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Der Israelit · 1930-04-03 · Heft 14 (3.4.1930) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 14 (3.4.1930)
Date
1930-04-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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3. April 1930 Der Israelit Nr. 14 Seite 5 NVSNV2 Die Engelapotheke zu Frankfurt a. M. Gr.Friedbcrgerstr.44 EckeVilbelergasse Tel.Hansa22387 hat unter Aufsicht der Isr. Religionsgesellschaft die gebräuchlichsten Arzeneizubereitungen angefertigt. Etwaige Rezepte müssen den Vermerk: Pesshch tragen. Eine Liste, der unter Aufsicht rituell hergestellten Mittel ist den Ärzten zugestellt und wird auch auf Wunsch an Patienten abgegeben aller Offenheit zu betonen, daß auch er der Ansicht ist, daß es ausschließliche Aufgabe der Jeschiwa sei, Thora zu lehren und daß von Parteikämpsen, wie sie draußen sich abspielten, in ihren Mauern nichts verspürt werden dürfe. Wohl aber stehe er nicht an, zu erklären, daß die Einstellung zu den großen, heiligen Forderungen und Prinzipien unserer Heimgegangenen Lebensführer auf denen, nach deren religiösen Ueberzeugung das jüdische Gemeinde- und Gesamtheitsleben aufzubauen sei, in ehernen unauslöschlichen Lettern in die Fundamentalbestimmung der Jeschiwa eingegraben seien und daß der Leiter und mit ihm alle, die in der Jeschiwa zu lehren berufen seien, es als ihre heilige Pflicht betrachten, für diese Forderungen unserer Großen, die Herzen der Bachurim zu gewinnen. Das sei auch gar nicht anders denkbar, denn je mehr Thora sich ihnen zum 'n nsn gestalten muß, desto mehr seien die Bachurim berechtigt, zu wissen, wie das Heiligtum auszusehen habe, das aus diesem 'n njn erblühen soll und für dessen Errichtung \k einst mit ihrem Leben sich einzusetzen hätten. In diesem Sinne gehöre die Jeschiwa der Gesamtgemeinde und darüber hinaus der jüdischen Gesamtheit an, indem sie ihre Schüler zu solchen Persönlichkeiten zu ertüchtigen habe, die einst der Kehillo zum Segen und der. Gesamtheit dazu beistehen werden, den Weg der nbitta zu beschreiten. Mögen die aus der Jeschiwa scheidenden Bachurim im Leben zeigen, daß sie vom Geist der Jeschiwa getrunken haben, diesen Geist im geschäftlichen Beruf oder in den Hörsälen sich bewahren, Treue wahren diesem Geist und nach den höchsten Lebenszielen ringen, die in der Erringung von m nsn, aus dem das Heiligtum göttlicher Lebensgestaltung erblühe,, ihre Krönung finden. Mit dem Segenswort von Mosche Rabbenu nraw mwi tzn’Y1 ’pyaa das die Bachurim auf ihren Lebensweg begleiten möge, schloß der Redner. Im zurückliegenden Wintersemester wurde die Jeschiwa von 88 Hörern besucht, die zum überwiegenden Teil aus Deutschland und Westeuropa sich zusammensetzen. Mit Befriedigung darf festgestellt werden, daß vor allem eine stattliche Zahl von deutschen Bachurim in ihrer jüdisch-wissenschaftlichen Ertüchtigung soweit gefördert werden konnten, daß von ihnen erwartet werden kann, daß. die meisten zu tüchtigen Bene Thora heranreifen werden. Nichtsdestoweniger muh die Jeschiwa darauf bedacht sein, einen Stamm von reifen, im Lernen besonders tüchtigen Bachurim-Ausländern zu besitzen, die das Thoramilieu mitschaffen helfen, auf deren weitere Ausbildung die Jeschiwa. ganz besonders Wert legen muß. Sind doch aus ihnen in den zurückliegenden Jahren Männer hervorgegangen, die auch in Deutschland an führenden Stellen stehen. Die Hörer setzen sich, was für eine Jeschiwa charakteristisch ist, aus den verschiedensten, künftigen Berufsschichten zusammen. Bachurim, die sich dem geschäftlichen Berus zuwenden. wollen, oder die akademische Laufbahn erwählen, holen sich aus der Jeschiwa die Kraft, die sie befähigt, einst als jüdische Persönlichkeiten ihrem jüdischen Lebensberus gerecht zu werden. Wenn auch den Akademikern gestattet wird, sich an der Universität zu immatrikulieren, so wird doch von ihnen erwartet, daß sie zunächst ihren ganzen Fleiß dem Thorastudium zuwenden. Neben den ordentlichen Hörern nehmen jedoch auch außerordentliche Hörer an einem Teil der Schiurim und Vorlesungen teil. Sie alle umfängt das durch die Jeschiwa geschaffene Thoramilieu, dessen Segnungen sich die heranreifende Jugend nur selten verschließt. Wenn auch eine Jeschiwa nicht in erster Reihe die Ausbildung Zu Rabbinern im Auge hat, so gibt dennoch die Jeschiwa die Möglichkeit, daß künftige Rabbiner auf ihr, ihre Ausbildung bis zur Erteilung der rabhinischen Autorisation finden. So sah sich die Jeschiwa in der Lage, in diesem Jahre 3 Hörern die Hathorath au-ro o erteilen zu können, von denen. 2 Hörxr ein rabbinisches Amt in Deutschland' übernehmen. Ein' früherer Hörer unserer Jeschiwa, der auf ihr seine Ausbildung erhalten hatte, wurde vor kurzem in einer bekannten ungarischen Gemeinde zum rabbinischen Führer erwählt. Der Jeschiwa ist bekanntlich auch eine Sch acht - schule angegliedert, die in diesem Jahre 6 Schochtim ausbilden konnte, von denen wir die Erwartung hegen, daß sie tüchtige Schochtim werden. Kenner der Verhältnisse in Deutschland wissen, von welch größer Bedeutung gerade diese''Tatsache für die Zukunft des jüdischen Lebens in Deutschland ist. Es braucht nicht betont zu werden, daß die Jeschiwa auch Sorge trägt, daß diese jungen Leute auch eine Ausbildung erfahren, die sie befähigt, den Aufgaben eines tüchtigen Religionslehrers gerecht zu werden. * In diesem Semester fiel auch der durch die Behörde geforderte Umbau der Jeschiwa. Wenn auch dieser Umbau nur mit großem Kostenaufwand durchgeführt werden konnte, der in dieser wirtschaftlich schweren Zeit der Jeschiwaverwaltung große Lasten auferlegte, konnte die Verwaltung sich doch sagen, daß sie mit diesem Umbau auch der inneren Entwicklung der Jeschiwa außerordentliche Förderung erwiesen hat. Die großen, geräumigen Räume, vor allem der hervorragend, schöne, große Hörsaal bietet die Möglichkeit, daß nicht nur während der Tages, sondern auch bis in die tiefe Nacht hinein, Bachurim und auch sonst Söhne unserer Kehilla. denen das Thoramilieu wohl tut, sich zusammenfinden, um in kleinen Gruppen oder allein dem emsigen Thorastudium sich zu widmen. In diesem. Zusammenhang sei auch erwähnt, daß durch den Umbau die Möglichkeit geschaffen wurde, den Bachurim gegen ein geringes Entgelt eine Frühstücksspeisung zu verabreichen, für deren Zustandekommen vor allem Frau Direktor Lange sich dankenswerten Verdienst erworben hat. Die erweiterten Räume geben auch die Möglichkeit, die Bibliothek auszugestalten und für eine geeignete Benutzung zweckdienlich zu organisieren. Die Bücherbestände erfordern jedoch noch eine größere Vermehrung namentlich der für den alltäglichen Gebrauch notwendigen Seforim, die angesichts des erfreulichen Zustroms von Lernbegierigen den Anforderungen noch lange nicht genügen. Die Jeschiwa-Leitung nimmt jederzeit Schenkungen gern entgegen. Es bietet sich so '^rrgenheit, auch Heimgegangenen ein Denkmal dadurch zu setzen, daß ihr Name in den Stiftungsbüchern verzeichnet wird. Der große Hörsaal hat in seinem vorderen Teil eine synagogale Ausstattung erhalten. In diesem Zusammenhang sei darauf, hingewiesen, daß die Jeschiwa Jahreskaddisch, sowie Jahrzeits-Stiftungen entgegennimmt und den damit verknüpften Bedingungen gewissenhaft an geweihter Thorastätte nachkommt. Je erfreulicher die geistige Blüte der Jeschiwo, desto dringender ist es geboten, daß weiteste Kreise ihr in ihrem großen Werke beistehen. Will sie ihren, mit jedem Jahr sich steigernden Verpflichtungen in diesen schweren Zeiten Nachkommen, so ist sie auf die Mitarbeit und opferbereite Hilfe ihrer Thorafreunde angewiesen. Staaksbeihilfen und Landesverbände. Frankfurt a. M., 31. März. Der Halberstädter Preußische Landesverband g e - fetzestreuer Synagogengemeinden schreibt uns folgendes: „Sie erwähnen in dem Artikel Ihrer geschätzten Zeitung von der vorigen Woche, der sich mit der für letzten Sonntag angesetzten Tagung des Berliner Landesverbandes befaßt, daß es Ihnen erwünscht erscheint, die Verteilung der Staatsbeihilsen an die unterstützungsbedürftigen Gemeinden möge in Zukunft nicht mehr durch die Verbände, sondern durch das Ministerium selbst vorgenommen werden. Aus unserer Kenntnis der Verhältnisse heraus würden wir eine solche Abänderung der seit Iah- Wochenkalender. v. 5.—18. April 1830 v. 7.-14. Nikan 8690 Samstag 5 7 rrip» Sonntag 6 8 Montag 7 9 Vienstag Apr. 8 10 - ' nsipn Mittwoch 9 11 vonnerstag Freitag.,.. 10 11 12 13 f»n i’pnia Samstag 12 14 noö a*iy bnin naw is Tragen §ie die gute Kleidung Verarbeitung Auf Wunsch ren bestehenden Gepflogenheit sehr bedauern. Wir sind daher, als uns dahinzielende Erwägungen des Ministeriums bekannt wurden, sofort vorstellig geworden, es möge die Verteilung an die leistungsschwachen Synagogengemeinden wie bisher durch die beiden Landesverbände geschehen und wir hoffen, daß unsere Bemühungen von Erfolg begleitet sein werden." Wir hatten unsere Anregung, die Staatsbeihllfen künftig unter Umgehung der Verbände unmittelbar an die unterstützungsbedürftigen Gemeinden zu verteilen, wie aus dem Zusammenhang ohne weiteres ersichtlich, ganz und gar aus die Annahme gegründet, daß es nicht möglich sein werde, den Berliner Landesverband zur Respektierung der Grundsätze der Gewissensfreiheit zu zwingen. In diesem Falle, schien und scheint uns die völlige Umgehung der Landesverbände jedenfalls das kleinere Uebel zu sein. Besser ist es aber natürlich, wenn in dem Berliner Landesverband selbst sich die vornehmer denkenden Elemente durchsetzen oder wenn es der Staatsbehörde gelingt, den Berliner Landesverband zur unparteiischen Verteilung des ihm zufließende.i Teiles der Staatsgelder ohne jeden Eingriff in die Entschließungsfreiheit der Gemeinden zu veranlassen. 6. Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Gefchäftsberichl. — Etat. — Generaldebatte. — Protest gegen ungleiche Staatsbeihilsen. — Polemik gegen Halberstädker Verband. — Auseinandersetzungen über Ausländerwahlrecht. Berlin, 31. März. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hielt am 30. und 31. März in-Berlin den 6. Verbandstag, den letzten dieser ersten Legislaturperiode, ab. Sodann eröffnet der Präsident, R.-A. Stern,.den Verbandstag und bezeichnet als Hauptziele der Arbeit für die nächste Zeit: Schaffung eines neuen Judengesetzes und des Reichsverbandes der deutschen Juden. Den Tätigkeitsbericht des Rates erstattete sein Präsident Kammergerichtsrat Leo Wolfs (Berlin) unter Bezugnahme auf die gedruckte Vorlage. kareskis Vorberichl. Den Etat für 1930/31 bringt der Finanzdezernent im Rat, Direktor Kareski, Vorsitzender der Berliner Gemeinde, ein, zugleich mit dem Rechnungsabschluß für 1928/29. Der Voranschlag schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 1.201.000 RM. (1929/30: 1.243.000 RM.) ab. Bemerkenswert ist der neue Titel „Bezirksrabbinate" (50.000 RM.) und die Herabsetzung des Wohlfahrtsetats von 180.000 auf 120.000 RM. Der Referent schildert die wachsenden Anforderungen und schrumpfenden Einnahmen, rügt die Säumigkeit zahlreicher Mitgliedsgemeinden bei Erfüllung ihrer Verpflichtungen, die allerdings jetzt schon vielfach unverschuldet sei, aber nicht zu einem Druckmittel für die Durchsetzung von Sonderwünschen werden dürfe. Bei der Gewährung der Staatsbeihilfen werden die Juden anderen Religionsgemeinschaften gegenüber stets benachteiligt. Noch größere Gefahr aber droht von innerjüdischen Gegnerschaften. Wenn jene intrigierende Gruppe (gemeint ist mit dieser Injurie der Halberstädter „Preußische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden") nicht endlich zu gemeinsamer Arbeit zurückfindet, wird die ganze preußische Judenheit die von ihr zerschlagenen Fensterscheiben bezahlen müssen. — Die „Sammelanleihe", vom letzten Verbandstag beschlossen, hat nicht vollen Erfolg gehabt, da von zahlreichen Gemeinden unmögliche Konditionen (Zinslosigkeit u. a. m.) verlangt wurden. Dr. Freund über die Skaalssubventionen. Das Korreferat zum Geschäftsbericht erstattet Dr.

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