Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1930)
- Date
- 1930-03-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Nr. 12 Der Israelit 20. März 1930 Frankfurts größtes Spezialhaus bietet „Beste Qualität zu billigsten Preisen“. Uhren aller Art Gold » Silber Juwelen Bestecke Trauringe Nur Zell 95 u.Töngesg; 25-27 daß er feine eigenen Schächter und eigenen Rabbiner hätte und sagte einen unversöhnlichen Konkurrenzkampf der Gemeinde und ihrem Kaschruth-Komitee an. Von dieser Seite wurde aber das Fleisch des Großschlächters als trese erklärt. Vor kurzem platzte eines Morgens vor dem Hause des Großschlächters eine Bombe und zertrümmerte ein gut Teil des Geschäftsgebäudes. Der Schlächter verdächtigt die Rabbinen und Gemeindefunktionäre des Verbrechens, so daß es jetzt zum Prozeß vor dem Gerichte kam. Die Anklage ist so hohl und hinfällig, daß man darüber lachen könnte, wenn das ovn ‘nWi nicht so groß wäre. Entrollen doch die Verhandlungen vor der großen Oeffentlichkeit ein trauriges Bild von den .Kaschruthverhältnissen in Amerika und der Schwierigkeit, den Auswüchsen wirksam entgegenzutreten. Hinter den widerspenstigen Grohmetzgern steht der allgemeine F l e i s ch e r t r u ft, Das Urteil steht noch aus. Die Orthodoxen hielten eine Versammlung ab, um die Lehren und Konsequenzen aus diesem Prozesse zu ziehen. Die religiöse Erziehung der jüdischen Kinder in Rewyork. N e w y o r k, 10. März. Aus der in Baltimore unter Teilnahme von jüdischen, katholischen und protestantischen Erziehern abgehaltenen Konferenz der „Gesellschaft für religiöse Erziehung", teilte der Vertreter des Newyorker Jüdischen Lehrerseminars, Dr. Julius Maler, mit, daß von den jüdischen Kindern der großen Newyorker Schulen 69,6 Proz der Knaben und 37,2 Proz. der Mädchen eine jüdische religiöse Erziehung genießen. 1909 bildeten die jüdischen Kinder Newyorks 31 Proz. aller Newyorker Kinder, die sich Gesetzesübertretungen zuschulden kommen ließen; 1929 war der Prozentsatz solcher jüdischer Kinder nur 14.' Meist wurden jüdische Kinder wegen verbotenen Hausierhandels/ Straßenbettels und groben Unfugs Verhaftet. Demgegenüber ist die Zahl der jüdischen Kinder, die wegen Raubüberfälle, Diebstahl und ähnlicher schwerer Verbrechen bestraft wurden, eine sehr kleine. (ITA.) Felix M. Marburg und die Agency. Newyork, 10. März. Herr Felix M. Marburg, Vorsitzender des Administrative Committee der Jewrsh Agency, tritt in einer Erklärung den Ausführungen des Lonodner „Jewish Chronirle" vom 21. Februar entgegen, tri welchem ihm vorgeworfen wurde, er habe, ohne die Zionistische Exekutive zu Rate zu ziehen, ein Schema der internationalen Mirksamkeit dee Agency untrVme Einteilung der Agency- Mitglieder in Kommissionen ESMarbBett. „Hätte ",,Jewish Chronicle",, erklärt Marburg, „JntStesse gehabt, die wirklichen Tatsachen zu erfahren, so hätte dieft Zestung doch bloß beim Londoner Zionistischest Büro Mchzufragen brauchen, Und sie wäre von jenen Zionisten'eines besseren belehrt Worden,: die bevoSmächtigt wären/ die Zionistischen Freunde für diese versuchsweisen Beratungs- Komitees zu nominieren. Wir Habens schließt Marburg, „das Schema der Zionistischen Exekutive in London zur Prüfung unterbreitet und erhielten postwendend ihne Vorschläge und Empfehlungen." . Palüfiina. Ein zweiter Brief Einsteins an den Redakteur des »Falasiin". Jerusalem, 16. März. Die Zeitung „Falastin"> Organ der Arabischen Exekutive Palästinas, veröffentlicht das folgende Schreiben von Professor Albert Einstein in Berlin an den Redakteur des „Falastin" Azmi-El Nashashili in Jaffa:.. Sehr geehrter Herr! Ich habe mich sehr über Ihren Brief gefreut. Denn er beweist mir, daß auf Eurer Seite guter Wille vorhanden ist für eine unserer beider Völker würdige Lösung der obwaltenden Schwierigkeiten. Ich glaube, daß diese Schwierigkeiten mehr psychologischer als sachlicher Natur sind, und daß sie gelöst werden können, wenn auf beiden Seiten ehrlicher guter Wille mitgebracht wird. Unsere jetzige Situation ist dadurch eine so ungünstige, weil Juden und Araber als streitende Parteien einander vor der Mandatarmacht gegenüberstehen. Dieser Zustand ist beider Nationen unwürdig und kann nur dadurch geändert werden, daß wir unter uns einen Weg finden zu Vorschlägen, auf die sich beide Parteien geeinigt haben. Wie ich mir die Realisierung einer Aenderung der bestehenden mißlichen Zustände denke, sage ich Ihnen nun, indem ich gleichzeitig hinzusüge, daß dies meine private Meinung ist, die ich mit niemand besprochen habe: Es wird ein geheimer Rat gebildet, zu dem die Juden und die Araber je vier Vertreter senden,-welche nicht von einer politischen Instanz abhängen dürfen. Zusammensetzung auf jeder Seite: 1 Arzt, gewählt von der Aerztegesellfchaft, 1 Jurist, gewählt von den Rechtsanwälten, 1 Arbeitervertreter, gewählt von den Gewerkschaften, 1 Geistlicher, gewählt von den Geistlichen. Diese acht Leute kommen einmal per Woche zusammen. Sie verpflichten sich, nicht Jnteressenvertrestr ihres Berufes und ihrer Nation fein zu wollen, sondern nach bestem Wissen und Gewissen das Gedeihen der ganzen Landesbevölkerung ins Äuge zu fassen. Die Besprechungen sind geheim und es darf über:sie absolut nicht berichtet werden, auch nicht privatim. Wenn ein Beschluß über irgend etwas zustande gekommen ist, dem mindestens drei Männer von jeder Seite zustimmen, so kann der Beschluß der Bekanntgabe gefaßt werden, die aber im Namen des ganzen Rates geht. Ist einer nicht einverstanden, so kann er aus dem Rate austreten, aber er wird von der Pflicht der Geheimhaltung dadurch nicht entbunden. Wenn eine der genannten wählenden Gemeinschaften mit einer Resolution des Rates unzufrieden ist, kann sie ihren Vertreter durch einen anderen ersetzen. Wenn dieser „geheime Rat" auch keine bestimmten Kompetenzen hat, so wird er doch dazu führen können, daß allmählich die Differenzen ausgeglichen werden und daß eine gemeinsame Vertretung der Landesinteressen gegenüber der Manöatarmacht entsteht, welche über die Tagespolitik erhaben ist. Personalien. Baden b. Men, 13. März. Am 10. März a. c. verschied in Guntramsdorf Samuel Glaser, einen Tag nach seinem 90. Geburtstage. In Preßburg als Sohn eines der berühmtesten Talmide-Chachomim geboren, und unter dem Einflüsse des damals in dieser Stadt noch mächtig herrschenden Thorageistes erzogen, war es ihm möglich, weit über 50 Jahre in einem Orte nach streng-jüdischem Ritus zu leben, Ivo. er als einziger Jude gay, kein«"Beispiel eines jüdisch^. Lebens.-:vor sich sah unh: wo er denstöch als treuer ,Sohn seines Volkes seinem Glquben' die schWersten':Opfer?.Mch'te. Beim Leichenbegängnis, welches'am 12. ds.^'m.Baden h. Wien statt-' fandj, schrldertis;: Herr DäbLister .Friedmann die., relst: äiöse^. und -rechtschaffene- Lebenswegs .des. - Verblichenst Ofen Söhne, rwn denen Äner,/Herr B> Glaser in Mim?? cheyHals 'sKäntcii> fungiert,'! gewiß in seinein. Wirme lekM und; dep!'. echt:: . jüdischen Crzletzüng entsprechend .jn seinen Fußtapsen; wanöelni'weMü. Rotenburg a. d. Fulda, 10. März. Unter außerordentlich großer Beteiligung der hiesigen jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung wurde heute unser landgräflicher Hofschlossermeister Moses Gans im 85. Lebensjahre zur letzten Ruhestätte begleitet. Mit ihm hat die jüdische Gemeinde: eines ihrer geachtetstey Und beliebtesten Mitglieder, die Stadt einen ihrer angesehensten Mitbürger vexloren. Mer kannte auch nichtden Schlosser Moses Gans mit seinem stets zufriedenen Und freundlichen Gesichte: von Allen geehrt von; Allen geachtet; von Allen geliebt. Weit Jahrzehnten fungierte er an den als Seine altherkömmlichen oms:!, die er mit seiner angenehmen, lieblichen Stimme und besonderer Wärme oorzütragsn verstand, trugen nicht wenig zur Hebung der rHis bei. Und wie freute man sich, wenn er am' mp Ünd v"' zur Vertretung des amtierenden sin vor den tto? -trat; dann war wirklich v»' in Schul, — Jahrzehnte hindurch bekleidete er mit außerordentlicher Ge-, wiffenhaftigkeit das Amt des Gemeinderechners und führte die jüdische Armenkasse für fremde Arme. Als Vorstandsmitglied des SynagogeNgesangvereins ließ er es sich nicht nehmen, eigenhändig für jedes einzelne Mitglied die Roten zu schreiben.' — Aber nicht nur im Kreise der jüdischen Gemeinde, in der ganzen Stadt war er wegen seines Fleißes, seines geraden Sinnes und seines biederen Charakters von Jedem geschätzt und geehrt. Einer alten Handwerkerfamilie entstammend, übte er das Handwerk aus, das er von seinem Vater gelernt hatte, um seine Familie mit seinem Schweiße zu ernähren, um seine Kinder zu brauchbaren Menschen ausbilden zu lasten. Mit Ehrfurcht schaute jeder zu Schlosser Gans empor, wenn er, umgeben von seiner Lehrlingsschar, eigenhändig den Hammer schwang. Keine Mühe war ihm zu groß, keine Arbeit zu schwer. Aber die engen Räume seiner Werkstatt genügten ihm nicht für seine Tätigkeit, auch größere Unternehmungen, wie Brückenbauten, führte er zur größten Zufriedenheit der maßgebenden Behörden aus. So war sein ganzes Leben ein wahrer vvn smp vorbildlich für unsere Jehudim in Stadt und Land. rrassn Giebelstadt b. Würzburg, 16. März. Am o'vLr?» 's p-'v Freitag, den 21. Februar, ging Frau Clara Pfeuffer ein crütfyn "ii nirn»^. Im 83. Lebensjahr, die älteste unserer rbnp, die Zweitälteste Einwohnerin des Ortes, schied sie von uns. Ein Wahrzeichen aus der in jüdischer Beziehung wohl wirklich besseren, alten Zeit, ein Beispiel lebender Tradition ist mit ihr dahin gegangen. In ihrer Jugend war sie sieben. Jahre im Hause des i>«-w'a J>vm, des alten Würzburger Raw, R. Seligmann Bär Vamberger — Das im Talmud oft gespendete Lob der 21 '21 «ns« traf vollkommen auf die Verblichene rry zu — und der viipn trn der von diesem Geisteshelden ausstrahlte, beschattete das ganze Leben dieser edlen Frau. Selbstlos und bescheiden, von tiefer Gottesfurcht getragen, kannte sie als höchste Aufgabe nur ivn ni*>’»a in des Wortes weitester Bedeutung und wenn sie die hatte,, alle ihre Kinder zu selten braven o' .im heranwachsen zu sehen, so führte sie selbst dieses immer wieder, vor allem auf das nw des alten Würzburger an zurück, dessen Lebensmaximen sie stets zu verwirklichen sich bemühte. — Wohl die gesamte Einwohnerschaft Giebelstadts, eine große Zahl auswärtiger Freunde und Verehrer'folgten der Bahre dieses n»y!>'n ntw und in beredten Worten nahmen Herr Rabb. Dr. Wohlgemuth, Kitzingen und Herr Lehrer Braomann, ’ Gaukönigshofen, Abschied von dieser edlen Matrone. Den Kindern, Enkeln und Urenkeln möge ihr mar beistehen, in ihrem Sinne weiter zu leben und weiter zu wirken. , Stadtlohn i. W.. 16. März. Heute fand anläßlich des Volkstrauertages in der hiesigen Synagoge eine Kriegsgefallenengedenkfeier für die Gemeinden Stadtlohn Ahaus und Vreden statt, bei der Herr Bezirksrabbiner Dr. Köhler aus Borken i. W. die Gedenkrede hielt. Anknüpfend an den laufenden Thoraabschnitt gedachte er aller gefallenen Helden, die im Weltkrieg für ihr Vaterland das Leben gelassen haben. Er ermahnte die Gemeindemitglieder, stets das Andenken der Toten zu achten und mitzuarbeiten als treue Bürger beim Aufbau des Staates. Jeder einzelne solle Mitwirken zum Frieden der Gemeinde, zum Frieden des Vaterlandes und zum Frieden der ganzen Menschheit. Mit einem innigen Gebete für das Seelenheil der gefällenen Gemeindemitglieder und aller Kriegshelden schloß die erhebende Feier. Vermischtes. Subolica, 10. März. Am 7. Adar veranstaltete die.! hiesige man o"v wo täglich iisv gelernt wurde,' im An-' schluß an einen von unseren -verehrten Herrn Oberräbbiner? geleiteten öffentlichen btBbs ein wohlgelungenes Sijümfest. Bei der Festtafel hielt der Herr Oberrabbiner einen Vortrag, der tiefe min; "m mit geistreichen- und zu Herzen gehenden MMarworten verband. Es sprächen Wch die Herren Wolf Kleinstder ständige Vortragende des Vereins, sowie die Herren Schlesinger,. Sam.:'Ehrmann und 'Emil Adler. -;'U;?• &f> ' •/: ' ' ... -«£> CTY\"_ 4. - 'i.Aif . i 'Drod. .M März. Seit der Tätigkeit tzes waWngsausschMs pulsiert hier ein'' ganz Mderbs jüW ltbee»'Leben. Endoch rmrf» TiOmhrtrtöir» Gintrijites filrtftörii? früher Kültusbeamter in Ratcisdorf bei Bratislava, angestellt hat. Ein täglicher Gemorofchiur dieses Herrn feierte dieser Tage einen Sijum auf nav nao». Edle' Frauen sorgten für Speis und Trankr Herr Gelb faßte in seiner Rede den Anfang mit der Mitte und dem Schluß der nao» zusammen. Weitere. schöne Thorateden hielten die Herren Jgnac Beck, Artur Bock, Marek Schäm' und zum Schluß der Alterspräsident Jacob S. S.ch ö n.. Düsseldorf. 15, März. Einen glänzenden Derlausi nahm die diesjährige P u r i m f e i e r der Adaß Jisroel, dre m dem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal der Ludwrgsburg stattfand. Nach einem einleitenden,- vom Frau Marx mit großer Virtuosität vorgetragenen Kla-- vlerstuck und einem von Frl.Moritz einstudierten-Reigen von. Kindern der Religionsschule kam die „Megillas Esther unter Regisseur Schnieder vom Stadttheater' zur Vorführung. Es folgte die „fidele Gerichtssitzung", ein- ' studiert von Frau Marx, sodann ein Schornsteinfegerreigen, von Frl. Klein mann am-Klavier begleitet:. Daran reihte sich eine Parodie der Dreigrofchenoper, die „Drerschekeloper" (verfaßt von Rfdr. Pfeiffer), die in humoristischer Meist- Szenen aus dem Killeleben auf die Bühne brachte. Weiter gaben Regisseur Schnieder und A. Sulzbach humoristische Vorträge zum Besten, den Schluß des Abends bildete die mit grotesken Bildern