Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 15-16 (10.4.1930)
- Date
- 1930-04-10
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Leite 2 Nr. HB D er Israelit 10. April 1930 licher Brrnd -und catmet den Geist, den die Initiatoren und -Leiter der Jüdlsch-literarifcheni Gesellschaft ihrer Schöpfung eingehaucht haben. Es fei Lei der Gelegenheit mitgeteilt, daß den Vorsitz in der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft anstelle Lr.Bondis Vst Herr Dr. Moses Auerb a ch, Berlin, innehat, dem in der Redaktion des Jahrbuchs Herr Prof. Dr. S. G. Lieben, Prag, zur Seite steht. Der deutsche Teil des Jahrbuches umfaßt 384 Seiten, dgzu kommt ein hebräischer Teil von 28 Seiten und als Anhang ein Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen 20 Bände, An der Spitze des Jahrbuches steht ein herzliches Gedenkwort für den unvergeßlichen Mainzer Raw, Dr. B o n d i Vst und noch eines, Rabb. Dr. Salomon Funk Vst in Wien gewidmet. Ein Bilderblatt zeigt die vier Begründer der Gesellschaft um Rabbi Isaak Halevy herum. Mit diesem sind sie (Direktor Dr. G. Lange, Rabbiner Dr. Salomon Bamberger, Rabbiner Dr. Jonas B o n d i, Rabbiner Dr. H. K o t t e ck und Rabbiner Dr. Moses Marx Vst) nun alle in der Ewigkeit vereint. Der wissenschaftliche Teil wird eingeleitet mit einem Vortrag über Psalmlektüre von Bezirksrabbiner Dr. Stein in Schweinfurt. Es wird uns Juden zwar damit nicht viel Neues gesagt, aber man ersieht daraus, wie man die Psalmen nicht nur beten, sondern auch lernen soll. Max Kober in Breslau übersetzt und erklärt, unter Anstellung von wissenschaftlichen Untersuchungen, neue Texte zum „MacMor Jmmai"; eine gründliche, wissenschaftliche Arbeit, d'ie/dem Freunde altjüdischer liturgischer Literatur neue Quellen erschließt. Rabbiner Dr. Äeopolh Fischer in Vrsäc berichtet, als Fortsetzung aus Jahrbuch Xixr sehr erschöpfendüber Urkunden, Kaufverträge/ Befreiungsbriefe, Scheidungsakte usw, - im Takmüö. Darüber wird 'Def"ätiderer Gelegenheit noch einiges zu sagen sein. Oberrabbiner Dr. Altmann m Trier setzt seine geschichtlichen Forschungen über die Juden in Stadt und Land Salzburg mit bewahrter Gründlichkeit und Anschaulichkeit fort. Ein nicht minder interessantes ~ pitel aus der Geschichte der deutschen JudenN^ ist der Regensburger Juden Prozeß von 1476/80, über den Moritz 6 +;'a'‘rn, Berlin, zu berichten weiß. . , Eine ausgezeichnete Ar^kt bretet I. Lebermann, Darmstadt, nM das D a r m st a d t e r L a n d r a b b i *) 17. bis zum 19. Jahrhundert Darmstadt besaß in alter Zeit keinen ok^P^llen Rabbiner, und wurde dort das vftrrfjinät vom Frankfurter Klausrabbiner mitoerwaltet, so von Rabbi Samuel Schot t e n um 1700 und von Rabbi Moses K a n n im 18. Jahrhundert. (Die Gestalt Rabbi SamuelSchottens ist festgehalten im Romane „Feuerzeichen" von Schachnowitz. Rabbiner Moses Kann ist einer der agierenden Männerdie die Frankfurter pitel im zur Zeit im „Israelit" laufenden Romane des gleichen Autors „Abraham Sohn Abrahams" beherrschet.) Ueber die Rechte -und' Befugnisse dieser Rabbiner, die Grenzen in ihrer Personalunion finden wir in der Lebermannschen Arbeit viel Interessantes. Ein sehr tätiger und. verdienstreicher Mann war Oberrabbiner Kalman Israel M e n g e n b u r g in Darmstädt zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Er hatte mancherlei Kämpfe nach außen und'innen zu bestehen. 1825 nahm das großherzogliche'Ministerium das Recht zur Bestätigung der Rabbiner in Hessen für sich in Anspruch. Man sieht auch das erste Eindringen der Reform in die Städte Hessens. Ein mutiger Kämpfer gegen' die Reformin Darmstadt und Hessen war Rabbiner Dr. Auerbach um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Eingaben der Darmstädter und hessischen Judenheit an die Behörden wurden durch Baron Wilhelm Carl von Rothschild in Frankfurt, den eine Deputation der Landjudenschaft darum an *) Der Aussatz ist als Broschüre erschienen und vom Verlage Bücher st ube Bodenheimer, Darmstadt, zum Preise von 'Mt. 2.— zu beziehen. ging, unterstützt, und zumeist mit gutem' Erfolge 1859 wurde als Nachfolger Auerbachs unter sehr vielen Bewerbern Dr. Julius La n d s b e r g e r zum Rabbiner des Bezirkes Darmstadt gewählt- Der Rabbinatsbezirk umfaßte damals 107 Gemeinden. Dr. Landsberger vertrat, im Gegen fatz zu Dr. Auerbach, einen liberalen Standpunkt, was zur Folge hatte, daß einige Landgemeinden gegen ihn Front machten und ihm die Ermächti!- gung versagten, die Prüfungen in ihren Elementar- und Religionsschulen vorzunehmen. Die Synagoge zu Darmstädt bekam unter Landsberger die von den Liberalen schon lang ersehnte O r g e L Man erfährt, daß die sich wehrende gesetzestreue Minderheit Gutachten von S. R. Hirsch und Rabbiner Lehmann in Mainz eingeholt hat. Ueber die weiteren Kämpfe um die Orgel und die Gründung der Israelin schen Religionsg esellschyft in Darmstadt um 1863, die 1872 mit Rabbiner Dr. L Marx Vst' ihre neue Aera und Blütezeit am tritt, muß man in dieser Arbeit Nachlesen. Wir sehen da die Quelle für. manches' im jüdischen Leben, das wir heute als Gegebenes kennen und ohne weiteres Nachdenken hinnehmen. Von weiteren Arbeiten des Jahrbuches seien genannt: eine historische Studie von Dr. B L e w i n in Breslau über „Die Juden in Kapstadt", „Mitteilungen über die hebräischen Handschriften in der-Landesbibliothek zu Fulda" von Rabbiner Dr. M. W e i n b e r g in Neumarkt. Beachtenswert wie alles, was uns Dr. Samuel Gründe r g auf dem Gebiete der Exegese zu sagen hat, sind auch seine exegetischen Beiträge in diesem Jahrbuch. Eine Urkunde über den h ö h e n :5t ab b i Löw -von Rabbi. Meir P e - r e ls-.-.übersetzt und glossiert S. H. Lieben in Prag. E. E/Hildesh e im er in Berlin schreibt über das Recht?'der J ska. Es folgen zuletzt ..Bemerkungen ' zum ZuMudunterricht in. der Berliner jüdischen Gemeinde im 18/ Jahr hundert und Bücherbesprechungen.. Der hebräische.. Teil wird bestritten von Dr. H. Flesch mit „Beiträgen der Geschichte der Jüdojl 'itt Mähren" und von Simon Unna, Frankfurt, a.. M„ mit der. Veröffentlichung eines B r i e f w e ch f e l s zwischen S. I. R a p p aport und R. Kirchheim. Das Jahrbuch reiht sich seinen Vorgängern würdig an. Alle 20 Bände zusammen ergeben e.\m schöne Reihe in jeder ernsten wissenschaftlichen Bibliothek, sind darüber hinaus ein glänzendes Zeugnis für die Einstellung des gesetzestreuen Judentums zur wahren, wenn auch nicht voraussetzungslosen, so doch st r e n g e n u n d objektiven Wissenschaft. Das Rätsel Var Sapparas. Don Saul Kaatz. Vielbehandelt ist das Rätsel, das sich in Jeruschalmi,. MoedKatan III 1 findet. Es heißt dyrt: „Rabbi ehrte, den Bar Eleasa (seinen Schwiegersohn). Da sagte Bar, Kappara zu ihm: .„Alle richten Fragen an Rabbi, nur' du fragst ihn nichts": Jener erwiderte: „Was soll ich fragen?" Da sagte er zu' ihm: "vin nspv3 .warni D’iw ’iisi :ä’33a ’Vsra Va mna»' nn'a wi ■ ' 13W3 33^3 12^3N1 IN IN invrr' V3N' 3N»^' „Die Unterwelt blickt vom Himmel herab. Sie krächzt im Innern ihres Hauses, setzt in Schrecken alle Geflügelten. Jünglinge sehen mich und verbergen sich, Greise erheben sich und bleiben stehen. Wer flieht, zu dem sagen sie: Ho! Ho! Und wer verstrickt wird, wird durch seine eigene Schuld verstrickt." Rabbi wandte sich um und sah, wie er (Bar Kappara) lachte. Da sagte Rabbi: „Ich erkenne dich nicht als Aeltesten an." Er (Bar Kappara) erkannte, daß er -zu Lebzeiten (Rabbis) keine ^Ordination erlangen werde." So weit der Bericht des Talmuds. Zum Tert des Rätsels sei folgendes bemerkt: Es ist zweifelhaft, ob das Rätsel mit Vn«? beginnt oder mit -o'Sv». In letzterem Falle würde T-irrv bedeuten: „Frage!" (vgl. den Kommenrar rran pip). Die einzelnen Sätze des Rätsels sind mit Schriftversen und -anklängen verwoben: napwi v'vv» erinnert an Ps. 85, 12; o’bsd an Pred. 10, 20; '•oi •>3')«i ist der Satz Hiob 29, 8; v3N erinnert an Jer. 46, 44; in in in»«' ist ein Satzteil aus Amos 5, 16. Um die Lösung des Rätsels haben sich viele gemüht. Die Kommentatoren nennen „Seele" oder „Tod". Nun heißt es zwar Leo. r. 28, 2 „R. Simon, Sohn Rabbis, heiratete. Da lud Rabbi alle Weisen ein, aber den Bar' Kappara lud er nicht ein. Da schrieb dieser an die! , ._, Tür seines Hauses: „Nach deiner Freude wirst du ster-j zur Volksbildung Israels'/Die "Patriarchengeschichte geht. ben, was nützt dir da deine Freude?" Wer da es am unserer. Stelle ausdrücklich heißt, daß Bar Kappära gelacht habe, so ist schön aus diesem Grunde schwer anzunehmen, daß die Lösung „Tod" sei. Gr ätz, G. d" I. TV 198, behandelt die Stelle ausführlich und hebt hervor, daß der witzige Bar Kappara sich einen Spatz gegen den reichen, aber unwissenden und eitlen Bar Eleasa, .beit . Schwiegersohn des Patriarchen, erlaubt habe, ünd daß das bisher ungelöste Rätsels Anspielungen auf Per-- sonen enthalte, welche dem Patriarchen nahestanden. Das Rätsel wird von Grätz in folgender poetischer Ueber-- tragung wiedergegeben:. „Hoch schaut ihr Aug' vom Himmel. Man hört ihr stetes Getümmel. Sie flieh'n beschwingte Wesen. Sie scheucht die Jugend zurück. Auch Greise bannt ihr Blick. - * Es ruft oh, oh! wer flieht, Und wer in ihr Netz, geriet, Kann nie von der Sünde genesen." - In einer Note bemerkt Grätz: „Die bisherigen- Enträtselungen halte ich für mißlungen. Das Stichwort kann weder der Tod sein, noch paßt es auf die. Venus-und auch nicht auf R. Judas Strenge (Krochmal a. a. O. p. 84). Ich will meine Lösung derselben Beurteilung oder Verurteilung preisgeben. Es bezieht sich vielleicht auf dessen Hauptsklavin und Verwalterin (»na »aa rmvxdwelch'e eine Tyrannei gegen iung und alt und besonders gegen die. Jünger ausgeübt -hat." Aber dieser von Grätz gebotene auf eine Deutung der einzelnen Sätze verzichtende Lösungsversuch ist unbefriedigend. Dasselbe dürfte von der Lösung „Bann" gelten,' die Bacher (A. d. p. A. I 127) vorschlägt. Ich, selber., habe in einem Aufsatz, den ich im „Israelit" 1916' ver- ' öffentlichte, der Meinung Ausdruck gegeben, daß, da der Talmud zu Beginn des Berichtes bemerkt, Rabbi habe den Bar Eleasa geehrt, anzunehmen sei, daß das Rätsel eine satyrische Anspielung auf Bar Eleasa und die unverdient ihm zuteil gewordene Ehrung enthalte, und dessen/ Anmaßung geißeln. Aber diesem meinem Lösungs-N versuch fehlte die Hauptsache, das Aufzeige.n der rechten. Pointe, auf der die witzige, gegen Bar Eleasa sich richtende Anspielung beruhe, sowie die daraus sich-ergebende, möglichst plausible Deutung der einzelnen TM des Rät- Diese Pointe glaube ich nun gefunden zu habenr Sie . beruht m. E... darauf,. daß Bar Kappara den Namen. Bar Eleasa als griechische Vokabeln deutete. Nach dem . mir vorliegenden griechisch-deutschen Wörterbuch von G emo ll' ('S. 263) ist nämlich ele as eine Eulenar 1 undebenso (S. 262) ist ela fas ein Vogelname bei Aristophanes. Es .scheint nun, daß Bär Kappara den'.Anklang des Namens Eleasa. an diese griechische Vokabel benutzte und denselben als Eule deutete. Nach der Analogie z. B. . von mm Gans und sniR -a Ente, von und 8T3 Ha Adler? sowie von fpa’p (Chul. 63a)- Eule. und-- rpsp “>a (Jeb. 103a) als Bezeichnung für. einen Klagedichter, der durch sein Beklagen der Toten . einer Eule gleich (Lewy, Wörterb. IV 300), würde demnach in der witzigen Deutung Bar Kapparas .der Name! Bar Eleasa eine Eule bezeichnen, mit der der Ver-. spottete verglichen wird. Die Einzelheiten des Rätsels wären etwa folgendermaßen zu verstehen: Das Wort bim? im ersten -Sah würde, wenn es zum Tert des Rätsels gehört und-.' „Unterwelt" zu übersehen ist, das unheimliche Wesen der- Eule meinen, die zwar oben fliegt, aber eigentlich den - unteren Regionen angehört. Dies wäre zugleich eine. Anspielung aus Bar Eleasa und seinen unberechtigten Dünkel. In den folgenden drei Sätzen wäre die furchterregende Art der Eule geschildert und zugleich das Verhalten Bar Eleasars, der die n'S3a d. h.. die Thorajünger (Sabbat 49a) einzuschüchtern sucht Der letzte Satz v3n nimmt in dem Vergleich Nus den/Fall Bezug, daß.Bar Eleasa ausweicht und das Rätsel nicht /' aufgibt, in in bezeichnet den Eulenruf und? ist. zügl.erch im Sinne von „er, er" zu verstehen, d.?h: Elegsa,?wie?? ja in in. der Schrift mehrfach 'als'Keiib "ünö 'MetmStzig'.^ als Suffst an Stelle von «in gebraucht wird/'?Eö.enso?'/. wäre Mt na^3n iin letzten Satze Bar Eleasa gemeint,?.' der durch seine eigene. Schuld hereinfällt, -wenn. ,er oas / ihn selbst verspottende Rätsel vorträgt. /. . ' / ' - So dürfte das alte Rätsel eine neue Lösung.finden, „ die, wenn ihre Richtigkeit auch nicht mit Sicherheit behauptet werden kann, meines Erachtens einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit besitzt. Neuerscheinungen m der rabbinischen und hebräischen Literatur. Ein ausgezeichneter. Interpret modern-jüdischer Gedanken, wie sie S. R. Hirsch als erster vor 'einem halben Jahrhundert verkündete und heute auch für den Osten:' die geistige Erlösung bringen .könnten, ist Rabbi Jizchok „ Eisik Hirscho wi.tz , Rabbiner-in der litauischen Grenzstadt Wirballen. Er hat sich bereits mit einigen Hirschübersetzungen, Verarbeitungen und Nachbildungen von Essays des genannten Regenerators in klassischem Hebraischeinen Namen erworben. Mit - seinem neuesten Wqrke as .ma.^N;(Selbstverlag des Verfassers) versucht er sich mit gleichem Erfolge auf dem 'Gebiete der jüdischen, Geschichte. Es gilt für ihn, den alten und ältesten Quellen- ' nachzugehen, rund so Behandeln ' die ' ersten Kapitel die Schöpfung, die Menscherschaffung, die Sintflut usw. bis