Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1930)
- Date
- 1930-03-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Du Dauerwellen und Haararbeiten ist Vertrauenssache f EUGEN OCHS Spezialist dafür Moselstr. 16 ♦ Taunus 1593 Unverbindlich Besuch erbeten ■■■■■■■ waltung unabhängigen Kultusverbände und bestand bekanntlich darin, daß die Gemeinde von sich alle Betätigungen ausschaltet, die in die innerhalb der Judenheit bestehenden religiösen Differenzierungen eingreifen, und ihr für sich vorbehaltenes Tätigkeitsgebiet den religionsgesetzlichen Anforderungen entsprechend einrichtet. Diese Linie hat die Gemeinde in immer steigendem Maße verlassen. Ich erinnere aus den letzten Jahren nur an die Angelegenheiten: Bieberstraßen-Schule, liberaler Religionsunterricht und Tempelbau. Durch Einführung des Frauenwahlrechts verankert die Gemeinde vollends Bestimmungen in ihrer Verfassung, die nach den eigens von der Gemeinde eingeholten maßgebenden Gutachten gegen das Religionsgesetz verstoßen. Ich weiß, daß diese Schwenkung der Gemeinde mit mir vielen, sehr vielen Gemeindeangehörigen bitteren Seelenschmerz und schwersten Gewissenszwang bedeutet, und wenn sie dennoch das Gewissensjoch der Gemeindeangehörigkeit weitertragen, sie von ideellen Rücksichten und Befürchtungen geleitet werden, deren Gewicht ich keineswegs verkenne. Aber ich für meine Person halte mich für verpflichtet, zumal ich durch das Vertrauen meiner Gesinnungsfreunde berufen war, an sichtbarer Stelle in der Gemeinde zu wirken, nunmehr gegen diese fortgesetzte Unterdrückung der Orthodoxie und Mißachtung des altüberlieferten R e l i g i o n s g e s e tz e s vor aller Oeffentlichkeit und für alle Zeiten dadurch zu prote st ieren, daß ich hiermit mein Amt als Mitglied des Repräfen tantenkollegiums niederlege und unverzüglich mitsamt meiner Frau und Kindern meinen Austritt aus der Gemeinde vor dem Standesamt erklären werde. Sobald die Gemeinde zur vollen Respektierung des altüberlieferten Religionsgesetzes zurückkehrt, werde ich wieder gern und mit vollem Eifer an allen Aufgaben der Gemeinde teilnehmen. Da mit dieser Sitzung die Wahlperiode des Repräsentantenkollegiums beschlossen wurde, folgten noch die üblichen Schlußreden. Oesterreich. Die Aktion der Agudas Iisroel-Weltorganisation für den Sabbat. Wien, 14. März. Die Kenessio Gedaulo der Agudas Jisroel-Weltorganisation hatte im September v. Js. den Beschluß gefaßt, die neugewählte Exekutive mit einer energischen Aktion beim Internationalen Arbeitsamt in Genf im Interesse der durch die Zwangssonntagsruhe schwer geschädigten sabbattreuen Juden in den verschiedenen Ländern zu unternehmen. Die Exekutive hat demgemäß, nachdem die einschlägigen Fragen durch persönliche Konferenzen mit dem Leiter des Internationalen Arbeitsamtes, Mr. Albert Thomas, und den zuständigen Referenten besprochen waren, ein ausführliches Memorandum ausgearbeitet, das die einschlägigen Fragen nach der wirtschaftlichen, juristischen, religiösen und politischen Seite betrachtet und das der im Mai ds. Js. stattfindenden Internationalen Arbeitskonferenz vorgelegt werden soll. Die Landesorganisationen der Agudas Jisroel in den verschiedenen Ländern werden bemüht sein, die beteiligten Regierungen für die Forderungen der A. I. zu gewinnen. Auch der „Weltverband Schomre Schabbos" hat sich auf Ersuchen der Agudas Jisroel. bereit erklärt, deren Eingabe an das Internationale Arbeitsamt durch ein Vorgehen in gleichem Sinne zu unterstützen. Polen. Proteste in Polen. Warschau, 14. März. Im Hinblick auf die Nachrichten, die über die polnische Grenze aus Rußland kommen und die allen Dementis zum Trotze durch Flüchtlinge und Privatbriefe bestätigt werden, hat das Rabbinat den 13. A d a r für alle Gemeinden Polens zu einem erhöhten Fasttag und einem Tage der Buße und Wohltat bestimmt. In ganz Polen und Litauen wurde die Verordnung strengstens eingehalten (siehe auch Wochenrundschau). liebet die jüdische Politik in Polen. Warschau, 14. März. - In einem Gespräche mit Zeitungsvertretern äußerte sich Herr I. M. L e v i n über die Bedeutung des Wahlausganges im Sandomirer Kreis, wo sich bekanntlich die Orthodoxie der Abstimmung ferngehalten hat. „Die Zeiten der Grünbaum'schen Hegemonie und Diktatur über das polnische Judentum," sagte Herr Lewin, „sind vorbei. Eine Wahloereinigung kann nur auf der Basis vollkommener Gewissensfreiheit zustande kommen. Wenn die zionistischen Führer dieses nicht einsehen, wird der Niedergang der Autorität der jüdischen Parlamentsvertretung unaufhaltsam sein." Inzwischen hat der Jüdische Club anstelle von Grünbaum F a r b st e i n zum Vorsitzenden gewählt. Der Deputierte Rosmarin und Senator Schreiber traten scharf gegen Farbstein und Grünbaum, wie überhaupt gegen die zionistisch-misrachistische Politik im Jüdischen Club hervor. Mit 8 Stimmen seiner Gesinnungsgenossen gegen 3 wird aber Farbstein zum Vorsitzenden gewählt. Amerikanische Hilfe. Warschau, 14. März. Ueber die amerikanische Hilfsaktion für die polnische Judenheit spricht sich das „Jüdische Tageblatt" seh^ skeptisch und pessimistisch aus. Der „Verband der polnischen Juden in Amerika," dem Rabbi Stephan W i s e sehr nahe steht, stellt Wünsche und Bedingungen an die polnische Regierung, die ganz und gar nicht im Interesse 1 der polnischen Judenheit, am wenigsten im Sinne der Gesetzestreuen sind. Die Amerikaner wünschen, daß Adalbert, ein Vertrauensmann der Zionisten, als Referent für jüdische Angelegenheiten ins Bildungsministerium berufen werde . Stephan Wife besteht auf einer von der polnischen Regierung einzuberufenden jüdischen Konferenz mit Grünbaum als Referenten und Berater. Sodann wettert Rabbi Wise dagegen, daß von Amerika planlos Gelder an die „polnischen Schnorrer" geschickt werden. Wer diese amerikanischen Vormünder berechtigt und beauftragt hat, in diesem Tone von den polnischen Juden zu sprechen und solcherart über sie zu verfügen?, fragt das Blatt, und wir schließen uns dieser Frage an, freilich ohne Hoffnung, eine sachliche und befriedigende Antwort zu erhalten. Litauen. Für die Jabne-Vervegung in Litauen. Kowno, 14. März. Eine allgemeine Rabbinerkonferenz in Litauen, die sich vornehmlich mit der Frage der jüdischen Kinder- und Volkserziehung in Litauen befaßte, tritt mit einem wirksamen Aufruf zur Förderung des „Jabne", dieser Zentrale der jüdischen Erziehung in Litauen, hervor. „Schwer drückt die wirtschaftliche Lage," heißt es darin, „auf die litauische Judenheit. Irdische Güter und Besitztümer lassen sich, wenn sie zerstört sind, in einer günstigeren Zeit wieder aufbauen. Ist aber das geistige Leben zerstört, dann gibt es später keine Wurzel mehr, aus der der Baum von neuem erblühen könnte. Litauen marschierte durch lange Generationen an der Spitze des jüdischen Geisteslebens, es war ein Reservoir der geistigen Kraft für die gesamte Diaspora, und das Weltjudentum hat eine Dankesschuld an das jüdische Litauen abzutragen. Seit zehn Jahren arbeitet die Zentrale „Jabne" mit ihren Schulen, Jeschiwoth, Chedarim. Jugendvereinen und Jugendschriften unter größter Aufopferung daran, die vom Kriege verursachten geistigen Schäden nach Möglichkeit wieder gut zu machen. „Jabne" ist eine Angelegenheit, die jeden jüdischen Vater und jeder jüdischer Mutter in gleicher Weise angeht. Mögen alle im In- und Auslande das anerkennen und das Lsbenswerk der litauischen Judenheit, mittelbar der Gesamtjudenheit, zu retten helfen." Neben dem Präsidium mit dem Kownoer Raw an der Spitze, sind die Rabbiner sämtlicher jüdischer Gemeinden' in Litauen unterschrieben. Wir empfehlen unsererseits den Hilferuf der Beachtung auch der deutschen Judenheit. Rutzland. Anklagen und Pressionen. Moskau, 12. März. Gegen den 68jährigen bekannten hebräischen Schriftsteller Leon Rabinowitsch, den früheren langjährigen Redakteur der hebräischen Tageszeitung „Hameliz". wurde wegen einiger von ihm in der Newyorker jiddischen Tageszeitung „Tog" (The Day) veröffentlichten Artikel Anklage wegen Spionage und Verleumdung des Sowjetregimes im Auslande erhoben. Auf diese Delikte steht in Sowjetrußland sehr hohe Gefängnisstrafe. — Leon Rabinowitsch wurde bekanntlich im Oktober 1929 zusammen mit allen Mitgliedern des Vorstandes der Leningrader Jüdischen Gemeinde, dem er auch angehört, wegen angeblich gesetzwidriger Sammlung von Meldern zur Renovierung der Großen Synagoge verhaftet und befindet sich zusammen mit seinen Vorstandskollegen noch heute in Haft. Die Synagoge ist inzwischen beschlagnahmt worden. Die seit 1914 in Leningrad existierende jüdische Hilfsgesellschast „Jekopo", die eine rituelle Küche für unbemittelte jüdische Studenten, ein jüdisches Altersheim und andere Wohlfahrtsinstitutionen in Leningrad unterhalten hat, ist von der Sowjetbehörde für aufgelöst erklärt worden. (ITA.) Der Antipesiach-Aeldzug in der Sowjetunion eingeteitet. Moskau, 13. März. Die Liga der Atheisten hat ihre Kampagne unter der jüdischen Bevölkerung gegen das Pessachf e st offiziell eingeleitet. Sie hat an alle ihre Ortsgruppen Instruktionen versandt, in denen darauf hingewiesen wird, daß in diesem Jahre das jüdische Pessachfest m't den christlichen Ostern zusammenfällt und daß sonach die beste Gelegenheit besteht, eine solidarische christlich-jüdische antireligiöse Front gegen die Feier von Pessach und Ostern zu bilden. Die Atheisten in allen Orten werden angewiesen, in der Nacht vom 19. zum 20. April, also am ersten Seder-Abend, antireligiöse Straßenkundgebungen mit Fackelzug zu veranstalten, bei denen antireligiöse Losungen ausgegeben werde sollen. Am ersten Pessachtage. sollen durch Radio antireligiöse Ansprachen verbreitet werden. Auch soll in Plakaten die Bevölkerung überall zur Nichthaltung des Pessach aufgefordert werden. Die gesamte Antipessach-Kampagne, heißt es in der Instruktion, soll zur Stärkung der Propaganda für Schließung von Synagogen und Kirchen und für entsprechende Aufforderungen an die staatlichen Behörden benutzt werden. — Gleichzeitig versandte das Zentralkomitee der Atheisten-Liga an die Provinzkreise ein Zirkular mit dem Ersuchen, bei der Propaganda für Schließung von Andachtsstätten nicht bis ins Extreme zu gehen. Es heißt darin: Die Schließung von Synagogen und Kirchen soll, wenn sich die Mehrheit der Bevölkerung ihr widersetzt, nicht durch administrative Gewalt vollzogen werden, sondern es soll die Propaganda zur Gewinnung der Mehrheit der Bevölkerung verstärkt werden. Die jiddische Tageszeitung „Emeß" veröffentlicht einen neunfpaltigen Artikel, in welchem Weisungen, wie die Antipessach-Kampagne zu führen sei, gegeben werden. An die jüdische Bevölkerung richtete „Emeß" die Aufforderung, die Pessach-Tage zur Stärkung der Propaganda für den Jndustrialisiernugs-Fonds zu benutzen und freiwillig ihren Besitz an Wertgegenständen des religiösen Dienstes für diesen Fonds herzugeben. Die Bevölkerung wird ferner aufgefordert, kollektiv aus den jüdischen Gemeinden, wo solche Gemeinden noch bestehen, auszutreten. Wie der JTA-Vertreter erfährt, beabsichtigen die jiddifchen Zeitungen und die Atheistenkreise, sich in diesem Jahr nicht auf den Kampf gegen das Mazzoth-Essen zu konzentrieren, da es ohnehin keine Mazzoth geben wird, sondern darauf, daß im Verlauf der Pessach-Woche die bei den Juden noch vorhandenen religiösen Gegenstände aus Messing, Silber und Gold dem Industrialisierungs- Fonds zugeführt werden. Die Zeitung „Emeß" versandte Instruktionen dieses Inhaltes an alle ihre Provinz-Korrespondenten. Es wird ein neuer Zoll für aus dem Auslands eingeführte Mazzoth angekündigt, der 10 Rubel pro Kilo und zusammen mit weiteren Steuer- und Zollgebühren etwa drei Dollar pro Pfund ausmachen'wird. De Wgenin. [gen g fron 1 den ij Katzsri die 33 Lenin wurde Lenin uerha illegal Auslo Rabb warte ftandt fang wurd Haber nago. in £ oieru stand der € Lenir eine Dr. schen samn Goo! 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