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Der Israelit · 1930-03-27 · Heft 13 (27.3.1930) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 13 (27.3.1930)
Date
1930-03-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der Israel i t 27. März 1930 i eingereicht haben und es hat noch nicht den ÄnstysM, als ob eine bellungnahrne des züstandig::n Ministeriums, geschweige denn, eine Verständigung unter den Verbänden selber und zwischen Regierung. und/ Verbänden in naher Aussicht stände/ ' Ds wird älfo wahrscheinlich zu einer Kundgebung des Verbändes-kommen, in det eins i -schere Arbeit der Gefetzgebungsmäschinerie gefordert Und auf die Mißstände, die sich aus dem r »rhändenen Schwebezustand ergeben, nachdrücki ch hingewiefen wird. - Unterdiesen Umständen :;ufj NUN die gesetzestreue Jüdenheit Preußens. Me im Halberstädter Verband ihre Vertretung erblickt, darauf gerüstet fein, ihren Entwurf sowohl der Regierung als dem Berliner Verband c-sgenuber mit Entschiedenheit zu vertreten. In diesem Zusammenhang sei folgende Kundgebung mitgeteilt, die uns vom H a l b e r st ä d t e r V e r b a n d zugeht. Der gesetzestreue GemeindevcrbaNd schreibt: Durch Anfragen, dje von verschiedenen Seiten an uns gerichtet sind, erfahren wir von unwahren Gerüchten, denen wir hiermit entgegentreten. 1. Wir treten, unseren Grundanschauungen entsprechend, für die Gleichberechtigung der Ausländer in den Gemeinden ein. Wir verweisen auf unseren seit Jahren der Öffentlichkeit bekanntgegebenen Entwurf für ein preußisches Iudengefetz, das das aktive und passive Wahlrecht der Ausländer vorsieht. . 2. Für die Verteilung der Staatsbeihilfen an leistungsschwache Synagogengemeinden ist allerdings ein anderer Verteilungsschlüssel bei dem Ministerium von uns beantragt worden, weil wir. die jetzige Verteilungsart nicht als sachlich richtig : anerkennen. Was ■ die Verzögerung der Auszahlung der Staatsmittel im letzten Jahre anbetrifft,. so hat auf unser Befragen der. zuständige Regierungsvertreter ausdrücklich erklärt, es bestehe nicht der geringste Zusammenhang zwischen unserer Anregung und der längst , bestehenden Disposition über die Verteilung der Staatsmittel fürdas abgelaufene Jahr; die /Ursache liege auf einem ganz anderen Gebiete. Inzwischen ist übrigens die zweite Rate beiden Landesverbänden ausgezahlt. 3. Es ist wiederholt und auch zuletzt wieder in einer akuten Angelegenheit unsere Bereitwilligkeit zur Zusammenarbeit mit dem Landesverband jüdischer Gemeinden in Berlin auck in politischen Angelegenheiten ausgesprochen worden. Die hier betonte „Bereitwilligkeit zur Zusammenarbeit " scheint. ziemlich einseitiger.Natur zu sein, denn der B e r l i n e r Landesverband hat, wie an dieser Stelle , vor kurzem mitgeteilt würde, erst in der allerjüngsten Zeit einen- Beschluß gefaßt, der nur als off e n e K a mpf - ansage an den Halberstädter Verband aufgefaßt werden kann, den Beschluß nämlich, k e i - n er V erb an d s g e m ei n d e eine S u b - v enti o n zu g ew ähr en , d ie e s wagt, ihr Bekenntnis zum g e.fetzestreuen Iud ent u m a u ch m ur d u r ch d i e g l e ich - z ei tig e Zugehörigkeit zum Halbe r stächter Verbapd zum Ausd.ruck zu br.i'sigen../. /', //V/ /^."/-//" '.Wir erwarten, daß auf dem Verbarchstag am nächsten Sonntag sich Männer in den Reihen des Verbandes selber finden werden, die diesen empörenden, an die Zeiten der schlimmsten liberalen Religionsverfölgüngen erinnernden Beschluß gebührend kennzeichnen und an den Prönger stellen werden. Dabei möchten wir annehmen, daß die Urheber dieses/ Geldbeutelattentates auf die Gewissensfreiheit weniger im liberalen, als im zionistisch-volksparteilichen Lager zu suchen sind. Dort kennt Man offenbar keine.moralischen Hemmungen, wenn es gilt, der verhaßten Orthodoxie einen Schlag zu versetzen. Jedenfalls zeigt der ganze Beschluß, daß es weit, weit besser sein würde,, wenn zum mindesten der S t a a t die Steuergelder seiner Bürger nicht für die Zwecke .einseitiger Machtpolitik einem volksparteilich orientierten Verbände zur Verfügung stellte, sondern sie selber in gerechter Weise und ohne Ausübung eines Gewissenszwanges verteilte. A. A tu. g . Der Winter mit seinen vielfachen Veranstaltungen geht zu Ende. Er brachte genug der Wohltätigkeitsabende und gesellige Veranstaltungen, die erfreulicherweise dartyten, daß bei einer guten Zusammenstellung des Programms sich, Frohsinn und gute jüdische Geselligkeit entwickelnauch wenn nicht gerade das Tanzbein — zur höheren Ehre der „Makkabäer" oder der Königin „Esther" — geschwungen wird. Eine Erfahrung,- die es verdient, auch in gesetzestreuen oder Halbgefetzestr-eüen Kreisen bekannt gegeben zu werden. Warum sollten nicht in der Tat jüdische Feste von Vereinen mit jüdischer Einstellung öder religiösem Hintergründe anders gestaltet, und von anderen Lichtern beleuchtet sein als von den falschen, glitzernden Lichtern der Kabaretts und der Tänzsalons draußen? mawn fca bH.bxw'- Eine ostjüdische Vereinigung in Süddeutschland, die sich durch ihr segenvolles Wirken Achtung und Ansehen erworben, hat, glaubte, bei ihrer letzten Purimveranstaltung auf den B a l I als Glanznummer zur Krönung des Ganzen nicht verzichten zu können. Wir erfahren das erst aus der O p p o fitio n, die sich in den guten ostjüdischen Kreisen der Stadt dagegen reche und die in einem Offen enBriese an die genannte Vereinigung ihren scharfen Ausdruck fand. Der Protest, beruft. sich auf eine Entscheidung des orthodoxen Rahbinates der Stadt, .wonach die öffentliche Tanzveranstaltung als mm rnvm zu nächst die Stellen der min, die von den Stangen der 4 Geräte sprechen: 112515 cmam’rr> psn nsatn Lade, 27 7 naian nvi>x rnv b» anan vni Kupferaltar, dagegen 25 28 p'nn in^vn. ns nsvb D’naV omaV nsraisn, 30 4 ms nsvi> onaV amaV '’m nnna. Also 2515, 27 7: es sollen bleiben lin' fn»ina) d i e bestimmten Stangen. Aber 2Ö28» 304, die Ringe sollen sein zu Gehäusen für Stangen (ohne den bestimmten Artikel). Die Gemoroh. a"y rwi' weist zwar auf die Gleichheit der Ausdrücke hin, -sagt, aber im Hinblick auf V. 15: sie ioüett nidft von ifynen weichen, nur, daß die Stangen der Lade nicht herausgenommen werden dursten, (s. a. mvoin z. St.) R. Moses. Hurwitz Halevi bemerkt aber, daß auch beim Kupferaltar die Stangen fest waren ff'siap). Da, soviel ich gesehen habe, Maimonides auch nur von den Stangen der Lade spricht, liegt die Lösung vielleicht nur in folgendem: Taffache ist, daß sowohl bei der Lade als auch beim Kupferaltar die Stangen fest in den Ringen waren (an den Enden darum dicker als in . der Mitte), daß aber das Verbot: sie sollen nicht weichen, ein Verbot, dessen Uebertretung durch die. .39 Schläge gesühnt wurde,' nur. hinsichtlich der Lade anzuwenden war. Jedenfalls.wäre .bei, einem Neudruck des Hirsch- M-in IV 4" die Uebersetzung: und sie richten seine Stangen ein, erwünscht. Bemerkung. Auf die Frage des Herrn L. L. in .der jüngsten Nummer Ihrer gesch. Zeitschrift erlaube ich mir auf den Mischna- Kommentar des tan» »jb zum -»ntevv hinzuweisen. Dort heißt es wörtlich: nnava waiv aw^iw xb V'awi ans 'w smaa icnaana asa i"va niVinai. In einigen Zeilen weiter fährt er dann fort und sagt: ninii> iw'a »ai omsan ovai ntr^oi ni"nv m*i nmans. Aus dem Wortlaut des nva 'w als auch aus dessen getrennt gehaltener Erklärung zur mva, geht untrüglich hervor, daß sich der. Satz maai am-iaa ni^im nissv nicht auf a-ni», sondern nur auf das zuerst erwähnte asa nyjrncHjna bezieht. Aus der Erklärung zur snaa zur Stelle im beim Anfängswort "srr:r. ift dies auch zu entnehmen. Da der?ma ’aa zu den anerkanntesten Mischna-Erklärern gehört, wäre der Nachweis, den Herr L. L. wünscht, wohl erbracht,- Rabbiner S. Wolf Diamant. kleines Feuilleton. Arthur James Balfour. Ueber Arthur James Balfour, den großen englischen Staatsmann und Philosophen, dem Freund der Juden und Verkünder der-Deklaration über die Schaffung eines Nationalheims für das jüdische Volk in Palästina, dessen Tod wir bereits gemeldet, ist nochfolgendes zu sagen:; Lord Balfour, der bis zu seinem 81. Lebensjahre öffentlich tätig und von unerschütterlicher Gesundheit war, erkrankte vor etwa einem Jahre sehr schwer, erholte sich aber dann wieder, vor etwa 10 Tagen erkrankte er wiederum an den Folgen einer - Erkältung als er bei seinem Bruder, Gerald Balfour^ in Fishers Hill, nahe Wosing (Surrey) weilte. Die, Erkrankung schien leichter Natur zu sein, aber der geschwächte Körper des Zweiundachtzigjährigen konnte ihr nicht -mehr genug Widerstand leisten. Die Nachricht vom Ableben dieser großen Persönlichkeit hat sich in London schnell verbreitet und weckte überall Trauer und Teilnahme. Arthur James Balfour wurde am 25. Juli 1848 als Enkel des zweiten und Neffe des dritten Marquis of Nr. 13, Seite 3 bekannte Marken FaBriH&i;e Häarfilz von M k15.-ähy^ betrachten und deren Besuch somit als V e r st o ß geg en die Grunds ätze und Grun.dans ch au ungen der Re i i g i o n z u b e t r a cht e n/se i. Die Männer, die dieses Protestschreiben mit ihrem Namen decken, gehören nicht zu den letzten in der Gemeinde. Wir wissen nicht, ob und inwieweit dieser Eir.-spruch den gewünschten Erfolg gebracht hat. Grundsätzlich möchten wir aber, dazu bemerken: Es ist bedauerlich, daß in Kreisen, die auf gut jüdische Gesinnung Anspruch machen, solche Belehrungen. erst nötig sind. Man rechtfertigt den Ball stets mit dem stereotypen Wort: Rücksicht auf die Jugend, die sich amüsieren will und die auf das angeblich harmlose Tanzvergnügen nicht verzichten mag! Ist aber die Jugend so geartet, daß sie sich ihr Vergnügen nur in gedankenloser Anpafsung an thorafremde Unsitte vorstellen kann, dann wäre wohl an die Vereine die bescheidene Frage gestattet, ob es für sie nicht wichtiger wäre, statt Feste zu feiern, die Jugend z u e r z i e h e n und mit ihren Veranstaltungen zu warten, bis ihre Jünglinge und Jungfrauen es gelernt haben, nach jüdischer Art und Sitte ihr Amüsement zu suchen und zu finden? U. A. w. g. . . . Wenn es eine richtige Aninerfitüt fein foN ... Tvu. me X) e v r äische Universität in Jerusalem eine richtige, moderne Universität nach europäischem Muster sein, so dürfen vor und in ihren Hallen keine S t u d e n t e n k r a v a l l e fehlen. Wenn schon, dann richtig! . . . Es gibt zwar keine Nationalsozialisten und damit keine Frage des Numerus clausus auf dem Skopus, dafür aber zum Glück einen Dr. Magnes, der als Kanzler der Universität mehr denn einmal dem offiziellen und inoffiziellen Zionismus Anlaß zur Unzufriedenheit gegeben hat. Man erinnert sich, daß er in Broschüren und Vorträgen seine eigenen Brücken zum Arabertum schlug, zum größten Verdruß besonders der Revisionisten. Eine Anzahl Studenten fordert nun kategorisch den Rücktritt von Magnes. Eine reichlich tumultuöse Studentenversammlung hatte zwar den revisionistischen Antrag auf Abberufung Dr. Magnes mit 50 gegen 30 Stimmen Salisbury geboren. Bis zu seiner vorjährigen. Erkrankung war er ungeachtet seines hohen Alters der unbestrittene Führer der englischen Konservativen Partei und wurde von der. -gesamten englischen Oeffentlichkeit als politische Autorität verehrt. Er gehörte seit 1874 dem Unterhaus, seit 1922. nach Verleihung der Earlswürde, dem Oberhaus an. Balfour war auch als Verfasser bedeutender philosophischer Werke hervorgetreten: so schrieb er u. a.: „A.icfoface of philosophic doubl” (1879), „The Foundation of Belief’1 (1895), „Theism and Humanism” (1914). Sein Name war durch die Balfour-Deklaratkön im jüdischen Volke populär geworden wie kaum der Name eines christlichen Staatsmannes vor ihm. Er wurde verglichen mit Cyrus, dem König der Perser, der einst den Juden das Dekret zur Rückkehr nach Palästina aus der babylonischen Gefangenschaft erteilt hatte. Balfour war nicht nur ein großer Staatsmann und bedeutender Philosoph, er war auch eine wirklich humanistische Figur Und ein aufrichtiger Freund des jüdischen Volkes. Seine vornehme Gesinnung hatte ihm den Gedank-n emgsgeben, die christliche Welt sei verpflichtet, das an den Juden verübte Unrecht gutzumachen. Balfour hatte schon vor dem Kriege Verständnis für Palästina. Er hatte in entscheidenden Momenten sich für die zionistische Idee ein- , gesetzt und immer wieder für ihre Durchsetzung - gearbeitet. Balfour war es, der als Vertreter -Großbrttanniens im Völkerbund den Entwurf des: Palästtnämandates im' Dezember'1920 vorlegte.- Er hatte an der'- entscheidenden Sitzung des Völkerbundsrates in-London- -wo das - Mandat bestätigt wurde, teilgenommen. Er hatte wiederhölt die-: . jüdische Sache im Parlament vertretend - Am » eittdruckvollsten kam seine Sympathie für das Judentum durch sein persönliches Erscheinen bei der Einweihung der hebräischen Universität in Jerusalem auf dem Scopusberge im April 1925 zum Ausdruck. \& . j.‘ S‘i l -'s

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