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Der Israelit · 1930-12-11 · Heft 50 (11.12.1930) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 50 (11.12.1930)
Date
1930-12-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 50 Der Israelit 11. Dezember 1930 Weit ü her 1000 schreibfertige Füllfederhalter zur Auswahl :'-n; mit 14 karat. Goldfeder ab Rmk. 3. Ceka, Juwel, Osmia-Supra Parker-Duofold, Wahl, Waterman Montblanc, Pelikan- und andere Marken CARL KUPPEL Kaiserstrasse 75 Schreibwaren aller Art junge Juden aus Elend, Müßiggang und arm seliger, unsicherer Arbeit befreit. Es bleiben noch zwei bedeutende Gebiete zu besprechen: Kredithilfe und Wanderung. Es wird immer einer der hervorragendsten Beweise für die Leistungen unserer Association sein, daß wir den breiten Massen des jüdischen Proletariats Osteuropas den unschätzbaren Vorteil der Kooperation in einer ihrer erfolgreichsten Formen, der gegenseitigen Kredithilfe, gebracht haben. In Rußland sind wir damit beschäftigt, die Vorkriegsorganisation wieder auszubauen, und können jedes Jahr neue Erfolge verzeichnen. In diesem Lande wurde die von uns erhaltenen Kaffen von 89.785 Menschen in Anspruch genommen. Ich erinnere mich, daß, als ich vor 28 Iah ren unserer Vereinigung beitrat, wir in dem großen Kaisertum Rußland inkl. Polen im ganzen 13 Kassen mit 7600 Mitgliedern zählten Auch sonst hat sich unsere Arbeit auf dem Gebiete der Kredithilfe sehr gesteigert. Wir haben zusammen mit dem Joint Distribution Committee außerhalb Rußlands eine ,-Foundation" gegrün det. Es ist Ihnen bekannt, wie sich diese kaum 6 Jahre alte Gründung entwickelt hat. Die Vereinigung erhält und kontrolliert heute in 13 Ländern 712 Kassen mit 308.749 Mitgliedern. Wir waren die Initiatoren dieser Bewegung. Heute nimmt bereits ein Drittel der jüdischen Bevölkerung Polens die Hilfe dieser Kassen in Anspruch. Es ist uns gelungen, den kleinen Geschäftsmann, Handwerker und Arbeiter mit den Methoden und Vorteilen der Kooperation bekannt zu machen und deren Durchführung durch Kapitalvorschüsse zu ermöglichen. In Form von Anteilzeichnungen, Errichtung von Depots, Anlage von Reserven, welche von den Beiträgen unserer Förde rer sofort abgezogen wurden, haben wir unsere finanzielle Hilfe den an Ort und Stelle aufgebrachten Beiträgen angepaßt, wodurch allmählich der bemerkenswerte Erfolg erzielt werden konnte,' daß unsere finanzielle Beteiksgung '8in Drittel, in vielen Fällen > sogar nur eiN'-Wertel des in diesen Unternehmungen investierten; Kapitals beträgt. In einer nicht zu fernen-'Zü-künft werden die Kasten reich genug sein, um unser Kapital entbehren zu können, so daß wir in die Lage versetzt werden, in anderen Ländern den Volkskredit zu beleben und dort unser Werk der Erlösung der jüdischen Massen aus dem Elend fortzufetzen. Zum Schluß noch einiges über Auswan derer h i l f e. Ermöglichung der Auswanderung durch individuelle Beistellung von Mitteln genügt heute nicht mehr, selbst wenn dies in größtem Ausmaß möglich wäre. Wir wollen nicht länger die Judenveranlassen, aus den Ländern, in denen sie zu zahlreich sind und in schlechten Verhältnissen leben, auszuwandern, sondern denken^! vor allem an den Aufbau ihrer wirtschaftlichen Existenz.. Teilweise aus eigener Kraft, teilweise im Wege von Hicem, einer Organisation, in der wir. seit 1927 mit Hias und Emigdirect vereinigt sind, haben wir ein ganzes Netz von JnformatonsbOros, Lokalkomitees uNd Empfangskomitees geschaffen, die den Auswanderern von der Abreise bis zur Ankunft zur Verfügung stehen. Welchen Nutzen aber kann diese sation bringen^'wenn die jüdischen WandereiD an ihrem Reiseziel nicht eine jüdische Bevölkerung vorfinden, die in der Lage ist, sie aufzunehmeg. und zu absorbieren? Unsere.Erfolge in Argen Linien sind weltbekannt; weniger bekannt sind' hiß in Brasilien erzielten Resultate. Vor demgab es in diesem Lande keine jüdische BevölkH rung. Unser Association, immer bemüht, neue Jmmigrationsländer für die Iuüen zu erschließenhat in diesem Lande im Laufs von sieben Jahren fruchtbare Arbeit in der Richtung der Vorbereitung von Siedlungen und Msthilse bei. ihrer Gründung und Entwicklung geleistet. Diese Bemühungen haben allenthalben zur Errichtung von Schulen, Synagogen und Institutionen aller Art geführt. In großer Zahl und ohne besondere Schwierigkeiten kommen Einwanderer in dieses von uns geschossene Zentrum der brasilianischen Judenheit. Ich darf wohl sagen, daß min durch die unausgesetzten, von wirklicher Hingabe getragenen Anstrengungen, die wir für den Ausbau des von uns geschaffenen Werkes gemacht haben, uns -das Vertrauen aller, die uns kennen, erworben haben, ein Vertrauen, auf das wir stolz sein können. Es ist Ihnen bekannt, welche Stellung unserer Vereinigung beim Internationalen Arbeitsamt und beim Flüchtlingskommlssariat des Völkerbundes eingeräumt wurde. Bei dieser Gelegenheit gedenken wix unseres vor wenigen Wochen hMgeschieöenen Freundes Lucien Wolf, unseres Repräsentanten bei diesen internationalen Stellen. Wir bewahren diesem tüchtigen Mitarbeiter, diesem gütigen Menschen, der für das Judentum so viel geleistet hat, ein ehrenvolles Andenken. Unsere Association wird in ihren Bemühungen fortfahren. Wir haben eine Mission zu erfüllen. Geben Sie uns das Versprechen,, uns niemals zu entmutigen und uns zu helfen, uneren Aufgaben, in immer höherem Maße gerecht zu werden. Staaten angenehm war. . Sie' wollten überall Königlicher als der Königr.fein^IhrftUngeift spukt uoch in den jüdischen MiyAeMulMdes Orients, M ^denev' Mehr franzäsisl^r. Chaärvürismus »gepflegt; avird Ms"in Verlangt das Thoragesetz den Pazifismus? Von Bezirksrabbiner Dr. V. Cohen in Friedrichstadt. . (Schluß.) 6. Dennoch haben in der Neuz'eit beim Eintritt in die bürgerliche Gleichberechtigung die Räbbinen der meisten Länder eine Befreiung der Juden vom Kriegsdienste aus Gewissensgründen, wie sie anderen Bekenntnissen erstrebenswert erschien und> auch oft gewährt wurde, nicht einmal angestrebt. Einen der Gründe hierfür finden wir in der bekannten Dissertation D. Hoffmanns über Mar Samuel angedeutet. Samuel, der Leiter der 'HochschM der 'babhldnischen!' Juden,! war Bürget des neüpersisMn Staytes UnÄ'Mt den JuLM, -Nicht von der PeteifttzUng äch'Kriegs dieses Staates'gegen die Römer ab, obgleich diese über Palästinaherrschten' und- Juden' in ihren' HeerenHattech öoeiO M'nicht in.!Msere; HaNd ge-' legt ist,-Zwischen Völkern, zu' ünd' zwischen Staaten zu richtenl! -'Cs'fällt Hrvtzr/ hierbei nicht an die düstere Verheißung Deut. 28, 36 zu denken, daß Israel dereinst den „Göttern der Völker dienen" wird, d. h. in der Wesenheit der Völker zeitweilig aufgehend, seinen eigenen brüderlichen Zusammenhalt verlieren'wird-. Es versteht sich; daß wir hieraus schließen: Also ist es Aufgabe der Juden aller Länder, für ein friedliches Gedeihen ihrer Staaten und im Sinne, des W/ltftiedens tätig zu sein. — Ein weiterer Grund für das Verhalten der Rabbiner der EmanZipationszert ist auch in der Mentalität der ersten Vorkämpfer der Gleichberechtigung zu suchen, M in ihrem an sich üblichen Eifer um die Gleichstellung zu jedem beliebigen Opfer an religiöser lleberlteferuNtz bereik und dennoch damals die einzigen' Juden warech die für ihre Gesamtheit überhaupt öffentlich ein-' traten. Diese-'Leute Haben aus demselben.Gleichstellungseifer - heraus ' ja - auch die MhiedsgeriDsbakkeit der Räöbirtet in. größerem' Mäße besei- UnWMeit DÄschen jüdischen Lebens und Eigentums m den meisten nung des militärischen Dienstes.entschließen. Eine jüdisch-religiöse Friedensbewegung konnte. daher, trotz aller erwähnten Friedenserziehung' des Gesetzes, nicht früher' als die anderer' Religionen aufblühen. Erft die Gegenwart hat gelehrt, auch den nicht kriegerischen Menschen zu achten und zu ehren. Da kann sich auch der jüdische Pazifismus hervorwagen. Es war dem Volke Israel weder in der Krtegsfräge noch in irgend einem sonstigen Belange seines Thöragesetzes. jemals vergönnt, unmittelbare ethische Einwirkung auf die Völker zu üben. Proselytenfang ist uns nicht nur nicht geboten, sondern strengstens verboten. Wenn wir aber das Glück erleben, daß die Völker der Welt einer der großen ethischen Forderungen, die das Gesetz, gleichviel ob durch seinen Wortlaut oder durch seinen Geist, an uns stellt, so nahegekommen sind, daß diese Forderung eine Welt- und Menschheitsbewegung. yusgelöst hat,. — dann gehört der Bekenner des Thoragesetzes in die vorderste Reihe der Vorkämpfer dieser Bewegung.*) EsistalsoimS i n negesetzestreuen Judentums, die pazifistische n Bestrebungen tatkräf t i g st z u fördern. 7. Ein allgemeines Gebot der Kriegsdienstverweigerung daraus abzuleitem verbietet, abgesehen von der Gültigkeit des Staatsgesetzes, schon die Mentalität der Massen, die nur auf solche und ähnliche Gelegenheit warten, um ihre Tapferkeit nach rumänischem Vorbilde an Frauen und Kindern der „feigen" Juden zu demonstrieren; dennoch gilt im Seifte ö es Thoragesetzes ganz besonders für uns die Forderung, nichts unversucht zu lassen, wodurch Kriege unmöglich gemacht und die Zeiten messianischer Wettversöhnung herbeigeführt werden. Wir. können nicht das Werk vollbringen, find aber (Aboth 2, 16) nicht frei davon, das Unfrige biezutragen. Wunder, die G'tt allein vollbringt, ohne den Menschen zur Mithilfe aufzurufen, kennt die -jüdische Ueberlieferung nicht. Selbst zur Spaltung des Schilfmeers muß Möse (EL. 14, 16) seine Hand erheben. Weder der soziale Ausgleich noch die Befriedung der Menschheit vostzieht sich ohne unser Zutun. Darum ist der Platz des Juden-innerhalb der Bewegungen des Pazifismus und des religiöse Sozialismus. Dies ist der wahre Sinn r .. .. ,und betet für"sie zu,/^'tt^'dMnftnfthxeM^Fr^dM werdet auch ihr HLkehen chabech" Eine befriedete und fö'zral aftsgßglichene Menschheit' wirdapch dankbar ^zu d en' BescMer.n des^höra^esetzes aufblicken. ' ° 8^'Jm ÄiyhMMr wKr,vopider FrMenslchre zu sprechen,' wie 'sie "im G e s>e tz e der jüdischen Religion enthalten.ist. Die Propheten Israels, sind noch nicht zu Worte gekommen. Auch sie haben nicht das Recht gehabt, vom Gesetze etwas abzunehmen oder ihm etwas zuzufügen. Wohl aber' durften und sollten sie-die Gemüter der Menschen dazu erziehen, aus den Einzelheiten des Gesetzes zu lernen, wie das ganze Leben einzurichten ist. Das ist das. große Zftl>: zu dem 2, 4 und.ftl, 6 und Micha 4, ft die Seele der Menschheit hinmeisen, Lie.jZeii,' da „Völker ihre Schwerter zu. Pflugscharen, stumpfen und ihre Lanzen zu Winzermessern und nicht mehr ein. Volk gegen das /andere das Schwert erheben wftd und sie alle nicht mehr, den. Krieg erlernen," die Zeit, da sie „strömen zum Berge: G/ttes, tznd lernen von seinen,Wegen", die Zest, da ein Jeder *) Ist uns doch selbstder Waffenhandel: (ÄbodaLai und Maim. "hilch. Räzeach. 12', 12^-14) 'nur mit 15-h und Maim -hilch. Räzeäch, 1% 12-^14) ' nur Mier- .. . , . ... «-, v solchen Einschränkungen erlaubt, die ihn nahezu unmog» tlgt, als es'den überlasteten Genchtsmstanzen der^ich machen.

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