in die Nacht und - - in W, Morgenftünd'en hinein nicht erlischt Was ab^ dast -- KUMchW. dlesL^.'Persönlichkeit ausmacht, ist-die Vollen-^-" dust'g Mktzr,, mMNicht Wt. Unrecht hat ein ehrwürdigen?5 jetzt^ bereits in die Ewigkeit Heimgegangener Mann einmal das Wort geprägt: „Man sollte meilenweit reifen, um von. Lipman Schlesinger Widos zu-llernen-^ Jttt'