Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1930)
- Date
- 1930-03-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Nr. 13 Der Israelit 27. Marz 1930 Kurpension H ELL M AN N bietet bei mäßigen Preisendas Beste an Unterkunft ü. Ve * pflegung ♦ Eröffnung 11-4* esBaaBBasfiaäääafiMMBBMM In der Begründung dieses Antrages, ergehen sich die Nationalsozialisten in Beschimpfungen gegen die Ritualschächtung, die. sie eine „niederträchtige, eines Kulturvolkes unwürdige Tierquälerei" nennen. Wie die ITA erfährt, schenken die übrigen Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung diesem Antrag der Goebbels-Partei, den sie für 'einen leeren Demonstrationsantrag halten, zu dem Zwecke gestellt, um die 200 OOOköpfige jüdische Bevölkerung Berlins zu provozieren, keine Beachtung. Erste Abiturienten-Entlaffungsfeier der Adatz Jisroel-Schulen. Berlin, 24. März. Das Schulwerk der Israelitischen Synagogengemeinde Adaß Jisroel zu Berlin besteht jetzt mehr als 10 Jahre. Es zerfällt in je zwei Grund- und Volksschulen, Realgymnasium, Lyzeum und Oberlyzeum mit insgesamt über 800 Schülern und Schülerinnen und beinahe 50 Lehrkräften. Anfang März wurde die erste Reifeprüfung am Realgymnasium in Gegenwart des Vertreters der Schulaufsichtsbehörde abgenommen, und alle 7 Prüflinge bestanden die Prüfung mit gutem Erfolg. Am 23. März mittags fand im Großen Saale des „Tiergartenhof" die Entlassungsfeier statt in Anwesenheit der gesamten Lehrer- und Schülerschaft und fast aller Mitglieder der Synagogengemeinde und zahlreicher anderer Freunde ihres Schulwerks. Nach dem vom Chor der Mädchenschule vorgetragenen Gesang des 150. Psalmes begrüßt der Gemeindeoorsitzende Martin Bondi die Abiturienten und beglückwünscht Schulverwaltung, Lehrer und Schüler zu den allseitig anerkannten schönen Erfolgen ihrer Arbeit. Er verliest ein herzliches Glückwunschschreiben des Dezernenten im Kultusministerium, Geheimrat Israel. Oberschulrat Lamla, der die Prüfung geleitet hatte, übermittelt die Glückwünsche des Provinzialschulkollegiums, vor allem für die Vorkämpfer des Schulwerks. Rabbiner Dr. Esra Munk und den Schuldirektor Dr. Nachmann Schlesinger. Der Erfolg des Schulwerks und seiner Idee dokumentiert sich dem Redner darin, daß auch der Freund der Simultanschule die Vermeidung der Hauptgefahren einer Konfessionsschule — Einseitigkeit, Volks- und Weltfremdheit — hier anerkennen und die schöpferische Ueberwindung aller Fährnisse durch Vermittlung eines geschlossenen Weltbildes an die Zöglinge und die freudige Einordnung in den deutschen Kulturkreis feststellen müsse. Die Abiturienten, mahnt er, die Forderungen der Art. 148 und 153 der Reichsverfassung harmonisch in ihrer Person vereinend, die Verpflichtungen auch geistigen Besitzes gegenüber dem Volksganzen stets anzuerkennen und zu erfüllen. Rabbiner Dr. phil. und med. Biberfeld, Schulrat der Adaß Jisroel und Vater eines der Abiturienten, gibt ein Bild von der Geschichte der Schule. Direktor Dr. Schlesinger dankt den zentralen und örtlichen Schulbehörden für ihre der Schule von Anfang an bewiesene Förderung, der Gemeinde für ihre Opferfreudigkeit, den Lehrern für die treue Hilfe bei dem Aufbau des alt-neuen Erziehungsideals, den.Eltern für ihr Vertrauen und den Schülern für die jugendliche Begeisterung, mit der sie den Anregungen ihrer Lehrer und der Gründer der Schule gefolgt sind. Nach der feierlichen Verteilung der Zeugnisse dankt einer der Abiturienten namens seiner Freunde und Kameraden den Lehrern für ihre Leistung, die nicht nur in der Bewältigung der Erziehungsaufgaben, - sondern auch der unendlichen äußeren und . inneren Aufbau- und Wachstumsschwierigkeiten der Schule bestanden hat. Mit Gesang des Knabenchors und Spiel eines Schülerstreichquartetts fand die Feier ihren Äusklang. Tagung des Vereins jüdischer Hotelbesitzer und Restaurateure E. V. rWli e sd Ld.e ch L3. März.., Am Mpmnd7^2liWärz^fand. stkMiesbatzen dhe chiech< jährige Mitgliederversammlung: dös! Vereins jüdischer Hotelbesitzer und Restaurateure statt. Trotz oder gerade wegen der sehr schweren Zeiten, chgston sich ' zahlreiche Mitglieder aus allen Teilen Deutschlands eingefunden. Dr Vorsitzende, Herr Blum-Oberhys, gab nach Eröffnung der Sitzung einen Bericht über das Geschäftsjahr 1929, inwelchem er ausführte, daß zwar die Frequenz unge--. führ die gleiche, gewesen, fei wie 1928, das finanzielle Ergebnis aber weit hinter , dem Vorjahr zurückbleibe. Die schlechte Wirtschaftslage wirkt sich auf die jüdischen Betriebe, die fast ausschließlich aus den am stärksten betroffenen, jüdischem Mittelstand angewiesen sind, , besonders auf die Saisonhotels, sehr stark ans. So kommt es, daß auch verschiedene, früher.renommierte. Häuser der Not der Zeit ihr Opfer bringen mußten. Sie gingen ein oder gingen in christliche Hände über. Trotz aller Hindernisse jedoch haben fast alle Betriebe.sich modernisiert, so daß sich die heutigen jüdischen Gaststätten den gleichrangigen christlichen Häusern ebenbürtig..zyr Seite stellen können. Leider entspricht diesen Anstrengungen und großen Opfern nicht der Besuch seitens des jüdischen Publikums. Von allen Seiten wurde bittere Klage über die Gleichgültigkeit des jüdischen nicht orthodoxen Publikums geführt. Beim Punkt „Preispolitik" wurde festgestellt, daß die jüdischen Häuser sich mit ihren Preisen weitgehendst den Erfordernissen der Zeit angepaßt haben. Mit dem Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser in Hamburg, als dessen Vertreter Herr Bachrach erschienen war, wurde im Berichtsjahr an den vielen gemeinsamen Aufgaben zusammengearbeitet. Ueber Maßnahmen zum Schutz der Bezeichnung „koscher" soll mit dem Hamburger Verein Fühlung genommen werden. Ein Bericht über einen neu konstruierten elektrischen Schabbos-Wärmeofen wurde entgegengenommen. Sofern die Möglichkeit gegeben ist, soll der Ofen rabbinischen Instanzen und einem Vertreter des V. j. H. und R. vorgeführt werden. Zum Punkt: „Propaganda" wurden verschiedene Beschlüsse gefaßt. Die Zahl der Mitglieder beträgt 97. Der alte Vorstand, bestehend aus den Herren Blum-Oberhof, Köhler-Baden-Baden, Hossmann- Norderney, Rückersberg-Wiesbaden und Hemmendinger- Bad Ems wurde wiedergewählt. Die nächste Versammlung findet im Februar 1931 in Oberhof statt. Entlassungsprüfung am Jüdischen Lehrerseminar. Köln, 24. März. Am 18. März ging am Jüdischen Lehrerseminar in Köln die diesjährige Enltassungsprüfung zu Ende, der sich 23 Schüler, sowie zwei Extraner unterzogen, die vom Herrn Minister dem Seminar zugewiesen waren. Sämtliche Prüflingebestanden: acht wurden wegen ihrer guten Jahresleistungen und guten Prüfungsarbeiten vom mündlichen Examen befreit. Die Prüfung wurde geleitet von Herrn Geheimer Regierungsrat Oberschulrat E w e r d i n g vom Provinzialschulkollegium in Koblenz und Herrn Regierungsrat S p e ck a m p von der Regierung in Köln. Der Prüfungsleiter ga8 am Schluß der Prüfung seiner besonderen Zufriedenheit Ausdruck über den großen Fleiß und die guten Leistungen der Schüler. Reue Wege in der Fleifchverforgung der bayerischen Judenheit. Nürnberg, 10. März. Am letzten Sonntag tagte in Ansbach die Hauptversammlung des genannten Verbandes, an welcher auch die Rabbiner Dr. Ehrentreu -München, als Vertreter des Verbandes israelitischer Gemeinden in Bayern, Rabbiner Dr. Munk-Ansbach, als Vertreter des Verbandes gesetzestreuer Juden in Bayern, Rabbiner Dr. W o h l g e m u t - Kitzingen, als Abgeordneter der bayerischen Rabbinerkonferenz und Justizrat Dr. Frankenburg er - Ansbach, namens der israelitischen Kultusgemeinde Ansbach teilnahm en. - Zunächst erstattete der 2. Vorsitzende des Verbandes, Metzgermeister - Sally W e i l - Nürnberg, ein Referat über die Schächtfrage, berichtete über die letzte Rabbinerkonferenz Und machte Vorschläge für die künftige Fleischversorgung der bayerischen Judenheitz Nach den Erhebungen des Referenten "kommt eine Einfuhr von rituellem-Fleisch aus dem Auslande der hohen Kosten wegen chcht in Frage, dagegen besteht die Möglichkeit, denBedäM sier .jüdischen Konsumenten im Bayern aus.Württemberg und- Preußen -zu decken.'Ergänzend zu diesem Vorschlag berichtete' der /1. VerbanLsvörsitzende- -MetzgermMer Müx 'L e v i ^MüNchenj daßim Verband israelitischer Gemeinden bereits ein Landesausschuß für die Fleischversorgung gegründet worden-setz der aus -den von der-Rabbinerkonferenz benannten Rabbinern, sowie aus! Vertretern des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden sin München, Nürnberg uÄ. Würzburg. bestchr/ Die Durchführung der Fleischversorgung soll unter weit- , .,,m ■ „ - ■ - - gehendster Mitwirkung der Metzgermeister erfolgen. Noch einer sehr eingehenden Aussprache, in der vor allem das ernsteste Bestreben obenan stand, die israelitisch» Bevölkerung in Bayern, durch die Einfuhr rituellen Fleisches aus anderen Ländern zu versorgen, wurde die Gründung von Bezirksausschüssen „für München. Nürnberg und Würzburg beschlossen, welche die Organisation der Fleischversorgung vorzubereiten und durchzuführen haben. Diese Kommissionen werden sich zusammensetzen aus den zuständigen Rabbinern, ‘ aus Vertretern des Verbandes jüdischer Gemeinden und aus Vertretern der Metzgerschaft. .In diesem Zusammenhangs sei nur noch festgestellt, daß m Bayern 247 jüdische Metzgermeister ansässig sind und die jüdische Einwohnerzahl 49 000 Seelen in Bayern beträgt, von denen der größte Teil rituelle Haushaltungen führt. Angarn. Das Oberhausmandal Rabbiner Adolf Frankls bestätigl. Budapest, 20. März. Bekanntlich hat die jüdische Orthodoxie Ungarns den Präsidenten der orthodoxen Landeskanzlei, Herrn Adolf Frankl, der vor einigen Monaten zum Oberrabbiner der orthodoxen jüdischen Gemeinde gewählt worden war, als ihren Vertreter im ungarischen Oberhaus designiert (im Oberhaus sitzen zwei jüdische Virilisten, ein Vertreter des neologen und einer des orthodoxen Judentums.) Heute hatte sich der Verifizierungsausschuß des ungarischen Oberhauses mit dem Mandat Frankls zu beschäftigen. Nachdem die vom Unterrichtsministerium und vom Justizministerium eingeholten Gutachten sich für die Verifizierung aussprachen, beschloß der Ausschuß, dem Plenum des Oberhauses vorzuschlagen, das Mandat zu bestätigen. Man hält es für gewiß, daß das Plenum das Mandat bestätigen wird. Rabbi Raftali Silberberg. Warschau, 16. März. Vor Eingang des Purimfestes starb einer der populärsten Männer des gesetzestreuen Warschau, Rabbi Chajim Naftali Silberberg. 30 Jahre übte er das Amt eines Dajan aus und betätigte sich in einem großen Kreise als Lehrer und Thoraverbreiter mit unvergleichlichem Erfolge. Seine Schüler waren seine Freunde und seine Freunde seine Schüler, die das reine Leben des Meisters, seine geistige und sittliche Größe sich zum Muster nahmen. Viele Tausende folgten der Bahre. Von Hespedreden wurde abgesehen. Am offenen Grabe gab ^b W e i n g o t t in einigen Worten dem Schmerze, spontanen Ausdruck. Warschau ist um einen seiner Frömmsten und Besten ärmer. England. Eine Tagung der Jewish Agency. L o n d o n, 24. März. Das Administrative Komitee der Jewish Agency trat am Sonntag zusammen. Die Verhandlungen begannen mit warmen Nachrufen Felix M. Marburgs auf Lord B a l f o u r •: und ' ■ Louis Marshall. Auch W e i z m a n n sprach Gedenkworte für Balfour. Marburg legte dann , das Programm der I. A. vor. Cs besteht in der Hauptsache in einer intensiven Aufbauarbeit in Palästina, für die alle-Quellen und alle Mittel ausfindigzu machen sind, ferner in der gedeihlichen Zusammenarbeit zwischen. Regierung und Agency. Er klärte dann auch die Stellung der I. A. zur zionistischen Exekutive. Ein Komitee soll den Arbeitsplan in den Details nöch ausarbeiten. Das für das erste Jahr festgesetzte Budget beträgt 750.000 Pfund. Am Nachmittag begann die allgemeine Aussprache über die Verfassung der I. A. Bericht folgt. AwMka Die Einleitung des Sechs Millionen Drive. : 2&af $iiig fort , 9. März! In einer großen, von 800 angesehenen jüdischen Notabeln auch allen Teilest der Vereinigten Staaten und Kanada besuchten Versammlung wurde der neue 6 Mkllionen-Drive eingeleitetz ' dex bekanntsich - sowohl -.die Mr die Jewich Agency notwendigesiSM Erfordernisse des osteuropäischen Aufbaues beMffen ,i i r i