Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 15-16 (10.4.1930)
- Date
- 1930-04-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 15 Der Israelit 10. April 1930 Frankfurts größtes Speziaihaus biete* „B est e Q ua I i tä t z u billigsten Preisen“. Uhren aller All Gold . Silber - Juwelen QL _ t.-^_ ■ Bestecke uno sohp Traur n g e Nur Zeil 95 u.Töngesg. 25-27 lelzfch keine Rede fein kann, ist selbstverständlich.. Aber die öffentliche Meinung der Welt, soweit ihr Treu und Glauben in der internationalen Politik kein leerer Wahn ist, wird es auch nicht erträglich finden, wenn etwa eine weitere Aushöhlung der Balfour-Erklärung auf dem Wege der Interpretation beabsichtigt sein sollte, die irgendwie hinter das Churchill-Weißbuch von 1922 zurückgeht. Verharrt jedoch die englische Regierung auf der Grundlage des Churchill-Weißbuches, so werden sich unseres Erachtens Mittel und Wege finden, um der berechtigten Forderung der Araber nach Selbstregierung entgegenzukommen, ohne die Errichtung des jüdischen Nationalheimes im Sinne des Churchill-Weißbuches zu gefährden. Der Gedanke beispielsweise, eine Art jüdischarabischer Agency als Oberhaus neben einem aus Wahlen hervorgehenden Parlament in die. Verfassung Palästinas hineinzuarbeiten, dürfte hierfür eine gewisse Grundlage bieten. Doch wird man gut tun, einstweilen Zurückhaltung zu. üben, bis die Regierung, die ja zweifellos mit der arabischen Delegation ebenso eifrig verhandelt wie mit der Agency, im Einzelnen Stellung genommen hat. Südafrika sperrt sich gegen die eigene MrkfchafksenkwiÄnng ab Es ist noch nicht gar so lange her, daß General Hertzog, der Ministerpräsident Südafrikas, die Bedeutung der Juden für die Entwicklung von Handel und Industrie in Südafrika hervorhob und die enge Freundschaft zwischen Juden und Buren rühmte. Das war vor Tisch, d. h. vor den Parlamentswahlen. Die Lobeshymnen fanden auch Nachklänge bei Neuwahlen, die bis vor einigen Wochen in von Juden bewohnten Bezirken vor sich gingen. Das hinderte nicht, daß man einige Wochen später eine Einwanderungssperre durchsetzte gegen jenes Element, das man klaren Geistes, der die Systeme in allen talmudischen Disziplinen klarzulegen verstanden hat. Ausgestattet mit einem ungewöhnlichen Wissen intrnsoin'nvo triLv,'v-Mi"^3 crannK «nV’aa gelang es ihm, allen Dingen aus den Grund zu gehen. Seine erstaunlichen Werke über die Grundbegriffe der Halacha seine geistsprühenden Bemerkungen zu Talmud Bawli und Zeruschalmi und seine tiefschürfenden Responsen über praktische Fragen der Halacha legen.von diesem talmudischen Phänomen, beredtes, Zeugnis ab. Aber auch in hen heiligen Hallen,-der lstabbala war er als Heiliger heimisch,. Er" schrieb viele. Merke über die Lehren - der Kabbala und ihre Quellestim 'Talmud und zeigte ' damit,' daß < i die geheimen UeberlieserungeN der Kabbala aus demselben Born wie die Uebe.rlieferungen der Halacha geschöpft sind. Nicht weniger wundervoll sind' 'seine Druschwerke, in denen er als echter Gaon seinen eigenen Weg ging. Das bedeutendste seiner Werke ist wohl die 32bändige talmudische Encyklopädie, von welcher bis jetzt leider nur zwei Bände erschienen sind. Diese Encyklopädie ist unter Zugrundelegung eines klaren Systems nach Alphabet geordnet und -faßt fast alle talmudischen Begriffe und halachischen Lehren zusammen, welche in. einer meisterhaft klaren Sprache und mit einer erstaunlichen Gründlichkeit geklärt und geläutert' werden. Voller Bewunderung stehest" wir vor diesem gigantischen Werke eines brriva -pur und möchten wünschen, daß es dem Verein „Ohawei Thqra", , der sich die Aufgabe gestellt hat sämtliche Werke , des Gaons herauszugeben, gelingen möge, sein Ziel möglichst bald zu erreichen. Dazu ist freilich die Hilfe der Rabbinen und Talmide Ehachvmim nötig durch Erwerbung der bereits erschienenen Werke, als auch durch Bestellung der demnächst erscheinenden Werke, die bei dem obengenannten Verein, Men II, Leopoldsgasse 16/24, zu erhalten sind. /•'. I. L. (Berichtigung.) .Herr Leopold Mosbacher bittet uns daraus hinzuweisen, daß in dem von der Palästina- Zentrale versandten Büchelchen in be;t Schlstßtäbelle istsofctn ein Versehen unterlaufen sei, als darin das Jahr 5737 fehlt, in welchem Erew-Pehach ebenfalls auf _ . , , einen Sabbat fällt, und zwar auf den 2. April 1977. lichem Hinweis auf M zurückgebliebenen Diffevor den Wahlen als die treibende Kraft zur Verbreitung von Handel und Industrie. anerkannt hatte. . > Das Gesetz ist einer der schwersten Schläge, die das östliche Judentum in den letzten Jahrzehnten getroffen haben, ist zudem auch eine schwere Be l e i d i gumg d e s s üd afrikonisch e n J u den tums, und zuletzt ein Verhängnis für Südafrikas Wirtschaftsleben. Durch die Heuchelei, mit der das Gesetz verteidigt und durchgedrückt wurde, wirddie Sache nicht er freulicher. Der Innenminister, Dr. Mal an seines Zeichens Geistlicher, betonte immer und immer wieder, das Gesetz richte sich nicht gegen Juden, sondern nur gegen O st e Uropa. Für ihn scheint aber auch P a l ä st in a in Osteuropa zu liegen. Die Anderen waren in ihrer Bekundung der Feindseligkeit gegen die Juden offener und ehrlicher. Auch die En g l ä n d e r auf den Bänken der Linken schwiegen oder stimmten in den Chor gegen die Juden kräftig ein. Man darf sagen, .die ausgesprochen antisemitischen Reden wurden von Briten gehalten. Das Echo, das das Gesetz in der englischen Presse Südafrikas gefunden hat, paßt recht gut zu dem Verhalten der südafrikanisch-britischen Presse zu den Vorgängen in Palästina. Die britische öffentliche Meinung in Südafrika bietet der Burenregierung in Sachen der Landessperre die sicherste Rückendeckung. Wenn man den Ausführungen und Zahlen- Angaben eines Eingeweihten, Herrn Ep st e i tu s, folgt, wonach im Gegensatz zu Amerika, das sich mit seinen 120 Millionen Menschen ein wenig Luft machen muß, die. verödeten Städte und Ländereien in Südafrika bei im Ganzen zwei Millionen Europäern f ö r mlich nach Menschen schreien, so ergibt sich, daß, wie schon so oft und manches Land in der Geschichte, sich Südaftika indem es die Hand gegen die Juden ausholt, in Wahrheit sich ins eigene Gesicht schlägt. - Jetzt ist es Pflicht zu reden" Dr. Jsmar Freund auf dem Verbandstag des Preußischen Landesverbandes. I. Von einem Vorstandsmitgliede des „Halberstädter Verbandes" gehen uns nachfolgende Ausführungen mit der Bitte um Veröffentlichung zu: Der unbefangene Leser des an, die Zeitungen versandten Berichts übler die Verhandlungen der Tagung des Berliner „Landesverbandes jüoischer Gemeinden" wird die allzuberechtigte Frage aufwerfen: Sind die Führer der beiden Preußischen Landesverbände bis zudem Grade von allen guten Geistern, verlassen, daß sie ungeachtet der druckenden Gefahren der Gegenwart,'Ungeachtet cher Wirtschaftsnöte und des Judenhasses, einander befehden?^,Ist ihnen denn nie der Gedanke gekommen, mit dem Willen zur gemeinschaftlichen Rettung des deutschen Judentums sich an den Verhandlungstisch zu setzen? ■!- . Es gab eine auf Jahre hinaus sich erstreckende Zeit, in der die elementare Pflicht, gemeinschaftliche Arbeit zu versuchen, beiden Verbänden gegenwärtig w ar. Plötzlich erfol g t e d i e Kundig u n g. Aber nicht etwa von dem bösen Halberstädter Verband! Man kann die Kündigung auch Vertrauensbruch nennen. Nach wiederholten langen Sitzungen, die von beiden Seiten mit größtem Ernst, mit Sachlichkeit und in. friedlichenvornehmen Formen geführt wurden, empfing der Halberstädter Landesverband wie einen Blitz aus heiterem Himmel am 18. Juli 1928 eine Zuschrift des Berliner Landesverbandes, in der gemeldet wurde, man habe sich entschlossen, ohne weiteres Abwarten den eigenen Judengesetzentwurf der Regierung einzureichen. Nein, man Hab e t h n bere it sei n g e =; t e.icht f Man bedenke: während das schwer erreichbare Ziel gemeinschaftlichen Vorgehens bei der Staatsregierung eventl. unter gemeinschaftnöö w iw i.M. Gr. Friedbergerstr. 44 EckeVilbelergasse Tel: Hansa22387 hat unter Aufsicht der Isr. Religions- gesell schalt die gebräuchlichsten Ar- .. zeneizubereitungen angefertigt. Etwaige Rezepte müssen den Vermerk: Pessach tragen,. Eine Liste der unter Aufsicht rituell hergestellten Mittel ist den Ärzten -zugestellt und wird auch auf Wunsch an Patienten abgegeben renzpunkte dem glücklichen Ziel ganz nähe schien, sperrt der Berliner Landesverband plötzlich die Türe, ruft aber — hochmütig oder gnädig? — den Ausgesperrten durchs Fenster: wir sind bereit, Euch nochmals zu empfangen. Noch nicht zwei Jahren später wird die ganze Schuld der Nichtzusammenarbeit vor einem nichtorientierten und voll Vertrauen lauschenden Plenum der Delegierten seitens des verantwortlicheni Geschäftsführers von der Tribüne aus folgendermaßen erklärt: „Der Halberstädter Verband intrigiert und petitioniert, leistet Minierarbeit." Und weiter wird theoretisch hinzugefügt: „wenn derHcrlberstädter Verband nicht endlich zu gemeinschaftlicher Arbeit sich zurückfin de (ein kostbarer Ausdruck!), wird die ganze preußische Judenheit-öie von dem Halberstädter Verband zerschlagenen Fensterscheiben bezahlen müssen." II. Als weiterer Beleg für die täglichen Quengeleien des Halberstädter Verbandes, seine Machenschaften, Manipulationen und seine Minierarbeit, wird hingewiesen auf die Gefährdung der Vorarbeiten zum Judengesetz durch seine Sonderwünsche. Man hatte die Vorsicht, dem Plenum nicht zu verraten, daß zu diesen Quengeleien die Wahrnehmung einer r e l i g 't o n s g e - ' e tz l ichen B est immung gehört, nämlich ler Widerspruch gegen den Zwang zum Frauenwahlrecht, jawohl, den landesgeetzlichen Zwang, wie ihn der Gesetzentwurf des Berliner Landesverbandes enthält. Man hat auch weiter die Versammlung darüber unaufgeklärt gelassen, daß eine der Reichs Verfassung grell widersprechende Beimmung in dem der Regierung seitens des Berliner Landesverbandes vorgelegten Gesetzentwurfes enthalten ist. Die Reichsverfassung verlangt bekanntlich Freiwilligkeit auf religiösem Gebiete. Der Berliner Gesetzentwurf, fordert aber landesgesetzlichen Zwang für jede jüdische Gemeinde zur Zugehörigkeit zu dem einen oder dem andern der Landesverbände. Nicht um der Reichsverfassung willen,, sondern um der allerdings von der Reichsverfaffung vebürgten G e w i f s e n s f r e i h e i t w i l l e n ist in seinem. der Regierung, vorgelegten Entwurf,,her .Halber-, städter Verband dieser Bestimmung! ^natursiM. nicht beigetreten. Derjenige äW,'herVm.-diesem: Zusammenhang von der .GefährhMg derVorcM beiten eines Juhengesetzes seitens des! quextziM renden und intrigierenden Halberstädter! HzHheM verbandes im Herrenhaus widersp^chslys.!'M Mentiert hat, ist derselbe, der inr JäW!^9M zur Gewinnung der jüdischen Gemeinden Deutschlands für eine Reichsorganisation in dem seiner Feder entstammenden Entwurf einer neuen Form der Zusammenfassung der jüdischen Gemeinden geschrieben hatte: ■: „Von außen her gibt es. kein 'Hindernis - mehr, und auch die inneren Schwierigkeiten, sind herabge,mindert. Denn eines der Haupt-- Prinzipien des neuen deutschen Staatskirchen- . rjechts ist die Freiwilligkeit. Von einem Mitgliedszwange kannfo wenig,- wie in der. Einzelgemeinde, so im Verbände hie Rehe sein. Das Zustandekommen des Werkes ist also njicht - mehr davon abhängig, daß s ä m t l i ch e Gemeinden sich daran beteiligen, Md oerMid^er-! spruch einer, . Minderheit bedeutet somit keine Gefahr mehr für das Ganze." . y$eX; Hälberstädter Gesetzentwurf kannsich also bei seiner Intrige auf den Dr. Jsmar Freund. von 1920 berufen. Seit 1920 hat die Volksparter an Macht und Einfluß innerhalb der Jüdischen -