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Der Israelit · 1930-12-11 · Heft 50 (11.12.1930) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 50 (11.12.1930)
Date
1930-12-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 50 Der Israelit 11. Dezember 1930 jüdischen Gemeinden nachteilig erwiesen. Insoweit war mit allem Nachdruck gegen sie anzukämpsen. Zum Teil sind diese Verhandlungen erfolgreich gewesen, was sich bei der diesjährigen Verteilung schon ausgewirkt hat. Im übrigen gehen unsere Bemühungen weitet dahin, dem von uns vertretenen Standpunkte in vollem Umfange Geltung zu verschaffen. Was die Unterstützungen für leistungsschwache Synagogengemeinden zur Aufrechterhaltung des Religionsunterrichts anlangt, so hatte das Ministerium die Absicht geäußert, die Ausschüttung nicht mehr durch die jüdischen Verbände, sondern durch die Regierungspräsidenten vornehmen zu lassen. Das wäre mit schweren Nachteilen für die Gemeinden verbunden gewesen. Es ist durch äußerst dringende Vorstellungen gelungen, das Ministerium von seiner Absicht abzubringen und die Ausschüttung einer ersten Rate an die beiden Wischen Verbände zu erreichen. Sparfamkeitsmaßnahmen des Preußischen Landesverbandes. Berlin, 2. Dez. Der Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden hat sich durch die Auswirkungen der allgemeinen Wirtschaftslage genötigt gesehen, die Ausgaben des Verbandes, soweit sie nicht zwingender Natur sind, nach Möglichkeit einzuschränken. Aus diesem Grunde sind im laufenden Geschäftsjahr die Subventionen an eine große Anzahl von Organisationen allgemein herabgesetzt worden, insbesondere. konnten Beihilfen, die der Landesverband in früheren Jahren für besondere Veranstaltungen einzelner Verbände gewährt hat, in diesem Jahr gar nicht oder nur in geringem Ausmaße bewilligt werden. Der Rat richtet deshalb an alle diejenigen Stellen, die für die Veranstaltung von Tagungen in Frage kommen, die dringende Mahnung, bei der Anberaumung solcher Zusammenkünfte die jetzige große Notlage der jüdischen Gemeinden und Gesamtverbände zu berücksichtigen, und dese Zusammenkünfte entweder auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben oder zum mindesten in einem Rahmen abzuhalten, der einen größeren Kostenaufwand nicht erfordert. Diese Mahnung wendet sich nicht nur an diejenigen Verbände, die Mittel des Landesverbandes in Anspruch nehmen, sondern an sämtliche jüdische Organisationen. Die jüdischen Frontsoldaten protestieren gegen nationalsozialistische Verleumdung. Berlin, 2. Dez. Der Landesverband Nordwestdeutschland des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten faßte in seiner unter dem Vorsitz von Dr. Urias und im Beisein des Vertreters der Vundesleitung, Dr. Ludwig Freund, abgehaltenen Berbandstagung die folgende Resolution: „Die jüdischen Frontsoldaten empfinden mit tiefem Schmerz die schwere Not, die aus dem deutschen Volke lastet. Sie weisen es aber mit Empörung zurück, daß von bestimmten Kreisen unentwegt unternommen wird, diese unglückliche Entwicklung den jüdischen Menschen' im deutschen Volke zur Last zu legen und diese sinnlose und unhaltbare Beschuldigung durch fortgesetzte niedrige Beschimpfungen und Verleumdungen der jüdischen Menschen immer mehr zu verbreiten. Die jüdischen Frontsoldaten sind sich bewußt, ihre Pflicht für Volk und Vaterland in Krieg und Frieden stets in vollem Umfange und freudigen Herzens erfüllt zu haben. Sie werden sich an der tätigen Mitwirkung am Wiederaufbau Deutschlands ^durch diese würdelose Verhetzung weiter Kreise nicht beirren lassen. Sie erwarten von allen ehrlch und anständig gesinnten Deutschen, insbesondere von ihren Kameraden von einst, daß auch sie ein solches Treiben von sich weisen, das dem Vaterlande in dieser schweren Not nicht dienen kann und lediglich geeignet ist, die Ehre und Würde des deutschen Volkes vor sich selbst und vor der Welt herabzusetzen." Die Resolution wurde von einem bedeutenden Teil der Presse Nordwestdeutschlands veröffentlicht. Der Landesverband Württemberg hat eine ähnliche Resolution an die Presse gegeben. Reichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland E. V. Berlin, 4. Dez. Vom N. j. F. erhalten wir folgende Zuschrift: „In der Wochenschau Ihrer Nummer 48 bringen Sie Die Woche. Berlin., Bei den K a mme r w a h I e n der Großdeut sch e n Stud e n te ns ch a f t an der Technischen Hochschule in Charlottenburg haben es die Nationalsozialisten von neun Mandaten im letzten Jahr auf 2 0 M a n d a t e gebracht. Ihre.Stimmenzahl ist mehr als. um das Doppelte gestiegen. — Der neue russische Botschafterfür Deutschland, Leo C h i n t s ch u k, ist 1868 als Kind jüdischer Eltery in Poltawa geboren. Seine.Studien absolvierte er in der Schweiz, von wo aus er nach der Revolution zurück nach Rußland ging. Er soll einer der besten Wirtschaftler des neuen Rußland sein. — Das vom Preußischen Stäatsministerium * für das Jahr 1931 (137. Jahrg.) herausgegebene „Handbuch über den Preußischen Staat" bringt in der Abteilung „Kirchliche Behröden" (auch als Teilaüsgabe erschienen) Mitteilungen über den rechtlichen Status und die Organisation der jüdischen Gemeinden, der Preußischen Landesverbände jüdischer Gemeinden und der Provinzialverbände. — Der Verband russischer Juden veranstaltet eine Feier anläßlich des 80. Geburtstages des Herrn Staatsrates Jacob Teit e l und des 10jährigen Bestehens des Verbandes am 11. Januar 1931, 8.30 Uhr abends. Die Feier findet im Vrüdervereinshaus (Kutfürstenstr. 113/116) statt. Leipzig. Der Allgemeine Studenten-Ausschuß der Universität Leipzig hat mit 20 gegen 6 Stimmen einen nationalsozalistischen Antrag angenommen, wonach Ausländer, die durch den Numerus clausus in ihrer Heimat am Studium verhindert sind, als Studenten nicht aufzunehmen. Natürlich geht der Antrag gegen die Juden. Hamburg. Gegenüber vielfachen Behauptungen kommunistischer Blätter erklärt das Haus Marburg, daß es mit Hitlers Plane, die Industrie und Schiffahrtsgesellschaft für sich zu gewinnen, nichts zu tun habe. Weder einer der Herren Marburg noch Herr Karl Melchior haben der Hitlerversammlung beigewohnt. Keine von ihnen ist Mitglied des Nationaltums, mit dem Hitler die Verhandlungen führt. Eine ähnliche Erklärung hatte auch Jakob G o l d s ch m i d t früher schon abgegeben. Bukarest. Zur Zeit tagt hier ein K o n - greß. der Rabbiner Altr um ä n i e n s. Den Vorsitz führt Senator Dr. N i m i e r o - wer. An den Verhandlungen nehmen auch einige Rabbis teil. Paris. Zur Zeit tagt in Paris die französische Sektion der Internationalen Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus. H. G. Wells, Romain Rolland, Prof. Freud und Prof. Einstein sind Ehrenpräsidenten', Maxim Gorki, Bernard Shaw, Abbe Violet, Nitti und andere hervorragende Juden und Nichtjuden, Mitglieder des Ehrenkomitees der Liga. Die ' Eröffnungsansprache hielt der Präsident der französischen Sektion, Bernard Lecache. — Prof. Victor Basch wurde während seines Vortrags in der französischen „Liga für Menschenrechte" über „Deutschland und Wir" von französischen Nationalisten überfallen und schwer mißhandelt. Vor etwa einem Jahre hielt Victor Basch Vorträge in der „Liga für Menschenrechte" in Deutschland und hatte als „der Jude Basch" die ganze Meute der Nationalsozialisten gegen sich. London. Sir Alfred Jssac I s a a c s wurde zum G en e r a l g oü o e r n e u r von Au str alien ernannt. Jsäacs ist 75 Jahre alt und in Melbourne in Australien geboren. Belgrad. Der König von Spanien hat jüdischen Kaufleuten, fünf Repräsentanten der jugoslavischen Volksndustrie, den Orden „Merite Civil" verliehen. Der bevollmächtigte Minster hat die Auszeichnungen den Herren im Rahmen einer Feierlichkeit überreicht. Btonlreal. Die 75 000 Seelen zählende jüdische Ge-, meinde von "Montreal ist in großer ' Erregung wegen antisemitischer Aeußerungen, die der Bürgermeister von Montreal in öffentlicher Versammlung getan hat. Er kündigte auch ein einschränkendes Gesetz in der jüdischen Schulfrage an. Die Gemeinde wandte sich mit einer Beschwerde an die Regierung. Jerusalem. Miß Henriette S z o l d, - die Gründerin und Vortzende der.amerikanischen Fräuenorganisation „Hadassah", früher Mitglied der zionistischen Exekutive, vollendet am 21. Dezember ihr 7 0. Lebensjahr. Es wird aus diesem Anlaß eine -größere Feier vorbereitet. --; einen Berickst „Jüdische landwirtschaftliche Siedlungen" Dieser Bericht enthäst einige Jrrtümer und' Mißverständnisse. ' ' ' ' v Es hat nach Ihren einleitenden Worten den Anschein, als ob die jüdische Siedlung'in Deutschland eine Privatangelegenheit des Herrn Professor Dr. Franz Oppenheimer sei. Das ist nicht der?'Fall. Der Reichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland ist eine Gründung des R. j. F. unter Zustimmung aller größeren jüdischen yrganisatioyen, wie der Logen, des Central-VereinS, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland usw. Herr Professor Dr. Franz Oppenheimer, der bekanntlich als Siedlungspolitiker durch die vdn ihm gegründete Gemeinnützige Siedlungs-Treuhand-Gefellschaft und speziell durch den Versuch in Bärenklau inPreußen bekannt ist, ist einer unserer Förderer, der UNS seine Sachkenntnis in Siedlungsattgelegenheiten züm Segen unserer Bestrebungen zuteil werden läßt. . . Sie schreiben, weiter: „Daraus meint Oppenhemer, lasse sich Kapital für den jüdischem Siedler schlagen, d. h. für den jüdischen Händler in der Groß- und Mittelstadt, der Landsiedler werden soll". Weder Herr Prof. Dr. Oppenheimer, noch irgend jemand, der im Sinne der 'Bestrebungen des Reichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland arbeitet, wünscht, daß jüdische Händler plötzlich Landwirte werden sollen. Ein solcher Berufswechsel ist praktisch unmöglich. Für die Siedlung kommt nur in Betracht, wer berufsmäßig für den Landwirt oder Gärtner vorbereitet ist; und wr propagieren den Gedanken, daß die Jugend sich auch diesen Berufen zuwenden soll, um eine Entlastung der überfüllten Berufe des Mittelstandes, der besonders unter der wirtschaftlichen Not zu leiden hat, herheizusühren. Im übrigen wird die Ausbreitung einer jüdischen Siedlung in Deutschland, wie auch Oppenheimer wiederholt zum Ausdruck gebracht hat, dem jüdischen Händler in der Kleinstadt neue Verdienstmöglichkeiten bringen. Es ist ein Mißverständnis, wenn Sie der Ansicht sind, daß wir die Absicht haben, nur Juden zu siedeln, die nicht gesetzestreu leben. wollen. Hiervon kann keine Rede fein. Wir kümmern uns um die religiöse Einstellung der Siedler überhaupt nicht; wir belassen es jedem Einzelnen, zu leben, wie es seiner religiösen Ueberzeugung entspricht. Die Anregung von orthodoxer Seite, eine eigene Siedlung von mindestens 10 Teilnehmern für eine orthodoxe Siedlung zu schaffen, die treu zur Tradition halten,' würden wir sehr begrüßen. In der Voraussetzung, daß solche mit beruflichen Fähigkeiten und genügendem Kapital vorhanden sind, könnten diese auf unserem ersten Siedlungsgut Gr. Gaglow berücksichtigt werden. Wir werden im Frühjahr Einrichtungen in Gr. Gaglow treffen, damit orthodoxe Praktikanten eingestellt werden können. Ein eigenes Haus mit eigener 'Küche soll hierfür eingerichtet werden (sobald sich die genügende Anzahl Bewerber gefunden haben). Wir haben diesen "Ausweg gewählt, um Jugend aller jüdischreligiösen Richtungen die Möglichkeit zu geben, in Gaglow ohne irgendwelchen Zwang zu leben und zu arbeiten." Patenfchafkskomitee des Schulwerks der Adaß Iisroel. Berlin, 8. Dez. Die von dem Patenschaftskomitee der Ä d a ß I i s - roel, Berlin veranstaltete Wohltatigkeits- Matinee nahm einen glänzenden Verlauf. In dem großen, aber doch intim wirkenden Mozartsaal, der bis auf den letzten Platz besetzt war, lauschte ein frohgestimmtes' Publikum den ausgezeichneten Darbietungen der hervorragenden Künstler, Hardt, Graetz, Dymont, die sich ausnahmslos,-unentgeltlich für den guten Zweck zur Verfügung gestellt hatten Die teils launigen, teils ernsten Begrüßungsworte des Herrn Dr. Meier Hildesheimer, die von dem Schnellzeichner Kugelmann in des Wortes reinster Bedeutung untermalt wurden, fanden ein lebhaftes Echo. Das Patenschaftskomitee darf mit Befriedigung sowohl erben ideellen, wie auch einen nicht zu unterschätzenden materiellen Erfolg buchen. Eine wichtige Rundfrage des «Vereins für rituelle Speifehäirfer". Hamburg, 8. Dez. Der „Verein für rituelle Speisehäüser" beabsichtigt ist 'vyrsckiiedeNlLN mittleren Städten, in denen zur Zeit kein'e"rituellen^Speisehäüser vorhanden sind, und tvo solche mutmaßlich auch in absehbarer Zeit nicht errichtet

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