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Der Israelit · 1930-04-03 · Heft 14 (3.4.1930) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 14 (3.4.1930)
Date
1930-04-03
Page
– (sequence 21)
Language
German
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3. April 1930 _ Herr Wald, der jüdische Jugendorganisationen in Polen Tschechoslowakei, Ungarn und Oesterreich besucht hat, sagt, daß den größten Eindruck auf ihn die Jugendgruppe der Agudas Jisroel Wien gemacht hat. Er schreibt: Wie immer man von der Äguda denkt, man muß tiefe Eindrücke von dem wunderbaren Werk gewinnen, das von dieser Organisation nach innen wie nach außen für das Thorajudentum geleistet wird. Die Jugendgruppe feierte in diesem Sommer ihr zehnjähriges Bestehen und kann stolz auf eine Reihe von feinen Taten für die Orthodoxie und jüdische Jugend in Wien Hinweisen. Herr Wald fährt fort: Am Sabbat-Nachmittag besuchte ich diese Gruppe, deren Lokal sich in einer ruhigen Seitenstraße^ des jüdischen Viertels befindet. Je mehr man sich ihrem Hauptquartier näherte, destomehr hörte man die Weisen und Melodien des Singsangs des Thorastudiums. Man empfindet eine Scheu, einen solchen Platz zu betreten. In einem großen und geräumigen Lese- und Studiersaal sitzen junge, bebartete und nette Menschen, von zweifelsohne westlichem Aussehen, aus alten Seforim lernend, die sicher schon durch Generationen hindurch gebraucht sind. Einige disputieren über jüdische Angelegenheiten. An den Wänden hängen Bilder und Zeichnungen alter Rabbis, z. B. des Wilnaer Gaon und des Ehasam Sofer. In einem Nebenraum eine stattliche Bibliothek von Hunderten von Werken, ein Platz für jede jüdische Organisation. Alles steht unter dem Zauber der Poesie des Sabbat. Offenkundig ist in diesem Raum ein voller Abglanz der Neschonv jethora. Ich möchte, unsere ganze Jugend fühle diese Neschomo, die über diesem Raum an diesem Sabbat-Nachmittag schwebt.. Unter diesen Jugendlichen sind auch einige Baalebattrm, Brüder aus Ost und- West, vereinigt im Studium der Thora. Es schien, als ob die Rabbis, deren Bilder an der Wand hängen, zufrieden und glücklich auf ihre Schüler herabschauen. Wie milde und geistig ist doch diese Atmosohäre, wie eine friedvolle und geruhsame Insel inmitten des brausenden Ozeans. — Kürzlich organisierten sie eine Stellenvermittlung für Sabbathaltende, wie bei uns. Sie geben während des Jahres nützliche Veröffentlichungen heraus. Eine ihrer besten sind ihre jährlichen Luach- Blätter. die ebensowohl das Kalendarium, wie auch wissenschaftliche Artikel von ihren eigenen Mitgliedern enthalten. Sie sind den Gruppen der älteren Herrn engverbunden und arbeiten in stetem Zusammenhang mit denselben. Reichsverband der Schomre Schabbos Stellenvermittlungen. Es werden gesucht für Nord- und Mitteldeutschland: 1 Reisender und 1 Dekorateur für Manufakturwaren; 1 Reisender aus der Stoffwarenbranche; Verkäufer bzw. Verkäuferinnen sowie Lageristen aus der Lebensmittelbrache; perfekte Stenotypistinnen mit guten fremdsprachlichen Kenntnissen; Wirtschafterinnen und Köchinnen; Kinderf.äulein und Kindergärtnerinnen mit Haushaltpraris; Haustöchter. Bewerbungsschreiben nebst Zeugnisabschriften sind zu richten an den Reichsverband der Schomre Schabbos-Stellenvermittlungen, Berlin N. 54, Gormannstr. 27, Telefon Norden 7436. DesJaakauw-Propaganda. Am 17. März d. I. fand im Haufe der Frau Professor Eugen Mittwoch, der Vorsitzenden des Berliner Beth Jakob-Komitees, eine Sitzung des Komitees Berlin statt, an der auch Delegierte aus Oberschlesien und Oesterreich teilnahmen. Der pädagogische Leiter des Beth Jakob-Werkes, Herr Dr. Deutsch länder, erstattete zunächst Bericht über seine Inspektionsreise und hob insbesondere die Bedeutung der Warschauer Konferenz hervor, an der über 200 Delegierte als Vertreter von insgesamt 120 Anstalten teilgenommen hatten. Die Schulen in den größeren Städten nehmen eine normale Entwicklung, während sie in den kleinen Städten und Dörfern einen harten Existenzkampf führen müssen; ihr Weiterbestand ist infolge der unbeschreiblichen wirtschaftlichen Krisis schwer gefährdet. In Lodz ist die Schaffung von Gewerbeschulen für den ganzen Bezirk in Aussicht genommen und der Referent besichtigt zur Zeit mit gütiger Erlaubnis und Förderung der zuständigen preußischen Ministerien alle derartigen Anstalten, die den in den östlichen Ländern zu schaffenden Schulen als Vorbild dienen sollen. Der Minister des Auswärtigen, sowie ein Vertreten: des Unterrichtsministeriums haben das Präsidium der Warschauer Konferenz sowie die ausländischen Delegierten in längerer Audienz empfangen und dem besonderen Interesse der polnischen Regierung an dem Gedeihen des Beth Jakob-Werkes Ausdruck gegeben. Aus den anderen Ländern — Rumänien, Litauen, Lettland, Jugoslavien, Oesterreich, Palästina liegen Berichte über ein erfreuliches Wachstum der Beth Jakob- Schulen vor. Dr. Deutschländer berichtet weiterhin über die von Frl. Dr. Judith Rosenbaum im Rheinland durchgeführte Aktion. Die Werbeaktionen in Köln, Düsseldorf, Dortmund, Rheydt, Gladbach, ferner Kassel, sowie die Der Israelit _Blätter_ gleichfalls in diesem Winter durchgeführten Aktionen in Frankfurt, Leipzig, Hamburg, erbrachten ein Ergebnis von Mk. 24.000. Herr Rabbiner Tob. Horowicz ist in Paris und London tätig. Eine im Februar durchgeführte Aktion in B i e l i tz erbrachte Dollar 600.—. Im oberschlesischen Gebiet wurde eine Bortragstournee vorbereitet. Es gelangen die Schreiben der Herren Max M. Marburg- Hamburg und Alfred Leonhard T i e tz - Köln zur Verlesung, die ihre Sympathien für das Erziehungswerk durch aktive Teilnahme bekunden und die weitere Oeffentlichkeit zur Mitarbeit ausfordern. Ueber die Arbeit in Berlin selbst berichtet Frl. Linka Schreiber. Da in diesem Winter eine größere öffentliche Veranstaltung nicht stattgefunden hat, mußte sich die -Berliner Werbetätigkeit auf Kleinarbeit, d. h. auf die individuelle Bearbeitung von Einzelpersönlichkeiten und Körperschaften, beschränken. Das bisherige materielle Ergebnis ist Mk. 3000.—, wovon 800 Mk Jahresbeiträge sind. In der Diskussion beantragen Frau Ollendorf und Frl. Karminski die Veranstaltung eines großen öffentlichen Werbeabends in Berlin. Frau Galewski und Frau A r o n s o n treten für die Veranstaltung kleinerer Zirkel in Privathäusern ein. Das Arrangement derselben übernehmen außer den genannten Damen Frau Strauß, Frau Posen, Frau Michael und die Vorsitzende selbst. Der erste Teeabend soll am 26. ds. im Hause von Frau Prof. Mittwoch stattfinden. -, oder Verbindungsorganisation? In Nummer 4 dieser „Blätter" hat Herr H. E. Hildesheimer, Halberstadt, zu dem Artikel „Noch A. I. I. O.?" in Nummer 25 des vorigen Jahrgangs Stellung genommen. Seine Ausführungen sind aber nur soweit richtig, als der Esra seinerzeit von der Agudas Jisroel gegründet wurde, um die jüngste Jugend agudistischer Eltern durch den Esra für A. I. vorbereiten zu lasten. Doch kann man heute keinesfalls mehr den Esra als die Vereinigung der jüngsten Agudisten bezeichnen. Vielmehr hat er sich zu einer gänzlich selbständigen Bewegung entwickelt, deren Anhänger sich schließlich im Großen und Ganzen bewußt werden, wie sie am besten die sich aus der errungenen Weltanschauung ergebenden Pflichten erfüllen können. Da dieser Weg aber von den Methoden der nach Anschauung der Esra in Frage kommenden, durchschlagskräftigen politischen Organisationen mehr oder weniger stark abweicht, entsteht bei vielen Esräern ein Konflikt zwischen Theorie und Praxis. Ein Aelterenproblem besteht nicht nur im Esra, sondern taucht — wie schon früher — auch heute noch bei den „verschiedensten Jugendbewegungen auf, doch wird die Aelterenfrage beim Esra durch feine politisch neutrale Einstellung besonders brennend. Durch die umfassende Arbeit, die der Esra glücklicherweise fast allerorts leistet, ist mit seinem Aelterenproblem die Nachwuchsfrage in Agudas Jisroel eng verknüpft. Die A. I. als politische Organiastion kann aber nicht so leicht auch nur auf ein Mitglied verzichten, und deswegen wollte ich eine Diskussion darüber anregen, wie die Lücke, die an manchen Orten zwischen Esra- und Agudas Jisroel-Jugendgruppen besteht, zu überbrücken ist. Der Esra begnügt sich damit, daß er, um dem Einzelnen seine politische Entscheidung zu erleichtern, ihn möglichst objektiv und gewissenhaft über das — insbesondere politische — Wesen der Agudas Jisroel und des Misrachi orientiert. Bleibt der Esräer nun weiter wie bisher zur endgültigen Stellungnahme ganz sich selbst überlasten, so kann er als Außenstehender leicht manche unumgänglich notwendigen politischen Schritte für unfair und abstoßend halten. (Nicht die Jugend gruppen haben eine Parteibrille, Herr Hildesheimer, sondern die politisch festgelegten Menschen betrachten die Dinge immer nur unter dem Gesichtswinkel ihrer Partei und das empfinden die politisch Neutralen besonders stark' als Mangel.) Dieses Moment in Verbindung mit notwendigen Konzessionen an seine vorgefaßte Ansicht läßt den früheren Esräer, wenn er selbst zu einer politischen Entscheidung gelangen sollte, der erwählten politischen Oraamsation skeptisch und mißmutig gegenüberstehen. Die politischen Organisationen benötigen aber aus der Jugendbewegung, auf die sie sich stützen, ideenerfüllte. überzeugte und kampffrohe Menschen, die ihnen arbeitsfreudig und tatkräftig zur Seite stehen. Der Alleinstehende'kann sich bei dieser so schwerwiegenden Entscheidung auch leicht von augenblicklichen Erfolgen oder Mißerfolgen der einen oder anderen Organisation oder gar von deren Provaaandaentsaltung beeinflussen lassen. 9 Ms Lösungsmöglichkeit Jjabe ich die Gründung einer Verbindungsorganisation zur Diskussion gestellt. Diese Organisation braucht nicht besonders kompliziert zu sein; und sie soll deswegen inöglichst von den politischen Organisationen losgelöst bleiben, weil von Menschen, die sich, er st darüberklar werden wollen, welche der für sie in der Praxis in Frage kommenden politischen Methoden die richtigeist, nicht verlangt werden kann, daß sie durch Beitritt zu einer Organisation deren Politik von vornherein g u t h e i ß e n. Ihr Aufgabenkreis wäre dann außer Seite 3 Nr. 6 dem selbstverständlichen nivi» und den üblichen, die Gemeinschaftsbildung fördernden Veranstaltungen, Aussprachen über ideologische Themen unter den älteren Esräern herbeizuführen, durch die sie zu einer Grundeiustellung gelangen, die ihnen die gewünschte Entscheidung ermöglicht. Sie werden dann die Konsequenz daraus ziehen und der erwählten Organisation beitreten. Darüber hinaus muß diese neue Organisation auch zu den politischen Tagesfragen Stellung nehmen. Wenn diese Stellungnahme ergibt, daß die politischen Schritte zu Recht unter- Problem von selbst fortfallen. Anderenfalls würde die so organisierte Jugend die Möglichkeit haben, innernommen wurden, wird das in Vorstehendem ausgeführte halb der politischen Organisationen eine Sonderstellung einzunehmen. Diese Verbind ungsorganisatffon würde demnach nicht weiter zersplittern, sondern soll vielmehr zusammenführen. Sie könnte auch nur mehr Begeisterung in die Agudas Jisroel hineintragen, denn die fehlt uns Agudisten — ich spreche nicht von den einzelnen Tagungen, bei denen ja die Wogen der Begeisterung überall besonders hoch zu schlagen pflegen — ohnehin beinahe genau so sehr wie Geldmittel. Sie ftagen mich, Herr Hildesheimer, ob es einen Verein oder eine Organisation gibt, deren Mitglieder nicht voll und ganz mit dem Gedanken dieses Vereins oder dieser Organisation verbunden sind. Es gibt wohl Zweckvereine» die sich ein naheliegendes Ziel gesetzt haben, deren Mitglieder voll und ganz mit dem Gedanken ihres Vereins verbunden sind. Dagegen gibt es wohl in allen Bewegungen und größeren Organisationen mehr oder weniger weitgehende Differenzierungen, wir z. B. in der Zionistischen Organisation. Die Agudas Jisroel selbst will ja auch den konsequenten Austritts ehudi mit demjenigen verbinden, der in A. I. nur die Organisation des durch die nnm konstituierten jüdischen Volkes sieht, der aber die Politik des Misrachi gutheißt. Zwischen diesen beiden Menschen besteht abqr fürwahr keine kleine Differenz, und mag die Leitung der A. I. gerichtet sein, wie sie wolle, sie werden sich beide zugleich mit ihr nicht völlig identifizieren können. Nach den weiteren Ausführungen soll ich vorgeschlagen haben, Esragruppen in Agudas Jisroel-Jugendgruppen übergehen zu lassen. Ich habe dagegen in meinem Artikel überhaupt nichts vom Esra selbst oder von einzelnen Esragruppen geschrieben, sondern nur von den älteren Esräern, also von solchen, die sich durch Esraerziehung klar geworden sind, was sie sollen und w i e sie es sollen. Diese gehören eigentlich nicht mehr in den Esra, sondern wären für A. I. brauchbare Menschen, die aber trotz Bestehens einer großen Jugend-Organisation von Agudas Jisroel vielfach leider noch nicht erfaßt werden! Jos. Eluskinos - Breslau. Aus der Bewegung. Düsseldorf. Am 27. Febr. fand die Generalversammlung der hiesigen Jugendgruppe statt. Den Vorsitz führte Herr G. Hirsch. In den Vorstand wurden gewählt die Herren: H. Gottlieb. S. Weyl, B. Hirsch, P. Karfiol, B. Tugendhaft und I. Liebermann. In letzter Zeit sind ca. 20 Mitglieder hinzugekommen. Am 9. März fand in sämtlichen Räumen der „Ludwigsburg" zum ersten Male eine im großen Rahmen aufgezogene Purimfeier der Adatz statt. Gleich die ersten Nummern des sorgfältig zusammengestellten Programms schafften die richtige Purimstimmung. Einen durchschlagenden Erfolg hatte die „Megillas Esther" in ihrem hypermodernen Gewände, selbst der neue Hanomag und die Sammelaktion von Judith Rosenbaum war drin enthalten! Die „Dreischekel-Oper", verfaßt von Referendar Jul. Pfeiffer, eine Persiflage auf die Lokalereignisse, hatte manche humoristische Pointe und fand eine ausgezeichnete Darstellung, die starken Beifall brachte. Auch die ganz Kleinen hatten sich angestrengt. Der „Schornsteinsegerreigen" wurde von ihnen allerliebst getanzt. Nicht enden wollender Applaus setzte eine Wiederholung durch. Hervorgehoben werden kann wegen des Raummangels nur noch „die fidele Gerichtssitzung" und die Purimmoritat. Bei der letzteren zeichnete sich Frl. Salinger aus. Von den Schauspielern verdienen genannt zu werden die Damen: Jhigsohn, Ringwald, Lion und Hirsch. Don den Herren: Horrn, I- Pfeiffer, A. Sulzbach (sehr gut in der fidelen Gerichtssitzung), de Leeuw, P. Wolf und nicht zu vergessen B. Hirsch, der den „Mordechai" lebenswahr gab und mit großem Geschick in der Dreischekeloper den gewandten Mantelganeff spielte. Das Gelingen des Festes ist das Resultat der eifrigen Bemühungen der Damen: Marx, Meyer und Kleinmann. Ein Gesamtlob muß auch den chic aussehenden Girls ausgesprochen werden, deren Tanz und Gesang gefiel. Alles in allem :die Adaß versteht es, ein Fest zu feiern. Auch die „Düsseldorfer Nachrichten" haben dies in einer ausführlichen Kritik am 12. März anerkannt. Kopenhagen, den 26. Februar 1930. Zu einem Propaganda-Abend hatte hier der Vorstand der hiesigen Ägudas Jisroel - Ottsgruppe Einladungen ergehen lassen. Der Saal, in welchem die Veranstaltung stattsand, war bald so stark überfüllt, daß Viele, die gekommen waren, keinen Platz mehr finden konnten. S. E. Herr Rabbiner Dr. Winkler begrüßte zunächst den Redner des Abends, Herrn Julius Rothschild, welcher von der hiesigen Ortsgruppe der Agudas Jisroel eingeladen war, einen Lichtbildervortrag über „Das Land der Bibel" zu hallen mit dem Zweck, für die Agudas Jisroel-Zeutralc zu werben. Herr Rabbiner Dr. Winkler ergriff zunächst das Wort und schilderte an-

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