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Der Israelit · 1930-12-11 · Heft 50 (11.12.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 50 (11.12.1930)
Date
1930-12-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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11. Dezember 1930; Der Israeltt werden können, Heime für jüdische R.eisen.de zu errichten, in denen man sauber und preiswert speisen und soweit' möglich, auch wohnen kann. Um sestzUstellen, wie groß das Bedürfnis in den einzelnen Städten ist, hat der Verein der neuesten November-Äusgabe seines „Verzeichnisses" eine. Liste von Städten in allen Teilen Deutschlands, die in Betracht kommen, beigelegt und bittet, in diese Liste einzuträgen, wie oft der betreffende Reisende im Jahre in jeder der Städte ein Zimmer mit Frühstück braucht, und wie viel Mittagessen bezw. Abendessen er voraussichtlich in der betreffenden Stadt jährlich einzunehmen gedenkt. Auf diese Weise hofft der Verein,'dann an den einzelnen Orten geeignete Persönlichkeiten für die Eröffnung eines Heimes gewinnen zu können. Der Verein ist bereit, jedem Interessenten, einerlei, ob er Mitglied ist oder nicht, eine Liste zwecks Ausfüllung zuzusenden und es sollte jeder rituell lebende Reisende es als seine Pflicht betrachten, sich an der Rundfrage zu beteiligen. Es ist ja klar, daß die Heimemur an solchen Plätzen ins Leben gerufen werden können, an denen durch entsprechende, Frequenz eine gewisses Rentabilität gewährleistet ist. Die Preise für Wohnung und Verpflegung sollen in den Heimen womöglich, niedriger gehalten werden, als die entsprechenden Kosten im Hotel. Insbesondere ist es wichtig, daß Heime , an solchen Plätzen errichtet werden, von denen aus Tagesabstecher nach wichtigen Handels- und Jndustrieorten der Umgegend unternommen zu werden pflegen. Die Liste ist nach Ländern und innerhalb der Länder in alphabetischer Reihenfolge geordnet. Die ausgefüllten Vogen werden mit strengster Diskretion behandelt. Wir hoffen im Interesse der Sache, daß die Beteiligung an der Rundfrage eine allseitige sein wird. Konstituierung des Synagogenrats in Mannheim. M a n n h e i m, 5. Dez. Die Wahl zu den Gemeindekörperschaften (Synagogenrat und Gemeindevertretung) hat unter großer Wahlbeteiligung zu einem Siege der von den 4 Parteien aufgestellten gemeinschaftlichen Liste geführt. Der Synagogenrat hat sich konstituiert und zu seinem Vorsitzenden wieder Herrn Professor Dr. Moses, zu stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Oberrat hartog und Herrn Eduard Bauer (letzterer anstelle des freiwillig Zurückgetretenen Herrn Dr. Jefelfohn) gewählt. Oesterreich. Eröffnung der Bekh Iakob-Lehrerinnenkurse für Mitteleuropa. Wien, 9. Dez. Im Rahmen einer eindrucksvollen Veranstaltung des feit 50 Jahren in Wien bestehenden „Krügerheimes" fand am 29. November ds. Js. die Eröffnung der Beth Jakob-Lehrerinnenkurse für Mitteleuropa statt. Der akademischen Feier wohnten Vertreter des Präsidiums.und des Rabbinats der Kultusgemeinde, der Israelitischen Allianz, der B. B.-Logen, der Adaß Jisroel, der Aguöas Jisroel-Zentrüle, Orts-, Jugend- und Mädchengruppe, der jüdischen Frauenvereinigungen, .sowie der Gesamtvorstand des Krügerheimes bei. Es waren ferner u. v. a. auch Hofrclt Dr. Frankfurter, hofrat Dr. Fuchs, Professor Dr. Krauß, Ämtsoorstand Engel und dre hbchbetagte Vorkämpferin für jüdische Frauenarbeit, Frau Re- . gine Ullmann, erschienen. . Nach einer Begrüßungsansprache des Präsidenten des Krügerheims, Obermedizinalrat Dr.. S. Krüger, hielt der Leiter, Dr. L. Deutschländer, einen Vortrag über das Erziehungsideal für die weibliche Jugend, in welkem. er einen Ueberblick über die bisherige Arbeit zu? gunsten des jüdischen Mädchens gab und Programm und Ziele der neuen . Schöpfung umschrieb. .Das neue Institut wird von Mädchen aus Oesterreich, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Jugoslavien und Italien frequentiert.. In agudistischen Kreisen, -erwartet man, daß die Midchenerziehungdarbeit im Sinne vM Beth JäW auch in diesen Landern nunmehr festen Fuß fassen wird. ^M- KrügÄheinf sind außer Vm Peth. Bakgb-LHrerin- MMseN. auch Re eWiae^ rME hNH'astuWHule Mntz hr.W,Me Mklüsßg^,Volks^und haMchüle, esye GWeMfchW, sowie Sprach-, Musik- und Turn- Mse üntergebkächt. Met». Das neue Polen und das Judentum. ' Frankfurt a. M., 5. Dez. Auf dem Abschiedsbankett zu Ehren des bisherigen polnischen Generalkonsuls D. Grußka, über das wir an anderer Stelle berichteten, führte der Herr Generalkonsul über die Lage der Juden in Polen etwa folgendes aus: , . . .. Die Judenfrage in Polen ist heute bereits zum größten Teile gelöst. Es bleiben nur noch einzelne Momente rechtlicher, psychologischer und wirtschaftlicher Art zu beheben, um eine endgültige Kooperation zwischen Staatsvolk und Judentum zu verwirklichen. Den besten Beweis hierfür haben die letzten Wahlen zum polnischen Reichstag gegeben, in denen die Juden die Wahlkampagne unter dem Zeichen der Regierung Pilsudskis geführt haben. Rechtlich ist das Judentum in Polen bereits vollkommen dem Staatsvolk gleichgestellt, viele hohe Staatsbeamte rekrutieren. sich auch aus dem Judentum, einzelne Ausnahmegesetze gegen die Juden aus der Zarenzeit sind in der letzten Zeit aufgehoben worden, die kulturelle und religiöse Autonomie gewährleistet. Der aus der Vorkriegszeit herrührende Antisemitismus ist im Schwinden begriffen, in einer Zeit des wachsenden Antisemitismus in vielen anderen Staaten. Dieses Problem ist in Polen ein psychologisches Problem, welches seiner Lösung entgegenschreitet, je mehr die im Antisemitismus ausgewachsene Generation vom politischen Leben verschwindet und die neue Generation in veränderten Verhältnissen erzogen wird und aufwächst. Denn die Judenfrage ist für diese neue Generation nicht ein negatives nationales Problem, sondern ein aktives Staatsproblem geworden. Und es ist gar nicht anders möglich. Denn die heutige Regierung des Feldmarschalls Pilsuöski und der bereits überwiegende Teil der Polen hat eben in der Judenfrage den einzig vernünftigen Weg der Menschlichkeit und Gerechtigkeit eingeschlagen und ist fest entschlossen, ihn zu gehen. Der dritte Gesichtspunkt, unter dem die Judenfrage in Polen behandelt wird, ist das wirtschaftliche Problem. Cs ist in der jetzigen wirtschaftlichen Weltsituation gleichzeitig das schwierigste. Die Juden in Polen sind durchweg Geschäftsleute, zum großen Teil Kleinhändler und Vermittler. In der Zeit aber der Vertrustung, Kartellierung und Syndizierung, in der Zeit des Dahinschwindens des kleinen Geschäftsmannes muß natürlicher Weise diese jüdische Bevölkerung am meisten leiden. Das ist eine Entwicklung, die leider im gleichen Verhältnis zur Zahl der jüdischen Bevölkerung Polens sich auswirkt, und dem Staate fast gar keine Mittel gibt, ihr entschieden entgegen zu treten, hierbei kann der Staat, also Polen, nur helfend und lindernd eingreifen, die endgültige Lösung dagegen ist eine soziale Frage d^s jüdischen Volkes selbst. Das eine steht jedoch fest, daß der polnische Staat alles daransetzt, um den Juden wirtschaftliche gleichberechtigte Entwicklung zu gewährleisten. Eine besondere Frage ist die Frage der Sonntagsruhe. Darin sind schoß einige Richtlinien gegeben, und die heutige Regierung beschäftigt sich mit. diesem Problem ernstlich. Die Frage ist wirtschaftlicher und gleichzeitig religiöser Natur und deshalb.so schwer zu lösen. Beantwortet werden muß die Frage: Äste ist die Sonntagsruhe mit dem Sabbat zu versöhnen, ohne daß daraus der christlichen und jüdischen Bevölkerung ein wirtschaftlicher Nachteil erwächst. Züsammenfassend darf gesagt werden, daß obige Gedanken objektiv genug die Judenfrage in Polen darstellen, um die feste Zuversicht zu gewähren, daß das jüdische Volk in Polen einen festen Stützpunkt für seine Entwicklung und Zukunft besitzt und die oft verbreiteten anderslautenden Nachrichten wenig den Tatsachen entsprechen. Vahlnachwehen. Lodz, 30. Nov. Die Senats w ä h l e n haben die Enttäuschung der ZionksteN Noch vergrößert. Ähre mit der den Deutschen zusammengelegte. Liste hatte 13 000 Stimmen weniger als bei den Sejmwahlen. Die wilde zionistische Agitation in Gemeinschaft mit dem Terror. nichtjüdischer Minderhektsvertreter, die mit Knüppel und Faust arbeiteten, haben die vielen.Taufende nicht zurückgehalten, hei BZifld^und Wetter gn, die,Arche zu gehen und für. hie ügu- RsffW Liste 18 zu stimmen. .Es ist zu verzeichnen, daß auch eine große Anzahl Zionisten, von der Politik einiger . ^.. Nr. 50 Seite 7 ihrer Führer angewidert, für Liste 18 nicht nur stimmten, andern auch agitierten. So kam es denn, daß dieser Liste nur eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Stimmen für ein Mandat fehlte. Die Zionisten brachten es fertig, ü.ie jüdische Vertretung im Senat zu vernichten und durch die Politik der Zersplitterung mit ihren Stimmen, einem nichtjüdischen Minderheitsvertreter zu einem Senatssitz zu verhelfen. Angar«. Eine Indendebatte im ungarischen Abgeordnetenhaus. B u d a p e st,-20. Nov. Die Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 19. November war mit einer hubenbebatte ausgefüllt. > Ausgangspunkt war eine Interpellation des Abgeordneten Dr. Paül Sandor wegen einer scharf antisemitischen Rede des Honved-Ministers G ö m b ö s, in der schwere Kränkungen der ungarischen Juöenheit enthalten sind. Zuerst sprach Dr. Geza D e si, der als Juhe der^ Regierungspartei angehört. Cr wies die Behauptungen des Ministers sä sbsuräum und rief den Ministerpräsidenten um Schutz der Ehre und Gleichberechtigung der jüdischen Bürger an. Nach ihm sprach Paul Sandor von der liberalen Opposition. Er verwahrte sich entschieden dagegen, daß der „Heldenorden", der unter Patronat des Staatsoberhauptes steht, keine Juden aufnehme. Er weist auf die Verdienste der Juden für das Vaterland während des Krieges und für den Aufbau. Beide Reden werden vom starken Beifall auf der linken'Seite des Hauses begleitet. Daraus erhebt sich der Ministerpräsident, Graf B e t h l e n, zu einer Rede, in der er die Worte des antisemitischen Ministers Gömbös in aller Form desavouiert. Am Heldentum im Dienste Ungarns haben die Juden relativ gleichen Anteil wie die anderen, und der „Heldenorden" ist von ihm ersucht worden, in diesem Sinne zu handeln. Dieser habe versprochen, konfessionelle Rücksichten nicht walten zu laßen. Im übrigen könne man Vereinigungen nicht vvrschreiben, welche Mitglieder sie aufnehmen sollen. Paul Sandor gibt sich in einer Erklärung mit der Antwort des Ministerpräsidenten nicht zufrieden. Er sieht darin ein Doppelspiel. Graf Bethlen wolle die Worte seines Ministers ablehnen, ihn selbst aber decken und halten. In der nun folgenden Abstimmung wird von der überwiegenden Mehrheit des Hauses beschlossen, die Antwort des Ministerpräsidenten zur Kenntnis zu nehmen. Anmönie«. ..Lernt von den jüdischen Hörern, wie man lernen muß!" B u d a p e st, 25. Nov. Der Rektor der Szegeder Universität, Dr. Franz Kovacs, teilt mit: Während der Chemie-Vorlesungam 12. d. M. hatte Prof. Dr. Albert Szentgyörgyi festgestellt, daß die Studienergebnisse unbefriedigend seien und daß er bisher nur eine einzige intelligente Antwort und gerade diese von einem jüdischen Hörer erhalten habe. In feiner Enttäuschung und Verzweiflung hielt er es, wie er sich ausdrückte, für wünschenswert, daß die Hörer, anstatt zu demonstrieren, von den jüdischen Hörern lernten, wie man lernen müsse. Die Jugend hat diese Erklärung mißverstanden, worauf im nächsten Kolleg Prof. Szentgyörgyi vor einer größeren Zuhörerschaft erklärte, daß die ihm zugetraute Auffassung und die Geringschätzung der christlichen Hörer ihm fern liege. Andererseits aber halte er es für wünschenswert, daß die Studenten in Zukunft ihren Studienpflichten mit größerem Eifer nachkämen: der Patriotismus komme gerade in der gesteigerten Arbeit zum Ausdrucks Rußland. Unterbringung von S000 jüdischen Zungen Leuten in der russischen Industrie. Moskau, 17. Nov. Laut einem Abkommen zwischen Ort und Eomzet beteiligt sich der Verband Ort hervorragend an der vom Arbeitsamt der Regierung beschlossenen Unterbringung von 5000 jüdischen jungen Leuten ln. der Gtaatsinbuftrie. Ort hat, 150.000 Rubel zur Beschaffung und Einrichtung von Wohnungen sür die jüdische Schüler- und.Arbeiterjugend in der Nähe der Fabriken zur Verfügung

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