Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1930)
- Date
- 1930-03-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 13 r» «ex cwi t 27. März 1930 ArllNksULl ft+ SW*f den 27. Adar 5690 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Deutschland 1LÜ Mark monatlich: Ausland: Mertel» - ' »glich Kosten des Streifband-Ver» ollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Abonnement ab Juli 1929: tahrpreisk lentfprechend dem deutsche« Inlandspreis fandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8^-; Amertta . . Frankreich 95 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5: Lolland 2 fl.; Italien abl.1. 98.18 Lire; Jugoslawien öS Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 97. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schwei, 5 Fr- Tschecho-Slowakei 95 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab1.Juli!997; Dänemark 8.50 Krön.; Norwegen8.5» Krön.; Schweden 8L0 «ro». Einzelnummer vierzig Toldpfeuntge. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Eoldps. für die fieb engespalt«« Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahle» bei Ttellengesuchen und Famllienanz eigen nur 40Ps. Die 75 mm breite ReHamezeile: letzte Tertsette 9.— Ml.» vorletzte Tertsette 9.5V Mt.; Thisfregebühr t» Höhe eines dopp. Fernbrieftrortos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgeu tarmn. Meiserhöhung jedem. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch de» Verlag des Israelit E. m. b. H., Frankfurt a. M., Rechnetgrabenstrabe 7, Tel. Hansa 21084 Sw. durch sämtl.Annoncen-Erved. des In- und Auslands. Alleinige Inserate»»««. fürFramf. efchäftsanx.: Jul. Schmidt, Langest r. 7, U. Tel. Hansa 25865. Platzvor»chr. ohne Verbind licht. ecklonto. Frankfurt (Main) Nr. 19 809. — Außerdem an: Postsparkasse, Wien Nr. 79606. — Post^parlas^enamt Budapest Nr. 18494. — ' ^arschauNr!lM75"—Postsche^am^ZürI'ch'Är/V4ll^7^—'Jnrassö^Banr Rotterdam — Postscheckamt ÄmsterdemR^ASM- Böhmtsch^Nntonbank'inPrag -TiänczMzrmarosch Blänk’&Cojt» Bukarest - Filiale de» Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Wonnements oder, aus Inseraten stch ergebende» Zahlungsverpflichtungen ist »rantsurt a. au. Zbid Pessachfest für alle jüdischen Hausfrauen Von Rabbiner- Dr, Wolf in Köln. (Band 1—2, Serie 4 der Hermon-Bücherei). - Stark vermehrte und verbesserte Prachtausgabe Preis,r in gediegenem Ganzleinwandband Mark 3.60. Enthält u.a.! sämtliche, das Pessachfejst betreffende Bestimmungen einschließlich der Vorschriften für den Erew Pesach . am Sabbat. Zu beziehen durch alle besseren Buchhandlungen, sowie direktdurch den Verlag. Porto pro Exemplar innerhalb Deutschlands,...3.0 i ■ Pfennig. Frankfurt qm Main. Verlag des Israelit G. m. b. H. Postscheckkonti» No.39 592. Zurück iu die Natur! Von Dr. C. H. in A. , .> >> .. Immer, wenn in einem Zeitalter der Mensch durch künstliche Bindungen sich geknechtet fühlt, erschallt d ex Ruf: „Zurück zur Natur!" Man hofft, durch das unberührte, geheimnisvolle Wesen der Natur das Gefühl eigener Freiheit gewinnen, durch die Kraft, die die Natur ausstrahlt, selbst die Kraft erlangen zu können, die Kruste, welche Staat, Technik und Wirtschaft um die menschliche Seele gelegt haben, zu zerbrechen. Auch die Gegenwart lechzt nach Freiheit; auch die Gegenwart ist des Zwanges überdrüssig, mit dem sie die Zivilisation knetet. Daher: Zurück zür Natur, zurück aus der Großstadt aufs Land, aus muffigen Studierstuben auf die Sportplätze, aus Geistespflege zur Körperkultur, mehr Freizeit, Wochenende irgendwo da draußen, Ferien in Luft und Sonne, van raffinierten Speisen zu Rohkost! Das Religiöse ist die Beziehung des Menschen zu Gott; es geht von der Seele aus, von dem Gefühl 'des Menschen!für. das Unendliche. Da es. sich also auf das innere Leben des Menschen bezieht, so mußte die moderne Technik mit den übrigen seelischen Funktionen -auch die RßjHior-' sitat verschütten-. Wir Juden wissen daVvti'ja am ersten ein trauriges Lied, zu singen. Welche Verheerungen die Zivilisation unter der Religiosität d er Judenh eit, de?Ithoratreuen Judenheit angerichtet hat und noch fortdauernd anrichtet, bedarf keiner Ausführungen. Was lag näher, als auch hier den Ruf nach Rückkehr zur Natur zu erheben. „Zurück aufs Land", „zurück zu ländlichen, ja,, zu bäuerlichen, Berufen" war und i ist heu^e' noch "dte^'Ve'öisel" die "vör. d em Untergang der Judenheit unddes Judenkurns bewähren M. Den umfassendsten Versuch der Verländlichung der Judenheit Hatzen die Zionisten mit ihrer palästinensischen Pesiedelung unternommen. Gerade die davon erhoffte Erneuerung, des religiösen Lebens hat auch manchen Khorätreuen in die zionistischen Reihen gesührh D.ie Thoratreuen selbst begännenihrenFeldzugfür die Devise „Zurück zur Natur" mit - einer> Aktion zur Stärkung und Vergrößerung der Landgemeintzen. Diese! Aktion ist längst als aussichtslos aufgegeben. Jetzt pflegt man die Verländlichung nöch einwenig.dadurch; daßmansich am 'Päkaftinä-Aufbau bekMgt, daß Mansn-ibesoyjdere hier, aher auch, außerhalb Palästmäs thoratreue Kolonien ins Leben zu rufen versucht. Sonst läßt man jedoch ratlos die Dinge laufen. Es hat auch gar keinen Sinn-, diesenWestrebungen eine Träne nachzuweinen. Alles moderne Werben um die Natur.muß erfolglos bleiben, sei es, daß um sie im religiösen, sei es im außerreligiösen Lager geworben wird. Der Weg der Menschheit führt nun einmal — man mag dies noch so sehr bedauern — zur Technisierung, zur Großstadt, zu wachse-nden Bedürfnissen: dieser Weg kann nicht gewaltsam umgebogen werden. Es mögen vielleicht einige oder gar viele die Energie aufbringen, auf die Annehmlichkeiten der Großstadt oder auf das Erwerbsinteresse im Wirtschaftsleben zu verzichten,. die Masse wird ihre von der Kultur vorgezeichneten Pfade weiterwandern: das Gesicht der Masse, der jüdischen sowohl wie der nicht-jüdischen, wird durch die Heimkehr der anderen, zur Natur nicht verändert. Es bedeutet auch unnütze Kraftvergeudung, sich der wirtschaftlichen Entwickelung entgegenstemmen zu wollen. Mit Sentimentalität kann man keine Zukunft gestalten. u Was aber oor allem von den modernen Naturpredigerü übersehen wird, ist der Widerspruch, den stch'die Idealisten unter ihnen, also auch die ^hgratre.uen, zuschulden kommen lassen. , Es gilt als Grundsatz idealistischer Weltanschauung, daß niemals etwas'' Ideelles' durch etwas Materielles hervorgebracht werden kann. Me kann also davon, daßder Jude oder irgendein anderer Mensch in eine andere Umgebung als bisher verpflanzt wird, andere äußere Lebensgewohnheitett als bisher annrmmt, eine Wirkung auf feine Seele erwartet werden? Wie kann man annehmen, daß die Seele infolgedessen ihren zivilisatorischen Panzer zerbrechen wird? Durch Verländlichung und ähnliche Maßnahmen wird im günstigsten Falle das - Schwinden der Religiosität verlangsamt werden können, aber die Richtung ändern, aus Unreligiösem Religiöses zu gestalten, dies vermögen die.Maßnahmen niemals. Wer dies dennoch glaubt, steht, vielleicht ihm selbst unbervußt, dem historischen und wirtschaftlichen Materialismus nicht allzufern: wer dies glaubt,/ der muh den Standpunkt einnehmen, daß die ökonomischen Verhältnisse einer Verländlichung, hie materiellen einer Körperkultur, einer Luft- und Sonnenkur imstande, seien, die Seele und das lWchey-ches 'Menschen entscheidend umzübilden Verlauft einmal die kulturelle Einstellung, einer Gemeinschaft iN der Richtung * der ErstMungMs Seelischen und des Lebendigen, so kommt diese