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Der Israelit · 1930-04-10 · Heft 15-16 (10.4.1930) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 15-16 (10.4.1930)
Date
1930-04-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 15 Der Israelit 10. April 1930 Bald ist Ostern... Was Sie zu diesem schönen Fest brauchen — den neuen Hut, das flotte Kleid — den Frühjahrs-Mantel, natürlich auch Schuhe, Strümpfe, Wäsche usw. finden Sie bei uns in überaus geschmackvoller Auswahl, Denken Sie an den baldigen Einkauf. Unsere stets billigen Preise erleichtern es Ihnen, Anschaffungen zu machen. Gutgeschultes, freundliches Personal wird Sie bei Ihrem Einkauf beraten und ständig bemüht sein, Sie bestens zu bedienen. Schneider Das neuzeitliche große Kaufhaus Zeil, Ecke Stiftstraße ihre 62 Vethäuser einen Aufwand von S. 250.000 und für ihre 20 Talmud-Thora S. 150.000 aufzuwenden. Also, die orthodoxe Judenschaft, die nach meiner Schätzung nicht 20 Prozent der Kultusgemeinde beträgt und keine reichen und wohlhabenden Mitglieder zählt, hat einen Jahresaufwand von S. 12.000.000, d. h. sie legt sich nach jeder Richtung Einschränkungen auf, um nur ihr Leben streng nach der Vorschritf der Religion einrichten und ihre Kinder streng jüdisch erziehen zu können. Ich habe außer der Notierung für den Keren Hajessod nie gegen eine Bewilligung gesprochen. Ich muß aber andererseits entschiedenst verlangen, daß beispielsweise die kleinen Bethäuser, 62 an der Zahl, in denen an einem gewöhnlichen Wochentage jedes einzelne mehr Beter aufweist als die großen Gemeinden zusammen, mit dem Bettelbetrag von S. 30.000 abgespeist werden, also durchschnittlich S. 500 pro Bethaus." Das Budget wurde mit den Stimmen der Zionisten und der Union angenommen. Zum Kapitel Palästinazwecke, wurden Sch. 20.000, für Keren Hajessod Sch. 5000—, für Keren Hajischuw Sch. 12.000, für Chaluzim, Sch. 3000.— für den Palästina-Aufbaufond bewilligt. Wohlfahrtstagung der österreichischen Gemeinden. Wien, 4. April. Auf Anregung der Wiener Kultusgemeinde fand im HäuptversaMmlungsgebäude eine Tagung aller österreichischen Gemeinden statt, die das Problem der Wanderfürsorge für Oesterreich zum Gegenstand hatte. Die Hauptstelle für jüdische W.ander.fürsorge in Berlin war durch Dr. Max Kreuzberger, der Verband bayrischer israelitischer Gemeinden durch Justizrat Dr. Elias Straus vertreten. Ferner waren anwesend Vertreter der tschechischen Gemeinden Prag, Brünn und Lundenberg. Die Tagung wurde eröffnet durch eine Begrüßungsansprache des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Generaloberstabsarzt Dr. Pick. Dr. Kreutzberger hielt ein Referat über „Stand und Aufgaben der Organisation der Wanderfürsorge in Deutschland". Er zeigte, welche Notwendigkeit sich für eine Organisation der Wanderfürsorge in Deutschland ergeben hat, und welche organisatorischen und sürsorgerischen Erfolge in Deutschland nach vierjähriger Arbeit zu erzielen waren. Justizrat Straus ergänzte diese Ausführungen durch' den Hinweis auf die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Oe st erreich, da die beiderseitigen Grenzgemeinden nicht in der Lage sind, von sich aus die Frage der Wanderfürsorge zu regeln. In der Diskussion kamen beinahe alle österreichischen Gemeinden zu Wort. Es wurde einstimmig die Meinung kundgetan, daß eine organisatorische Regelung der Wanderfürsorge in Oesterreich unerläßlich sei, und daß alle Maßnahmen ergriffen werden müssen. um nunmehr endgültig eine zentrale Wandersürsorgestelle in Wien zu begründen, die im engen Konnex mit der deutschen Schwesterorganisation zu arbeiten hätte. Die Vertreter der tschechischen Gemeinden berichteten von den bisherigen Ergebnissen ihrer Zusammenarbeit mit der deutschen Zentralorganisation, die sich sehr gut bewährt habe. Sie forderten dringend die Organisation der österreichischen Gemeinden und gegenseitige Unterstützung. Angarn. Die Besetzung des Rabbinaks in Sopron» Sopron, 27. März. Vom Gemeindevorstande in Sopron wird uns u. a. geschrieben: Wie seinerzeit gemeldet wurde, starb kurz nach r-VDi hier hochbetagt unser Oberrabbiner Menachem Grünwald. Die führerlose Gemeinde sah sich nach einem neuen Oberhaupt um. Es hatten sich zur Annahme des Oberrabbinats in unserer Gemeinde viele anerkannte rabbinische Größen aus allen Teilen Ungarns und der Nachfolgestaaten bereit erklärt. Der Gemeinde wurden zwei Kandidaten zur Wahl vorgeschlagen, von denen einer, und zwar Herr Rabbiner Simon Posen,?mit großer Majorität gewählt wurde. Herr Rabbiner Simon Posen ist ein Sohn des Frankfurter pn Gerson Posen >a. An der Wahl am 2. März beteiligte sich die gesamte Gemeinde bis auf einige durch Krankheit oder Abwesenheit verhinderte Mitgleder. Für unseren neuen Oberrabbiner stimmte die überwiegende Majorität der Mitglieder. Wie wohl überall in jüdischen Gemeinden, ging der Wahl ein Wahlkampf voraus, doch im Momente, da der Gemeindepräses, Herr Dr. Weiler, das Wahlergebnis verkündet hatte, verstummte der Streit, und beide Parteien scharten sich einmütig und mit Begeisterung um den neugewählten Führer. Nur eine ganz verschwindende Minorität von etwa 6—7 Herren hätten lieber gesehen, wenn bis auf weiteres überhaupt keine Wahl stattgefunden hätte. Um die Wahl zu vereiteln, veranlaßten sie im letzten Moment die Familie unseres verstorbenen Oberrabbiners V'xt, ihre ripm -Ansprüche geltend zu machen. Wir sind aber unbeirrt den Weg des na« gegangen, und wir stehen nicht an, dies vor breitester jüdischer Oeffentlichkeit klarzustellen. Schweiz. Drei Iahre Ieschiwah „Ez Chajim" Montreux. Montreux, 7. April. Durch die Initiative von Herrn R. E. Botschko, Mitglied des Zentralrates der A. I., ist im April 1927, in Montreux, einem berühmten Kurplatz der schweizerischen Riviera, eine Jeschiwah nach litauischer Lehrmethode ins Leben gerufen worden. Diese Lehranstalt, die von Herrn Botschko selbst ehrenamtlich geleitet wird, befindet sich in dem bekannten Schloß Quisiana, das mit den modernsten Einrichtungen versehen und von einem prächtigen Park umgeben ist, woselbst die Schüler auch wohnen und verpflegt werden. Die Gründung erfolgte unter äußerst schweren, kaum zu überwindenden Bedingungen: Niemand schenkte ursprünglich diesem sehr gewagten und kühnen Unternehmen Vertrauen oder glaubte an seine Existenzmöglichkeit, da weder ein Großteil der jüdischen Eltern in der Schweiz, noch deren Kinder den Begriff einer Jeschiwah kannten und dafür absolut kein Verständnis aufbringen konnten. Die Schweiz ist bekanntlich ein stark utilitaristisch ausgeprägtes Land. 14—15jährige jüdische Knaben widmen sich, sobald sie die . Schule absolviert haben, dem geschäftlichen Beruf. Von geistiger Betätigung war kaum etwas zu spüren. Die Schweiz war von ihren Bergen wie von einer chinesischen Mauer umgeben, durch welche die Strahlen des Thoralichtes nicht eindringen konnten. Hie und da begaben sich Einzelne nach Frankfurt, Galant und Tyrnau, um dort Thora zu studieren, aber es waren nur Einzelne tjw ins* Dank der Aufrichtung der Montreuxer Jeschiwah gelang es, auf dem harten steinigen Boden einen Weg zu bahnen, den Jeschiwahgedanken unter den breiten Massen populär zu machen, die Jugend hierfür zu begeistern unddie Jeschiwah nach kurzer Zeit ihres Bestehens zu hoher Blüte zu bringen. De Jeschiwah, die mit einer Teilnehmerzahl von nur 10 Schülern eröffnet wurde, zählt heute nach dreijährigem Bestehen, bereits 55 Zöglinge, darunter mehr als die Hälfte aus der Schweiz und die übrigen aus Deutschland, Oesterreich, England, Frankreich, Ungarn, Belgien und Amerika. Unter den Zöglingen befinden sich auch eine Anzahl von Hörern verschiedener Rabbinerseminare, welche sich 1—2 Se-: mester ausschließlich und intensiv dem Thorastudium widmen. Die Jeschiwah genießt heute schon Weltruf und. wird allseitig anerkannt und bewundert. - _ Die Jeschiwah zeichnet sich in ihrer Eigenart dadurch aus, daß sie ihre Zöglinge nicht in erster Linie zu „Berufs"- Rabbinern, sondern zu jüdisch-intellektuellen, zielbewußten, geistig und sittlich hochstehenden Menschen erziehen will, die den in der Jeschiwah genossenen Geist-und das erworbene Wissen später in das jüdische Leben hineintragen, um dadurch eine neue Aera zu schaffen, eine neue, jüdisch denkende und fühlende Generation zu ertüchtigen, wodurch die tiefverankerte goldene Brücke geschaffen ist, die zur geschichtlichen Ueberlieferung führt. Die Schüler rekrutieren sich, im Gegensatz zu den östlichen Jeschiwaus größtenteils aus gutbürgerlichen Kreisen. Sie beweisen dadurch, daß auch vww v'i'V?'122 inm min istxn und verteilen sich auf vier Haupt- und zwei Unterklassen. Der Lehrplan umfaßt Gemara Tosofot mit Kommentaren, Poskim, Schulchan-Aruch, Tenach, Muffar und hebräische Sprache. Der Unterricht beginnt mit „Hacholas Gemara" und erstreckt sich bis zum selbständigen Lernen von nisoin ns? enm*. Profane Fächer sind in den Lehrplan nicht ausgenommen, es ist aber den Schülern anheimgestellt, in ihrer freien Zeit, — außerhalb des achtstündigen Tagespensums in der Jeschiwah — profane Studien fortzusetzen, wovon aber die Schüler bei ihrem ungeheuren Lerneifer meistens keinen Gebrauch machen. Ganz wie in den litauischen passiert auch hier oft, daß cwan» die ganze Nacht durchlernen. Seit dem Bestehen der Jeschiwah haben bereits über 120 Jünger, und zwar 60 Schweizer und etwa 60 aus verschiedenen Ländern Westeuropas Thorabildung in der ausgiebigsten Weise bei ihr genossen. Das Budget der Jeschiwah betrug im ersten Gründungsjahr bei 12 Zöglingen Fr. 22.000, im zweiten Jahr bei 35 Zöglingen Fr. 64.000, im dritten Jahr bei 55—60 Zöglingen ca. Fr. 85.000. Die Jeschiwah wird vom Schweizerischen israelitischen Gemeindebund, von einzelnen jüdischen Gemeinden, Vereinen, Logen und der Keren Hathora-Zentrale der Schweiz subventioniert und erhält auch Spenden von schweizerischen und ausländischen Gönnern. Bemittelte Schüler zahlen die Selbstkosten ihres Unterhaltes (ca. Fr. 150 bis Fr. 175 monatlich für Kost und Logis) Lerngebühren werden keine erhoben. . Der Lehrkörper, besteht außer dem Jeschiwahleiter, der in den oberen Klassen unterrichtet, noch aus vier hervorragenden litauischen Dozenten. Der Ausbildungsgang der Schüler umfaßt 4—6 Semester. Die Erfolge, die die Jeschiwah in den ersten drei Jahren ihres Bestehens erzielte, sind über Erwarten groß. Selbst die einstigen Gegner oder Skeptiker zählen heute 3U; ihren größten Gönnern und Förderern, und allgemein .wifchihr. die größte,Sympathie. entgegengebracht. Ein Großteil her Schweizer jüdischen Jugend' betrachtet^, es .heute schon als selbstverständliche Pflicht^ einige..Semester die Jeschiwah zu,besuchen.? Die zweite.Kenessio gedaulo begrüßte; einmütig Jn' einer; speziellen Resolution diese neue Schöpfung lebhaft und?, betonte deren gewaltige Bedeutung für die westliche Judenheit. Sie drückte ihren Gründern und Leitern den tiefsten Dank und ihre Anerkennung aus und knüpfte daran die Hoffnung, daß die Jeschiwah als Vorbild für die übrigen Länder des Westens dienen möge. Erfüllt von. Hoffnung tritt die Jeschiwah vertrauensvoll in das vierte. Jahr ihrer Existenz, und spricht allen Gönnern und Förderern, Gemeinden und Vereinen, insbesondere dem Kuratorium und dem schweizerischen Keren Hathora, die ihr in den schwersten, kritischen Tagen treu zur Seite standen, ihren tiefsten Dank aus. Möge ein göttlicher Stern auch, weiter, über' diesem Werke walten, zum Glück und zur Freude der.schweizerischen undder ganzen westlichen Judenheit. .N2 kvi, D”'n fy Schwere Repressalien geMn reliMse Führer in SowZekruUand. B erlin, 2. April. Von einer jüdischen Persönlichkeit in Berlin werden der Jüdischen Telegraphen-Agentur neue aus authenti-

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