Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1930)
- Date
- 1930-04-03
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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fieeausgegeBen von <6. Jahrgang Hfäffei? dev fandesoeganifation der Agudar-Iisroel in Veutsekland. Hamburg, 3. April 1930 / 5. Nißan 5690 Nummer 6 Schriftleiwng: ZSokf S. Jatoösov in KawVurg. Mitteilungen der Paläftina-Zenkrale der A. 3. Preisausschreiben: Einem vielfachen Wunsche besonders der Oestlichen Landesorganisationen der Agudas Jisroel Folge leistend, haben wir uns entschlossen, den Termin der Verlosung bezgl. unseres Preisausschreibens um einen Monat zu verschieben. Die Verlosung findet also erst am Montag, den 7. 3jar 5690 (5. Mar) 1930 statt. Wir bemerken auf verschiedene, Anfragen weiterhin, tzatz eine Beteiligung mit NM. 200 zu zwei Punkten und sinngemäß eine Beteiligung mit dem vielfach von NM. 100 zu ebenso viel Punkten zur Beteiligung an der Verlosung berechtigt. Adar-Aktion: Damit wir in der Lage sind noch rechtzeitig auf Pessach Unterstützungsgelder nach Erez Jisroel überweisen zu können, bitten wir Sie, die . bei den Vertrauensmännern noch vorliegenden Ergebni'se der Adar-Aktion, insbesondere Sammeltäschchen für Kinder, Zahlungen für die Purim-Sudo usw. uns baldmöglichst zu überweisen. >Erew Pessach am Sabbat: Durch die Munificenz eines Gönners konnten wir die relegiös-gesetzlichen Vorschriften und praktischen Ratschläge für Erew Pessach am Sabbat in Druck bringen und sind bereit, diese Interessenten in gewünschter Anzahl zu überlassen. Eine Vergütung, deren Höhe dem freien Willen überlassen bleibt, wird zur Speisung armer Kinder unserer Schulen in Erez Jisroel am Pessach verwendet. Wir bitten um baldmöglichste Anforderung der gewünschten Anzahl des Merkbüchleins „Erew Pessach am Sabbat". Palästna-Zentrale der Agudas Jisroel Frankfurt a. IN., Hanauer Landftr. 15 Postscheckkonto 53 900. Der Organisationsgedanke im Judentum und seine Formen. Vortrag von S. Schachnowitz in Frankfurt a. M. (Schluß.) Ohne auf den ideologischen Gehalt der Agudas Jisroel einzugehen, seien hier nur einige Worte über die organisatorische Bedeutung der A. I. gesagt. Zweck und Ziel der A. I. ist in klarer Formulierung am Kopfe aller Druckschriften der A. I. angegeben.: „Alle Fragen, die Judenheit und Judentum angehen, im Geiste der Thora und Tradition zu lösen." Man hat in letzterer Zeit darüber diskutiert, ob die A. I. ein Zweckverband oder ein Wesensverband sei. Es ist vielleicht richtiger, einen „Verband der jüdischen Ideen, Gedanken und Notwendigkeiten" zu heißen. Noch umfassen wir nicht alle jüdischen Menschen, die seelisch zu uns gehören. Aber eines ist gewiß: Alle Fragen und alle Belange, die die jüdische Welt beherrschen, sind von der A. I. in den Bereich ihrer Wirksamkeit gezogen. Das jüdische Leben von heute wird beherrscht: 1. von der Politik, 2. den sozialen Fragen, 3. Fragen des Fraue§l. rechtes, 4. Erziehungsfragen, 5. der Sorge um P a - lästina. 1. In der jüdischen Politik unterscheiden wir: a) die große jüdische Politik in den Ostländern, b) die kleinere jüdische Gemeindepolitik im Westen, vornehmlich in. Deutschland. Denken wir bei 1. a) an Polen, das heute die größte kompakte jüdische Volksmasse beherbergt. Polen ist ein Nationalitätenstaat, in. dessen Parlament die Sitze, nicht wie bei uns nach politischen Parteen, sondren nach N a t i o n a I i t äten verteilt sind. Auch die Juden haben dorr eine eigene jüdische Vertretung im Parlamente und somit eine eigene Parlaments- oder nationale Politik, als einen Teil der Minderheitspolitik. Die polnische Orthodoxie, die allezeit in Polen nur Objekt der Politik und Gesetzgebung war, hat nun in der Aguda eine Fahne und eine Parole für die Wahlen, ein Sammelbecken für eine Parlamentsfraktion und die hinter ihr stehenden gesetzestreuen Massen. -Wer die Berichte über die letzte große Rabbinerversammlung in Warschau und die Audienz der alten Rabbis bei den Ministern gelesen hat, bei welcher Gelegenheit die Machthaber zum ersten Male Dolmetsche der jüdischen Seele sahen und hörten, der dachte unwillkürlich an die Vision des Propheten Jecheskel im Tale Dura. „Es kam Wind in die toten Gebeine und sie erwachten zum Leben". Hier liegt einer der größten positiven Erfolge der A. I. auf dem Gebiete der großen Politik. 1. b) Die kleinere Politik der deutschen Orthodoxie dreht sich um dieGemeind e. Es soll hier nicht, am falschen Orte, auf die „Einheitsgemeinde" eingegangen werden, aber erwähnt und unterstrichen, sei, daß in Bezug auf die orchodoxe Separat-Gemeinde als Urzelle der Gesetzestreuen, als mahnendes Gewissen nach innen und außen, die A. I. in ihrer höchsten Spitze ein für Allisvael in allen späteren Zeiten bündiges Wort gesprochen hat: „Jedem Jehudi obliegt die heilige Pflicht, einer selbständigen orthodoxen Gemeinde, so sie sich in seiner Stadt befindet, anzugehören und sie zu unterstützen," lautet die einmütige Entscheidung des Großen Rabbinis ch e n Rates. 2. Wie die Politik, so zerfällt auch die jüdische soziale Arbeit in zwei Teile, a) Das große soziale Problem in Polen, wo nach Zehntausenden zählende gesetzestreue jüdische Arbeiter nach Vereinigung streben, b) die kleinere Sozialpolitik in Deutschland, die sich der sich immer mehr zuspitzenden Frage und Lage der Angestellten zuzuwenden hat. 2. a) Wer jenen unvergeßlichen Freitag in Wien miterlebt hat, da auf der Tribüne der K. G. ein langbärtiger Vertreter von 20 000 jüdischen Arbeitern in Polen das Programm der der Aguda angeschlossenen Arbeiterorganisation erläutert hatte, weiß, was hier die A. I. für eine sammelnde und rettende Arbeit geleistet hat. Wie viele von diesen Zehntausenden hätten vielleicht den Weg zum „Bund" oder zur kommunistischen Partei gefunden, wenn ihnen nicht die A. I. rechtzeitig den Weg zu einem Sozialismus mit d e r T h o r a gewiesen hätte. Was hier der Mann verkündet hatte, war in der Tat ein Sozialismus, aber ein solcher ohne Klassenkampf, ohne' Marx und Lenin; ein Sozialismus, wie ihn die Propheten gelehrt hatten, der die Rechte des Arbeitnehmers wahrt, aber auch dem Arbeit g e b.e r gibt, was des Arbeitgebers ist. In dieser großen Sozialpolitik hat die Aguda noch viele Aufgaben zu lösen und viele Arbeit zu leisten. In der I d e e ist auf diesem Wege der Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit gegeben. 2. b) Die Angestelltenfrage in Deutschland gehört zu unseren schwersten Sorgen, da. sie auch eine Schicksalsfrage für den Sabbat ist. Daß schon am Eröffnungsabend der K. G. die Gründung einer Kreditbank verkündet wurde, beweist, welche Bedeutung man dieser ^rage beimißt. Stellenvermittlungen werden geschaffen. Wenn hier noch nicht die letzten Hoffnungen realisiert sind, so kann es nur an den Menschen liegen, an der Tücke des Objektes, an der Not der Zeit. Von der No t w e ndigkeit einer Lösung dieses' Teiles des kleineren, und noch nicht kleinen jüdischen Sozialproblems ist die A. I. im tiefsten durchdrungen. 3. An der Frauenbewegung ist die A. I. nicht achtlos vorbeigegangen. Nur heißt bei uns Frauenrecht: das Recht der Frau auf Arbeit und Betätigung auf dem ihr von Gott und Natur zugewiesenen Gebiete. Wir begnügen uns damit, die Benoth Jakob-Bewegung und die Beth Jakob-Schulen, die edelsten Blüten der agudistifchen Frauenbewegung, zu nennen. Die Wiener Frauentagung hat gezeigt, daß auch der orthodoxen Frau der Weg zur intensiven Arbeit nicht versperrt ist. 4. Hand in Hand damit geht die Arbeit der A. I. auf dem Gebiete der Erziehung. Es empfiehlt sich, statt davon zu sprechen. Jedermann das Keren Hathora-Buch von Leo Deutschl ä n d e r in die Hand zu geben. Es scheint beinahe, als hätte ein Volk, das in seiner Beweglichkeit größere Bevölkerungsverschiebungen aufweist, als jede Völkerwanderung der Geschichte, über Länder und Meere hinaus die sammelnde Fahne gefunden: den weit über das Aguda- Judentum hinaus alle jüdischen Kreise in Liebe erfassenden Keren Hathora. 5. Was für und in Palästina unter den heutigen Umständen geschehen konnte und könnte, ist in dem Berichte der Palästina-Zentrale medergelegt. Das Palästina-Problem beschäftigt uns nicht feit heute und gestern, beschäftigt uns seit bald 2000 Jahren, und jede Organisationsform im Judentum, in allen Zeiten und Epochen, hatte Erez Jisroel im Kreise ihrer Aufgaben. Ob dieser Sorgenkreis „Chalucka", „alter Jifchuw", „Rabbi Meir Baal Hanes" usw. hieß. Es ist begreiflich, daß in einer Zeit, da der Boden in Palästina für reale Arbeit zerstört und die Atmosphäre verseucht ist, sich unser Palästinaobsorge in der Hauptsache auf Hoffnungen und Wünsche, Ideen und Ideale erstrecken muß. Brennend ist die Frage der orthodoxen Iu g end erzieh u n g in Palästina, sie ist aber lediglich eine Geldfrage. Als Idee und Ziel ist und bleibt aber Erez Jisroel neben der Thora die Seele der A g u d a s I i s r o e l. Das ist die A. I. in ihrer organisatorischen Vielfalt. Ob Zweck- oder Wesensverband, auf alle Fälle ein Weltverband der jüdischen Ideen, Bel an ge , Bestrebungen und Notwendigkeiten. Nun tritt auch die Frau handelnd in Aktion für die A. I. und ihre Ziele. Was wir uns davon für die Organisation versprechen, ist sehr viel. Die Frau, und nicht zuletzt die jüdische Frau, hat in der allgemeinen großen Frauenbewegung der lebten Jahre Gewaltiges geleistet. Die jüdische Frau von orthodoxer Gesinnung, die gewiß über eine nicht geringere Summe von Intelligenz und Tatkraft verfügt, hat aber religiöse Bindungen, die sie am Mittun verhinderten, die sie in dem Rechte, das man für die erkämpfen wollte, eine Verletzung des Rechtes sehen ließen, das mit ihr geboren ist. Die A. I. sichert ihr den Rahmen, innerhalb dessen sie Großes leisten kann und leisten, wird. Wir sehen in ihrem Eintritt in die Aguda den Anbeginn einer Epoche, an deren Ende die A. I. nicht mehr allein die jüdischen Gedanken und Ideen einschließen, sondern a u ch a l l e jüdischen Me n s ch e n umfassen wird. Der Delegierkentag der Agudas Jisroel in Holland. Für den 18. Schwat hatte der Landesverband der A. I. in Holland einen Delegiertentag einberufen. Mt Spannung sah man ihm entgegen, nicht nur, weil wir hier zum ersten Male nach der Kenessio Gedaulo wieder zusammenkamen, sondern vor allem, weil er zufälligerweise mitten in den Streit um die Jewish Agency fiel. Es ist