Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1930)
- Date
- 1930-04-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 14 De r Israelit 3. April 1930 feine Herrenhute bekannte Harken Fabrikate/^%0// V Haarfilz von Mk15.-an/ Jsmar Freund, Vizepräsident des Rates. Er gibt einen Ueberblick über das Problem der Staatsbeihilsen: Während die Beihilfen für die christlichen Kirchen in Preußen von 1924—1929 von 53 Millionen aus 82 Millionen RM. jährlich gestiegen sind, beträgt die sür uns Juden nur jeweils 200.000 RM. Der Beitrag müßte bei Zugrundelegung des Bevölkerungsanteil mindestens 820.000 RM., bei Zugrundelegung des Steueraufkommens der Juden noch viel höher sein. Aber auch von diesem Betrage wird durch „Abrundung" ein Teil noch uns entzogen, trotz eindeutiger parlamentarischer Bewilligungsbeschlüsse, und ständig sucht man uns unser Recht, das man noch als solches bestreitet, weiter zu verkümmern. Einen Teil der Mißerfolge gegenüber den Behörden führt Referent auf die Minierarbeit des Halberstädter „Preußischen Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemeinden" zurück, gegenüber dessen Darstellung im letztwöchigen „Israelitischen Familienblatt" er folgendes feststellt.- Etwa 70 Gemeinden gehören beiden Verbänden an. Das ist ein Unding und verwirrt die Rechts- und Verbandslage nach innen und außen: Zahlreiche Doppelmitglieder stellen ihre jeweilige „Verbandstreue" auf die Höhe der zu erwartenden Beihilfen ab, andere erschleichen doppelte Beihilfen und schaffen so eine Atmosphäre der Korruption, die nicht zu dulden ist. Schreiten wir ein, so macht man daraus in Verdrehung der Tatsachen „Mißbrauch von Staatsgeldern", informiert in diesem Sinne die Behörden, während wir zum Vesten aller gerade die Behörden überzeugen, daß die Verteilung der Beihilfen im jüdischen Interesse dem jüdischen Verbände als bestem Sachkenner verbleiben, eine andere Regelung als bevormundend und daher verbitternd wirken muß. Durch die Machenschaften ist das Gegenteil fast schon erreicht, ja, die Staatshilfe beinahe ganz in Frage gestellt. Die Behörden sind der täglichen Quereln des anderen Verbandes überflüssig, der intrigiert und petitioniert, auch die Vorarbeiten zum Judengesetz gefährdet, während wir Arbeit leisten und dem Gesamtjudentum dienen. Zu verurteilen ist auch die Einspannung der hessischen Vorsteherämter als staatlicher Einrichtungen für dieZwecke des Halberstädter Verbandes. Dieser verkehrt mit uns in einem unwürdigen Tone und verletzt schließlich nicht nur unsere, sondern auch die gesamtjüdischen Interessen. Dr. Freund schließt unter lebhaftem Beifall der Liberalen und Volksparteiler. „Bisher haben wir im Allgemeininteresse uns zurückgehalten und geschwiegen. Jetzt ist es Pflicht, zu reden!" (Daß hier nichts anderes sprich als unwürdiger Hatz und verletzte Eitelkeit, sieht jeder Unbefangene. Der Berliner Verband ist es, der durch seine diktatorischen Methoden jede friedliche Zusammenarbeit vereitelt. Red.) Die Generaldebatte. In der den Referenten folgenden Generaldebatte spricht Dr. K o l l e n s ch e r. Er sieht im Landesverband in erster Reihe die Brücke zur Gesamtorganisation des deutschen Judentums und fordert einen Reichsverband, der allen Forderungen einer neuen jüdischen Zeit gerecht wird und die Wertung des Landesverbandes als „Körperschaft öffentlichen Rechts" gemäß Art. 137 R.-V. Die bisherigen rein religiös geschiedenen Unterrichtsausschüsse (lib.-kons.) werden der Lagerung im deutschen Judentum nicht gerecht. Die Zionisten fordern einen eigenen Unterrichtsausschuß zur Förderung ihres eigenwertigen Erziehungsideals. Der Konflikt mit „Halberstadt" darf die historische Berechtigung jener Sondergemeinden nicht verwischen. Heute allerdings verlangt die jüdische Lage die Einheit zur Aufrechterhaltung des jüdischen Lebens. Redner bedauert hierbei die jüngst beschlossene Abberufung der Landesverbandsvertreter aus dem erfolgreich arbeitenden und notwendigen „Büro für Schächtschutz" und Entziehung der Subvention. Der „Halberstädter Verband" arbeitet ohne Zweifel an entscheidenden Stellen geschickter als unsere Verbandsleitung, und die Regierung tut alles, um nicht in den Verdacht des mangelnden Schutzes von Minoritäten zu kommen. Dem kann der große Verband, der sicher Größeres geschaffen, nur durch rückhaltlose Anerkennung des Lebensrechts der Minorität in den eigenen Reihen begegnen. Redner rechtfertigt nochmals, gegen die Behauptungen von zionistischer Seite protestierend, die Haltung derjenigen Konservativen, die im vorigen Jahre dem Reichsverbandsentwurf zugestimmt haben und mahnt zur Unterlassung derartiger Methoden gegenüber anderen Juden im jüdisch-traditionellen Geiste von „Emes-Din-Scholaum" (Wahrheit, Mecht, Frinden). In der zweiten Redner - Reihe sprechen Frau Wronsky, Rabbiner Dr. Freund-Hannover (konf.), Venzion Fett-Berlin (V. P.), Say.-Rat Dr. P e y f e r (lib.). Die Woche. Berlin. Auf dem jüdischen Friedhof in R ö - dingen, Kreis Jülich (Rhld.), wurden 14 Grabsteine umgeworfen, die z. T. erheblich be- # schädigt worden sind. Am Abend vor der Tat hatte eine nationalsozialistische Versammlung stattgefunden. Auf die Ergreifung des Täters dieser 82. Friedhofsschändung sind 200 Mark | Belohnung ausgesetzt worden. — Der bekannte I Arzt und Gelehrte Dr. E. Pinczower, I der in ärztlichen wie wissenschaftlichen Kreisen, > besonders auch als Buch- und Kunstsammler hoch geachtet war, verstarb dieser Tage in seiner Wohnung Berlin-Templlhof. Er hirterlägt eine Bibliothek von großer Bedeutung. London. Im Anschluß an die Tagung der Jewish Agency begab sich eine Deputation, bestehend aus Weizmann, Marburg und Lord Reading, zum Premierminister M a c d o n a l d , um ihm die Wünsche der A. I. zu übermitteln. — Die Arabische Delegation ist am 25. März in London eingetroffen. Budapest. Der Polizeivizepräsident von Budapest, Dr. Emil Schreiber, ein bewußter Jude, starb dieser Tage und wurde unter großen Ehrungen zu Grabe getragen. — Im Alter von 74 Jahren starb Dr. Josef F e l d m a n n , der, mehr als 40 Jahre .das Rabbineramt in Szeged bekleidet hatte und als Politiker sich besonders den Kampf gegen den Antisemitismus angelegen sein ließ. Bukarest. Die Vukarester Rabbiner unter Vorsitz von Senator Dr. Nimirower erließen einen scharfen Protest gegen die Religionsverfolgungen in Rußland. Warschau. In der Warschauer Handelsa k a d e m i e beantragte die national-demokratische Studentenschaft die Einführung des Nu - merus clausus für die Juden. Man will den Juden den Zutritt zum Wi tschasisieben versperren. — Im Hinblick auf das kommende Peßachfeft treten wieder hie und da Ritualmordgerüchte auf. In Grodno wäre es beinahe zu blutigen Ausschreitungen gekommen, weil in einem jüdischen Hause ein sinnlos betrunkener Pole hinfiel und sich den Kopf blutig zerschlug. Die herbeigeholte Polizei stellte den Sachverhalt fest und beruhigte die Menge. R.-A. Heinrich Stern (lib.) stellt namens der Liberalen fest, daß sie sich programmatisch und praktisch, besonders beim „Judengesetz", gegen jede rechtliche Zurücksetzung irgendeiner jüdischen Gruppe wenden. Diese klare Stellungnahme werde auch durch eine Polemik wie die heutige nicht erschüttert. „In dem Augenblick aber, da unsere Gemeinde zu einer politischen degradiert wird, würde sich unsere Stellungnahme grundsätzlich ändern" (stürmischer Beifall bei den Liberalen). Dr. Oskar Cohn (Pools Zion) bedauert den geringen Anteil des Sozialen am Gesamtetat (etwa 10 Proz.l. begründet seine Auffassung von der „jüdischen Volksgemeinde" und erhebt Widerspruch gegen den Antrag Kollenscher, einen Protest gegen, die Verfolgung der jüdischen Religion in Sowjetrußland zu erheben. Der Landesverband, führt er weiter aus, dürfe wohl, wo Juden leiden, sein Mitgefühl aussprechen, aber als verantwortliche Körperschaft habe er kein Recht zu R.-A. Ho r o w i tz (konf.) zollt der Verbandsarbeit im ganzen Anerkennung und Dank, fordert eine jüdisch-! einem Proteste gegen eine Regierung, die zu der deutpädagogische Akademie, Einstellung des Verbandes in die! schen Regierung in freundschaftlichen Beziehungen steht, Arbeit für Sabbatschutz und wendet sich gegen die Bej weil nur unverbürgte und tendenziöse Zeitungsberichte kämpning von Doppelmitgliedschaft einiger Gemeinden.! vorliegen. Gerade die Liberalen sollten nicht vergessen, Kunsthandlung Julius Giessen Arti Opernplalz - Ecke Bockenh. Landsfr. 2 Das Fachgeschäft für vornehme Einrahmung Jk. Die Kunsthandlung des guten Geschmacks daß die russische Revolution die Juden in politischer und staatsbürgerlicher Beziehung befreit hat. Nach Austauschpersönlicher Bemerkungen ist die Generaldebatte beendet, und Dr. Ludwig Tietz-Berlin (lib.) erstattet für den Haushaltsausschuß Bericht. Er bittet um Genehmigung des Rechnungsabschlusses für 1928/29, der gegenüber dem Voranschlag von 1.220.000 RM. einen Jstbetrag von ca. 1.313.00 RM. aufweist. — Beim Voranschlag beantragt der Ausschuß Festhalten an den Gesamtsummen in Einnahmen und Ausgaben, jedoch einige Umgruppierungen im Betrage von etwa 35.000 RM. Bemerkenswert ist der Ausschußantrag, die Beihilfe für das Rabbinerseminar in Berlin im Gegensatz zu der für die „Hochschule" und das Breslauer Seminar von 40.000 auf 15.000 RM. herab- und den Titel „Wohlfahrtspflege" von 120.000 auf 160.000 RM. heraufzusetzen. Der erste Teil dieses Vorschlags stößig bei den Konservativen auf schärfsten Widerspruch. Berlin, 1. April. In der Montagssitzung wurde der volksparteiliche Antrag, einen besonderen zionistischen Unterrichtsausschuß zu bilden, abgelehnt. Dem! gleichen Schicksal verfiel der Antrag des Rates, den Einleitungssatz zur Verfassung: „Der Landesverband ist eine Religionsgesellschaft" zu streichen, da nach Auffassung der Regierung „Religionsgesellschaften" nur Gemeinden sein könnten. Die Liberalen glaubten aber die grundsätzliche Festlegung dem Verbandscharakter in diesem Satz nicht aufgeben zu dürfen. Zahlreiche kleinere Aenderungen der Verfassung werden beschlossen, das Wahlalter von 21 auf 20 Jahre herabgesetzt. Hinsichtlich der Zahl der Berliner Abgeordneten einigt man sich nach harten Kämpfen zwischen Liberalen und Zionisten auf die Zahl von 63 Berliner Abgeordneten. Dr. Möller, Altona (Kons.) gibt folgende Erklärung ab: „Nach Einholung von Informationen stelle er fest, daß sich der „Halberstädter Verband" habe brüskiert fühlen dürfen. Denn man habe ihm seinerzeit einerseits erklärt, man sehe im Rat kaum noch Differenzpunkte betreffend das Judengesetz, andererseits aberim gleichen Brief die Einreichung des eigenen Entwurfs an die Regierung angezeigt, und zwar in einer Form, die als Hohn empfunden werden mußte. Trotz der auf beiden Seiten begangenen Fehler müßten sich die Verbände verständigen, vor allem der „große Bruder auch die persönlichen Garantien für ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten schaffen., Die Erschleichung von Doppelbeihilfen durch Doppelmitgliedschaft habe ihm erst heute die Leitung des anderen Verbandes selbst als unsittlich unü bekämpfenswert bezeichnet. Man wünsche auch idort nicht Geldverteilungen durch die Behörden selbst." •, Ein weiterer Kampf entbrennt um die S u-b v e n - tionierung der Berliner Rabbiner'semin a r e, dem der Rat 40.000, der erste Ausschufßantrag Mk. 15.000, der zweite Ausschußantrag Mk. 30/000 gewähren will. Liberale und Volkspartei möchte'?« auch bei dieser Gelegenheit den Halberstädter Verband ärgern. Bei der Abstimmung werden 30.000 festgesetzt; üveitere 10.000 sollen fällig werden, wenn der Halberstädte-r Verband (dem man gleichzeitig seine Gemeinden ab-zutreiben versucht) seiner bisher angeblich nicht erfüllten PZflicht gegenüber dem Seminar Genüge leiste. V Beim Kapitel „Wohlfahrtspflege" greift Alfred Zu Peßach isi das allbekannte Hotel B r a uRn - schweig (Bad Homburg), unter Leitung von F»au Helene Wolpe und unter Aussicht von Herrn Rabb. T»r. Wreschner. wieder eröffnet. Anmeldungen an Pensionj Rosiner, Frankfurt a. M., Zeit 44. Näheres s. JnsercMt. 5 Wie in den letzten Jahren bringt die Ostend-ApotheMe, Frattkfurt a. M., wieder für Peßach eine eigene ZahnUpasta, jetzt unter Aufsicht der Israelitischen ReliaiansgesellW schaft Frankfurt a. M., heraus. Dieses vorzügliche ekqeneH Fabrikat der Ostend-Avotheke steht inbezug auf Preis» und Geschmack nicht hinter den besten MarkenfabrikatenH zurück. (Siehe Inserat.) W