Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 15-16 (10.4.1930)
- Date
- 1930-04-10
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 15 S'tff Israelit M- Äprll ZM fuhr es ihm durch den Sinn . . . Cr hatte noch gerade die Kraft, an dem ihn haltenden Tau zu ziehen, um die Kameraden zu benachrichtigen, daß er in großer Gefahr war — dann verlor er das Bewußtsein. „Es stand auf des Messers Scheide," sagte der Arzt, als man Bram ohnmächtig, mit einer großen, klaffenden Wunde am Hinterkopf, nach Hause brachte, „aber jetzt besteht keine Gefahr mehr. Der Mann hat ja eine Haut wie ein Seehund ... Er ist bewußtlos geworden, weil der Gummischlauch, durch den ihm Luft zugeführt wurde, sich am Wrack vertüterte . . . Allerhand, daß er, wo er so in Schwulitäten saß, noch an die Schiffspapiere dachte. Sie find jetzt im Lotfenamt. Der Notar wird sie gleich öffnen. — Also adjüs, Betje. Wenn ihr nächste Woche Osterbrot kriegt, vergeht nicht, mir auch 'n Stück zu geben — du weißt ja, meine Frau leckt sich alle zehn Finger danach ..." — Nach wenigen Tagen stand Bram trotz des Protestes seiner Frau auf. Noch etwas schwach und blaß saß er am Tisch, der zum Seder gedeckt war. „Das war aber das letzte Mal, daß du getaucht hast," sprach Betje, sanft verweisend. „Ich habe doch fünfzig Gulden verdient . . warf Bram ein. „Was hast du davon? Jetzt mußt du vierzehn Tage zu Haus bleiben und kannst keinen Cent verdienen . . . Aber selbst wenn sie dir. jetzt tausend Gulden gäben, würde ich auch noch nein, sagen ..." „Laßt uns Gott danken, Betje, daß Er mich gerettet hat," sprach Bram leise. Und dann erzählte er in .'tiefer Rührung, was ihm auf dem Meeresgründe begegnet war. Still lauschte Betje. War das nicht wie in Mizraim? War der Kapitän der „Albatros" nicht gestraft worden, wie Pharao gestraft worden war? Und doch war keine Freude in Brams Herzen über das Los seines Feindes. Jedsts Rachegefühl lag ihm fern. „Arme Menschen," sagte er mitleidig. Da klopfte es an der Tür. Auf' Brams „Herein!" trat der Notar ins Zimmer. Freundlich begrüßte er das Ebepüäi' und wandte sich dann an Bram: - ■ „Ich habe "eine große Ueb erraschung für Sie. Der Kasten, den Sie mitgebracht haben, enthielt keine Schiffspapiere, nichts, was mit Ladung und Bemannung etwas zu tun hätte. Als der Kapitän bemerkte, daß sein Schiff verloren war, ging er in seine Kajüte und tat seinen Besitz an Gold und Wertpapieren in diesen Kasten. Es wurde ein Brief dabei gefunden, worin er schreibt: , , „Ich, James White, habe voriges Jahr m diesem Ort einem Juden Unrecht gete^ und ihn um 500 Gulden bestohlen; ich tat das lediglich, weil ich Abneigung gegen Juden empfinde. Jetzt ist mein Schiff leck geworden. Ist das eine Strafe des Himmels dafür, daß ich des Juden spottete? Trifft der Himmel mich, wie einst das Schiff,, auf dem Jonas war? Wir sind zum Tode verurteilt. Das Wasser strömt durch das große Leck ein — es kann nicht mehr lange dauern — die Signalapparate funktionieern nicht mehr — wenn nicht sofort Rettung kommt, sind wir verloren. Ich will nicht als Dieb sterben. Wenn meine Leiche mit diesem Kasten gefunden wird, dann gebe mun den gesamten Inhalt Bram Snoek, dem Taucher. Ich habe weder Kind noch Kegel in der Welt — mem Vermögen im Werte von 30.000 Dollar gehört diesem Juden. Das ist mein letzter Wille. Gott fei meiner armen Seele gnädig. Wir sind verloren." Fassungslos hatte Bram den Notar angehört. Er konnte nur flüstern: „Gott ist gut. Er hat mich gerettet. Er hat wieder Fremde und Licht in unser Haus gebracht. Er, ^.öge dem unglücklichen Kapitän vergeben." Diesmal war das P^eßachfest Bram und seiner Betje nicht Zerstört worden. Er war* aus einem armen AAnn eln wohlhabender Bürger geworden. Und in der Synagoge drüben hängt ein schönes Porauches, das einer gestiftet hat, der durch Tauchen fernen LebensunterhE verdient. (Autorisierte UebersttzuW aus dem Holländischen von Heinz, Gasp a ri.I El« verlängertes Ießachfest (Line Prager Geschichte nach dein Buche D'trrtp -nso' Leipzig 1§26.)' In Prag war alter Brauch;. ticd$ .Petzachalrsgang gleich Brot zu genießen. Das Jahr hiüdurch Mb es in Prag genug der Mischen Bäcker, um die Gemeinde mit Brot und..-Backwerken zu versorgen. . Am AuMäng; des Peßach konnten diese aber nicht gletdf ihren Beruf äusüben, fodaß an diesem Tage nichtjüdischsS Brod frei-' gegeben war und^ die nichtjüdischstn Bäckek an diesem einzigen Tage im Jahre recht; gute" (lleschäsllim Prager Ghetto machten. Da ergab es sich zur Zeit des. Rabbi' Jecheskek' Landau, daß. eine große Hetze gegen $ie Juden ' im Gänge ' war. Unter den christlichen' Bäckern'gab es grimmige' Judenfeinde, und diesen gelang es, ihre Kolksgen für einen teuflichen Plan zu gewinnen, der das Leben von -Hunderten oder Tausenden in der Gemeinde gekostet hätte. . Ne beschlossen nämlich;, am Wge nach Peßach vergiftetes. Brot aus den Judenmarkt'zu bringet und damit den ihnen verhaßten Juden den Garaus zu Mächen. In der Nacht zum 7. Peßächtage hatte aber Rabbi Landau einen Traum, in dem chm der Verrat Mfgedeckt wurde. Er erwachte und wollte den' bösen Traum von sich abschütteln, schlief aber wieder ein, und. wiederum stand ein Greis vor ihm und sprach noch eindringlicher als zuvor: „Wenn du nichts, tust;, um deine EemÄrde zu. retten, werde ich das Blut deAer Brüder von dir fordern?'- - . ' * Verstört stand der Rabbi morgens auf und wuKe, „ es kein leerer Traum war. Gr überlegte, was zu .tun..fei, Wollte er den Sachverhalt' der. Gmneinde; mttfefleir und sie warnen, da hätten bfe: Bäcker" noch ZW' gefunden, ihren Plan unausgeführt zulassest und i hn, den Rabbi, wegen schwerer Verleumdung zrr oerklägen." Der kluge Rabbi Landau wußtt' aber Rat. AM 7V Festtage,luder alle Rabbiner und. Gelehrten — es wartzn Ämäls dMen nicht wenige in Pkag — zu sich und ließ'.sich mit ihnen in eine gründliche halächische AüsMandSr^ fetzungeistuSerdie Frage des „Bav" tosfff",'- der Erweiterung eines Gebotes. Ais sie schließlich darüber einig waren, daß nichts dagegen spräche, auch' noch' einen Tag nach- Peßach sich des Brotgenuffes. zu enthalte^. erklärte er kurz, er würde morgen nach'- Entheben: der Thvrarolle in der großen Schul erklären,. daß dieses- Jahr statt acht neun Tage der Genuß non Choinez verboten sei. ' Am letzten Festtage waren auf Anordnung des Rabbinates samüMe Klausen und Bethäuser geschlossen, . . . .. .. . ......... ^_..... vv. fodaß alle gezwungen waren, 5 in die große- Schul jeher Zeile, verspürt;, daß: hier., ganz-im Gegensatz zu kommen:' Die sonderbare Verordnung wurde - dann zur den Werkenmoderner GesHicht^schreihung-. mit einem vom .Rabbi vor dem Mussafgebet vop der Kanzel herab “ ’r“L " " “ ' “ "' " verkündet und" erregte Kopsschütteln und auch einigen Aerger. - Aber keiner wagte, nach dem Grunde zu fragen, oder das . Gebot zu übertreten. Als am Tage nach Peßach die nichtjüdischen.-Bäcker: sich mit ihren Brotständen im Ghetto'etablierten;, waren? sie nicht wenig, erstaunt, daß sich kein Mensch um fie undihre sonst an diesem Tage so gesuchte- Ware kümmerte Bis daß sie aus dem Munde eines Judenerführe«,, daß die Juden in diesem Jahre -neun- Tage. PetzachM hielten. ' ' , -. Am folgenden Tag - war in der Gemeinde Brot genug von .jüdischen Bäckern hergestellt unddas . Verbot des Genusses von nicht jüdischem Brote war automatisch wieder inKraft getreten. - . . Die Geschichte hat eine kleine Fortsetzung. Die.- Bäckerzunft verklagte den Rabbi auf Schadenersatz, weil er willkürlich zu ihrem Nachteiledas Fest., verlängert hätte. Vor Gerichts erklärte sich' der Rabbi., gern bereit, den vollen Schaden zu ersetzen, doch müßte erst geprüft werden, ob das Brot auch genießbar sei. Man wunderte sich über diesen Zweifel, doch ließ man es auf einen Versuch ankommen und gab davon einem Hunde zu essen, der gleich darauf verendete. Eine nähere Untersuchung ergab dann die Giftbestände im Brote. Der Rabbi wurde freigesprochen und die Hauptanstister verurteilt, das vergiftete Brot zu genießen, sodaß sie nach dem Psalmsatze: „Wer Andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein", ihre wohlverdiente Strafe erhielten. In Prag blieb nachher lange Jahre der Brauch bestehen, am Jsru Ehag von Peßach kein Brot zu gemeßen. mag es selbst demjenigen^ dem es vergöMt war, demteuren Dahingeschiedenen' nahe, zu . stehen, Hwietig er--' scheinen, in der gedrängtem Kürze eines Nachrufes der hohen Bedeutung seiner PKWnlichke.it gerecht Kr werdest. Nur mit wenigen Worten sei fö daher einem trösteü Verehrer des Entschlafenen, der sich seines väterliches Wohlwollens erfreuen durfte und der die trn' Hütte,- zu. wiederholten Malen sich einesmehrwöchentlichen .Umganges und ganz besonders der Belehrung des Beregszaszsr Raws zu erfreuen, gestattetanzudeuten, was den ganzen Retz, was den tiefen Zauber' dieses.ihwa-Sni cküsgemacht hat, mit dem er alle, die nur je mit ihm in Fühlung: traten, in feinen Bann zog: Wenn unsere v'svn es uns lehren, daß nn «V lin»-inias pn^son baß jeder, det einen Ä-Hst zurückläßt, der in feinem Geiste fortwandelO gleichsam nicht gestorben ist, so hat dieses- Weisheitswortt M der KersönliHkeit von Rabbiner S- Schreiber seine schönste'Bestätigung" gefunden. Als Sohch. Enkel und UrenkeljeNer unverMglichen Großen, der' «chstbenen Leuchten'unseres Volkes rr^nsivono-isio von,nz'rrrr^pzr"rwar er sich seist'- ganzes Lebenhindurch ihrer unendliMn'. Bedeutung für' den b&'Wvbte voll und ganz bewußt, bewußt dessen, was esheißt,, aus Hkem Bmnnen die lebendigen: Wasser der nvi'ipn nun geschöpft zu haben. Und darum verspürte' man eS auch) im V'erWr mit ihm, daß märc einem Manns' gegenüber stand;, der das Leben disstn Großen wahrhaft gelebthat, und der darum auch als der getreue ^iterpret ihrer ZVbenscrnfchauungen geMn .durfte: Gleich ihnen vereinigte' et in ferner Person die Milde' und Menschen fteundlichkeit, dL-' feine Ahnen so ^gezeichnet hat und' mitde»' ihnen; nicht minder ch«rcÄeristffchen Strenge/ dort wors^ galtz, den'. Wotten der nnm Geltung zu vetschäMn undsie' vom jegMer Trübung durch vergängliche: ZeiiströmungeN' Win. zu erhalten. . Düs Wort des Schrift «-'^«^Lv-'p^nronrvhöct darum aräch -durch ihn dis! skünoollS- Deutung' erfähren^ daß es imimrr gelte;, an der: D’ömfi nta an der Eigenschaft des (Sröarwteas;. die in . dem' vierbuchstabigeuG'ottesnamen zum Ausdrruckl gelangt, und mr der pn m» an der Eigenschaft des strcengyn Rechtes, , dis der (Sottesnatne D’px uns veranschomkWen wÄl, gleichermaßen festzuhWen;. im Verkehr mit bete Umwelt Liebewalten: zu lassen- und für die Erhalt,der min dem Rechte NM>> SieMe zu. verhelfen, imm er aber bei allem und jedem vom den. Grundsätzen des n»»- tan« enthWt dieselbW. Buchstaben: wie: nmr) der Wahrheit sich letten zu lassem' und dieser. Wchchmt, wie.' sie in unserer nun enthalten ist,'-frei: von: Kglrchmr Komm:omK dm Anerkennung ..zu verschaMm, Aus diesem E rundä war er auch em: überzeugter Anhänger und Bert reter des ^ei* mischen mn’Vn jener. schprfsmnrgen Le rnmethnde, die Vater und" Gratzstater! in der: Prstzburger I,es Mia gelehrt, die inunerbittlichem, WährhettSdrange <m keinem noch so belanglos scheinenden: Worte: vr: v"V un o Q’rwa vorübergeht und nicht eher ruht;, bis P: ft-des Y.ieserr Worte gedeutet. und erWrt^. eineo Mdth'me^ nste s» e hyA nach die n»nnmmo:. m Preßburgkennzeichnet. Für dieser hier nur in Kürzen angedeutete.- Tendenzzn wirken, bi rrin erblickte Rabbiner. S. Schreib er,- den. ganzen Jnhc clt feims Lebens. Und er tat dies weit: üb«:-den engerer? Kreis ferner Gemeinde-.- hitzaus durch; die: äuß«st wertv ollen. SiWsten, die er uns zurSSgelaMn-h«t: Wer nur einmal' seinen vin vbimsn die in geradezu klassischem v-iipn V -v^niedergeschriebenen Bisgraphie« seiner Ahnen: gelesen k;at, der. hat es bei > QötffÄ. ivn. aä fttat Cd_P. i. Rabbiner Salomon Schreiber Versuch einer Würdigung von Rabbiner C. Peritz- Königsberg i. Pr. (Siehe Bild auf Seite 1.) Das'thoratreue Judentum hat durch den Heimgang des Beregszaszer Raw, Rabbiner Salomon Schreiber!?"^ einen überaus schmerzlichen, schier unersetzlichen Verlust erlitten. Unter dem Eindruck des noch frischen Schmerzes nsv zu tun Hatz, das uns das Leben unserer Großen in ihrer ganzen Echtheit utid> . NatürlicUett exftchrn läßt, mit dervom-. Verfasßr Wb st oft genugausgesprochenen Tendenz,, ein, lebendes- Mussarfefer unszp: geben, das in depit: Schäften-und Wirten der leuchtsrde Vorbilder auch/für Mtftzre.- eigene LebensfühMM-.^MS' bietet. Von ganz besonderer Bedeutung ahex U sM erst vor Jahresfrist erschienenes Werk mnmv niirm gewordenenthaltend. big- Korrsspondez feiner großen-Ahne^. die er mit nimmer ermüdetem Eifer zusämmengeft«gKn und . gerichtet haif- und. mit berechtigtem Stolzeinnerer Ge-, nugtuungi tomM er es noch erkebeNj. welche Äneerkennungdieses, -so in weitesten Kreisen gefunden'Wt..-So hat ev auf diese Mise nicht nur seinen Ahnen, sondern damit zugleich sich Mst ein leuchtendes Dentmsik für alle Zesten: gesetzt. Möge das nisr desnvsr auch uns dem heistchen.. n-airm- (UaWwer Dr. Wokfs Pentzatevch-Kommentar.^ Vv« dem vor 11 Jahren begonnene Dr. Wolf'sch e.q- Pe«» ta t euch - Ko m m errtur derin gediegener unid dennoch leicht faßlicher Formden Text erläutert,; sind. im. Lauft der Zeit 20 Hefte erschiene«, die den' Komszentar bis nahezu an das Ende von Schmaus führe«.. Es ist lediglich der Mangel an Betriebskapital, der die Vollendung der Drucklegung bisher verhindert hat. . Nur 600 Abonnenten brauchte das Werk zu h'abertz um dem Herausgeber die fortlaufende Veröffentlichung des gan zen druck fertigen Kommentar s zu >eftnLgttchen. Jede. Lieferung kostet Mk. t— Sollten sich nicht 000 lernbe* gierige Glaubensgenossen in Deutschland finden, die sich bereit erklären, vierteljährlich Mk. 1.— zu opfern, damit wenigstens 4 Lieferungen im Jahre erscheinen können? Wer sich als Abonnent anmelden will, möge unmittelbaran die Bibliothek des jüdischen Volkssteundetz^ Adresse Rabb. Dr. Wolf, Köln., 'Hohenstaufenxintz 14 schreiben.