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Der Israelit · 1930-04-10 · Heft 15-16 (10.4.1930) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 15-16 (10.4.1930)
Date
1930-04-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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10. April 1930 Der Israelit Nr. 15 Seite 3 Den Himmel bedeckt mitunter Nacht und düsteres Gewölk. Man könnte meinen, er sei nicht mehr derselbe. Da bricht sich der Strahl der Sonne Bahn, und in junger Frische lacht wieder neu das wohltuende Blau vom alten Himmel nieder. Die Erde ist zu Zeiten in Eis und Schnee gehüllt und gebannt von Frost und -starrer Oede; ihr Anblick erweckt den Anschein, sie, die L-ebensspendende, habe,aufgehört zu sein. Da erscheint der Frühling mit seinem Wunderstab, berührt die Totgememte und weckt sie wieder frisch und neu ins Dasein. So wie der alte-neue Himmel und die alte-neue Erde, so sei Israel, das alt-neue Israel, das sich in sich selbst, erneut in seinen Nachkommen verjüngt und in seinem stets zu neuem Klang erweckten Samen sich auffrischt un-d belebt. Schwer lastet der mederbeugende Druck eines rapiden Niedergangs auf Israels, des uralten Riesen, Schulter. Verfallserscheinungen verschiedener Art zeigen sich am jüdischen Lebenskörper. Man stellt ihm keine gute Prognose. Schon sehen Schadenfrohe ein anderes Gebilde an seme Stelle treten. Wird es zutreffen? Sollte der große Genius, der den Pharaonen trotzte,-sich Babels und Roms erwehrte, den mittelalterlichen Greueln entrann und der Neuzeit standhielt, jetzt dem allerneuesten Zeitenungeist erliegen, sich von ihm am Lebensnerv treffen lassen? Nein, und tausendmal nein! Noch haben wir ein Mittel in der Hand, der Bedrohung entgegen zu wirken, den Verfall aufzuheben und Israel, wenn es sein müßte, selbst aus der Asche seiner Vernichtung wie den sagenhaften Phönix, wieder neu und jugendfrisch erstehen' zu sehen, es heißt Verlebendigung. Verwirklichung, Vergegenwärtigung des Judentums in uns selbst und in unseren Bindern-. Es liegt an uns. Handeln wir in Treue an dem, der uns Jahrtausende in; Treue getragen, an dem Geistesgenius unseres Glaubens und Volkes. Leben^ wir das Judentum, übertragen und vererben wir es, stellen wir es hinein mitten in die Zeit und mitten in unser Werk, machen wir es zum Jetzt, zum Heute. Das ist Peßach, das ist sein Sinn und seine Forderung. „Neu an jedem Morgen, groß ist deine Treue". Aus diesem Gedanken der Verjüngung heraus wollen wir feiern dieses Fest, mit dem nunn nm unn ib dem neuen Herzen und neuen Geist, von dem der Prophet Ezechiel (18/31, 36/26) spricht, und mit dem nwin nw dem alten Erneuerungsliede der Psalmen und der Haggada wollen wir aus altneuer jüdischer Seele die Festeszeit begehen und sie zu lebenssprühender Wirklichkeit gestalten. umzingeln, 'itty'rvnnrn vxi m und Feuer und Rauchsäulen" an unserem Horizonte erscheinen, auch dann sollen mir nicht verzweifeln, nnnw a-oan dk 15 „Noch wird die Mutter sich mit ihren Kindern freuen!" Noch wird Liebe und Wärme bei uns einziehen. Die Schule Hillels aber fützt den Gedanken noch tiefer, indem sie meint, daß man das Hallel bis zu den Worten v'a wab sra n zu sagen hat. Wir sollen begreifen, daß das Felsgestein selbst zum Wasserquell wird. Daß selbst die Stürme und Erdbeben in der Menschenwelt Vorbedingungen und Mittel für den so heiß ersehnten Eintritt jenes Zeitalters des nn naan Vip sind, da aSisnnmm die Menschheit und vor allem Israel das Endziel der Erlösung erreichen wird. Ja, Elijahn geht demn'va i^a Messias-König voraus, wie auch Malkizedek mit dem für den Krieg gesalbten Priester verbunden ist. Der Herrschaft des pnx Rechtsideals im Kreise der Menschheit und all ihrer Beziehungengeht ein langer—banger Kamps seitens derer voraus, die ihr priesterliches Können und Wollen im Dienste jenes Zukunstsideals betätigen.na-.^a mva ina Auf dem dornenvollen Pfade langer und schwerer Kämpfe gelangt erst die Menschheit zu ihrem Ziele .... y>sn *rain ny „Die Zeit des Gesanges ist gekommen!" — narnV nVn? bv mar v'm „Es ist gekommen die Zeit zur Beschneidung der Vorhaut!" Vorerst mutz diea^n die Vorhaut des Herzens beschnitten werden. Vorerst mutz aller Widerstand des törichten, kieselharten Menschenherzens gebrochen werden, dann erst ws-wa sam *nnn l>ipi ,/wird die Stimme der Turteltaube gehört werden in unserem Lande." Denn erst wird die ewigen Frieden und heilige Harmonie verheitzende Stimme des Friedensfürsten vernommen werden, vmi na muntf mva bv i!>ip nr -ivaa ’Vjn annn bv 4 Und wer offenen Auges und von der heiligen Thora erleuchteten Sinnes die Zeitengänge beobachtet, der sieht Wochenrundschau. Der Bericht der Anlersuchungs- Lommisfion. Wir haben in der voriigen Nummer den hauptsächlichen Inhalt des Berichtes der sogenannten Shaw-Kommission über die „unmittelbaren Ursachen" der Palästina-Unruhen im August 1929 mitgeteilt und auch über das sympathische Mmaritätsgutachten referiert, das Mr. Snell, der Vertreter der Arbeiterpartei, in der Kommission, dem Mehrheitsberichte angefügt hat. Während die Kommission hinsichtlich ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich der Feststellung der unmittelbaren Ursachen der Pogrome zu dem von jedermann vorausgesehenen Ergebnis gelangt ist, zu der Feststellung nämlich, daß es sich nicht um den Kampf zweier Bevölkerungsschichten, sondern' um einen ganz einseitigen U eberfall arabischer Mordb an den auf die Juden handle, ist die Kommission hinsichtlich der Grenzen ihrer Kompetenz ziemlich weitherzig zu Werke gegangen. Sie fühlte sich, entgegen -ihrem Mandate, dazu berufen, Nachforschungen - anzustellen über die tieferliegenden politischen Hintergründe der August-Ereignisse und hat in dieser Hinsicht versucht, bereits die Arbeit vorwegzunehmen, die der von Lloyd George, Balfour und Smuts angeregten künftigen politischen Untersuchungskommission Vorbehalten bleiben sollte. Die Kommission glaubt in diesem Sinne festgestellt zu haben, daß die tiefere Ursache der Pogrome eine doppelte sei. Einmal die Furcht der Araber, durch eine jüdische Mehrheit, die sich auf die englischen Bajonette stützt, politisch entrechtet und unterdrückt zu werden, und zweitens die Angst vor der Enteignung, d. h. die Angst vor den j ü d if ch e n. B 0 d e n k-ä u fe n , die allmählich den Nahrungsspielraum für den arabischen Fellachen und Bodenpächter zu eng werden lassen könnten. Während die Kommission hinsichtlich der elfteren, der politischen Frage immer noch eine gewisse Zurückhaltung gewahrt hat, gelangt sie hinsichtlich der zweiten Frage zu ganz erstaunlichen und offensichtlich einseitigen Behauptungen von vernichtender Konsequenz für den Zionismus. Sie verlangt nichts weniger als eine «npa ’a'-ai « nia^n „die Gänge meines Gottes, meines Königs im Heiligen" — wie allen scheinbaren Rückfällen zu Trotze — wenn auch in nach Jahrhunderten, ja. Jahrtausenden bemessenen Stahien der Gang der Menschheit aufwärts führt, und feiert inmitten aller trübseligen Erscheinungen der Gegenwart hoffnungsvollen Gemütes das nov-^est als Symbol des -<'nvb nov. des einstigen, ewigen, die Allmenschheit befreienden Freiheitsfestes, als Frühlingsboten des emstigen Gottesreiches. Der sieht auch schon zur Zeit, da ptu uns D'rni die Blutenknospen jenes einstigen goldenen Zeitalters noch in dem dunklen Mutterschotze der Erde schl-mmern, rvmsaa pxa 1X13 wie einst diese Blüten siegreich hervorbrechen und die Menschenerde zu einem Eden verwandeln werden. Für einen solchen ist das nvv-Fest nicht blotz ein Erinnerungsfest an längst Verschwundenes, sondern es wird ihm zum Siegesklang einstiger göttlich-herrlicher Menschheitfrühlings. ' Diese Klänge sind ihm nicht neu, sind ihm nicht unbekannt — sie bilden einen Widerhall jeher uralten Thoralehren. Doch werden sie erst am mnyb ros zu Taten reifen. Kleines Feuilleton. Etwas über: Geselligkeit. Gesel ist hebräisch und heißt Raub. Moderne Geselligkeit ist oft nichts anderes als Raub an Zeit, Geist und Körper. Wenn diese Ableitung vom philosophischen Standpunkt auch nicht anerkannt werden wird, von einer gesellschaftsmoralischen Betrachtungsweise her. wird man dieses Folgerung zustimmen müssen. Denn die gesellschaftlichen Formen, wie sie gröhtenteils heute, ausgeübt werden Dauerwellen und Haararbeiten ist Vertrauenssache! EUGEN OCHS Spezialist dafür Moselsf r. 16 . Taunus 1593 Unverbindlicher Besuch erbeten vorläufige Einstellung der jüdischen Immigration, bis auf wissenschaftlichen Grundlagen; festgestellt werde, ob in Palästina über- Haupt genügend! ult ur f ä h-i^g e r B 0den vorhanden sei, um selbst mit Hllfe modernster agrikultureller Methoden trotz jüdischer Einwanderung den Arabern genügenden Rahrungsspielraum auf landwirtschaftlichem Gebiete zu belassen. Die Kommission stellt also plötzlich die ganze Grundlage in Frage, auf der srch n icht nur die Zionistische Theorie seit 40 Jahren, sondern auch die Politik der englischen R e g ie run g du rch die Balsour- Erklärung aufgebaut hat. Wenn es wahr wäre, was die Shaw-Kommission als durchaus möglich, ja sogar wahrscheinlich zu betrachten scheint, daß Palästina für eine irgendwie beträchtliche jüdische Einwanderung keinen genügenden Raum bietet, so wäre die Balfour-Erklärung von vornherein ein Nonsens, ein wertloses Stück Papier gewesen. Glücklicherweise darf man auch bei peinlichster Objektivität und Nüchternheit wohl behaupten, daß diese angeblichen Feststellungen der Kommission sich ganz einseitig aus arabische Behauptungen stützen und nicht einmal den Versuch unternehmen, die gegenteiligen, durch gewissenhafte Untersuchungen erhärteten Behauptungen der jüdischen Sachverständigen! zu entkräften. Hier, liegt der Kernpunkt für die ganze weitere Diskussion. Wir haben nie irgendwelchen Glauben an die phantastische zionistische Ideologie gehegt, die in der „öffentlichrechtlichen Heimstätte" in Palästina eine Lösung der Judenfrage erblickte, aber daß'Z e h n t ausende v 0 n j ü d t s ch e n Familien in Erez Jisroel im Laufe der nächsten Jahrzehnte noch Raum finden können, ohne daß darum die arabischen Pächter aus dem Lande gedrängt zu werden brauchen, ist sicher. Das aber genügt, um für ein vonpolitischen oder gar messianischen Hoffnungen freies jüdisches Siedlungswerk in Erez Jisroel als Grundlage zu dienen, wie es die Orthodoxie erhofft und erstrebt. In politischer Hinsicht läßt Ne Erklärung, die Macdonald zu dem Bericht der Untersuchungskommission im Unterhause abgegeben hat, nichts über den Kurs erkennen, den die englische Regierung .einzuschlagen beabsichtigt. Daß von einer Zurückziehung der Balfour-Erklärung und sich zeigen, ermüden den Körper, langweilen das Gehirn und hindern geistiges Leben. Ich stelle mir unter geselliger Ve,ranstaltung vor: Männer und Frauen von Wert erscheinen, Männejr aus allen Berufen. Aus dem Alltag sie emporzuhe.ben wird die Aufgabe sein. Sie sollen in Schwung kommen. Sie sollen ihre geistigen Kräfte aneinander messen. Ein neuer Gedanke soll geboren, eine neue Tat angebahnt werden, — irgendwas an dem alle mitgearbeitet haben: der Kaufmann, der Arzt, der Lehrer, der Anwalt. Denn wenn private Veranstaltungen mehr sind als Zeittotschläger, etwas anderes als Abfütterungsvorstellungen oder als Darbietungen geistiger Schaumschlägerei, was wären sie dann sonst? 'Neunzig Prozent der heutigen Gesellschaften aber sind Veranstaltungen, die von innerster Langweile zerfressen sind. Es sind größtenteils Ablenkungsversuche derer, „die nicht den Mut haben das zu lebende Leben weiterzuleben", und die durch sogenannte Abwechselungen diesem Leben zu entrinnen suchen. Dann aber sollte man sich gründlichst den Ausspruch Peter Altenbergs zu eigen nzachen: „Einsamkeit, Langweile und Schlaf sind hundert Mal gesünder für Seele und Geist, als das Opfer zu fein eines sogenannten gesellschaftlichen Verkehrs, wobei der Geistige schmählichst ausgeplündert wird an Geist — wie eine Zitrone." C—u K—y. <Rabbi Jossef Engel und sein Werk.) Rabbi Jossef Engel, Rabbiner in Krakau, der im Jahre 5619 geboren und 5680 verschied, war als erstrangiger Gaon bekannt. Zwanzig seiner Werke auf dem Gebiete der Halacha, Agada und Kabbala haben bereits das Licht der talmudischen Welt erblickt. Noch über 90 Werke auf dem gleichen Gebiete befinden sich im Nachlaß und harren ihrer Erlösung. Es sind Werke eines gründlichen und

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