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Der Israelit · 1930-04-10 · Heft 15-16 (10.4.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 15-16 (10.4.1930)
Date
1930-04-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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10. April 1930 Der Israelit Nr. 15 Seite 7 tages vorgeschlagen hat: Es seien Verhandlungen mit der Kirche und der Lehrerschaft eingeleitet, um eine Aenderung des Lehrplans für den Religionsunterricht durchzuführen, bei der die alttestamentlichen Stoffe stärker Zurücktreten sollen. Der „Nationale Sozialist" bemerkt: „Die Herausnahme des Alten Testamentes aus dem christlichen Religionsunterricht ist eine der dringendsten Maßnahmen auf dem Gebiete des Schulwesens. Der jüdische Geist des Alten Testamentes hat mit dem Geist des Christentums aber auch nichts gemeinsam." Chief-Rabbi Dr. Hertz stellt eine Falschmeldung deutscher Schächtgegner richtig. Berlin, 1. April. Der Chief-Rabbi, Dr. I. H. Hertz in London, hat unter dem 23. März 1930 an das Büro für Schächtangelegenheiten in Berlin folgendes Schreiben gerichtet: „Meine Aufmerksamkeit ist auf eine Nachricht folgenden Inhalts in der Neuen Mannheimer Zeitung gelenkt worden. „In England geht mit Zustimmung der jüdischen Religionsgemeinden stets eine Betäubung des Schlachttieres durch Elektrizität der Blutentleerung voraus. Diese Art der vorangehenden Betäubung verletzt die betreffenden religiösen Vorschriften nachgewiesenermaßen nicht." Ich erkläre mit größtem Nachdruck, daß diese Nachricht absolut unbegründet ist. Ferner, daß alle Gesetze in unserem Lande hinsichtlich der Vetäubungsapparate eine Ausnahme für die jüdisch-rituellen Erfordernisse vorsehen. Die Erörterung hinsichtlich des Schächtens in unserem Lande bezieht sich nur auf die Methode des Niederlegens der Tiere vor dem Schächten. Eine Niederlegungsmaschine — Weinberg Pen — ist kürzlich mit befriedigendem Erfolg erprobt worden. Sie bringt das Tier in 25 Sekunden in die Lage, in welcher es geschlachtet werden kann. Sie hat mit einem Betäubungsapparat nicht das geringste zu tun. In der Annahme, daß Sie für die Veröffentlichung dieser Erklärung Sorge tragen, bin ich Ihr sehr ergebener gez. I. H. Hertz." Der Ostjüdische Verband. Bremen, 2. April. Herr Z. Margulies in Bremen schreibt uns: „Unter dem Titel „Unsere Konferenz und die jüdische Oeffentlichkeit" bringt die Zeitung „Die jüdische Welt" in Nr. 6 vom 16. März eine Glosse zu einem Artikel des „Israelit" (Nr. 10 v. 16. März) über die Konferenz des Ostjüdischen Verbandes und schreibt u. a.: „Ganz interessant verteidigt der „Israelit" die Rechte der Ostjuden und wir lesen im zitierten Artikel, daß er „seit Jahr und Tag" dafür eintritt, „daß das Recht eines Mitgliedes in der jüdischen Kultusgemeinde nicht von der Geburtsurkunde, sondern von seinem Steuerzettel (vom „Israelit" gesperrt gedruckt!) bedingt sein muß." Fürwahr, eine wunderbare Verteidigung der Rechte, die man vom Geldsack abhängig macht!" Leider hat der Artikelschreiber infolge nrr nVpVpa nsw mwn vergessen, den Nachsatz „oder seinen sonstigen Qualitäten" zuzufügen. Der vom Artikelschreiber zitierte Satz lautet wörtlich wie folgt: „Ganz unsere Meinung! Wir treten in unserem Blatte seit Jahr und Tag dafür ein, daß das Recht eines Mitgliedes in der jüdischen Kultusgemeinde nicht von der Geburtsurkunde, sondern von seinem Steuerzettel oder seinen sonstigen Qualtiäten als Glied der Gemeinschaft bedingt sein muß. Eigene Kurien für ausländische Juden sind entwürdigend, — auch, und noch mehr für die deutschen Juden, die sie schaffen; in einer Zeit, wo der deutsche Jude selbst innerhalb der Kommunen genugsam um sein Recht, das bürgerliche und das religiöse, zu kämpfen hat." (Wir haben den Sachverhalt der Redaktion der „Jüdischen Welt" mitgeteilt und sie auf ihr Versehen aufmerksam gemacht. Sie antwortet uns merkwürdigerweise, wir sollten unseren Standpunkt in Sachen des Ostjudenrechtes präziser mitteilen. Als ob wir es nicht wiederholt und auch im besagten Artikel genügend getan hätten: Gleiches Recht für West- und Ostjuden in der jüdischen Kulturgemeinde! Red. d. „Israelit".) Das Breslauer Gemeindebudgek. Breslau, 2. April. Der Gemeindeoorstand hat dem Repräsentantenkollegium den' Haushaltsplan für 1930/31 übermittelt. Er balanziert mit Mk. 1.117.000.—, davon entfallen nicht weniger als Mk^ 378.000.—, also 35 Proz., auf Ver- Die Woche. ' Berlin. Sie „Kleine Anfrage" der Deutschnationalen, ob das Staatsministerium bereit sei, „die Beschlagnahme der Vermögen der nach em Kriege zugewanderten Ostjuden in Voranschlag zu bringen", wurde im Landtage vom preußischen Finanzminister mit' einem kurzen Nein beantwortet. — Frau Klara Jordan, die Begründerin des Israelitischen Frauenunterstützungsvereines, eine Me'.sterin und ein Vorbild auf dem Gebiete der Wohltat, ist plötzlich gestorben. — Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt in der letzten Woche große Aufklärungsversammlungen in Dessau, Bernburg und Köthen ab. Ileberall waren die Versammlungen sehr stark besucht. An der Diskussion beteiligten sich auch Geistliche beider Konfessionen und Vertreter der Behörden. Wien. Der Seniorchef des Hauses Gebrüder Gutmann, Mar Ritter von Gutmann, ist in diesen Tagen in Wien im Alter von 72 Jahren verstorben. Er war Mitglied des ehemaligen österreichischen Herrenhauses und mit den Familien Rothschild und Montefiore verschwägert. Mar Ritter von Eutmann, der zahlreiche große Stiftungen für allgemeine, sowie jüdische philantropische Zwecke errichtete, war der Sohn des einstigen Präsidenten der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde Wilhelm Ritter von Gutmann. Genf. In Genf tagt gegenwärtig das Komitee zur Vekämpfung des Frauen- und Kinderhandels. Als Vertreter der Jüdischen Gesellschaft zum Schutze von Mädchen und Frauen nimmt Herr Cohen aus London an den Beratungen teil. Kowno. In mehreren Städten führten Ritualmordgerüchte zu mehr oder weniger ernsten Ausschreitungen. In allen Fällen klärten sich die Dinge aus, aber die Hetze ging weiter. Prag. Das Budget der Jüdischen Gemeinde von 1930 beläuft sich auf insgesamt 1 Million 800 000 Kronen. Ein Prager Jude, Arnstein, der in London gestorben ist, hat der Prager Gemeinde 400 000 Kronen vermacht. Budapest. In Cegled, wo vor kurzem, wie schon berichtet, Oberrabbiner Dr. F e l d m a n n verstorben ist, ließ der evangelische Bischof auf dem Turm der Kirche die Trauerfahne zu Ehren des verstorbenen Rabbiners hissen. Bukarest. Am 3. April erschien zur Nachtstunde Polizei im Jüdischen Studentenheim, riß die 230 dort wohnenden Studenten aus dem Schlaf und hielt eine Haussuchung ab, die die ganze Nacht hindurch dauerte. Die allgemeine Vereinigung der jüdischen Studenten hat Protest eingelegt. In Verbindung damit steht eine antisemitische Kundgebung vor der medizinischen Fakultät, wobei von den Antisemiten irrtümlich ein Nichtjude, namens Alerander Lupu, schwer verletzt wurde. Melburne. Sir Jsaac Alfred I s a a c s, seit 1906 Mitglied des Obersten Gerichts von Australien, und in den Jahren 1927 und 1929 stellvertretender Präsident des Obersten Gerichts, wurde zum Präsidenten des Obersten Gerichtes des Australischen Staatenbundes an Stelle des zurückgetretenen Sir Adrian Knor ernannt. Moskau. 19 Zionisten wurden aus Moskau nach Mittelasien verschickt. Nach der neuen Statistik gibt es in Sowjet-Rußland 1813 jiddische Schulen mit rund 122 003 Schulkindern. Man weiß, wie diese Schulen geartet sind. Jerusalem. Das vor einiger Zeit gefällte Todesurteil gegen den jungen spaniolischen Juden Joses O r p h a l i wurde nun vom Jqffaer Kreizgericht b e st ä t i g t. Orphali beteiligte sich in vorderster Reihe an der Abwehr des Angriffes auf Tel-Awiw. Britische Zeugen, Beamte und Offiziere, schilderten vor Gericht die Schwere des Angriffs und die Gefahr, in der sich Tel-Awiw befand. Trotzdem nahm das Kreisgericht Notwehr nicht an und bestätigte das Todesurteil. waltungsunkosten. Von der verbleibenden Summe entfallen auf Wohlfahrtsausgaben nahezu Mk. 400.000.—. Den Rest teilen sich die Religionsschulen mit Mk. 122.000.—, die Kultusausgaben mit Mk. 186.000.—, das Ritualwesen (Schechito und Mikwo) mit Mk. 40.000.—. Mit Recht weist die „Jüdische Zeitung" darauf hin, daß die Gemeinde, die für jeden Schüler ihrer Religionsschulen, für einen dürftigen, fast wertlosen religiösen Unterricht jährlich Mk. 123.— zuschießt, mit dieser Summe die Erhaltung der bestehenden_höheren Jüdischen Schule, die natürlich ganz andere jüdisch-pädagogische Wirkungen ausüben kann, zu sichern vermöchte. Oesterreich. Budgetdebatte in der Wiener Sultusgemeinde. Wien, 1. April. Am Montag vor acht Tagen gelangte im Vorstand der Wiener Kultusgemeinde der Haushaltungsplan für 1930 zur Verhandlung. Auf Antrag des Vorsitzenden, Prof. Pick, wurde zunächst eine Protestresolution gegen die Religionsverfolgungen in Rußland angenommen. Der Finanzreferent, Regierungsrat Dr. Oppenheim, erörterte die Ziffern des Voranschlages, der über 6 Millionen Schilling Ausgaben und ein veranschlagtes Defizit von Sch. 220.000 aufweist. Den Löwenanteil der Ausgaben beansprucht das Fürsorgewesen mit etwas über 2 Millionen, das Friedhofswefen mit etwas über 1 Million, die Verwaltung mit l1/« Million und der Kultus mit 1 Million, Daneben nimmt sich das Budget ftzr das Schulwesen mit Sch. 384.000 recht ärmlich aus. In der Generaldebatte gelangte zuerst Mendel S i ng e r von den Poale Zion zu Wort, indem er für eine Subventionierung des Paläftinaaufbaus Propaganda machte. Für die Palästinasubventionen sprach auch Kultusvorsteher Moritz. Am Montag, den 24. März, kam der Vertreter der Orthodoxie, Herr Wolf Pappenheim, zu Wort. Nachdem er in eindrucksvollen Worten die geradezu ausschlaggebende Bedeutung der strenggläubigen Kreise für die Erhaltung der Gemeinde überhaupt klargelegt hatte, gab er einen interessanten Ueberblick über die finanziellen Leistungen d».r Wiener Orthodoxie für ihre eigenen Institutionen. U. a. führte er aus: „Wir haben auch, bevor wir die Ehre hatten, dem hohen Kollegium anzugehören, stets für die Interessen der Kultusgemeinde gearbeitet, weil wir die Erhaltung derselben in ihrer gegenwärtigen Form für gut vier Fünftel der Wiener Juden als Lebensnotwendigkeit betrachten. Für uns Orthodoxe wäre es allerdings vorteilhafter und unserer Entwicklung förderlicher, wenn wir ganz selbständig wären. Ich kann auf das Kapitel Subventionen mit um so größerer Berechtigung eingehen, als — es kann dies nicht oft genug wiederholt werden — die Adaß Jisroel (Schiffschul) in den achtzig Jahren ihres Bestehens nie einen Groschen Subvention oder andere Zuwendungen der Kultusgemeinde an ge nommen hat. Es hat dies seinen Hauptgrund darin, daß wir uns das bißchen Autonomie, das uns der § 25 des Judengesetzes und der korrespondierende Paragraph des Gemeindestatuts, das Recht nämlich, für unser Geld nach unserer Fasson selig zu werden, gewährt, nicht durch Vexationen areligiöser Religionsschulinspektoren oder anderer Funktionäre der Gemeinde schmälern oder zumindest vergällen lassen wollen. Gestatten Sie mir einige Ziffern: Wir Schiffschuljuden sind ca. 6000 Seelen, also ungefähr 2,5 Prozent der jüdischen Bevölkerung. Das Budget unserer eigenen und der von uns subventionierten Institutionen beträgt S. 591.000, also ca. 10 Prozent des Budgets der Kultusgemeinde, ganz abgesehen davon, daß wir ganz bedeutende Beträge an Kultussteuern bezahlen, für die wir gar keinen Genuß haben, da wir die Institutionen der Kultusgemeinde nicht benützen können. Der Konzern „Aguda" hat ein Jahresbudget von S. 200.000 und besteht zum großen Teil aus denselben Kreisen wie die Schiffschul. Die diesen beiden Konzernen nur weltanschaulich, aber nicht als Mitglieder zugehörigen übrigen Orthodoxen haben für Moibeakalender n 19—19 9IpHt 1930 ' «. 14-31. NGan MW Samstag 12 14 noEj an? Vnan rae? 12 Sonntag 13 15 m' 1 n Q B Montag 14 16 '2 DV> i vienstag Mittwoch Apr. 15 16 IM 17 18 Donnerstag 17 19 1 Freitag 18 20 ) P Samstag 19 21 'r öv nos

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