Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 15-16 (10.4.1930)
- Date
- 1930-04-10
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 18 Nr. 15 Der Israelit Durch besonders aktuelle Themen und fein vertiefte Ausführungen der Referate gestalteten sich unsere gemütlichen Nachmittage zu wertvollen Veranstaltungen. Es sprachen die Damen Martha Marx, Martha Bamberger, Dr. Dora Evinger, Erna Bamberger; durch Gesang, Klavier und Rezitationen erfreuten Frau Alice Goldschmidt, Klärchen Wohlsarth und Frl. Ilse Stern-Heß. Unserer Kasse kam der Ertrag einer Kinoveranstaltung sehr zu statten. Möge unser Bericht für alle unsere Freunde und Gönner ein Ansporn sein. Wir brauchen die Kraft iedes einzelnen, jeder Frau und jedes jungen Mädchens zur Mitarbeit, wie wir auch dankbar sind für jedes neue Mitglied, für jede Spende und jede Erhöhung des Mitgliedsbeitrages. In dieser schweren Zeit darf keiner zurückstehen, jeder sei seiner menschlichen Pflicht treu, dann können wir beruhigt Weiterarbeiten an der Linderung des allgemeinen Elends zum Wohl der Menschheit. Peßachfürsorge der Jüdischen Frauenvereinigung E. V. Mehr als je sind weite Kreise auf Fürsorge angewiesen, da die wirtschaftliche Not in geradezu erschreckender Weise gewachsen ist. Die Jüdische Frauenvereinigung wendet sich daher an alle edlen Menschenfreunde mit der herzlichen Bitte, ihr durch eine Geldspende behilflich zu sein, daß ihre Schützlinge dem Peßach mit seinen ganz besonders großen Anforderungen etwas leichteren Herzens entgegensetzen können. Es ist etwas spät, aber immer noch nicht zu spät! Peßach km „Mekor Chajim". Vinn vav (nvs an») vorm. 11 Uhr im Hörsaal der Synagoge: Dinim Herr' Dr. E. Pose n. Nachm. 3/i Stunde vor nmn im Vereinslokal »mp (im Anschluß nmn nVs;i) Herr Dr. Willy H o f m a n n. Abends eine Stunde vor Nacht im Vereinslokal: „Ueber . die ncw-Hagadah": Herr Rabb. Joseph H o r o v i tz. ' 1. Tag (Sonntag): abends eine Stunde vor Nacht im Hörsaal: „Aus der Hagadah des Wilnaer sina": Herr Red. S. Schachnowitz. 2. Tag (Montag): abends eine Stunde vor Nacht im Hörsaal: nvs-Gedanken": Herr Joachim Soffer. 7. Tag : nachm. 3/i Stunde vor nnw, im Hörsaal: D'wn -per Herr Dr. W. H o f m a n n. Abends eine Stunde vor Nacht im Hörsaal: „Der Weg zum Sinai": Herr Dr. S. E h r m a n n. „Ws bv ynns (Sonntag): im Anschluß an mu», 5 Uhr im Hörsaal: „Symbolik der maa-ip am nvv": Herr Dr. A. Merzbach. zn inorr (Ostermontag): abends 3/i Stunde vor Nacht im Vereinslokal: „Ueber na-iyn m’so': Herr Rabb. Jos. Ho ro vitz. Der Talmud und seine Geheimnisse. Rabb. Dr. Neuhaus - Mülheim hielt in einer vom Zentralverein einberufenen Massenversammlung ein inhaltlich und formal gleich ausgezeichnetes Referat über den Talmud. Als orthodorer Rabbiner ging der Redner von der Untrennbarkeit zwischen schriftlicher und mündlicher Lehre aus und zeigte die Entstehungsgeschichte von Mischna und Gemara, wie sie sich von der mündlichen Tradition bis zur schriftlichen Fixierung verdichtet haben. Für Halacha und Agada brachte der Referent recht gute, zur Einführung in den talmudischen Jdeengang geeignete Beispiele. Mit besonderem Nachdruck wurde daraus hingewiesen, daß das Judentum keine geheimen 'Quellen besitze, daß vielmehr jeder, der lernen wolle, sich aus den Büchern unterrichten könne, wie dies zu allen Zeiten hervorragende nichtjüdische Gelehrte auch getan haben. Durch das Lebenswerk Lazarus Goldschmidts ist es jedem Deutschen nunmehr auch möglich gemacht, den gesamten Talmud in deutscher Uebersehung zu lesen. Besonders ging der Redner noch auf die Blut- und Meineidslüge ein; er wies an Hand von Zitaten die Unsinnigkeit der von den antisemitischen Schmutzblättern immer wieder äufgetischten Märchen von der minderwertigen Talmudmoral nach. Auf Anfragen aus dem Publikum sprach Rabb. Neuhaus anschließend noch über das Wesen der Kabbala, die ebenfalls keine „Geheimwissenschaft" sei, über jüdische Sexualethik und die Stellung zu den Nichtjuden. Die vom ersten bis zum letzten Wort fesselnden Ausführungen fanden bei' dem Publikum, das den großen Saal des Volksbildungsheimes gedrängt besetzt hielt, starken Widerhall. Trotz mehrfacher Aufforderungen kam es zu keiner Diskussion, das die zahlreich anwesenden „Ritter vom dritten Reich" augenscheinlich vorzogen, ihre durch eifriges Quellenstudium (bei Streicher und dem Völkischen Beobachter) erworbenen Talmudkenntnisse nicht zur Prüfung zu stellen. M. N. Verein zur Aussteuerung hiesiger israelitischer Vürgerstöchter e. V. Der seit 1790 bestehende Verein zur Aussteuerung hiesiger israelitischer Bürgerstöchter hat am 18. d. M. seine diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung abgehalten. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende in ehrenden Worten des im verflossenen Jahre dahingeschiedenen Vorstandsmitgliedes Herrn Dr. Emil Sichel s. A. An Stelle des Verstorbenen wurde Herr Mar David in den Vorstand gewählt. Der Mitgliederbeitrag für 1930 wurde wieder aus RM, 9.— festgesetzt. Bei der Verlosung der Aussteuer 1. Klasse aus 1929, die RM. 3500.— (im Vvrjayre RM. 3000.—) beträgt, wurde die Nummer 181 gezogen. Dem Mitglied, das diese Beteiligungsnummer besitzt, steht das Recht zu, den genannten Betrag als Mitgift einem Mädchen zuzuweisen, das den satzungsgemäßen Bedingungen entspricht. ■ Ferner hat der Vorstand in seiner auch am 18. d. M. stattgefundenen Sitzung beschlossen, sechs Aussteuern 2. Klasse von je RM .4000.— am 27. Mai d. I. zur Vergebung zu bringen. Zur Bewerbung um diese Aussteuern 2: Klasse ist jedes jüdische Mädchen, das den Bedingungen der Satzung genügt, ohne irgend eine Zahlung zugelassen. Anmeldungen sind von den Bewerberinnen bezw. ihren Ellern oder Vormündern bis zum 29. April d. I. bei Herrn Wolfgang Auerbach, Gervinusstr. 10, vorm. 8—9 Uhr, einzureichen. Der Verein lädt hiermit auch zur Erneuerung bezw. Erwerbung der Mitgliedschaft ein und bittet, ihm den Jahresbeitrag von RM. 9.— auf sein Postscheckkonto Nr. 50 333 zu überweisen. Jedes Mitglied erhält mit der Quittung über den Jahresbeitrag seine Beteiligungsnummer für die Verlosung der Aussteuer 1. Klasse aus 1930, die in der ordentlichen Mitgliederversammlung des nächsten Jahres erfolgen wird. Der Verein hofft, durch den Hinzutritt vieler neuer Mitglieder in den Stand gesetzt zu werden, die Beträge der Aussteuern noch weiter zu erhöhen. Immerhin bie,tet die Verlosung der Aussteuer 1. Klasse den Mitgliedern eine ganz besondere Chance. Während nämlich bei jeder anderen Verlosung nur ein Teil der eingezahlten Beträge verlost wird, übersteigt der Betrag der Aussteuer 1. Klasse die Summe der Mitgliederbeiträge, da der Verein einen wesentlichen Betrag aus den Zinsen seines Kapitalvermögens hinzufügt. Freilich erhält das gewinnende Mitglied nicht den Betrag der Aussteuer für sich selbst, sondern nur das Recht, ihn einem minderbemittelten Mädchen, das aber mit ihm verwandt sein darf, als Mitgift zu überweisen. Den Vorstand bilden zurzeit die Herren Alfred Schwarzschild, Vorsitzender, Wolfgang Auerbach, Mar David, Ludwig G r o e d e l, Abraham H o r o - v i tz , Dr. Ernst Kirchheim und Mar Stern. Exemplare der neuen Satzung werden auf Ansordern (Anschrift Gervinusstr. 10) zugesandt. Israelitisches Frauenheim Bad Nauheim. In der Generalversammlung, die am 12. Mörz 1930 stattfand, machte der Vorsitzende die Mitteilung, daß das Heim im Jahre 1929 von nahezu 300 Kurbedürftigen besucht wurde und noch mehr Anfragen Vorlagen, die jedoch aus Raummangel nicht berücksichtigt werden konnten. Der Anstaltsarzt Dr. Hertz lieferte einen Bericht über den Erfolg der Kuren bei den Patienten und ist derselbe in jeder Beziehung beftiedigend. Weniger befriedigend ist der Kassenbericht und beträgt das Defizit noch immer über Mk. 4000.—, obwohl anerkannt werden muß, daß besonders.in Frankfurt trotz der Ungunst der Zeit ein ansehnlicher Betrag von Spenden in Höhe von ca. Mk. 5000.— im ganzen einging. Hingegen ist die Mitgliederzahl nicht gestiegen und es wäre sehr zu wünschen, daß diesem schönen Werk der Menschenliebe, das bekanntlich eine Gründung der Familie Rothschild ist und s. Zt. auf Veranlassung des sel. Herrn Moses Mainz geschaffen wurde, weitere Mittel zufließen. Der Kurbetrieb wird am 28. April d. I. eröffnet und sind Anftagen an Herrn I. F. Ettlinger, Frankfurt a. M., Bockenheimerlandstr. 25, zu richten. Stellenvermittlung der Agudas Jisroel. Im Berichte der Stellenvermittlung der A. I. in der jüngsten Nummer heißt es muß es richtig heißen: „Es gelang der Stellenvermittlung im Laufe der letzten Zeit in 43 (nicht 13) Fällen Stellen zu verschaffen. Hebräische Arbeitsgemeinschaft. Die angekündigte hebräische Arbeitsgemeinschaft der Vereinigung *ia»i av über aktuelle Fragen beginnt am zweiten Tag nvs unter Leitung des Herrn Jakob Landau im Lokal der Agudas Jisroel-Jugendgruppe, Schwanen- Lstraße 12, abends 6 Uhr. Die Kurse für Fortgeschrittene und Anfänger beginnen in der Woche nach nvs, die angemeldeten Teilnehmer werden schriftlich benachrichtigt. Weitere Anmeldungen werden an Herrn Wollmann bei Falk, Am Tiergarten 28, erbeten. Feiwel Groß Mit Feiwel Groß V"xt, der nach längerem mit Geduld und Ergebenheit getragenen Leiden am Dienstag, den 1. April ds. Js., im Alter von 70 Jahren gestorben ist, verschwand ein Mann der älteren Generation der hiesigen - ostjüdischen Kolonie von besonderer Eigenart und Prägung. In hohem Maße künstlerisch begabt, besuchte der aus Galizien stammende talmudkundige, strengfromme junge Mann anfangs der neunziger Jahre die hiesige Kunstgewerbeschule und verstand es trotz Kaftan und Peos sich die uneingeschränkte Liebe und Achtung von Lehrer und Kollegen zu erwerben. Zeit und Umstände erlaubten es ihm leider nicht, das erlernte Holzbildhauergewerbe, für duv er erne ungewöhnliche Befähigung besaß, auszuüben. Er meißelte dafür umso intensiver an seinem eigenen Ich, das er zu einer innerlich geschloffenen Persönlichkeit gekältete. Echte Frömmigkeit, tiefe Seelengüte, grenzenose Bescheidenheit, Milde im Urteil und im Handeln, zeichneten diesen fern von jedem politischen Getue und Getriebe lebenden wahren Eottesdiener aus. Jude sein war für ihn einziger Lebens- und Daseinszweck und Jude sein bedeutete für ihn nun n»V und jmsnn arp. Als wunderbarer, musikalisch begabter nV’sn Vsa und 8-np Vya erfreute er über 20 Jahre hindurch die vn-wn ma Gemeinde in der Obermainanlage mit seiner herrlichen Stimme und dem warmempfundenen seelenvollen Vortrag. __ä 10. April 1930 Die hiesige ostjüdische Kolonie hing an ihm mit Liebe und Verehrung, was sie durch ihre zahlreiche Beteiligung am Begräbnis deutlich zum Ausdruck brachte n"annj Altersjubiläum. Vor einigen Tagen koonnte Fräulein Adelheid S t i e - beim außergewöhnlicher körperlicher und geistiger Rüstigkeit ihren 75. Geburtstag feiern. Einer angesehenen Mtsrankfurter Bürgersfamilie entstammend, weiß sie heute noch in bewunderungswerter Frische von den angesehenen Patrizierfamilien der „guten, alten Zeit" zu erzählen, vor allem von den Rothschildschen und Jacob S. H. Sternschen Häusern, in denen sie stets gern gesehen war. Wir wünschen Fräulein Stiebe! einen glücklichen, sorgenfreien Lebensabend. - Der hier wohnende Konrektor I. Speyer wird am 20. ds. Mts. sechzig Jahre alt. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Siehe "Peffachwoche im Mekor Chajim" im lokalen Teile. Jahrzeitsstiftungen. Sonntag, nvs Hanna Moos-Stiftung. Donnerstag, »"mn, Auguste Vier, geb. Heß-Stiftung. Freitag, a"mr?, Jda Weil-Stiftung. Montag, Zn invrr, Rabb. Dr. Julius Lorsch- und Gretchen Wallerstein-Stiftung. Mittwoch, 23. April, Adelheid Schwab-Stiftung. Donnerstag, 24. April, Josef Wallach-Stiftung. Freitag, 25. April, Abraham Sender-Stiftung. Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Schabbos 7’/2 Uhr, Haschkomoh, Schwanenstraße 12, Das Jaumi-Schiur, Herr Herz Holpern, von 12—13, Sonntag von 11—12 Uhr, Montag bis Freitag von 12—13 Uhr, Gelegenheit zum Lernen — täglich von 9—12 Uhr, Schwanenstr, 12. — Gemoroh Bowo Mezio, Vorbereitungsschiur, Dozent: Herr Ch. Liverhant, jeden Schabbos PU Stunden vor Nacht, Schwanenstr. 12. (Dieser Schiur ist der Vorbereitungsschiur zu dem Montags und Mittwochs von 20i/2—2P/2 Uhr stattfindenden Schiur des Herrn Rabbiner Horowitz '"3.) — Kizzur Schulchän Aruch-Schiur, Dozent Herr Louis Kahn, nach Schluß der Synagoge, Schwanenstr. 12. — Tefilloh-Erklärung, Dozent Louis Kahn, nach Beendigung des Schulchän Äruch-Schiurs, Schwanenstraße 12. — Mischnajaus Schiur, Dozent Herr Dr. Hirsch, von I61/2—171/2 Uhr, Merianstraße, in der Wohnung des Dozenten. Vortrag am nvs Vv '»»av in der Jugendgruppe der Agudas Jisroel über: „Der Prophet Eliahu in Geschichte und Agadah", 1774 Uhr, für Damen und Herren in den Räumen der Gruppe Schwanenstraße 12, Herr Red. S. Schachnowitz. Das irnmP am Vinn na^ fällt in der Iugendgruppe aus. Samstag, Vinn nav, 33/4 Uhr, Halachischer Vortrag, Herr Herz Halpern. Stellenvermittlungszentrale der Agudas Jisroel. Ab 1. April sind die Sprechstunden wie folgt festgesetzt: Montag Abend von 8—9 Uhr, Mittwoch vorm, von 12—1 Uhr, Donnerstag fällt aus. Beshamidrafch Ostendstratze. Samstag nach Mincho, 5 Uhr, Halachischer Vortrag des Herrn Rabbiner Karpel. Liwjath Chen. Samstag mittag nach Mincho 4.45 Uhr im Hörfaale Friedberger Anlage Vortrag des Herrn Schachnowitz „Der Seder als Erzieher" („Die vier Söhne"). Gebelzeiten. nvs aas? ix 's narr? Freitag morgen 6.15 Freitag abend 6.45 Samstag msvn 5.45 Chomez-Verbot 9.— Samstagnachmittag 1.— und 4.30 Samstagabend 8.05 nvsi 'ai Peßach nvarrm 6.45 Peßach Morgens 8.20 Peßach Nachmittag 1.— und 5.— Peßach Abends I. und II. Tag 8.05 Wochengottesdienst: Morgens 6.30 Nachmittags 6.30 Tefillin-Legen am Morgen 4.25 nvsn 'm 'T Freitagabend 6.55 Samstag nsarrm 6.45 Samstagmorgen 8.— II. Tag Predigt Samstagnachmittag 1.— und 5.— Samstag Ausgang 8.15 Peßach Ausgang 8.20 Wochengottesdienst: Morgens 6.15 Nachmittags 7.— Tefillin-Legen 4.05