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Der Israelit · 1930-04-10 · Heft 15-16 (10.4.1930) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 15-16 (10.4.1930)
Date
1930-04-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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30. Avril 1930 Der Israelit Nr. 15 Seite 9 scher Quellende stammende und verbürgte Tatsachen über antireligiöse Repressalien in Rußland mitgeteilt. Kurz nachdem die verhafteten und nach ausländischer Intervention wieder auf freien Fuß gesetzten Minsker Rabbiner die Erklärung unterschrieben haben, daß wohl antireligiöse Propaganda, aber keine Religionsverfolgungen in Rußland Vorkommen, haben die Sowjetbehörden verlangt, daß auch die ukrainischen Rabbiner eine solche Erklärung unterschreiben. Es wurde eine Konferenz ukrainischer Rabbiner einberufen, die von Rabbi Jizchak Leib Schneersohn aus Jekateriyoslaw geleitet war. Die Konferenzteilnehmer weigerten sich aber, öffentlich zu erklären, daß Religionsverfolgungen nicht stattfinden. Sie war lediglich bereit,, zu erklären, daß die Religionsversolgungen nicht antisemitischer Natur sind. Auf Grund dieser Weigerung wurde der Vorsitzende der Konferenz, Rabbi Jizchak Schneersohn aus Jekaterinoslaw, auf dessen Einfluß die Sowjetbehörde die unnachgiebige Haltung der Konferenz zurückführte, verhaftet und ist bis heute noch in Haft. Weiter wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Berlin mitgeteilt, daß die vor mehreren Wochen verhafteten Leningrader Rabbiner Rabbi Lazarow und Rabbi Nissan.zu zehnjähriger Verbannung nach den Solowezky-Jnseln verurteilt, wurden. Der Synagogenvorsteher Jasnogursky aus Leningrad und sieben junge Zöglinge einer Jefchiwah wurden zu je drei Jahren Gefängnis bezw. Verbannung verurteilt. England. Londoner Brief. Zionistische Erecntioe und Agency. — Jews College. — Schutz von Mädchen und Frauen. — Juden und Araber. L o n d o n , 31. März.*) Das Interesse für die Sitzung der zionistischen Exekutive ist diesmal stark zurückgetreten hinter demjenigen, das die jüdische Oessentlichkeit an der ersten Zusammenkunft des Administrativ-Komitees der Agency nahm. Nach den vorangegangenen wenig angenehmen Zwischenfällen, die nicht gerade ein reibungsloses Zwischenspiel der zionistischen und der nichtzionistischen Partner erwarten ließen, fürchtete man starke Auseinandersetzungen. Man hat diese Erwartungen enttäuscht, indem die Oeffentlichkeit ausgeschlossen und der Presse die Teilnahme an den Verhandlungen verweigert wurde. Die ausgegebenen Bulletins lassen natürlich, soweit die erwähnte Zusammenarbeit Marburgs und seiner Freunde mit der zionistischen Exekutive in Betracht kommt, alles in den angenehmsten Farben erscheinen. Im übrigen stand die Tagung selbst unter dem Zeichen tiefsten Ernstes, nicht nur im Hinblick auf das Hinscheiden Lord Balfours, sondern mit Rücksicht aus die schwere politische Situation. Die ernstesten Töne schlug Meizmann an, während Lord Melchett etwas mehr den gutgelaunten Optimisten spielte. Bemerkenswert war in Felix Marburgs Rede das Bekenntnis zu einer vollkommenen O e ko no m i s i e r u n g der Agency d. h. zuk Ausschüttung der Kultur- und UnterriDsftagen äys ihrem Arbeitsgebiet.Auch Marburg dächte dabei woht' weniger an die . Gegenwart, oder an die unmittelbare' Zukunft, .Äs an eist Endziel. Aber auch in'/dieser Hin-' sicht" wird'er immer ürit der Gegnerschaft aller derjenigen zu kämpfen haben, die im' Geiste Achab HäaMs M kulturellen'Äüfbau des 'modernen Palästina' deck' Hauptzweck' der ^ganzen Arbeit erblicken. ' , : ' * In Jews College wurde diese Woche der 200. Geburtstag Moses Mendelssohns durch eine akademische Sitzung begangen, in der Rabb. Dr. I. Epstein über „Mendelssohn als Religionsphilosoph in'seiner Beziehung zum Judentum" und Mr. H. B o r n st e i U, ein Student des Jews College, über „Mendelssohn erste Bemühungen ■■ um die Judenemanzipation" sprach. ■ ... '• ' - * ' Nach längerer Pause hat die unter Leitung "von Claude Montefiore bestehende „Gesellschaft zum Schutz der jüdischen Mädchen und Frauen"' eine öffentliche Tagung abgehalten. Der Vorsitzende führte aus, daß daß Merk der Gesellschaft in'stetigem Wachstum begriffen sei. Generalsekretär» ,Mr. C oh e n, berichtete insbesondere , über die. Bemühungen. der Gesellschaft in Sachen des Mädchenhandels. Einzelheiten über Stand der Völkerbundaktion in dieser Angelegenheit wrrrden nicht bekannt gegeben. *) Wegen Raummangels verspätet. Im „Jewifh Chronicle" veröffentlicht ein sfardischer Glaubensgenosse, Dr. Ariel Benson, eine bemerkenswerte Auseinandersetzung über die jüdisch-arabischen Beziehungen, worin hauptsächlich darauf merksam gemacht wird, daß die besondere Eignung der sfardischen Kreise als Mittler zwischen den arabische!n und jüdischem Volke zu dienen bisher nicht genügend nutzbar gemacht wurde. Die orientalische Judenheit habe größeres Verständnis für die arabische Psyche und werde andererseits auch mit viel geringerem Mißtrauen betrachtet, als die Kombination von kulturellem Europäertum und Imperialismus, mit der dem Araber der westeuropäisch-englische Zionismus umkleidet erscheint. Der Artikel sollte jetzt, da die arabische Delegation angekommen ist, besonders beachtet werden. Alacdonald und Lord Paßfield empfangen die arabische Delegation. London, 2. April. Die vor einigen Tagen in London eingetroffene palästinensisch-arabische Delegation, bestehend aus dem Großmufti von Jerusalem, Haj Amin El Husseini, dem Präsidenten, der arabischen Exekutive Musa Kazim Pascha, dem Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, dem palästinensischen Deutschen Alfted Effendi Roch und dem Anwalt und Vizepräsidenten der arabischen -Exekutive Auni Bey Abdul Hadi, wurde gestern vom Premierminister Ramfay Macdonald und dem Kolonienminister Lord Paßfield empfangen. Auch Jamal Esfendi el Husseini, der seit einigen Monaten in London weilt, war zugegen. Der Sekretär der arabischen Delegation gab im Namen des Großmusti eine Mitteilung an die Presse, in der es heißt: Beide Parteien waren sehr erfteut, miteinander zusammengekommen zu fein,- man plauderte fast zwei Stunden lang allgemein über die Lage. Wir sind nicht in der Lage, irgend ein Statement über die Verhandlungen herauszugeben, weil es sich um eine allgemeine Zusammenkunft handelte. Es ist wahrscheinlich, daß weitere Zusammenkünfte folgen werden. Die arabische Delegation, heißt es in der Mitteilung weiter/ sei jetzt damit beschäftigt, den soeben herausgegebenen Bericht der Palästina-Kommission gründlich durchzunehmen: sie wird in diesen Tagen einige Erklärungen zu dem Bericht herausgeben. (ITA.) Palästina. Die Palästina-Regierung verbietet die Zikhar- Zeremonie an der klagemauer. Jerusalem, 3. April. Die Regierung hat die Abhaltung der musikalischen Zikhar-Zeremonie, die von den Moslemiten seit einigen Monaten an den Freitag-Abenden in der Nähe der Klagemauer abgehalten wird, verboten. Zum ersten Male seit einigen Monaten konnte sich der Gottesdienst der Juden an -der Klagemauer am letzten Freitag-Abend ungestört vollziehen. Bisher vertrat die Regierung die Auffassung, daß sie keine Anordnungen in Verbindung mit der Klagemauer treffen: könne, bis nicht die Klagemauer-Kommission des Völkerbundes die Rechtsverhältnisse geregelt hat. Krisis im Jerusalemer Sladlrale, Jerusalem,.3. April. Die jüdischen Mitglieder des Jerusalemer Stadtrates haben korporativ ihre Aemter im Stadtrate niedergelegt als Protest dagegen, daß der Bürgermeister Ragheb Bey Nashashibi vor seiner -Abreise mit der arabischen Delegation nach London den christlichen zweiten Vizebürgermeister Jakub Farouji mit seiner Vertretung im Bürgermeisteramt für die Zeit seiner Abwesenheit betraut und' der Oberkommissar Sir John Chancellor diese Maßnahme bestätigt hat, obwohl der jüdische? erste Vizebürgermeister in seiner Abwesenheit hätte vertreten müssen. Dazu kommt, daß Chaim Solomon - Repräsentant der weitaus zahlreichsten Gemeinschaft der Stadt Jerusalem ist. In der von den jüdischen Ratsherren veröffentlichten Erklärung heißt es u. a : In den feil ten Munizipalwahlen verflossenen drei Jahren waren wir bestrebt, die Stadtverwaltung zuverbessern und diegefährdeten jüdischen Interessen zu schützen.' i n Unsere Bemühungen waren aber infolge der Politik der arabischen Mehrheit'im Rate erfolglos. Die Regierung hat diese Haltung der arabischen Stadlratsmehrheit begünstigt. Ein Akt einschneidender Ungerechtigkeit war der letzte Beschluß der Regierung, den jüdischen Mzebürgermeister, der der Vertreter der Vevölkerungsmehrheit von Jerusalem. ist, nicht als stellvertretenden Bürgermeister zu bestätigen. Die Regierung ging sogar soweit, den von den Juden gemachten Kompromißvorschlag, daß beide Vizebürgermeister paritätisch die Verwaltung der Munizipalität. übernehmen sollen, zurückzuweisen. Da wir nun die Hoffnung ausgeben müssen, die Lage bessern zu können, haben wir mit Zustimmung 3)er Jüdischen Gemeinden Jerusalems beschlossen, unsere Aemter im Stadtrat niederzulegen. Sprechsaal. Eine halachische Frage. Wird der *vtö in einer größeren Familie gegeben, so kommt auf jeden der paioa kaum ein rvn» eine Olivengröße von der' als riss rr'sia gereichten Mazza. Noch weniger ist dies der Fall, wenn der *no in noch größerem Kreise, etwa .in einem Jugendvereine gegeben wird. Man kennt ja die Größe unserer Mazzos hierzulande. Mag sein, daß in anderen Ländern größere gebacken weroen, oder daß man^ früher überhaupt zum niv viel dickere buk. Wir haben mit der Gegenwart zu rechnen. Manche, die den heiklen Punkt längst herausgefühlt, Helsen sich in der Art,:'daß sie das kleine vielmehr zu kleine Quantum der Sed^schüssel künstlich ergänzen durch.Beigabe von Stücken aiHerer Mhwosmazzos, die sie zur Vervollständigung des nna iw» frei bereit halten. Anderen gefällt diese „Hilfe von außen" weniger. Sie legen gleich auf die Sederschüssel mehrere Mazzos, doch so, daß immer die Freiheit gewahrt bleibt, also dreimal zwei, oder dreimal drei usw. Sie stellen sich die mehreren Mazzos stets als eine einzige/'dickere vor. Welche Ansicht ist nun die korrektere und verdient den Vorzug? A. M. in D. Für die Hausfrau. Um das umständliche Glühen der Herdröhre, die zum Backen dient, zu vermeiden, unterläßt man es oft, eine eigene Verschlußtüre zu beschaffen, man benützt einfach die am Herd befindliche, welche man sonst auch verwendet. Es liegt auf der Hand, daß dies durchaus unzulässig ist. Die Türe müßte auf der Innenseite für nvs extra geglüht werden. Darum ist es ratsam, auch die Einschiebröhre gleich mit einer Verschlußtüre veHehen zu lassen. — Das gleiche gilt für die sogenannte Setzmaschine, die bei wärmerer Witterung am nav in Funktion zu treten hat. Man gebe ihr einen eigenen Einsetzkasten mit Verschluß. Das ist das Praktischste. \ Briefkasten. A. M., Frankfurt a. M. Weil uns die von Ihnen namhaft gemachte ostjüdische Frauenvereinigung, wie Sie richtig sagen, gar nichts angeht, darum haben wir unsere mahnenden Worte nicht an diese gerichtet, sondern ganz grundsätzlich auch an gesetzestreue und halbgefetzestreue Iugendvereine. Im übrigen zeigt der Ton Ihres Briefes, wieviel die Vereine an Erziehungsarbeitin ihren eigenen Kreisen noch zu leisten hätten. Daß wir sonst noch irgendwie auf den Inhalt Ihres rüpelhaften Schreibens eingehen, werden Sie wohl selber nicht erwartet haben. Zamiliennachrichten. Barmizwo: Max, Sohn des Herrn Hippolyt Baer, Kaufmann, Hölderlinstr. 9. Synagoge Friedberger Anlage, 'r'av/s na». — Meny Joseph, Sohn des Herrn Raphael Gradenwitz, Berlin NW. 87, Berlfteiner Ufer 20. Synagoge Adaß Jisroel, Siegmundshof. rnn» 's na». Kleines Gebäck, das den Magen nicht durch schwerverdauliches Fett belastet und -deshalb unbedenklich auch vor dem Schlafengehen genossen werden kann, stellt man am besten mit dem echten Palmin her, weil dieses bewährte Koch-, Brat- und Backfett völlig frei von schädlichen Fettsäuren ist. Wie alljährlich bietet sich auch dieses Jahr den um ihre Kinder besorgten Eltern die beste Gelegenheit, diese im bestrenomiertesten Norderneyer Kinderheim der Frau Golde (hier, Obermainstr. 10) die denkbar gesündeste Ferienerholung im Seebad zu bieten, mit dem angenehmen Gefühl, nebenbei seine Kinder glänzend verpflegt und untergebracht zu wissen und dem angenehmen Endresultat, sie nach Schluß der Ferien frisch und gut erholt, gerüstet für ein neues Arbeitsjahr, in Empfang zu nehmen. (Siehe Inserat.) } f - - * Alle Schulbücher: Hebraica Judaica, deutsche, fremdländische Literatur, sind gut und billig zu haben in Buchhandlung Hugo Oppenheimer, Rückertstr. 57. (Näheres Inserat:) Unsere Leser finden für ihre Jugend ein geeignetes Festgeschenk in für jede Gelegenheit passenden Briefmarken-Älben in dem bekannten Spezialhaus für Briefmarken, der Firma K. W. Fr. Schäfer, hier, Kaiserstr. 2. (Siehe Inserat.)

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