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Der Israelit · 1930-04-03 · Heft 14 (3.4.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 14 (3.4.1930)
Date
1930-04-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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3. April 1930 IJOD-BAD TÖLZ {Kurpension HELLMANN bietet bei mäßigen Preisen das Beste an Unterkunft u. Verpflegung ♦ Eröffnung 11.4* Der Israelit tiven Repräsentanten in der Abwehr weiterer Uebergriffe seitens der Liberalen und der Volkspartei einig sind. Die Liberalen haben 3 Sitze verloren. Nr. 14 Seite 7 gem. Z 3 d.Planes g;r den Frauenbund und Bertha Pappenheim an, weil! Liefe antizionistisch eingestellt ist. Zum Judengesetz referiert der Vorsitzende des Rates, Kammergerichtsrat Wolfs. Der neue Kultusminister habe beschleunigte Behandlung versprochen. Die Regierung werde mit sich reden lassen, auch mit dem Halberstädter Verband müsse man in Frieden verhandeln. Heinrich Stern (lib.) gibt der Entrüstung des Verbandstages über das bürokratische Verhalten der Regierung Ausdruck, während Dr. Sandler die Ostjudenjrage und das Austrittsrecht behandelt. Dabei läuft auch die den Tatsachen ins Gesicht schlagende Behauptung mit unter, der Halberstädter Entwurf lause daraus hinaus, der Steuerflucht Tür und Tor zu öffnen. Es wird schließlich beschlossen, die Regierung auf die Dringlichkeit des Judengesetzes hinzumeifen und sie aufzufordern, ihrerseits dem Verbände einen Entwurf zur Beratung vorzulegen. Wegen der vorgerückten Stunde kann die Aussprache über die wirtschaftliche Not der deutschen Juden nicht mehr stattfinden. Der Vorsitzende, Heinrich Stern, hält die Schlußrede, worauf die Tagung um neun Uhr abends beendet ist. Großer Erfolg der konservativen bei der Gemeindewahl in Hamburg. H a m b u r g, 30. März. Am Sonntag dem 23. März fand die Wahl zum Repräsentantenkollegium der Deutsch-israelitischen Gemeinde für die nächsten 5 Jahre statt. Es ist aus früheren Berichten bekannt, daß kurz vor Schluß der letzten Session unter, für die Orthodoxie nicht rühmlichen Umständen, das passive Frauenwahlrecht für das Repräsentantenkollegium eingeführt worden ist. Ein Teil der bisherigen gesetzestreuen Vertreter, und zwar die Herren vom Misrachi, hatten sich der Stimme enthalten, trotzdem sie wußten, daß nur dadurch die Annahme Des passiven Frauenwahlrechts möglich war. Ein Vertreter der Achduth hat ausdrücklich für das Frauenwahlrecht gestimmt, die anderen Vertreter der Achduth hatten dagegen gestimmt. Die neue Wahl stand für die Konservativen unter dem Zeichen des Frauenwahlrechts. Einige Herren der Achduth hatten sich, trotz der oben geschilderten Vorgänge, mit denjenigen Herrn, die für das Frauenwahlrecht gestimmt hatten, auf eine Achduthliste gestellt. Hingegen hat sich dieses Mal der überwiegende Teil aller konservativen Juden Hamburgs zu einer Unpolitisch-Konservativen Liste zufammengeschlossen und 6 Kandidaten präsentiert. Hinter dieser Liste ständen konservative Männer aus allen Lagern, die, gleichviel welcher jüdisch-politischer Ansicht sie sonst waren, innerhalb der Gemeinde nur das religiöse Moment wahren und verfechten wollen. Die Liste setzt sich aus konservativen Männern der Aguda, des Misrachi und der Achduth zusammen. Zum ersten Mal ist hier wirklich eine Einheit der Konservativen geschaffen worden. Der Erfolg blieb nicht aus. Diese Liste, die zum ersten Male und erst einige Wochen vor der Wahl in Erscheinung getreten war, konnte bei dieser Wahl 3 Sitze erreichen. Eigentlich wären ihr 4 Sitze zugekommen, aber durch ein ganz veraltetes Zählsystem mußte sie sich mit 3 begnügen. Sie erreichte die Zahl von 1065 Wählern. Die Achduth-Liste, die bisher im vorigen Repräsentantenkollegium von 4 Herren vertreten war, hatte einen Mißerfolg, denn sie konnte dieses Mal nur 3 Sitze erreichen und diese auch nur durch eine Listenverbindung mit den überwiegend liberalen Handwerkern. Allerdings sind auf der Achduth-Liste dieses Mal infolge des eigenartigen Häufungssystems, das bei der Wahl zugelassen ist, wenigstens 2 Herren gewählt worden, von denen zu hoffen ist, daß sie die Angelegenheit der Konservativen nicht stören, sondern fördern werden. Es ist interessant, daß bis auf eine Ausnahme diejenigen Konservativen, die bei dem passiven Frauenwahlrecht eine nicht konsequent-konservative Haltung angenommen hatten, nicht wieder gewählt worden sind. Man darf wohl sagen, daß die gesamten konservativen Juden Hamburgs bei dieser Wahl die Antwort auf die Einführung des Frauenwahlrechts gegeben haben. Es ist zu hoffen, daß sämtliche neuen konserva- England. Weitere Tagung der Iewifh Agency. London, 25. März. Ueber die Rede Weizmanns, der gleich nach der Eröffnung durch Felix Marburg das Wort ergriff, ist noch folgendes nachzutragen. Weizmann führte u. a. aus: „Seit der Gründung der I. A. wurde sie von einem bösen Geschick verfolgt. Wir alle haben Zürich voll der schönsten Hoffnungen verlassen. Wir sahen eine glänzende Zukunft vor uns und erhofften ein schnelleres Fortschrittstempo in unserer Arbeit. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel trafen uns die Ereignisse in Palästina, denen das Ableben von Louis Marshall folgte; dann kamen die finanziellen Zusammenbrüche überall in der Welt, und heute trauern wir über den Tod Lord Balfours. All dies traf die Agency schwer. Es fei nun natürlich, sagt er weiter, daß die Mitglieder der I. A., die sich aus verschiedenen Welten zusammensetzen, erst Zeit brauchen, sich kennen zu lernen und zusammenzuarbeiten. Ernstliche Reibungen zwischen den Führern der I. A. habe es nie gegeben. Die Experten haben festgestellt, daß Palästina heute für weitere 50 000 jüdische Bauernfamilien Raum hat. Aus die Augustereignisse übergehend sagte er: „Nicht von dem Schaden an Leben und Eigentum, noch von der den Massakres folgenden Depression soll hier die Rede sein. Die Hauptkonsequenz ist, daß die ganze Frage des Mandates und der Balfour-Deklaration das Werk in Palästina und das Verhalten der Palästina-Regierung neu vor das Tribunal der Welt gestellt wurden. Wir dürfen uns nicht verhehlen, daß wir uns jetzt in einer Lage befinden, die beinahe unserer Lage in San Remo gleicht. In San Remo hatten wir unsere Sache vor den Mächten zu vertreten. Der Unterschied zwischen damals und heute ift der: Die Konferenz in San Remo wurde in einer viel anders gearteten Zeit abgehalten: die Welt war ausgetaut, sie war in Fluß und empfänglich für große Ideen. Nur eine solche Welt konnte unserer Sache Verständnis entgegenbringen. Einer Sache, deren Erfassung Vision und starkes Gerechtigkeitsgefühl erfordert. Heute aber ist die Welt wieder zugefroren. Wir stoßen unsere Köpfe vergebens gegen Eisflächen. In der Welt ist kein Platz mehr für große Ideen. Von diesem Gesichtspunkte aus ist unsere Lage schwieriger als damals in San Remo. Aber auf der positiven Seite haben wir heute etwas, das wir in der Zeit von San Remo noch nicht hatten: eine große Leistung in Palästina. Das jüdische Volk hat gezeigt, daß es die Balfour-Deklaration ernst nimmt. Obwohl das Werk erst 1920 begann, in einer Zeit, in der die großen jüdischen Gemeinschaften des Ostens, in Rußland und in Polen, hilflos untergingen, haben wir große Leistungen in Palästina vollbracht; diese Leistungen haben mehr Gewicht als andere Argumente." Nach Weizmann erstattete Oskar Wassermann den Budgetbericht. Es fei nötig, daß der Keren Hajessod allen seinen übernommenen Verpflichtungen prompt nachkommt, was bis jetzt wegen der ungenügenden Eingänge nicht der Fall war. London, 28. März. Gestern ging die Tagung des A d m i n i st r a t i v e Committee der Jewish Agency zu Ende. Die Exekutive der I. A. wurde gewählt, der in der Hauptsache die Mitglieder der Zionistischen Exekutive mit S o - k o l o w an der Spitze angehören. Der genehmigte Kolonisationsplan sieht vor, in nächster Zeit tausend jüdische Familien in Palästina mit einem Kostenaufwand von 350.000 Pfund anzusiedeln. Cs sprach zuletzt Lord M e l ch e t t von den Sympathien der Bevölkerung Großbritanniens für Zionismus und Natronalheim. Resolutionen sprechen der palästinensischen Judenheit und der Judenheit der Welt den Dank aus für ihren unbeugsamen Willen, am Nationalheim weiter zu arbeiten und bitten die englische Regierung, das Balfourmandat in allen Punkten zu verwirklichen. Eine weitere Resolution appelliert an die Araber, in Frieden und gemeinsamer Arbeit am Aufbau Palästinas mitzuwirken. M zakte Jfitien 2 Millionen wenn Sie das $rof}e~£os gewinnen! über 40% aller Lose gewinnen. Schon ein mittlerer Treffer bedeutet: Umwälzung Ihrer Existenz ‘Jtocfi K(affen~fofe frei. JÜarfmgfiaiifen Staatl. Lotterie-Einnehmer Zeil 26 (Nähe Amtsgericht) Fernsprecher 27732 Der Bericht der Shaw-Kommission. London, 31. März. Am Montag, den 31. März abends, veröffentlichte die britische Regierung den Bericht der von Sir Walter Shaw geführten britischen parlamentarischen Untersuchungskommission für Palästina. Der Bericht ist von allen Mitgliedern der Kommissionen, zu denen außer Sir Walter Shaw als Berufsjurist noch die Parlamentarier Sir Henry Betterton (konfero.), Hopkins Morris (lib.) und Harry Snell (Arbeiterparteiler) gehören, unterzeichnet. Der Arbeiterparteiler Snell machte zu einzelnen Feststellungen des Berichtes Vorbehalte und fügte seine eigenen Beobachtungen und Ueberlegungen bei. In dem Bericht wird erklärt, daß beim Ausbruch der Unruhen in Jerusalem an dem verhängnisvollen Freitag, den 23. August 1929, es sich nicht um einen Zusammenstoß zweier streitender Parteien^ sondern um einen Angriff der Araber auf die Juden handelt, für den es keine Entschuldigung gibt. In dem Bericht wird weiter festgestellt, daß die Unruhen, die die Form eines böswilligen Angriffes von Arabern auf Juden angenommen haben, mit Zerstörung jüdischen Eigentums verbunden waren. Wohl kamen auch jüdische Angriffe auf Araber vor, aber diese Angriffe waren das Ergebnis der von den Arabern vorher begangenen Gewalttaten. Der Großmufti von Jerusalem und viele andere arabische Führer — so wird in dem Bericht festgestellt — haben mit der öffentlichen Stimmung ihr Spiel getrieben und tragen ein gut Teil der Verantwortung für die Unruhen. Weder der Mufti als das Oberhaupt können von der Schuld freigesprochen werden, daß sie es unterlassen haben, öffentlich zu erklären, daß sie für Recht und Ordnung eintreten. Der Bericht befaßt sich mit der Haltung des Chefsekretärs Luke, der zur Zeit der Unruhen in Abwesenheit des Oberkommissars als stellvertretender Oberkommissar fungierte und stellt fest, daß ihn kein Tadel treffen kann dafür, daß er nicht noch vor Ausbruch der * Unruhen Verstärkungen aus den benachbarten Ländern heranzuziehen sich bemüht hat. Er konnte, da der Angriff ein plötzlicher und unüberlegter war, auf die Ereignisse nicht gefaßt sein. Der Bericht wendet sich dann den politischen Aspekten zu und führt aus: Die von den Zionften erhobenen Ansprüche und ausgesprochenen Forderungen betreffend die zukünftige Einwanderung in Palästina erweckten bei den Arabern die Befürchtung, daß sie unter jüdische politische Herrschaft kommen werden und der Quellen ihres Lebensunterhalts beraubt sein würden. Die Kommission erhebt Einwand gegen die Auswahl von Einwandern durch die jüdische Arbeiterföderation, die wohl mehr auf die politische Ueberzeugung als auf die besondere Qualifikation der Einwanderer sieht. Nicht gebilligt wird die Entfernung arabischer Bauern von ihrem Pachtboden, wenn ihnen auch Barentschädigung ausgezahlt wird. Die Kommission nimmt aber die jüdischen Bodengesellschaften, die korrekt vorgehen, in Schutz. Die Kommission empfiehlt der Regierung, ein klares Statement über ihre Politik in Palästina herauszugeben, das in unzweideutigen Ausdrücken dartut, welche Deutung die Regierung jenen Abschnitten im Mandat beimißt, in denen von der' Sicherung der Rechte der nichtjüdischen Gemeinschaften Palästinas die Rede ist. Hat aber die englische Regierung einmal gesagt, wie sie ihre Aufgabe als Mandatar auffaßt, dann, müsse sie auch klar zu verstehen geben, daß sie ihre Pölitik mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln durchführen wolle. Die vom Arbeiterdeputierten Harry Snell dem Bericht angefügten Vorbehalte gehen darauf hinaus, daß der Grohmufti und die arabische Exekutive einen weit größeren Teil an Verantwortung für die Unruhen tragen, als ihnen im Gesamtbericht zugeschrieben wird. Da die Palästina-Regierung nicht in der Lage war, mit eigenen Kräften die angegriffene jüdische Minderheit zu

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