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Der Israelit · 1930-04-03 · Heft 14 (3.4.1930) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 14 (3.4.1930)
Date
1930-04-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 14 Der Israelit 3. April 1930 Für die Feiertage kaufen Sie lebende Flu!)- und Seefische Iim Fischhaus,Nordsee4 \, Täglich frische Zufuhr W Lieferung frei Haus Telefon - Sammelnummer 3 4 84 schützen, wäre es ihre Pflicht gewesen, aus der Mitte der Juden geeignete Personen auszuwählen und sie mit den Mitteln zur Selbstverteidigung auszurüsten. Die Regierung könne auch nicht von dem Tadel freigespro chen werden, daß sie nicht rechtzeitig ein Kommunique erlassen hat, in welchem den Gerüchten über angebliche jüdische Absichten auf die moslemitischen heiligen Stät ten entgegengetreten wird. Ein gut Teil Schuld trifft die Regierung auch darin, daß sie den noch vor Ausbruch der Unruhen in Umlauf gewesenen Gerüchten von bevorstehenden Unruhen nicht die entsprechende Bedeutung beigemessen hat. Harry Snell führt aus, er stimme auch nicht mit der Ansicht der übrigen Mitglieder der Kommission hinsichtlich der Kontrolle über die jüdische Einwanderung überein, er wisss, daß die Juden zum Wähle des gesamten Landes beigetragen und daß die Araber an diesem allgemeinen Wohle teilgehabt haben. Ein freundschaftliches Zusammenarbeiten beider Bevölkerungsteile in Palästina würde die wirtschaftliche und politische Entwicklung des Landes fördern und zu einer Reserve des Friedens und Verständigungswillens für die Zukunft werden. Araber und Juden würden sich zu dem Ausbau eines glücklichen und gedeihenden Landes vereinigen Snell schlägt vor, daß einige jüdische und arabische Führer sich zu einer gemeinsamen Aussprache vereinigen und versuchen mögen, Richtlinien für eine friedliche Zusammenarbeit zur Entwicklung des Landes auszuarbeiten. Ohne jüdische Einwanderung und jüdische Landwirtschaft sei aber eine wirtschaftliche Entwicklung Palästinas nicht denkbar. Personalien. Berlin, 2. April. Der Leiter des Bibliothekswesens der Jüdischen Gemeinde, Oberbibliothekar Dr. Moritz Stern beging sein 25jähriges Amtsjubiläum. In seiner Amtszeit sind die Bibliotheken der Gemeinde auf über 70 000 Bände angewachsen und zu einem wichtigen Vildungssaktor geworden. Der Hauptbibliothek in der Oranienburgerstraße sind eine Filialbibliothek in der Fasanenstraße und sieben Zweigbibliotheken in der verschiedenen Stadtteilen angeschlossen. Mit der Hauptbibliothek ist eine reichhaltige Kunstsammlung verbunden. Allen Benutzern steht der Leiter mit seinen Literaturkenntnissen und nieversagender Hilfsbereitschaft unermüdlich zur Verfügung Sein Jubiläum gab daher zu zahlreichen Adressen, Telegrammen und Gratulationen Anlaß/ Auch der Vorstand der Gemeinde veranstaltete eine würdige Feier. Nach einleitendem Harmoniumspiel mit Ge'igenbegleitüng begrüßte der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Direktor Kareski, den Jubilar, feierte ihn als Beamten und Gelehrten und dankte ihm im Namen der Gemeind^ Jir eingehender Weise schilderte der Vorsitzende der Bibliothekskommission, Dr. Sandler, die Entwicklung, des Bibliothekswesens unter Dr. Sterns Leitung und zeigte im einzelnen, was Bibliothek und Kunstsammlung diesem zu verdanken haben. Für den Beamtenverein sprach der Vorsitzende E. Rockmacher, für die Zweigbibliotheken Rabbiner Dr. Nosenwasser. Zum Schlüsse dankte der Jubilar Gott für dessen Beistand in 25 Jahren ständiger Arbeit und gelobte, nach wie vor dem Dienste am Judentum seine Kräfte zu weihen. Harmoniumspiel und Sologesang „Der Ewige segne Dich usw." geben der Feier einen würdigen Abschluß. Ortelsburg, 31. März. Am 23. März d. I. starb Leib L i t t w a k im 84. Lebensjahre. Dienstag, den 25. März, wurde er, von der Chewra-Kadischa, nachdem Herr Kantor Saler einige trostreiche Worte gesprochen, aus seiner Wohnung nach der Synagoge überführt. Der Verstorbene hat -den Platz, worauf die neue Synagoge steht, der Gemeinde geschenkt. Unter den Trauergästen waren außer der ganzen jüdischen Gemeinde auch Vertreter des Bürgermeisters, Landrats und andere Behörden. Kantor Saler eröffnete die Trauerfeier mit einem Psalm. Dann zeichnete Krejsrabbiner Dr. Apt das Bild des Verstorbenen und schilderte seine prägnanten Charaktereigenschaften,, die den Dahingeschiedenen bei der jüdischen und christlichen Bevölkerung so beliebt' machten. Der Heimgegangene war eine zeitlang erster Vorsteher der jüdischen Gemeinde und bis zum Tode Repräsentant. Die Chewra-Kadischa ernannte ihn zum Ehren- Ehrenmitglied, und noch wenige Tage vor seinem Tode überreichte ihm der Chewra-Vorstand eine Ehrenurkunde worüber er sich noch sehr freute. Nach einem Gesang des ehemaliger Oberkantor Lemke- Tilsit bewegte sich die überaus zahlreiche Versammlung nach ° dem Friedhofe. Leib Littwak war vorbildlich für unsere Jehudim in Stadt und Land. 1 rrasan* Vermischtes. Hamburg, 1. April. Am Montag, den 24. März, gelangte in der hiesigen Volksoper ein dramatisches Gedicht „Pinchas", von Oberkantor Hermann Lieber, zur Aufführung. Jüdische Jugendliche, getragen von Lust und» Eifer — der Reinertrag war für die gesetzestreue Arbeiterschaft Palästinas bestimmt — hatten sich in den Dienst der Sache gestellt. Unterstützt wurden sie von drei Berufsschauspielern, von denen Erik Frey vom Deutschen Schauspielhaus die Titelrolle übernommen hatte. Die jungen Spieler hatten viel Hingebung und Mühe aufgewandt, der schwungvollen rhythmischen Sprache der Dichtung und ihrem gespannten seelischen Gehalt gerecht zu werden. Reicher Beifall des gut besuchten Hauses rief die Spielerschar und den Verfasser am Schluß der Ausführung oft vor die Rampe. Die Woche. Wahlen in den Gemeinderat der Israelitischen Religionsgesellschaft. Die Ersatzwahlen für den Gemeinderat der Synagogengemeinde Israel. Religionsgesellschaft haben am letzten Sonntag stattgefunden. Mit großer Stimmenmehrheit sind gewählt die Herren Rechtsanwalt Dr. Salomon Goldschmidt und Mar Stern. Schlutzfeier in der Samson Raphael Hirsch-Schule. Am Sonntag, den 6. April 1930, vorm. 10,30 Uhr, kindet in der Aula der Samson Raphael Hirsch-Schule die Jahresschlwß- und Entlassungsfeier statt, zu der alle Freunde der Schule höflichst eingeladen find. Im Anschluß an die Feier findet eine Ausstellung der Zeichen- und Handarbeiten der Schüler und Schülerinnen statt. Ein Sijum in der Israelitischen Volksschule. Eine Sijumseier auf einen ganzen Talmudtraktat in einer Volksschule gehört nicht zu den Alltäglichkeiten. In der Israelitischen Volksschule zu Frankfurt a. M. sind seit einigen Jahren Talmudkurse für Schüler, die dafür den Willen und die Eignung haben, außerhalb des rorgefhrielenen Schulprogrammes eingerichtet. Sie werden von einigen Herren des Schulkollegiums und in der Obergruppe von dem bekannten Talmudpä'/agogen Ch. Liverhant geleitet. Eine kleine Elitbegruppe dieses Dozenten hat in einigen Jahren den ganzen Traktat rruprraaausgelernt und noch eine erkleckliche Anzahl von Folien in ry>xn saa dam. Und am Sonntag mittag wurde in der Aula der Schule vor Verwaltung, Kollegium, Vätern und Schüler und geladenen Gästen Sijum gefeiert. Die Gruppe lernte den Traktat zu Ende, und Herr Liverhant sprach einen knmen Hadran mit ansch ießenden agadischen Deutungen und Ermahnungen an die Schüler. Rach dem Minchogebet saß man vor gutgedeckten Tischen. Damen und Herren des Lehrerkollegiums spielten die Gastgeber und ließen es sich nicht nehmen, eigenhändig die Gäste zu bedienen und zu bewirten, mit einer nix» bv r\nm die ihnen förmlich aus dem Gesichte leuchtete. An g eilig er Bewirtung fehlte es wahrlich auch nicht. Herr Rektor Baruch Stern begrüßte in einer stimmungsvollen Ansprache die Gäste. Unser Raw, Herr Rabbiner Horowitz, hielt dann-eine liebenswürdige Rede, etpe Art moralische und erzieherische Umdeutung, der Begriffe vxn me?» ws und w»» mv» mi- Herr Jakob. Rosenheim für die Verwaltung klärte den Begrifft vm'nmain Anwendung auf die Schule und ihr Programm und .gab Uder (von'allen Teilnehmern in diesem Augenblick heiß geteilten) Hoffnung Ausdruck, daß es zu dem von der finanziellen Misere diktierten Abbau dieser Schiurim nicht kommen würde. Herr Redakteur S. Schachnowitz spricht von der Bedeutung der Tatsache, daß eine junge Generation in Deutschland rr»p rraa lernt. Den Reigen schloß Herr Konrektor A. Hirschb e r g mit einer herzlichen Rede, mit der er auf die Etappen, der Schule bis zum Siegespreis des Sijum hinwies. Zwei Schüler der Gruppe» Hugo Steinberger und Chafkel Spiro, kamen zu Wort und legten beredtes Zeugnis vom Geiste und Werte dieser Kurse ab, elfterer mit einem kurzen halachi scheu Vortrag, letzterer mit einer 'ormschhnen Ansprache. Zwischendurch sang Herr Herzog mit prachtvoller Stimme jüdische und jiddische Weisen und Herr Lehrer und Kantor Frankfurt wartete mit einem schönen Rezitativ auf.. Alles in allem, ein paar Stunden heiterer und herrlicher Harmonie, wie sie nur der Frieden der Thora, gepaart mit der Zukunftshoffnung aus frischem Kindergesichte, bieten kann. Wohltätigkeitsfest der jüdischen Frauenhilfe Esrath Nafchim. Die „Esrath Nafchim" rief am Sonntag nachmittag zu einem großen Feste ins Volksbildungsheim, lind viele, sehr viele sind aus Interesse für den Verein, aus Liebe zur Wohltätigkeit, vielleicht auch in der sicheren Erwartung guten Amüsements dem Rufe gefolgt, sod atz sich in den Pausen ein lustiges Festtreiüen in allen Räumen des Volksbildungsheimes entwickelte. Das Programm selbst begann mit ausgezeichneten Chorgesängen des seit kurzem hier unter der künstlerischen Leitung des Herrn Roftenblüth bestehenden jüdischen Männergesangve.reins ,,H a s o m i r". Es schien etwas gewagt, mit einem abendfüllenden Theaterstück vor ein Festpubl.kum zu kommen, das mehr auf bunte Abwechslung eingestellt ist. Aber das Wagnis gelang über alle Maßen. Die >,Rumänische Hochzeit" von M. Schor ist eine Operette, nicht besser und nicht schlechter als alle anderen Operetten, mit Sang und Klang, Tand und Tanz, mit komischen Situationen und unmöglichen Verwicklungen. Aber ihre jüdische Note drang in Wort und Weise, Motiv und Melodie doch immer |unb immer wieder durch, und nicht zuletzt durch eine! ergötzliche Labaniade, die man dem Heiratsjäger en gros vom Herzen gönnte. Ein in Kunstdingen im besten Sinne naives Publikum ging mit, lachte und weinte und raste iBetfall. Alle Darsteller spielten weit über das Dilletantische hinaus vortrefflich. Allerliebst und blendend in der Farbenpracht und Graziöfität waren die eingelegten „rumänischen Tänze", von kleinen und kleinsten Mädels ausgeführt. Als um die Mitternachtsstunde das mit Vergnügen und guter Disziplin aufgenommene Stück zu Ende gegangen war, schien das eigentliche Fest erst richtig zu beginnen. Doch weiß der Berichterstatter darüber, weiter nichts zu vermelden. Wie man von vielen Seiten hört, entfaltet der Vorstand des „Esrath Noschim", an dessen Spitze Frau B o r n st e i n, eine emsige Wohlsahrtsarbeit ge a^e zum kommenden Pessachfeste. Diesem guten Zwecke fließt auch der Reingewinn des Abends zu. Bilder vom alten Erez Jisroel. Im Rahmen eines von. der Palästina-Zentrale der Agudas-Jisroel veranstalteten Vortrags über Palästina. zeigte-Herr Julius I. Rothschild, Haifa, eine große Anzahl interessanter Lichtbilder, vor allem von altehrwürdigen Kult- und Gedächtnisstätten des heiligen Landes. Besonders interessierten Aufnahmen der Höhle Machpela, die bekanntlich sehr selten sind und alte Schriftdenkmäler, B. die Siloah-Jnschrift. Wenn auch die Wirkung des begleitenden Referates stellenweise durch Vorkriegs Pathos etwas beeinträchtigt wurde, so zeigte sich dennoch der Redner, der als archäologischer Forscher tätig war, als guter Kenner der geschichtlichen und kulturellen Gegebenheiten Palästinas. Die Jahresversammlung der Agudas Jisroel- Jugendgruppe. Bei verhältnismäßig starkem Besuch nahm die Jahresversammlung einen interessanten Verlauf. Nach Begrüßungsworten des ersten Vorsitzenden, Herrn Hartogsohn, wurde der in den „LBlättern" zum Abdruck gelangende umfangreiche Geschäftsbericht verlesen. Dieser Bericht wurde alsdann zur Debatte gestellt, und es zeigte sich, daß das Interesse an der Arbeit in der Agudas Jisroel lebhafter ist, als das oft den Anschein hat. Vor allem wurde der Wunsch laut, die Kurse, Arbeitsgemeinschaften usw., die die Gruppe abhält, mit mehr Gemeinschaftsgeist zu durchsetzen. Von seiten des Vorstandes wurde betont,, daß der Erfolg aller Bemühungen, eine Wandlung zum Besseren herbeizusühren, wesentlich abhängig sei von der Mitarbeit der Mitglieder. Das verflossene Semester hat gezeigt, daß die günstigen Ansätze zu einer Aufwärtsentwicklung eine ganz entscheidende Beeinflussung unserer Tätigkeit zu Wege bringen werden, wenn, mehr als bisher, weite Kreise die besten Absichten der Leitung durchs tatkräftige Mithilfe fördern! — Für die Sommermonate ind öffentliche Vorträge prominenter Persönlichkeiten ' an; . den Sabathen und auch ist die Einrichtung von Arbeitsgemeinschaften in Aussicht genommen, so daß auch dann.. für alle Schattierungen der Mitglieder Gelegenheit gegeben ist, die geistige Kost durch die Agudas Jisroel zu'erhalten/ die'ihnen behagt. Regelmäßig sollen ebenfalls AussliWv veranstaltet werden. Aus der Leitung sind ausgeschieden:> die Herren Martin Katz, Walter Joseph; die Damen: Rosel Cohn, Helene Heidingsfeld, Henny Weil. Die neue Leitung setzt sich zusammen aus den Herren: Hartog Hartogsohn, 1. Vorsitzender; Albert Loewenthal, 2. Vorsitzender; Julius Salzmann, Kassierer; Ernst Lehmann, Schriftführer. Weiter gehören dem Vorstand an: Hermann Schwab,, Erich Weilft Frl. Spitzer, Frl. Jacobsohn, J4 jc£twß: Mer^AISEfy ßirax muftärseinkn a'er bekannten' roten OrigineifßackungMberaJt erfßftttiphik:

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