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Der Israelit · 1930-03-27 · Heft 13 (27.3.1930) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 13 (27.3.1930)
Date
1930-03-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Nr. 13 De r Israelit Einstellung in allen Lebenslagen zur Geltung, gleichgültig, ob sin Gemeinschaftsglied Städter oder Bauer ist, ob er diese oder jene Lebensgewohnheit hat. Er fällt auch als Bauer, allmählich der Zivilisation anheim. Sollen wir also resignierend aus die Natur verzichten? Wir fühlen insti-n-ktiv, daß sie der Jungbrunnen ist, aus dem wir frisch, frei und lebendig aufsteigen werden. Und doch kein Weg zu ihr? Es gibt einen Weg; wir brauchen nur unsere Augen zu öffnen, um ihn zu sehen; wir müssen nur richtig sehen. Das Thora-Judentum weist uns diesen Weg. Alle Programme, die auf Grund der Devise „Zurück zur Natur" aufgestellt werden, fordern, die Beziehungen des Menschen zur Natur enger zu gestalten, den Abstand zwischen ihm und der Natur zu verringern. Näher an sie heran, so nahe, wie möglich! Das ist der Sinn aller Naturprogramme. Daran müssen sie aber auch alle scheitern. Denn wenn sie auch die allergrößte Nähe zur Natur, die Umarmung der Natur fordern, so lassen sie doch den Menschen und die Natur als zwei selbständige Wesen bestehen. Der Mensch kann aus diese Weise zwar sehr wesentlichen Einflüssen der Natur unterworfen sein; er bleibt aber doch, wer er war. Er taucht nicht unter in der Natur; er wird nicht selbst Natur. Das, was die Natur so herrlich, so schön, so frei, so erquickend macht, kann im Menschen nicht als selbstleuchtende Flamme aufleuchten, die Natur kann höchstens ihren Abglanz in die Seele des Menschen scheinen lassen. Wenn es gelänge, den Menschen mitten in die Natur hineinzustellen, ihn selbst zur Natur werden zu lassen, ja, dann würde er ein Teil des Lebendigen der Natur werden, dann würde er wieder lebendig wie an dem Tag, da er aus des lebendigen Schöpfers Hand hervorgegangen; er würde mit neuem Leben aus dem Jungbrunnen Natur emporsteigen. Wenn es einen Weg gäbe, der nicht zurück zur Natur, sondern zurück i n die Natur führte, ja dann . . . Der moderne Mensch ist aus sich sehr eingebildet. So hält er sich z. B. für das höchste Wesen der Schöpfung; über ihn hinaus gebe es nichts mehr. Und doch müßte ihn schon die einfache Ueberlegung eines besseren belehren. Die Natur schreitet stets vom Einfachen zum Zusammenge setzten: Eine Anzahl von Protoplasmateilchen bilden eine Zelle; eine Anzahl von Zellen bilden ein Gewebe; eine Reihe von Geweben bilden ein Organ, eine Reihe von Organen einen Organismus; ein solcher Organismus ist auch der einzelne Mensch. Aber nun weiter! Ja, wie denn weiter? Hört es beim Organismus auf? Weshalb denn eigentlich? Selbstverständlich geht es in derselben Weife fort: Eine Reihe von Organismen bilden wiederum einen übergeordneten Organismus, diese wiederum einen noch höher stehenden bis schließlich zum letzten alles umfassenden Organismus, dem Kosmos. Auch dieser ist ein einheitliches, ganzes lebendiges Wesen. (Vgl. z. B. Nechemja 9, 6, einen Vers, den wir im Morgengebet sprechen). Also ist auch der einzelne Mensch nicht das Letzte; eine Anzahl von Menschen bilden einen neuen Organismus, der genau so wirklich, genau so lebendig ist, genau so seine natürliche Struktur und Bewegung besitzt, wie der einzelne Mensch selbst. Dieser Organismus ist das Volk, dem der Mensch von Natur aus angehört. Die Völker bilden wiederum einen neuen Organismus, nämlich die Menschheit; die Menschheit ist ein Organ des Organismus Erde usw. Unser Unglück in der Moderne ist nun, daß wir nicht mehr fühlen, daß wir einzelnen Menschen als Zellen in diesem gewaltigen lebendigen Organismus der Natur mitten darin stehen. Heute stehen wir am R a n d e der Natur; wir fühlen uns als deren letztes, äußerstes Glied; daher ist der Zusammenhang mit der Natur so lose geworden. Nun kommt die Thora und stellt Dich wieder mitten in die Natur hinein: sie sagt: Du Jude bist nicht das Letzte der Natur; über Dir steht das Lebewesen. „Jüdisches Volk", von dem Du nur eine Zelle bist. Erlebe die Lebendigkeit dieses Volkes und Dich als Zelle in ihm. Wie Du dies vermagst? Lebendig ist ein Organismus nicht durch seine äußeren Formen; auch ein toter Organismus besitzt noch die Struktur des Leibes: Ein Organismus ist lebendig durch seine lebendigen Bewegungen, durch sein Atmen, seinen Herzschlag, seine Verdauung usw. Eil! Volk ist kein lebendiger Organismus durch seine Struktur, etwa dürch Land, Staat, Verfassung, Verwaltung, nationale Organisation, Militär, Gesetze; all dies sind nur äußere Formen des Leibes: ein Volk ist lebendig durch seine nationalen lebendigen Bewegungen, die dem Volk von seiner Geburt an innewohnen. Es gibt kein Volk auf Erden, das seine nationalen lebendigen Bewegungen so genau kennt wie das jüdische. Die Thora ist ja doch die lebendige Bewegung des jüdischen Volkes, die ihm bei seiner nationalen Geburt, beim Auszug aus Aegypten einverleibt worden ist. Daher ja auch die Offenbarung an das ganze Volk, nicht nur an einzelne. Der Jude ist deshalb, wie kein anderer Mensch auf Erden, imstande, durch das Erlebnis der Thora als der lebendigen Bewegung des dem einzelnen Juden übergeordneten Organismus „Jüdisches Volk" sich mitten hineinzustellen in den lebendj-I gen'TZrganismus der Natur. Der. Jude hat die! Mittelchen der Verländlichuyg, der palästinensischen Kolonisation, des Sportes oder wie sie sonst heißend mögen,. nicht nötig in seinem Ringen um die Natur. Er braucht auf Technik, Wirtschaft, Großstadt nicht zu verzichten. Nicht f i e sind es. die dem Menschen die Natur geraubt haben, sondern die Vergottung des Menschen, seine Einbildung auf sich, auf sein Können und auf seine Stellung in der Natur. Aufgabe des Juden ist es, der Menschheit die Natur wiederzügewinnen, ihr den wahren und einzigen Weg zur Natur zu weisen: Daß jeder Mensch mttschwinge als Zelle in der lebendigen Bewegung seines ihm übergeordneten Volksorganismus. Jude, Du willst gesunden? Du willst zurück zur Natur? Nein, noch viel weiter kannst. Du gelangen. Mitten in sie hinein kannst Du springen, kannst in ihr Dich erneuern, Freiheit, lebendige Kraft und Erlösung gewinnen. Atme mit in der lebendigen Atembewegung Deines Volkes, atme die Thora, erlebe sie als Atembewegung Deines Volkes, fühle Dein Volk als selbständiges Lebewesen atmen! Zurück in die Natur! s lVochenrundschau. Zum verbandskag des preutzischen Landesverbandes. Am Sonntag tritt der Verbandstag der „Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden" in Berlin wiederum zu einer Tagung zusammen. Abgesehen von den Regularien dürfte im Mittelpunkt der Verhandlungen das gleiche Thema stehen, das die Verbandstagungen in den letzten drei Jahren regelmäßig beschäftigte und das auch über den Kreis des Verbandes hinaus für die ganze preußische Judenheit von Bedeutung ist: das immer noch ausstehende neue preußische Juden ge setz. Man kann es begreifen, daß die Führer des Verbandes, insbesondere, wie sich aus Presseäußerungen ergibt, die zionistischen Vertreter, die am aktivsten sind, die überaus langsame Entwicklung der Dinge als peinlich und beschämend empfinden. Fast zwei Jahre sind darüber hingegangen, seitdem sowohl der Berliner als der Halberstädter Verband ihre Gesetzentwürfe der Staatsregierung Vom Gottesdienste aussterbender Kleingemeinden. Von Rabb. Dr. B. Cohen in Friedrichstadt. 1. Der Aufmerksamkeit von rabbinischen Collegien und erthodoxen Organisationen sei folgendes Problem unterbreitet, das der Rettung getreuer jüdischer Seelen gilt. An die Stelle der rapiden Landflucht früherer Jahrzehnte ist infolge der Ueberfüllung der Großstädte eine Epoche völliger Stagnierung getreten, und Mancher, dessen gesetzestreue und thorabegierige Gesinnung nur in der Stadt ihr Genüge fände, erlebt jetzt draußen den furchtbarsten Mangel, nicht Hunger nach Brot, nicht Durst nach Wasser, „Existenz" ist draußen leichter, — sondern Hunger, das Wort Gottes zu hören. Auf das Schicksal dieser Getreuen will folgender Notschrei unsere Lehrer und Führer aufhorchen machen. „An jedem Orte, wo ich meines Namens gedacht wissen will, werde ich zu dir kommen und dich segnen. (Ex. 20. 21.)" Der tröstlichste der Gedanken, die Allgegenwart unseres himmlischen Vaters, hat schon den Psalmsänger nicht von der Sehnsucht nach einer Stätte Gottes befreit. Er ruft aus: (42,3) „Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebenden Gotte. Wann komme und erscheine ich vor Gott!" Er bekennt (132,14—5) : „Ob sich wohl^Schlaf meinen Augen, Schlummer meinen Wimpern gegeben, bis ich einen Ort gefunden für Gott, Wohnungen'für den Mächtigen Jäakobs!" Die Allgegenwart Gottes ist ein Trost, — seine Stätte aber eine Heimat der Seele. Wo des Waldes Rauschen die Seele aus dem Alltagsstaub emporweisen, dem Vorbilde der Unerbittlichkeit ewiger Gesetze, — auch wo ein.e Meeres-Brandung das letzte Trübe aus unserem Sinne donnernd gebannt hat, — überall erhebt mit dem Schöpfer das Geschöpf die Stimme, überall wird der Geist vom Einssein mit dem Quell alles Lebens zur Anbetung der Creatur abgezogen, überall ergreift der Alltag, auf solchen Umwegen über das Empfundene, aufs Neue Besitz von der heimwehttunknen Seele. Aber (Ps. 93, 4—5): „Treuer als Stimmen großer, mächtiger Gewässer, als Meeresbrandungen, du Erhabener am Sternenzelt, Allgütiger, — treuer, viel treuer sind deine Zeugnisse; deinem Hause steht Heiligkeit als heimischer Schmuck an. Allgütiger, — für die Dauer der Tage!" Nur im Hause der Zeugnisse Gottes, nur vor dem Allerheiligsten Seines Wortes wird eine Seelenläuterung erzielt, die von Dauer und Kraft ist. „Darum (42,7), krümmt sich über mir, mein Gott, meine Seele, — dann gedenke ich deiner, wie ich dich aus dem Jordanlande kenne, zwischen Hermonswipfeln verloren — deiner, wie ich dich vom Kleinsten der Berge her kenne." Unseres Hauses Mge ist gar oft nicht die Stätte Seiner Herrlichkeit. Unsere kleinen Sorgen und Zwiste - haben Seinen Segen, Lärm und Gewirr unsere Andacht gebannt. Da findet Er nur eine Zuflucht in unserer Mitte: Die Stätte seines Worts. Da, wo um den Stand der Thoravorlesung die Ahnen sich scharten, — da reißt deren ewiger Geist den unsrigen, sterblichen zum Allvater empor. Die Zeiten, die Gott in seinen Tempel, sperren zu können meinten, um draußen ganz dem Fleische und dem Erwerb zu leben, sind ja vorüber,— geschwunden dies Menschenalter, dasImit^brausenden Orgelaccorden und uferlosem Prunk das Gottes-Gefängnis für Got und die Seele erttäglich zu machen hoffte; überall ruft „treuer als die Brandung mächttger Gewässer" die Menschen zum Allvater der Zug der Zeit in die „Stätten der Lehre", damit sie lernen und draußen ihren Weg finden. Und so hören auch die heutigen jüdischen Herzen verständnisinniger die Worte der Weisen, die bald den, der in einer Stadt wohnt und nie deren Gotteshaus besucht, einen „bösen Nachbarn Gottes nennen, ein andermal das Beten „hinter", d. i. außen nahe der Synagoge aufs schwerste verurteilen. (Schluß folgt.) Stangen und Ringe des Heiligtums. Von Rabbiner Dr. Iacoös in Z3ad Krenznach. IV 4 6/14 sieht beim Abbruch der Geräte ■ma ivrn IV 4 8'16 dagegen rna nrr i»v' Vers 6 spricht vom iiirr, V. 14 vom vVmn mra V. 8 vom )nbv, V. 11 vom antrt rar» Es findet sich also die gleiche Ausdrucksweise bei der Lade und dem Kupferaltar einerseits, beim Tisch und dem Goldaltar andrerseits. Gleiche Ausdrucksweise kann in dieser Gegenüberstellung nur gleiche Art der Handlung bedeuten und Hirsch bemerkt bei IV 4 6. im Hinblick auf II 25 15 liwv iiv' *6)/ daß vn ohne mr eben bedeutet: die Stangen einrichten, während Tia m iöwi heißt: ein setzen. Trotzdem übersetzt Hirsch V. 14: eins e tz e n. Wenn der Unterschied m — ia»i in der Tat der von Hirsch angegebene ist, so müßte Man in der Symbolik der Stangen bezüglich des Kupferaltares das gleiche Moment finden Müssen, das Hirsch zu der Stelle IIK25/^ hinsichtlich der LadeMibt.^ Doch sehen wir zu-

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