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Der Israelit · 1930-04-03 · Heft 14 (3.4.1930) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 14 (3.4.1930)
Date
1930-04-03
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 2 Nr. 6 den Lesern des „Israelit" bekannt, dah die Leitung des holländischen Gemeinde-Verbandes inzwischen beschlossen hat, einen Vertreter in die A. I. zu entsenden. Kampflos ist diese Entscheidung nicht getroffen. Aber nicht darüber möchte ich heute berichten, so interessant es wäre, einmal zu registrieren, mit welchen Mitteln die Antragsteller ihren Willen durchgefetzt haben und wie groß der Gewissenszwang ist, den man der holländischen Orthodoxie auferlegte. Dennoch, auf den Delegiertentag selbst möchte ich mich beschränken, er bot Erzählenswertes genug. Schon der Beginn war ein Höhepunkt, rhetorisch und inhaltlich. Volle fünf Viertelstunden referierte der Vorsitzende, Oberrabbmer Hirsch, Zwolle, nach ein paar freundlichen Begrüßungsworten an die Adresse der Gastherren, der Ortsgruppe den Haag, und an den Vertreter des Vorstandes der Haager Gemeinde, Herrn S. A. Levisson, über das, was der Landesoorstand vor, während und nach der K. G. zu leisten gehabt hatte und was davon geleistet ist: „Lekareiw es horechaukim", Menschen, die abseits vom Judentum stehen, ihm wieder zu nähern; Mitarbeit an der Lösung dessen, was man landläufig das Schabbosproblem nennt; tätige Jntereffennahme an der Arbeit des in Zürich im Zusammenhang mit den Völkerbundsplänen zur Kalenderreform errichteten Komitee; Verhandlungen und viel Kleinarbeit für die auf der K. G. beschlossene Gründung einer Kreditbank für den Osten; der Notschrei aus Sowjet-Rußland; Sammlung für die Pogrom-Opfer in Erez Jisroel; Besprechungen mit den Pekidim wegen der Arbeit des Keren Hajifchuw in Holland; Keren Hathauro; Reformgelüste in holländischen Gemeinden; Jewish Agency, die allgemeine Propaganda für A. I. und-schließlich ein Rückblick auf die imposanten und inhaltsreichen Zusammenkünfte der jüngsten Kenessio gedaulo in Wien — das sind so ein paar Stichworte aus dieser Rede, die den Rahmen eines Berichtes über das, was normal rweise die Tätigkeit eines Landesvorstandes in der Hauptsache sein sollte, bei weitem sprengte. Man mag das begrüßen, mag sich des weiten Blickes der Leitung freuen. Man tut es sogar. In der Diskussion zeigt sich das wiederholt. Dennoch ' häuft sich die Klage: charity begins at Home. Sie ist berechtigt, meint der Vorsitzende, aber die Leitung durfte den Blick, die Sarge für das Ganze nicht verlieren, um ein paar Ortsgruppen mehr zu gründen. Das Jahr der K. G. gehörte der Gesamtheit, das kommende muß vorwiegend der internen Arbeit gewidmet werden. Der Anfang ist gemacht. In Arnheim haben die Agudisten sich zusammengeschlossen. Schön, sehr schön, meinen die Kritiker, aber Holland hat hundertfünfzehn tausend Juden und nur fünfzehn hundert davon sind bisher Mitglieder der A. I. Was der Vorstand antwortete, war vörauszusehen. Von Warschau bis St. Francisco sagen mit bitterem Recht die Führer jüdischer Organisationen dasselbe: Meint nicht eurer Pflicht genügt zu haben, wenn ihr auf Tagungen euch beschwert? Der Vorstand kann nicht alles allein tun, arbeitet alle intensiv das ganze Jahr und überlasset nicht den Wenigen' ohnedies Ueberbürdeten das ganze Riesenwerk. Dann wirds ein wenig politisch. Die Jugend ist viel schuld an der numerischen Winzigkeit, ihre Propagandisten heben den Gegensatz zum Zionismus zu stark hervor, äußert einer. Es hagelt Zwischenrufe. Geschickt greift der Vorsitzende ein. Im Schlußwort legt er später fest: Kampf sucht keiner von uns, in der Debatte wird er uns von Gegnern häufig aufgezwungen und dann weichen wir nicht aus, dürfen wir nicht ausweichen. Weltanschauliche Gegensätze bestehen, sie müssen geklärt werden. Wo sie es sind, gibts keinen Kampf mehr, ist selbst Zusammenarbeit van. Fall zu Fall möglich; wo sie es nicht sind, müssen wir erzwungenen Kampf aufnehmen, niemandem zu Leide, Gott zu Liebe. Keren Hatauro muß anders arbeiten; statt Kommissionen sollen Vertrauensmänner in allen Städten und Dörfern, wo Juden wohnen, er- D;e t Israelit Blätter_ nannt werden, meint jemand. Ist dem Andrang von Meschulochim von Jeschiwaus nicht zu begegnen, fragt ein anderer. Warum geschieht nichts für den Thoraunterricht in den Kleingemeinden, erkundigt sich ein Dritter. Wie es um die Propaganda für die Terumas-Chower-Nichbod steht, möchte ein Vierter wissen. Und, wie weit die durch den Landesverband, die Vereinigung der Oberrabbinen und den Misrachi gemeinsam ausgebildeten Chaluzim sind, interessiert den Fünften. Der letzte der jungen Leute wird in Kürze nach Erez Jisroel gehen, die Aktion damit beendet sein, antwortet der Vorsitzende auf diese Frage. So gehts weiter . . . Berichte des Wahlprüfungs-Ausschusses, der Revisoren, des Schriftführers und des Kassiers sind der Diskussion vorausgegangen. Aktionen, Versammlungen, Namen, Daten, Zahlen lassen den Kundigen zuweilen einen Moment lang aufhorchen. Viel bisher Unbekanntes wird nicht mehr erzählt, meist Dinge, die den außerhalb Hollands Wohnenden nicht sonderlich interessieren und uns nicht sonderlich befriedigen. In höherer Zahlenpotenz wäre manches annehmbarer. Nächstes Jahr — hoffentlich. Dann gibts einen Ruck. Der Leiter der holländischen Delegation auf der K. G., S. M. S l a g t e r , spricht. Ein halbes Jahr nach Wien noch einen. Bericht über die großen Ellul-Tage? Das wird langweilig. Die Zeitungen waren ausführlich genug, zudem hattendie Ortsgruppen ihre mündlichen Berichte auch fast alle gehabt. Wozu also nochmals heute? Das Tagesprogramm ist ohnedies übervoll, seufzten ein paar. Es wurde nicht langweilig, und das Referat war nicht überflüssig. Ein Blick hinter die Kulissen der K. G., in die Arbeiten der vielen Kommissionen, ein Wort über die Aufgabe der holländischen Delegierten, was sie taten und, vor allem, was sie nicht taten, was sie brachten und was sie Mitnahmen. Ein paar ferne Definitionen folgten. Schlaglichter auf Erfolge und Mißerfolge. Schürfen nach tiefsten Ursachen. Politik in der A. I., Stellung zu den Gemeinden. Spezifisch holländische Belange. So ging es eine halbe Stunde lang fort, eine glänzende Rede, von Anfang bis zu Ende fesselnd, die einen stürmischen Beifall hervorrief. Wahlen. Es ging glücklicherweise schnell. Der Landesvorstand wird en bloc per Akklamation wiedergewählt; Oberrabbiner Tal, Utrecht, der wie Rabbiner G. de La n g e - Amsterdam auch anwesend war, in den Zentralrat ernannt. Nachtsitzung. Finanzsorgen. Das Agudo- Nachrichtenblatt ist vorzüglich redigiert, erscheint zweimal monatlich und braucht Geld. Man einigt sich auf die bequemste „Lösung", eine Kommission. Erhöhung des Mitgliedbeitrages riskiert einer schüchtern vorzuschlagen. Der Aermste. Ein paar Kleinigkeiten folgen und sind schnell erledigt. Was dann noch geschah und wie es geschah, wie in der Debatte über die Jewish Agency und die Stellung der Agudo zu und in den Gemeinden jugendliches Stürmen sich der Erfahrung der Alten beugte und wie deren Klugheit in den Dienst heißen Wollens der Jugend sich stellte, gern hätte ich davon noch einiges erzählt. Ich darf nicht, die Sitzung war geheim. Aber eines will ich verraten. Wer an dieser Besprechung um Mitternacht tektgenommen hat und offenen Sinnes lauschte, der wird wenig trauern ob unserer numerischen. Schwäche, der weiß, daß A. I. in Hollnad l e b t, daß ihre Idee wirkt und daß sie Anhänger voll tiefen Verständnisses gewinnen wird, mehr und mehr. Die erste Landeskonferenz der »Bejs-Zakow" Schulen in Polen. Am 16. und 17. Februar fand in Warschau im Saale der „Bejs-Jakow"-Schule (Twarda 35) die erste Landeskonferenz der „Bejs-Jakow"- Schulen statt. Die Konferenz eröffnete der Leiter des Erziehungs-Referates bei „Agudas Jisroel" Herr A. Fried mann. Die „Bejs-Jakow"- 3. April 1930 Bewegung, sagt der Redner, ist in den letzten. Jahren zu einem kolossalen und mächtigen Faktor angewachsen, die Töchtererziehung wurde vorher von den orthodoxen Juden nur mit einem Wehruf gelöst, .jetzt besitzen wir schon über 140 Töchterschulen, in welchen 16 000 religiöse Töchter erzogen werden. Dieser außerordentliche Aufschwung der Bewegung legt gleichzeitig allen orthodoxen Juden eine schwere Verantwortung auf und deshalb haben wir die heutige Konferenz einberufen. Der Redner schildert dann die Geschichte der Töchtererziehung. Die erste Schule wurde in Krakau durch Frau S. Schenirer im Jahre 1917 gegründet, in welcher 30 Schülerinnen gelernt haben. Erst die zweite Landeskonferenz der „Agudas Jisroel" in Polen, im Jahre 1922, hat der Bewegung den breiten Weg geöffnet, das gelungene Krakauer Experiment weckte zur Neugründung von solchen Schulen in allen Städten Polens. Im Jahre 1925 übernahm die Leitung der Schulen und die pädagogische Aufsicht über die Ausbildung der Lehrerinnen, der Direktor der „Keren Hathora", Dr. S. D e u t s ch l ä n d e r, und im Jahre 1927 wurde der Grundstein des „Bejs-Jakow"-Seminars in Krakau gelegt. Heute besitzen wir schon über 7000 Schülerinnen, die in den letzten Jahren die Schulen beendet und die Mädchenorganisation „Bnos Agudas Jisroel" begründet haben. Die wichtigste Aufgabe des jetzigen Momentes ist das Vollenden des Baues des „Bejs-Jakow"-Seminars in Krakau, damit wir neue Lehrerinnen ausbilden können. Den Vorsitz übernahm Herr I. M. L e w i n, welcher die Konferenz im Namen der „Agudas Jisroel" begrüßte. Rabbiner I. M. Kanal begrüßte die Versammelten im Namen des Rabbinerverbandes in Polen, sodann wurden Begrüßungstelegramms der Agudazentralen in Frankfurt und Wien wie auch der „Keren Hathora"-Zentrale in Wien vorgelesen. Darauf referierte .Herr Dr. D e u t s ch l ä n - der. Er teilte mit, daß die Bejs-Jakow-Bewegung das größte Interesse in allen jüdischen. Kreisen Europas und Amerikas erweckte. In Paris,. London, Berlin, Amsterdam u. a. wurden Bejs- Jakow-Komitees gegründet, viele jüdische einflußreiche Persönlichkeiten haben ihre Mithilfe versprochen, wie Baron Edmund Rothschild und die Präsidentin des Weltbundes jüdischer Frauen, Frau R. K o h u t. Den Tätigkeitsbericht der Bejs-Jakow-Zentrale in Krakau erstattete Herr M. D e u t s ch e r. Dann hörte die Konferenz das pädagogische Referat des Herrn O r l e a n, welcher viele pädagogische und praktische Anweisungen gab und wünschte, das jüdische Haus möge zu einem wahren^p^'n^-werden. Es entwickelte sich eine längere Diskussion, in welcher viele Delegierten das Wort ergriffen. Es wurde eine Bejs- I a k o w - O r g a n i s a t i o in. gegründet, deren Zentrale ihren Sitz in Warschau-Krakau haben wird, der pädagogische Teil der Leitung wird durch Herrn Dr. Deutschländer geführt werden. Die organisatorischen und juridischen Fragen bleiben in der Hand der Warschauer Zentrale. Der letzten Sitzung wohnte Herr Jacob R o - s e n h e i m aus Frankfurt a. M. bei, der von der Konferenz mit langdauernden Ovationen empfangen wurde. Mit einer kürzen Rede begrüßte er die Konferenz und zeigte neue Aufgaben für diese Bewegung u. a. die Wirtschaftsausbildung der jüdischen Töchter. Die Schlußrede hielt I. M. L e w i n , welcher allen Delegierten und Gästen für ihre mühevolle Tätigkeil dankte und an alle religiösen Juden appellierte,, der Bejs - Jakow - Bewegung beim Wiederaufbau des wahren jüdischen Hauses behilflich zu. sein. Em Amerikaner über die Wiener Agudas Iisroel-Ingendgruppe. „Jewish World" schreibt: Ein offizieller Vertreter des Amerikanischen Verbandes Jung-Jsrael bei dem jüngsten Zionistenkongretz, Herr Louis Wald, gab vor kurzem: in dem Council Chronicle einige seiner Eindrücke wieder-

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